Meine zweite Halbzeit bei Fonelisco: Der Ausflug mit den Kindern zum Sukuma Museum, eine kleine Reiseauszeit und der Abschied

img_20160806_185832Die Tage bei Fonelisco, an denen wir unterrichteten, Fußball und recht viel Uno spielten und malten, vergingen. Es war ein lustiger Spaß, sich mit den Mädchen die Nägel rot und pink zu lackieren, bei dem auch bald die Köchinnen miteinstiegen. Eines Abends machten Eddie und ich mit den Kindern ein Lagerfeuer, an dem gegessen, gesungen und Geschichten erzählt wurden. Grimms´ Märchen wurden ein wenig abgewandelt und statt des bösen Wolfes hatte nun Simba, der Löwe, Rotkäppchens arme Großmutter verschlungen. Es ist so nett zu sehen, wie gespannt selbst die größeren Kinder dabei zuhören.
In der Zwischenzeit habe ich angefangen, einige Unterrichtsstunden in Kiswahili in Mwanza zu nehmen und bin dafür morgens vor dem Frühstück mit dem Pikipiki an den Autos im Berufsverkehr vorbeigerauscht – ein Gefühl….;)
An Wochenenden habe ich teils das 2 Minuten zu Fuß entfernte sogenannte Uzima-Centre besucht. Dieses unterstützt Kinder mit der Diagnose HIV-positiv, an den Samstagen fand hier allerdings ein Arbeitsprojekt für ältere, teils verwaiste oder halbverwaiste, teils aus armen Familien kommende Jugendliche statt. Die Jungs zeigten mir, wie sie nur aus Papier und Leim Perlen herstellten, die Mädchen, wie sie die Perlen zu Ketten fädelten. Abhängig davon, wieviel sie schafften, bekamen sie ein „kleines Gehalt“ ausgezahlt.
Circa Anfang August hat Fonelisco Zuwachs von zwei kleinen Mädchen, zwei Schwestern, im geschätzten Alter von 2 und 4 Jahren bekommen. Nach anfänglicher Schüchternheit, haben sich die zwei immer besser eingelebt und die anderen Kinder kümmerten sich rührend um die Kleinen. Nach kurzer Zeit gingen wir mit ihnen zum HIV- Test, der gut verlief. Den meisterten sie trotz des kleinen Nadelpicksens in den Finger sehr tapfer.
img_20160821_173717An einem der letzten Tage bei Fonelisco spendierte ich für die Kinder und Staffmitglieder einen kleinen Ausflug. Mit zwei organisierten Daladalas fuhren wir zum im Umland von Mwanza liegenden Sukuma-Museum, die Kinder waren dabei unglaublich aufgeregt. Vor Ort wurden uns traditionelle tansanische Tänze, Trommelmusik und Schlangen vorgeführt. Anschließend gab es für jeden Soda. Die Kinder waren über diesen Tag so glücklich, dass sie während der Rückfahrt durchgehend lautstark sangen.
p1070849Bevor es wieder zurück nach München ging, hatte ich noch die Möglichkeit, für einige Tage zu verreisen. Ich schloss mich mit anderen jungen Leuten aus den USA, Frankreich und Deutschland zusammen, die in Mwanza Praktika machten, zusammen und wir unternahmen eine Safari durch den Serengeti Nationalpark und einen Kurztrip nach Sansibar, wo wir für eine Nacht in der Hauptstadt Stonetown blieben und drei weitere im Osten der Insel am wunderschönen Strand von Paje. Es war aber wirklich eine Umstellung, das Land Tansania nun als Tourist zu erkunden, wo man doch zuvor voll und ganz in den tansanischen Alltag integriert war und sich teilweise kaum mehr wie ein Europäer fühlte.
Ja, der Abschied fiel natürlich sehr schwer. Noch viel schwerer wurde er dadurch, dass am letzten Tag die übliche Voluntärsabschiedsparty stattfand, wodurch mir das Ende so drastisch vor Augen geführt wurde. Wir machten ganz viele Fotos, gingen an den Tunza-Strand am Viktoriasee, um eine Soda zu trinken, aßen Reis mit Fleisch zu Abend und hatten nette Abschiedsgespräche. Es war echt ein toller Tag, aber Abschied ist nie schön.img_20160824_184128
Diesen Eintrag rückblickend schreibend vermisse ich immer wieder viele Kleinigkeiten, die zum Bestandteil meines Fonelisco-Alltages gehörten: der kurze Weg vom Voluntärshaus zum Waisenhaus über eine Wiese, vorbei an manchen Häusern, Ziegen und Kühen, durch eine spielende Kindermenge, vorbei an einer Kirche, vor der sich die Kirchengemeinde häufig zum Singen und Tanzen versammelt – bis einen die Kinder vom Waisenhausgelände aus sehen und schon beim Namen rufen, das gemeinsame Abendessen mit den Kindern am Boden, mit den Fingern, von Blechtellern und vieles mehr.
Die andersartige Kultur Tansanias regt mich noch immer zum Nachdenken an, man hinterfragt Familie, Freundschaft, die Gesellschaft. Einerseits wünsche ich mir immer wieder, dass sich der Europäer ein wenig vom unglaublich offenen und herzlichen Umgang der tansanischen Menschen untereinander abschauen würde. Andererseits kann man zum Beispiel manche tansanische Auffassung von der Kindererziehung oder den weitverbreiteten Aberglauben nicht für gut heißen. Eigentlich können diese beiden, so unterschiedlichen Gesellschaften in so vielerlei Hinsicht nur voneinander lernen.
Das Voluntärsein bei Fonelisco wird wohl immer zu den – ich weiß nicht wie es sich am besten zusammenfassen lässt – schönsten, interessantesten und bereicherndsten Erfahrungen meines Lebens zählen.