Die erste Unterrichtsstunde

Luise und ich hatten mit Joseph abgesprochen, dass wir ab Montag den 21. September zunächst eine Woche beim Unterricht zu schauen und dann langsam etwas übernehmen würden. Er meinte das wir ihn oder Pius begleiten, doch wie sich herausstellte waren für die Vorschüler, d. h. alle Kinder, die momentan nicht zur Schule gehen, die Volontäre und Eddie, ein Ehemaliger von Fonelisco, zuständig. Es hieß um 9 fängt der Unterricht an und so saßen wir am Montagmorgen mit deutscher Pünktlichkeit um kurz vor 9 zusammen mit Johanna und Sophia, die am Wochenende gekommen waren, vor dem Haus. Aber von Eddie und den Däninnen war keine Spur, ich machte mir schon Sorgen, dass sie uns vergessen hätten und ohne uns runter zu den Kindern gegangen wären. Doch um 9.10 Uhr kam auf einmal die eine Dänin mit dem Frühstück in der Hand aus der Tür: So gegen 9.30 Uhr würden sie wahrscheinlich runtergehen. Aus 9.30 wurde 9.40 und ich merkte zum ersten mal das „Pole Pole“ (in etwa langsam, langsam es wird schon), nicht eine etwas übertriebene Reiseanekdote ist, sondern wirklich ein Teil der Lebensweise, an die wir uns auch viel zu schnell anpassen würden.
Unten, bei Fonelisco angekommen, trommelte Eddie die Kinder zusammen und ehe wir uns versahen waren auch schon 6 Stühle im Raum, auf die wir und die Däninnen uns setzten. Etwas verwundert fragten wir nach und sie erklärten uns, dass sie mit Eddie abgemacht hätten, dass er heute unterrichtet.
Die 12 Kinder, die hinter 4 Pulten verteilt saßen, waren ungefähr im Alter von 3 bis 10. Da man in Tansania nur zum vollen Schuljahr die Schule wechseln kann, ist ein Kind dabei das schon 3 ½ Jahre zur Schule gegangen war. Es gibt aber auch Kinder im gleichen Alter die noch nicht mal Schreiben können, während es die Kinder im Alter von 5 die schon von klein auf bei Fonelisco waren sehr gut beherrschen. Dementsprechend ist die Breite des Lernstandes in allen Fächern riesig.
Als die Kinder auf den Bänken saßen, rief Eddie „Wi“ worauf die Kinder „Wa“ antworteten, damit hatte Eddie sofort die Aufmerksamkeit aller Kinder und nach 2 Wiederholungen wurde es still. Eddie fing an ein Lied mit Kindern zu singen, indem er eine Zeile sang und die Kinder nachsangen. Als das Lied beendet war, holte Eddie die Kreide und ein Buch aus dem Wandschrank und fing an etwas auf Kisuaheli an die Tafel zu schreiben. Währenddessen waren die Kinder unbeschäftigt und sofort nahm die Lautstärke wieder zu. Als Eddie fertig war, schaffte er es aber sofort durch „Wi“-„Wa“, die Aufmerksamkeit wieder nach vorne zu lenken. Daraufhin fing er an den Text vorzulesen und die Kinder wiederholten die Sätze mehrmals im Chor. Nachdem auch das beendet war, sollten die Kinder den Text abschreiben, dies gestaltete sich aufgrund des unterschiedlichen Kenntnisstandes als sehr schwierig. Manche waren innerhalb weniger Minuten fertig und manche konnten gar nicht schreiben. Als Luise und ich rumgingen und guckten was die Kinder so können, sahen wir sehr schnell, wer Probleme damit hatte, und fingen, noch etwas zögerlich, an den Kindern zu helfen. Das Abschreiben dauerte dementsprechend fast eine halbe Stunde, sodass danach der Unterricht beendet wurde.
Draußen versammelte Eddie die Kinder im Kreis und es wurde „Bange Bifi“ und „Paka na Panya“ (Katze und Maus) gespielt. Nachdem die beiden Spiele sich langsam auflösten, blieben wir noch bis ca. 12.30 und spielten mit den Kindern Fußball. Als wir dann zum Essen wieder hochgingen, freute ich mich den ersten Tag geschafft zu haben und war gespannt auf die weiteren Stunden besonders auf das eigene Unterrichten, was schneller kommen sollte als erwartet.