Swahili

IMG_2640Swahili, Suaheli, Kiswahili, Kisuaheli – jeder hat schon einmal von dieser Sprache gehört, der wohl bekanntesten indigenen Sprache Afrikas!
Keine dieser Bezeichnungen ist für sich falsch, die korrekteste wäre jedoch „Swahili“. Dies ist der Wortstamm, der an die für Sprachen verwendete Vorsilbe ki- in der Sprache selbst angehängt wird.
So fern diese Sprache scheinen mag, die meisten von uns hatten schon einmal Kontakt mit ihr. Wie? Kennen Sie den Film König der Löwen? Dieser Kinderfilm, dessen Szenerie zum größten Teil an die Landschaft Tansanias angelehnt ist, ist durchzogen von afrikanischen Sprachen, insbesondere dem Swahili. Hakuna Matata gesungen von Simba, Timon und Pumbaa bedeutet nichts anderes als Es gibt keine Sorgen auf Swahili, Simba heißt Löwe, Rafiki bedeutet Freund. Und das ist nur eine Auswahl an Beispielen… Wer Swahili versteht, wird diesen Film noch einmal neu entdecken!

 

 

Allgemeines

Swahili ist de jure nicht die offizielle Amtssprache, de facto aber noch vor dem Englischen die vorherrschende Nationalssprache Tansanias. Nicht nur der Alltag, auch die Politik und Verwaltung arbeitet auf Swahili. Schätzungen der insgesamt in Tansania gesprochenen Sprachen belaufen sich auf etwa 130 verschiedene Stammessprachen. Doch ein jeder Tansanier spricht das Swahili in der Regel flüssig, neben mindestens noch einer weiteren Stammessprache. Insgesamt wird das Swahili in 12 verschiedenen Ländern gesprochen, unter anderem in Kenia, dem Kongo, Uganda, Ruanda und Burundi. Etwa 80 Millionen Menschen in Ostafrika sprechen Swahili. Doch in keinem anderen Land der Welt hat es einen ähnlichen Stellenwert wie in Tansania.

Geschichte

Das Wort sāhil ist arabisch für Küste. Das Swahili ist ursprünglich die Sprache der Ethnie der Waswahili, die an der Küste und den Inseln Ostafrikas lebt(e). Bereits vor der Kolonialzeit verbreitete sich das Swahili durch die von den Küsten ausgehenden Karawanenrouten schnell ins Landesinneren. Denn die Waswahili waren es, die aufgrund ihrer günstigen Lage am Indischen Ozean leicht Zugang zu den begehrten Waren der Araber bekamen.
Diese bereits gegebene Verbreitung nutzten die britischen und deutschen Missionare ab Mitte des 19. Jahrhunderts und verwendeten das Swahili als Sprache der Bekehrung.
Für die christlichen Missionare problematisch war die starke Präsenz des Arabischen im Swahili, eine Verkörperung des Islam. Um dem entgegenzuwirken, gaben sie der Sprache die lateinische Schrift und versuchten die arabischen Fremdwörter (mit bescheidenem Erfolg) zu verbannen. Zusätzlich bantuisierten sie die Sprache. Bantu, das ist der Ursprung vieler ostafrikanischer Sprache, so wie wir in Europa romanische Sprachen verwenden. Diese Grammatikstruktur findet sich bis heute stark verwurzelt.
Während der deutschen Kolonialherrschaft (1891-1918) scheiterte eine Etablierung des Deutschen, sodass man schnell auf das Swahili zurückgriff. Zur besseren Nutzbarkeit der Sprache förderten die Deutschen die Ausbildung einer einheitlichen Grammatik. Zum Ende der Kolonialzeit war das Swahili in Ostafrika weit verbreitet und stark vereinheitlicht worden: Das Swahili war etabliert. Und zwei kleine Relikte aus dieser Zeit finden sich im Vokabular des Swahili: Die Worte shule und hela (Geld, abgeleitet vom deutschen Wort Heller).
Während der englischen Kolonialzeit war das Swahili weiterhin die Alltagssprache, auf offizieller Ebene erhoben die Briten das Englische zur Amtssprache.
1961, mit der Unabhängigkeit Tanganyikas, erfuhr das Swahili dank seines Förderers Julius Nyerere einen gewaltigen Bedeutungsgewinn: Swahili wurde Nationalsprache. Nyerere bediente sich des Swahili, um die Menschen, die sich plötzlich innerhalb künstlicher Grenzen als eine Nation zusammengewürfelt vorfanden, zu vereinen. Er stärkte damit das Gemeinschaftsgefühl und verhinderte die Entstehung von Tribalismus.
Alltagssprache, Sprache der Politik, Justiz und Verwaltung sowie die der Grundschule, nur die weiterführenden Schulen blieben auf Englisch: So wollte Nyerere Tansania wettbewerbsfähig halten – Ein Schritt, der bis heute heiß diskutiert wird und von dem sich mittlerweile eine baldige Abkehr abzeichnet. Dennoch, das Swahili war noch nie wichtiger gewesen in Tansania als heutzutage. Eine Sprache, die eine Nation geeint sind und die Bevölkerung mit Stolz erfüllt!

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Swahili ist der Schlüssel zur kulturellen Annäherung in Tansania. Auch mit Englisch kann man sich gut durchschlagen, auch wenn das Englisch vieler Tansanier brüchig ist. Das Bemühen aber, sich mit der Nationalsprache Swahili zu beschäftigen, wird einem sehr hoch angerechnet und ruft Begeisterung hervor. Und außerdem macht es riesigen Spaß, diese Sprache zu lernen. Und hat man einmal angefangen, ist Swahili auch nicht allzu schwer.
Das Swahili ist eine Bantusprache mit einem hierfür typischen Nominalklassensystem. Das heißt, Nomen werden nicht nach Geschlecht unterteilt, sondern nach thematischen Klassen. So gibt es beispielsweise eine Klasse der Menschen oder eine Klasse der Dinge. Hiernach orientieren sich dann auch die Konjugation von Verben und die Angleichung von Adjektiven.
Der Wortschatz ist stark beeinflusst vom Englischen und Arabischen, zuweilen finden sich aber auch Vokabeln anderen Ursprungs im Swahili.
Wenn Sie sich für die Sprache interessieren, können Sie sich gerne per Mail bei uns melden, um Tipps zu bekommen. Einige Mitglieder des Vereins sind passionierte Swahili-Praktiker, denen es Spaß macht, bei Fragen weiterzuhelfen! Empfehlenswert ist jedenfalls der kostenlose Online-Crashkurs von Michael Baumeler, der einen kompakten Überblick über Funktionsweise und die wichtigsten Vokabeln des Swahili bietet. Genauso ans Herz legen möchten wir die kostenlose Android-App Mazoezi ya Kiswahili. Diese App wurde von dem Freiburger Stundenten Bernd Westphal entwickelt, der mit einigen Mitgliedern unseres Vereins gemeinsam Swahili-Unterricht nahm und bietet für unterwegs eine tolle Möglichkeit zum Einüben und Wiederholen der Sprache.

In diesem Sinne: Elimu haina mwisho!
Frei übersetzt: Man lernt, so lange man lebt!

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