Silvias Geschichte

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Beim Abendessen im Waisenhaus

Vor drei Jahren besuchten mein Mann, meine große Tochter und ich das Waisenhaus von Fonelisco in Mwanza. Luise, meine jüngere Tochter, verbachte dort ein halbes Jahr um dort zu arbeiten und Erfahrungen zu sammeln. Ich war ziemlich aufgeregt als wir gleich zu Beginn unseres Besuches zu einem Essen im Waisenhaus eingeladen wurden. Ein für mich fremdes Land und dazu noch Kinder, die mich nicht kannten und von denen ich nicht wusste, wie sie auf mich reagieren würden. Und Kiswuaheli, die Landessprache, konnte auch keiner von uns.

Vor dem Essen spielten die Kinder Fußball, wie alle Kinder dieser Welt, ausgelassen und mit großer Freude. Es wurde viel gelacht. Dann wurde es langsam dunkel und in der kleinen Kochhütte bruzzelten schon der Reis und die Bohnen auf dem Feuer. Ein bescheidenes Mahl, aber mehr war nicht drin bei so einer großen Kinderschar und der knappen Kasse im Heim. Die Köchin Theodora rührte mit ihrem großen Kochlöffel emsig in dem großen Topf und die Kinder schielten immer wieder in diese Richtung.

Als wir uns mit unseren Tellern in der Hand locker anstellten, gesellte sich ein etwa 3 jähriges kleines Mädchen zu mir. Dunkle Locken, ein rotes abgetragenes Kleidchen, keine Schuhe an den Füßen. Wir ließen uns einen dicken Löffel des Abendessens von der Köchin aufladen. Ich wollte gerade einen Sitzplatz suche, da schob sich die kleine Hand des Kindes in meine und führe mich zu einem Mäuerchen, auf dem schon andere Kinder saßen. Von dieser freundschaftlichen und gleichzeitig fürsorglichen Geste mir, dem fremden Gast gegenüber, war ich tief gerührt und sie ist mir bis heute unvergesslich. Man kann auch vor einem kleinen Kind großen Respekt haben.

Ich beobachtete sie also die ganze Zeit mit großer Neugier Ganz konzentriert leerte sie ihren Teller, jedes Reiskorn wurde mit Bedacht gekaut und auch der letzte Krümel verschwand blitzschnell im Mund der Kleinen. „Aha“, dachte ich „Essen ist hier eine ernste Sache“. Achtsamkeit, ein Begriff den wir in Europa ja gerade für uns wiederentdeckt haben, hat am Reistopf von Fonelisco einen ganz besonderen Wert. Wie auch nicht, wenn das Essen nie üppig ist und jedes Kind froh ist, jeden Tag etwas zu Essen zu bekommen (was für Straßenkinder, das die Kinder bei Fonelisco ja oft in ihrem Vorleben waren, nicht selbstverständlich ist). Meinen Teller habe ich ihr dann auch noch angeboten und jetzt weiß ich sicher, was ein Riesenappetit ist.

Nach dem Essen ließen uns die Kinder noch an ihrem Spiel teilnehmen. Rumtollen und Fangen Spielen waren angesagt. Und ich durfte das kleine Mädchen Eunice durch die Luft wirbeln. Beim Spiel war der ganze Ernst von vorher verflogen und wir hatten noch großen Spaß zusammen. Spielen ist eben auch hier eine lustige Sache, genau wie bei unseren Kindern.

Silvia Kratzer