Ein volles Haus und viele Schulen

Den folgenden Blogbeitrag hatte eigentlich schon am 12.03.20 fertig gestellt. Da viel los war und vor allem wir leider die Entscheidung treffen mussten auf Grund von Corona frühzeitig abzureisen kam ich leider erst später dazu ihn hochzuladen, weshalb er nicht mehr auf dem aktuellen Stand ist. Über die Ereignisse und Veränderungen seit diesem Zeitpunkt und auch unserer Abreise werden Luisa oder ich nochmal in einem späteren Beitrag berichten.

 

Nach einer unfassbar schönen Safari und einem kleinem Kurzurlaub in Arusha und Moshi sind wir vor etwas mehr als einer Woche zurück in Mwanza angekommen. Seitdem hat sich einiges hier getan. Zum einen wird das Volontärshaus immer voller und voller mit Gästen, was mich persönlich sehr freut, da so immer was los ist und man mit vielen verschieden Menschen sprechen kann, zum anderen hat auch Fonelisco einen Zuwachs von 4 neuen Kindern bekommen, was sowohl uns als auch Joseph sehr glücklich macht.
Einer der Gäste im Volontärshaus ist John, ein ehemaliges Fonelisco-Kind, welcher jetzt in Dodoma studiert und hin und wieder herkommt, um seine Fonelisco-Familie zu besuchen. Abgesehen davon macht John mit großem Engagement Trommel- und Tanzworkshops für die Kinder bei Fonelisco, was diese mehr als begeistert. So auch am letzten Wochenende mit Unterstützung von Willie, ebenfalls einem ehemaligen Fonekind, das momentan bei uns wohnt. Nicht nur die Kinder hatten einen Riesenspaß, auch wir Zuschauer (Luisa, Viktor, Nora, Stepan und ich) verfolgten die Darstellung der Kinder gebannt und Luisa und Nora ließen sich sogar mitreißen mitzutanzen, was zur Belustigung einiger Kinder beitrug.
Außerdem war die aktuelle Woche vor allem von Schulbesuchen geprägt. Am Montag liefen wir alle gemeinsam mit Joseph und den Secondary-Kindern zur Secondary School und besichtigten diese. Sehr beeindruckend für mich war vor allem das morgendliche Nationalhymne-Singen, nach welchem wir uns alle anschließend vor der ganzen Schule vorstellen mussten. Als die Schule dann anfing, hatten wir die Möglichkeit uns den Englischunterricht der Form 4 (in Deutschland ungefähr Klasse 8) für eine Weile anzuschauen, was ich als sehr spannend wahrgenommen hab.


Der nächste Schulbesuch am Tag darauf in der Primary School lief weniger reibungslos ab. Direkt als wir ankamen wurden wir Zeugen, wie die Schuldirektorin einen Jungen unter unerträglichen Schmerzensschreien eine Tracht Prügel mit einem Schlagstock erteilte. Während Luisa und ich uns nach wenigen Sekunden von der Situation abwendeten, um dieses Szenario nicht mit ansehen zu müssen, hielt Viktor aus lauter Empörung seine Kamera drauf, um die Szene festzuhalten. Dies wiederum führte allerdings dazu, dass eine große Gruppe Lehrer schimpfend auf uns zukamen und uns klar machten, dass wir keine Fotos machen dürften. Eine ziemlich aufgebrachte Diskussion zwischen Eliza (einer Fonelisco-Mitarbeiterin), Viktor und den Lehrern entstand, bei der sogar mit der Polizei gedroht wurde. Letztlich wurden wir zu Direktorin ins Büro gebracht, wo die Diskussion einige Zeit weiter ging und die Direktorin uns dann bat, die Schule zu verlassen und ein anderes Mal ohne Kameras wieder zu kommen.
Vor allem für Luisa war dies eine große Enttäuschung, da sie sich als angehende Grundschullehrerin sehr auf diesen Schulbesuch gefreut hatte und große Interesse an dem Schulalltag der Primary Schools hier hat. Hoffentlich ergibt sich für sie noch eine Gelegenheit dies nachzuholen.
Einen Tag später ergab sich dann die für mich lang ersehnte Möglichkeit, eine Schule für Kinder mit Beeinträchtigung anzuschauen. Diese war ein ziemlicher Kontrast zu allem, was wir an Schulen in Deutschland aber auch hier bisher kennengelernt haben. Sie bestand aus zwei Klassen mit einer vergleichsweise sehr kleinen Anzahl an Schülern und 6 Lehrern und Lehrerinnen. Diese empfingen uns von Sekunde eins sehr freundlich und herzlich, allerdings fiel uns schnell auf, dass keiner von ihnen vorhatte, in nächster Zeit Unterricht zu machen. Eine lange Zeit beobachteten wir, wie die Kinder auf dem Schulgelände und in den Klassenzimmern rumtollten, während die Lehrer teilweise verschwunden zu sein schienen und teilweise genüsslich im Lehrerzimmer plauderten. Nach einiger Zeit raffte sich eine Lehrerin allerdings dann doch auf und fing an mit der älteren Klasse gemeinsam Bagia (eine Art frittierter Teig) zu kochen, was wir uns interessiert anschauten.
Wir haben in der letzten Woche also viel erlebt, viel gesehen und viele verschiedene Eindrücke gesammelt. Allerdings konnten wir auch bei Fonelisco ein paar Dinge umsetzen, wie zum Beispiel den Bau eines Basketballkorbs mit großer Hilfe von Eddie und Willie Wir hoffen sehr, dass dieser Fonelisco lange erhalten bleiben wird. Die Kinder haben sich auf jeden Fall sehr gefreut.


Und nun sind es tatsächlich nur noch knapp 2 Wochen, die uns hier in Mwanza und somit bei Fonelisco bleiben, bevor wir erst eine Woche in Sansibar verbringen und dann den Flieger zurück nach Deutschland nehmen. So wenige Tage und noch so viele Dinge, die wir hier noch unternehmen und umsetzten wollen. Wir hoffen sehr, dass trotz Beginn der großen Regenzeit das Wetter auf unserer Seite ist und wir noch alles schaffen, was wir uns vorgenommen haben. Auf jeden Fall versuchen wir jetzt umso mehr, jeden Moment hier zu genießen und die restliche Zeit so gut wie möglich auszuschöpfen.