Türchen Nummer 22

Geflüchtete in Tansania

120.000 Menschen beantragten im Jahr 2017 in Tansania Asyl. In Deutschland waren es 2017 in etwa 220.000 Anträge. “Das sind ja fast doppelt so viele, da haben wir es mal wieder”, hört man es schon tönen. Das mag sein, aber in Relation hierzu sollte man sich einmal die Bruttoinlandsprodukte der beiden Länder im selben Jahr anschauen: Während Tansania ein solches in Höhe von 52,09 Milliarden Dollar aufwies, kam Deutschland auf 3,677 Billionen US-Dollar, also etwa 700 mal so viel.

Um das wirtschaftliche Defizit auszugleichen, ist Tansania dringend auf die Hilfe des UNHCR (Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen) angewiesen, die im Westen des Landes Flüchtlingslager betreiben. Geflüchtete in Tansania kommen insbesondere aus der Demokratischen Republik Kongo und Burundi. Im Kongo herrscht seit vielen Jahren Bürgerkrieg. Auch in Burundi war dies lange der Fall, viele Hutu flohen bereits seit 1972 vor ethnischen Säuberungen durch die Tutsi nach Tansania. Ab 2007 wurden 220.000 damals aus Burundi Geflüchtete etappenweise eingebürgert. Seit 2015 fliehen erneut viele Menschen aufgrund der Unruhen rund um die Präsidentschaftswahlen in Burundi. Neben dem Kongo und Burundi war auch Ruanda lange Zeit ein Herkunftsland Geflüchteter. Insgesamt nahm Tansania etwa 1,5 Millionen Geflüchtete allein zwischen 1993 und 2000 auf.

Warum fliehen so viele Menschen nach Tansania? Ein Grund ist natürlich die geographische Nähe Tansanias. Schließlich schätzt man, dass etwa 79% der Geflüchteten auf dem afrikanischen Kontinent in Zentral- und Ostafrika beheimatet sind. Aber es ist auch die vergleichbar hohe politische Stabilität Tansanias, die den Staat zu einem der Hauptaufnahmeländer von Geflüchteten machten. Zum anderen erkannte Tansania bereits früh, welche Chance der Bevölkerungszuwachs in wirtschaftlicher Hinsicht bedeuten könnte. Aber auch in Tansania gibt es viele Debatten um Migration, auch hier fürchten sich Personen vor einem Mangel an Arbeitsplätzen oder Kriminalität. Viele Migranten kommen nur in Lagern unter, die Integration ist für einen finanzschwachen Staat wie Tansania eine gewaltige Aufgabe. Und trotzdem können wir sehr viel von den Tansaniern lernen, wie sie sich dieser Herausforderung stellen. Es zeigt aber auch, dass wir über den europäischen Tellerrand hinausblicken sollten, denn nicht nur Europa muss sich mit Integration und Migration auseinandersetzen. “Fluchtursachen bekämpfen” wird überall gepredigt. Aber was heißt das überhaupt? Die Antwort darauf würde diesen Rahmen sprengen. Aber ein wichtiger Bestandteil hiervon ist die Prävention. Allzu oft ist Armut der Ursprung für Konflikte. Genau hier versuchen wir anzusetzen. Tansania ist keines der Länder, die wir automatisch mit Migration verbinden. Und das soll auch so bleiben. Schafft man es, Tansania langfristig durch nachhaltige Entwicklungshilfe zu mehr Autarkie zu verhelfen, so kommt dies letztlich der gesamten Region zugute. Einen kleinen Beitrag hierzu wollen wir mit FONELISCO leisten.

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Für mehr Informationen rund um die Situation von Geflüchteten: https://fluchtforschung.net

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