Die letzten Tage

IMG_20160714_182204320_HDREs ist soweit. Zeit, Abschied zu nehmen, immer verknüpft mit der Versicherung, wiederzukommen. In ein paar Stunden wird es ein großes Abschiedsfest mit Hühnchen und Kartoffeln geben, bevor es dann am frühen Morgen wieder in Richtung Deutschland geht.

Doch zuvor sollte ich noch die letzten Tage Revue passieren lassen. Nach einem entspannten Donnerstag ging es am Morgen des Freitag gemeinsam mit Jacob zu einem Geschäft, das Öfen und Herde verkauft. In dem Waisenhaus gibt es zwar eine Küche, in der mit Feuerholz gekocht wird. Aber dieses System ist nicht IMG_20160715_095823138_HDRnur unglaublich teuer, weil viel Hitze verloren geht, es ist auch gesundheitsgefährdend für unsere Köchinnen. Wir planen, sehr bald einen neuen Herd zu kaufen. Der funktioniert zwar ebenfalls mit Feuerholz, speichert aber über Ton die Wärme viel besser, sodass er weit weniger verbraucht. Zudem verfügt er über ein Abzugsrohr, sodass auch das Gesundheitsproblem gelöst sein sollte. Die Schwierigkeit ist natürlich wie immer, das Geld hierfür zu finden. Mit 150/200€ ist dieser Herd zwar deutlich billiger als gedacht und würde sich schon nach schätzungsweise vier Monaten rentieren, aber trotzdem muss man dieses Geld erst einmal haben… Wir geben unser Bestes.

Nach dem Besuch in diesem Geschäft gingen wir gleich die nächste Baustelle an und gingen in einen weiteren Laden, der sich um Wasserrohre kümmert. Derzeit bricht jeden Tag irgendwo ein Rohr und wir zahlen Unmengen für Reparaturen und verlorenes Wasser. Das Wassersystem auszutauschen ist nicht finanzierbar, aber als uns ein Mitarbeiter der Firma am nächsten Tag besuchte, riet er uns ein Gerät einzubauen, das den Wasserdruck erheblich verringern würde und erheblich kostengünstiger ist. Aber auch hier haben wir das gleiche Problem, das wir das hierfür benötigte Geld erst einmal auftreiben müssen und uns zudem noch eingehender informieren müssen.

IMG_20160713_131200844Am Nachmittag hatten wir endlich das groß angelegte Skype mit einigen unserer internationalen Partner aus Tschechien, Dänemark und Spanien. Wir besprachen unser Vorgehen in der Zukunft, um unsere Kräfte besser bündeln zu können. Inwieweit das Skype positive Ergebnisse hervorbringt, wird die nächste Zeit zeigen. Jedenfalls aber habe ich ein gutes Gefühl nach dem Gespräch, auch wenn leider nicht so viele Partner wie erhofft daran teilnahmen. Trotzdem entwickelten wir einige sinnvolle und vielversprechende Ideen, wie wir unsere Zusammenarbeit verbessern können. Insbesondere wollen wir uns regelmäßiger austauschen, was wirklich unerlässlich ist.

Amin, der uns 200 Küken für unser Hühnerprojekt schenken wird, hatte mich in dieser Woche immer wieder auf einen anderen Tag vertröstet. Am Samstagmorgen aber fuhren wir endlich gemeinsam zum New Land. Dort machte er mir große Hoffnung, dass das Projekt finanzierbar sein wird. Nun wird er erst einmal Rechnungen anstellen zum Bau der Hütte, aber auch zu den laufenden Kosten. Ich bin auf jeden Fall gespannt, mit welchen Zahlen er auf mich zukommen wird und hoffe, dass wir unseren Plan bald in die Praxis umsetzen können.

IMG_20160717_163457945Den gestrigen Sonntag konnte ich noch einmal zu großen Teilen bei den Kindern verbringen, auch wenn ich schon ein wenig packen musste. In den drei Wochen, die ich hier war, hat es kein einziges Mal geregnet. Trotzdem war ich überrascht, dass es lange nicht so heiß war wie erwartet. Doch die Temperaturen haben in den letzten Tagen deutlich angezogen. Und so dachten wir uns für den Sonntag etwas Besonderes aus und veranstalten eine Wasserschlacht. Dank einer Grundwasserpumpe, deren Wasser zwar nicht trinkbar ist, aber für solche Zwecke doch hervorragend geeignet ist, ging dies auch kostenlos. Unsere Teamaufteilung in Staff und Kinder wurde rasch pulverisiert und stattdessen machte jeder jeden Nass – mit großem Geschrei versteht sich. Staff und Kinder waren vollkommen ausgelassen und wir hatten alle einen riesigen Spaß. Es war wirklich ein schöner Nachmittag gewesen.

Am heutigen Montagmorgen fuhren Annika und Ich gemeinsam mit Pius und dem positiv getesteten Kind zu einer Klinik, die sich mit der Behandlung von HIV-betroffenen Kindern hervorragend auskennt. Ich hatte in all meiner Zeit in Tansania noch nie ein so gut ausgestattetes Krankenhaus gesehen, das sich vom Niveau wirklich kaum von einer europäischen Einrichtung unterschied. Leider durften Annika und Ich nie mit in das Behandlungszimmer, sodass wir die meiste Zeit mit Warten verbrachten mit der einen Ausnahme, wo ich mir ein Pikipiki schnappen musste, um beim Shaloom Care House einen Überweisungsbrief abzuholen. So entschieden wir, schon ein wenig früher den Heimweg anzutreten. Schließlich musste ich an diesem Nachmittag ja noch den Koffer packen…

IMG_20160714_181705016_HDRInsgesamt bin ich sehr zufrieden mit meiner Zeit hier. Ich hatte wie erhofft viel Zeit mit den Kindern, konnte aber auch gleichzeitig einige Projekte angehen, teilweise auch schon umsetzen. Der HIV-Test war wirklich wichtig. Auch mit dem Hühnerprojekt habe ich ein gutes Gefühl, ebenso wie mit unseren Ideen bezüglich des Herdes und der Rohre. Vor allem aber muss ich sagen, dass mich der tagtägliche Ablauf im Waisenhaus beeindruckt hat. Hier hatte ich weit mehr Probleme erwartet, wurde aber vom Gegenteil überzeugt. Die Arbeit der Mitarbeiter ist wirklich gut und auch unsere Volontärin scheint sich super wohl zu fühlen. Mit den Kindern hatte ich jeden Tag eine riesige Freude und viel Spaß. FONELISCO ist einfach eine große Familie, bei der man gar nicht anders kann, als sich wie ein Teil davon zu fühlen. Insgesamt war es schön, wieder eine Weile lang tansanisch leben zu können. Der Trubel auf den Straßen, die Geschäftigkeit, gleichzeit aber auch diese Gelassenheit wird mir fehlen. Besonders die Herzlichkeit der Tansanier konnte mich ein weiteres Mal verzaubern. Ich kann es kaum erwarten, wieder herzukommen, auch wenn dies nun wohl eine Weile dauern wird, bis es mein Studium erlaubt. Aber bis dahin werde ich mich an diesen drei Wochen laben, die ich in diesem Juli bei Fonelisco in Mwanza, Tansania verbringen konnte.

Nun werde ich also gleich noch meine Abschiedsfeier genießen und bin gespannt auf das, was mich wieder zurück in Deutschland erwartet.

Fonelisco – nitakukumbaka sana!

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