Unser erster Unterricht

Am Dienstag waren wir dann schon darauf eingestellt, erst gegen 9.30 Uhr runterzugehen und verbrachten die Zeit nach dem Frühstück deutlich entspannter. Gemeinsam mit den beiden Däninnen, Eddie, Johanna und Sophia machten Luise und ich uns dann auch pünktlich nach der „african time“ auf den Weg. Ich ging davon aus, dass die beiden Däninnen heute den Unterricht machen würden, doch nachdem wir Deutsche uns gesetzt hatten, verschwanden sie und murmelten nur etwas davon, dass sie die Schränke der Kinder beschriften würden. Für mich war das in Ordnung, eine weitere Stunde Kiswahili mit Eddie wäre interessant und morgen würden wir dann sicher sehen, was die beiden so in Englisch mit den Kindern machten. Da hatte ich mich aber gewaltig getäuscht.
Eddie fing an den Unterricht wieder mit „Wi“-„Wa“ und dem Lied an. Als er fertig war, sah er uns fragend an: „Und was unterrichtet ihr jetzt?“. Etwas baff sahen wir uns an. Ich war schon Nahe dran ihm zu erklären, dass das nicht so einfach sei, einfach aus dem Stegreif das erste Mal zu unterrichten, da sprang Luise auf und meinte ganz locker „Wir machen heute die Früchte auf Englisch!“. Und ehe ich mich versah, standen wir beide vorne vor der Klasse. Der Unterricht lief besser als erwartet. Wir fragten, welche Früchte die Kinder auf Englisch und Swahili kannten und kriegten mithelfe von Eddie und den älteren Schülern, fast immer die richtige Übersetzung und Schreibweise hin. Schnell hatten wir die ganze Tafel mit Früchten gefüllt und weiteten das Begriffsfeld auch auf Gemüse auf. Als den Kindern und uns keine Früchte mehr einfielen, wussten wir nicht so ganz weiter, also orientierten wir uns an der einzigen Stunde, die wir gesehen hatten, und gingen wie Eddie am Montag vor. Ich wiederholte die Begriffe und ließ die Kinder die englischen Wörter nachsprechen. Daraufhin sollten sie die ganzen Vokabeln abschreiben. Da die Kinder dies gewohnt waren und einige schon während der Besprechung damit angefangen hatten, war Janualy, der Junge der schon 3 ½ Jahre die Schule besucht hatte, schon nach wenigen Minuten fertig. Auf so was waren wir noch weniger vorbereitet, also gaben wir ihm unser Deutsch-Swahili Buch und er hatte zum Glück viel Spaß dabei die Früchte auf Deutsch rauszusuchen und zu versuchen auszusprechen. Auch die anderen Kinder brauchten viel Betreuung, manche konnten ja noch nichtmal Buchstaben schreiben. Also kamen uns Johanna und Sophia zu Hilfe und auch Eddie ging rum.
Nach knapp 1 ½ Stunden Unterricht, waren die meisten Kinder fertig und wir gingen nach draußen, um zu spielen. Da Eddie uns schon am ersten Tag nach Spielen gefragt hatte, hatten wir uns hier schon vorher ein paar Gedanken gemacht. Luise hatte die Idee Ochs am Berg zu spielen, was wir auch versuchten. Wir erklärten das Spiel Eddie auf Englisch und er übersetzte es für die Kinder auf Swahili. Aber irgendwie hatten sie es nicht richtig verstanden und ein paar Kinder hielten sich nicht an den Regeln, also kehrten wir ganz schnell zu „Bange Bif“ und „Panya na Paka“ zurück. Nach dem gemeinsamen Spielen ging Eddie wie am Tag zuvor relativ bald nach oben und wir verbrachten noch eine Stunde mit den Kindern, wo ich und Kamba, ein sehr aktiver Junge, mit einem Autoreifen spielten. Er versuchte darauf zu balancieren und ich half ihm dabei. Das Ganze artete immer mehr in Toben aus und es war großartig einfach ein bisschen Blödsinn zu machen und wie herzlich Kamba dabei lachte.
Als wir zum Mittagessen wieder hochgingen, meinte Luise, dass unsere erste Stunde eigentlich ganz gut war. Ich fühlte war aber nicht wirklich zufrieden damit. Selber hatte ich immer diese Art von Unterricht gehasst: erst Frontalunterricht und dann Abschreiben. Doch Johanna beteuerte, das Abschreiben halt eine der gängigsten Methoden waren, um Kindern das Schreiben und neue Vokabeln beizubringen. Aber meinem etwas übertriebenen, perfektionistischen Anspruch genügte diese Stunde irgendwie nicht. Aber es sollten ja noch viele weitere Stunden folgen, mal ähnliche, mal komplett andere.