Türchen Nummer 17

Sundi – ein Mädchen mit Albinismus aus Mwanza

Heute möchten wir euch Sundi vorstellen. Sundi ist ein fröhliches Mädchen. Sie ist neun Jahre alt und besucht eine Grundschule in Mwanza. Sundi fällt unter ihren Mitschülern auf. Ihre Haut und ihre Haare sind hell. Sundi hat Albinismus. Ihrem Körper fehlen Farbpigmente, sie produziert kein oder wenig Melanin. Während in Deutschland ca. eine Person von 20.000 Albinismus hat, so ist, Schätzungen zufolge, das Verhältnis in der Region rund um Mwanza in Tansania 1 zu 1.400.

 

Als Sundi vor neun Jahren, im Jahr 2010, geboren wurde, da war ihr Aussehen für ihre Eltern ein Schock. Sundis Eltern haben beide dunkle Hautfarbe. Sie wussten nicht, dass sie beide Träger des Albinismus-Genes sind. Doch vor allem wussten sie nicht, wie umzugehen mit diesem kleinen, weißen, schutzlosen Kind. Das Jahr 2010 war kein gutes Jahr, um in Mwanza als Kind mit Albinismus geboren zu werden.

Sundis Eltern sind Wasukuma. Im tradionellen Glauben dieses Stammes spielt die Farbe Weiß eine besondere Rolle. Ein auch bei anderen Stämmen verbreiteter Aberglaube besagte „Albinos“ seien keine Menschen, sondern Geister. Dies machten sich kriminelle Witchdoctors („Hexendoktoren“) zunutze, als sie ca. im Jahr 2006 ein grausames Geschäftsmodell erfanden, indem sie behaupteten, aus Körperteilen von Menschen mit Albinismus könnten sie „Medizin“, also „Zaubertränke“ oder -pulver, herstellen, welche ihren Kunden zu Reichtum wie z.B. höherem Fischfang, Goldfunden oder Wählerstimmen bei Wahlen verhelfen würden. Bis zum Jahr 2015 sind in Tansania deshalb zahlreiche Morde an Menschen mit Albinismus verübt worden. In anderen Ländern wie z.B. Malawi, Mali oder Südafrika hat es sogar im Jahr 2018 noch Morde an Menschen mit Albinismus gegeben. Nicht so in Tansania. Dort verbessert sich die Lebenssituation für Menschen mit Albinismus zunehmend. Gerade in Mwanza erkennt man das. Die Menschen mit Albinismus kehren ins Stadtbild zurück.

Als Sundi im Jahr 2010 geboren wurde, haben ihre Eltern eine mutige Entscheidung getroffen. Sie haben ihr Kind bei sich behalten. Andere Familien haben ihre Kinder mit Albinismus in Zentren der Regierung gebracht, wo manche bis heute weit weg von ihrer Familie leben. Auch in der Region Mwanza gibt es eine Schule, in deren Internat über 100 Kinder mit Albinismus zu Hause sind. Die Mitindo Primary School. Die Kinder dort leben fern der Stadt, abgeschirmt und geschützt hinter zwei Zäunen. Sie mögen physisch sicher sein. Doch was für ein Leben ist das?

Sundi konnte bei ihrer Familie aufwachsen. Stigma und Ausgrenzung kennt sie dennoch. In der Schule muss sie ganz vorne in der ersten Reihe sitzen. Denn ihre Augen sind schlecht. Das Sehvermögen ist bei Menschen mit Albinismus eingeschränkt.

Auch kann Sundi nicht lange mit ihren Freunden in der Sonne spielen. Ihre Haut hat keinen natürlichen Schutz gegen die UV-Strahlen der Sonne. Sonnencreme ist für sie überlebenswichtig.

Anmerkung:
Sundi ist ein fiktiver Charakter, basierend auf den Recherchen von Ramona Seitz für ihre Multimedia Graphic Novel über Albinismus. Sundi ist die Protagonistin der Graphic Novel und die Geschichte geht so:

Sundi findet in der kleinen Bibliothek ihrer Schule ein Buch, welches Lebensgeschichten von erfolgreichen Menschen mit Albinismus enthält. Das Mädchen beginnt darin zu lesen. In Comics-Journalismus-Manier schildert die Graphic Novel die Lebenswege von erfolgreichen Tansaniern, die Albinismus haben. Zwischen den einzelnen Kapiteln tritt Sundi auf und kommentiert, was sie gerade gelesen hat. Sundis Selbstbewusstsein steigt und sie schöpft Mut für ihr eigenes Leben.

Sundi ist die einzige fiktive Protagonistin der Graphic Novel. Die Protagonisten der einzelnen Kapitel sind reale Personen mit Albinismus.

Ramona Seitz hat für ihre Multimedia Graphic Novel drei Jahre recherchiert und war allein im Jahr 2018 vier Monate vor Ort in Tansania. Ihre Recherchen wird sie in Kürze unter anderem auf riffreporter.de veröffentlichen. Im Mai 2019 werden Auszüge aus ihrer Graphic Novel über Albinismus im Rathausfoyer in Würzburg ausgestellt.

Die Comic-Zeichnungen hat der tansanischer Künstler Marco Tibasima angefertigt.