„Joseph hat den Ball kaputt gebissen“

Hier kommt nun mit gaanz viel Verspätung mein allererster Blog-Beitrag. Heute ist Tag 18 meiner Reise und ich werde noch zwei weitere Monate hier verbringen. Die werden bestimmt genauso wunderschön wie meine ersten zweieinhalb Wochen. Ein kurzer Rückblick: am Abend des 29.9 bin ich mit zwei Wochen Verspätung hier in Mwanza angekommen. Grund für die Verspätung war meine Niere, die mir meine Reise aus irgendeinem Grund nicht gönnen wollte… Vorteil davon war aber, dass alle Sansibarbesucher nun schon vor mir angekommen waren und ich von Laura, Kilian und Juliane empfangen wurde. Am Airport hat mich natürlich erstmal Joseph willkommen geheißen, und das auf unglaublich herzliche Weise. Ich hab mich direkt zu Hause gefühlt. Direkt am ersten Tag ging es mit den Kindern zum Viktoriasee hinterm Malaika Hotel. Dort angekommen wurden als Belohnung für den langen Fußmarsch Karangas (oder wie man hier sagt: kalangas), Erdnüsse, ausgeteilt. Sogar der kleine Joseph, der gerade anfängt zu laufen, ist auf seinen Beinchen ziemlich weit gekommen.

Am Sonntag (Tag 2) sind Laura, Kilian und ich in die Kirche gegangen. Meine erste Daladalafahrt. Ich finde es faszinierend wie viele Menschen und Gemüsekörbe in so einen VW-Bulli-großen Bus gequetscht werden können. Die Sitze sind auch so klein, dass man zwangsweise mit auf dem Sitz des Nacharn sitzt. Eine Fahrt kostet weniger als 16 cent, unvergleichbar mit den überteuerten Hamburger Buspreisen, die ich sonst bezahlen darf. Die Kirche ist ein langes, flaches Gebäude ohne Hinterwand, stattdessen mit Plastikstuhlreihen bestückt, die bis nach draußen reichen. Wir besuchen den Gottesdienst auf Kiswahili, weil der Englische unmenschlich früh beginnt. Da wir hauptsächlich wegen der Musik hier sind, ist die Sprache auch nicht ausschlaggebend. Die Musik ist wirklich cool, nichts mit Orgelgejammer wie man es aus Deutschland kennt. Vorne sitzt eine Band, die moderne Stücke spielt und Gesprochenes musikalisch untermalt und daneben ein Gospelchor. Soo schön! Die machen richtig Stimmung und können mega gut singen. Der Gottesdienst beginnt mit der Band und dem Gospelchor und ich genieße es zum ersten Mal richtig in einer Kirche zu sein. Dann beginnt der Priester. Ich verstehe natürlich kein Wort, außer mungu, das heißt Gott, und das kommt recht häufig vor… Der Priester besitzt ein Mikro, was er aber nicht zu wissen scheint, denn er ist schon ohne so laut, dass es seine Worte zu einer unerträglichen Lautstärke verstärkt. Das stört scheinbar niemanden außer uns Dreien. Regelmäßig wird lauthals gelacht, geklatscht und gejubelt, er macht dauernd irgendwelche Witze, die ich äußerst gerne verstehen würde. Nach dem Gottesdienst fahren wir noch weiter in die Stadt und heben Geld für unsere Safari ab.

Abends findet bei Fone unsere Welcome-Party statt. Die Kinder tanzen zu den Tommeln und Pfeifen auf traditionelle Art und haben einen Riesenspaß. Ich bin einfach nur begeistert. Und die Stimmung ist großartig! Danach halten wir alle eine kleine Rede und werden auch von den Kindern willkommen geheißen.

Da ich müde bin und es spät ist, springe ich jetzt ganz dreist zu Tag 18. Heute haben wir mit den Vorschulkindern und allen Kleineren Autos aus Klopapierrollen und Flaschendeckeln gebastelt. Die Kinder haben die Rollen mit Tusche angemalt und draußen Stöcker gesammelt um die Räder zu befestigen.

     

Für uns war es etwas stressig, weil konstant mindestens drei Kinder gleichzeitig unsere Namen gerufen haben und dann auf Swahili erklärt haben was sie wollen. Das Klassenzimmer sah danach auch unmöglich aus, aber was soll’s, die Kinder hatten Spaß.

Nach dem Mittagessen gebe ich Spiele aus. ALLE wollen einen Ball. Es sind ganz schnell alle vergeben und ich habe drei jammernde Kinder vor dem office hängen, die hoffen, dass durch ein Wunder doch noch ein Ball auftaucht. Oder so…

Als wir später die Bälle wieder einsammeln wollen, liegt einer auf dem Grundstück des Nachbarn, zwei sind erstmal unauffindbar und Kamba erklärt uns, der kleine Joseph habe seinen Ball kaputt gebissen. Wir denken uns, ja genau, bis er tatsächlich mit einem kaputten Ball ankommt, der ein Loch in passender Größe hat…

Im Unterricht für die Pre-Secondary Jungs liegt das Lehrer-Schüler-Verhältnis heute bei 3 zu 4. Überflüssig, könnte man denken. Aber nein, wir haben englisches Singular und Plural gemacht und alle drei Gehirne gebraucht um auf passende Beispielwörter zu kommen. Das ist viel schwieriger als man sich das vorstellt! Wenn man die Wörter braucht, fallen sie einem partout nicht ein.

Abends feiert eine junge Frau ihren Geburtstag bei Fone. Wie jedes Jahr, wird mir gesagt. Man geht einzelnd nach vorne, zum „Geburtstagskind“, gratuliert, und bekommt ein Stück Kuchen in den Mund gesteckt. Das wird alles eifrig fotografiert. Irgendwie lustig, finde ich. Aber der Kuchen schmeckt sehr lecker. Davor und danach gibt es einige Reden und als es schon dunkel ist, wird Essen ausgegeben. Es besteht aus Pilau (gewürztem Reis) und Hühnchen. Ich als Vegetarierin bengnüge mich mit meinem Pilau und versuche möglichst elegant mit meiner Hand zu essen, was mir nicht wirklich gelingt. Es fällt fast nichts mehr daneben, aber gut sieht es noch lange nicht aus. Danach wird getanzt.

It’s way over my sleepy time, würde Juliane jetzt sagen. Ich mache hier Schluss und verabschiede mich bis zum nächsten Eintrag. Usiku mwema!