Über mich

Für ein halbes Jahr bin ich hier in Mwanza, um bei Fonelisco im Kinder- und Jugendheim zu arbeiten. Eigentlich war für mich schon immer klar, dass ich nach dem Abi einige Zeit im Ausland verbringen möchte. Nach einem Schulaustausch mit der Lyakirimu Sec. School in Moshi, stand für mich fest, dass „das Ausland“ Tansania sein soll. Über die Nichte eines Arbeitskollegen meines Vaters kam dann der Kontakt zu Fonelisco e.V. zustande. Und jetzt bin ich hier, arbeite mit den Kindern und hoffe viel von Tansania zu entdecken.
Schon in den ersten 1 1/2 Wochen, die ich inzwischen hier bin, habe ich durch das einfach andere Leben und die neuen Aufgaben und Menschen, viel über mich gelernt und merke, wie ich mich verändere. Wenn ich mich also hier vorstellen will, ist das gar nicht so einfach. Auch hier bin ich noch 18 Jahre alt, aber viele andere Sachen sind in meinem Leben hier bei Fonelisco, einfach nicht mehr so im Vordergrund.
In Deutschland habe ich gerade mein Abi fertiggemacht und versuche, so gut es geht, meine neue Freiheit zu genießen. Ich liebe Bücher und Musik, besonders Punk, Rock und Hip Hop aber auch alles andere was groovt. Ich gehe ziemlich häufig auf Konzerte und mache alle möglichen anderen Sachen it Freunden, wie eigentlich jeder in meinem Alter. Ich spiele Geige und E-Bass und mache Leichtathletik.
Eigentlich müsste ich sagen, das alles habe ich gemacht, denn jetzt bin ich hier in Mwanza, und irgendwie ist das alles auch noch ein Teil von mir, aber mein Leben hier ist jetzt anders, aufregend und neu, da sind diese Sachen eher im Hintergrund.
Hier in Mwanza höre ich ziemlich gerne Reggae aber auch Hip Hop, besonIMG_3018ders wenn die Kinder von Fonelisco dazu tanzen (und mir versuchen das auch beizubringen.) Ich liebe es in der Vorschule zu unterrichten und habe schon tausend Ideen was ich gerne mit den Kindern machen würde. Die Freude, wenn ich schweißgebadet und zugestaubt, vom Fußball spielen komme, gleicht der, die ich beim Pogo eines besonders gutem Konzerts habe. Und wenn ich nachts nicht schlafen kann, höre ich lieber Kinderlieder auf Swahili oder lausche gleich der Geräuschkulisse von draußen, die je nach Uhrzeit von dschungelähnlichem Vogelgezwitscher, heulenden Hunden oder einem weit entferntem Muezzin bestimmt wird. Ich laufe so viel barfuß, wie noch nie in meinem Leben zuvor und möchte am liebsten gar keine Schuhe mehr anziehen. Chapati und Reis mit Bohnen sind meine neuen Lieblingsgerichte und manchmal bekomme ich beim Daladala fahren ein Hochgefühl, das mich durch den ganzen Tag trägt. Manchmal habe ich auch Heimweh und vermisse, die Sachen die ich in Deutschland machen würden. Aber wenn ich dann am nächsten Morgen mit den kleineren Kindern tobe und in die leuchtenden Kinderaugen schaue, habe ich auch das für die nächste Woche vergessen.