#FoneliscoStory
Hier findet ihr alle Geschichten, die FONELISCO geschrieben hat.

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Hallo zusammen,
mein Name ist Robin Schwerdt. Ich habe von März bis April dieses Jahres im Volontärshaus von FONELISCO gelebt und konnte hierdurch einen kleinen Einblick in den Alltag vor Ort gewinnen. Ich bin damals nicht als Volontär nach Mwanza gereist, wie es wohl der Normalfall ist, sondern als „einfacher“ Besucher. Umso überraschter bin ich gewesen, wie herzlich und offen ich in der Fone-Familie aufgenommen worden bin. An meinem ersten Tag vor Ort dauerte es keine fünf Minuten und ich war umgeben von Kindern, die mit mir Karten, Fangen, Verstecken und Fußball spielen wollten. Ich war zunächst ziemlich überrascht und auch ein wenig überrumpelt von der Offenherzigkeit, die einem Fremden direkt nach der Ankunft entgegengebracht wird. Wie konnte das sein? Sollten Straßen- und Waisenkinder aufgrund ihres Hintergrunds nicht vielmehr zurückhaltend, resistent, wenn nicht gar ein wenig misstrauisch gegenüber allem Fremden sein? Ich wurde jedoch eines Besseren belehrt und es brauchte ein wenig bis ich realisierte, woran das lag. Wie sagt man so schön: Ein Kind, dem man mit Toleranz begegnet, welches man ermutigt, lernt Offenheit und Selbstvertrauen. Ein Kind, dem man Zuneigung entgegenbringt, lernt Freundschaft zu empfinden. Die Kinder bei FONELISCO sind derart offenherzig, weil es ihnen so tagtäglich vorgelebt wird und ein jeder Mitarbeiter, sei es Joseph, Pius, Eddie und all die anderen lokalen Betreuer, die Köchinnen, die Massai, die Volontäre und viele mehr als gutes Vorbild vorangehen. Es ist schön zu wissen, dass die Kinder unter teilweise sehr schwierigen Umständen trotz allem so gut betreut werden.
Vielen Dank FONELISCO!
Euer Robin

Heute lassen wir wieder jemand aus unserem Leitungsteam zu Wort kommen. Friederike erzählt von ihrer persönlichen Fonelisco-Story:

„Meine Fonelisco-Story fängt eigentlich mit Bockmist an: Nach dem Abi gehörte ich zu den typischen, Weißen Mittelstands-Kids, die vorm akademischen Werdegang erstmal ihre Privilegien genießen wollen: „die Welt sehen und in Afrika gleichzeitig was Gutes tun“. Ja, ja ziemlich neokolonialistischer Bockmist halt…

Das weiß ich jetzt hinterher, nachdem ich ein halbes Jahr bei Fonelisco in Tansania war. Ein halbes Jahr das mich wie kaum ein anderes geprägt hat! Ein halbes Jahr, in dem ich unglaublich tolle Menschen kennengelernt, mehrmals meinen Horizont gesprengt, Freundschaften fürs Leben geschlossen und wahnsinnig viel über mich gelernt habe – auch, dass das mit der „Freiwilligenarbeit“ in den afrikanischen Ländern nicht so einfach ist. Dies habe ich gegen Ende meines Aufenthaltes schon auf meinem Blog reflektiert. Schaut da mal rein, auch wenn ich nicht mehr alles unbedingt so schreiben würde, hat mein 19-Jähriges Ich dort nicht nur Bockmist fabriziert und auch ganz coole Momente meiner Fonelisco-Story eingefangen ?

Zum Glück habe ich das umgesetzt was ich mir damals vorgenommen habe: Auch nach meiner Rückkehr für Fonelisco aktiv zu sein, und so meine Fonelisco-Story zu einer schönen Geschichte werden zu lassen. Der Plottwist meiner Story, war vermutlich die Einsicht, dass die größte Hilfe wir selber brauchen. Wir also die Menschen die zufällig in Deutschland, in Europa, im Globalen Norden geboren sind. Unsere Sicht auf den Globalen Süden ist komplett verzerrt und immernoch von rassistischen Bildern durchsetzt. Wir sollten uns ranhalten, das zu reflektieren und unsere Sicht zu ändern. Deswegen bin ich froh, dass ich auch weiterhin bei Fonelisco aktiv bin. Fonelisco e.V. versucht die internationale Zusammenarbeit nach außen hin so zu repräsentieren, dass wir nicht diese verzerrte „Afrika-Sicht“ reproduzieren, sondern neue Vorstellungen und Ideen von Tansania schaffen – also auch Bildungsarbeit in Deutschland leisten. Ich finde es wichtig, dass wir unsere Privilegien, wie z.B. einfacheren Zugang zu Geld, mit anderen Menschen teilen, denen dies nicht durch ihre Geburt in die Wiege gelegt wurde (Genau dies könnt ihr übrigens hier tun – wichtig ist aber auch wie dies getan wird.

Meine persönliche Foenlisco-Story ist also noch lange nicht zu Ende geschrieben, und wird bestimmt noch einige Plottwists enthalten, denn auch wir im Kernteam haben noch einiges zu lernen.

Wer Lust hat sich mit den angeschnittenen Themen wir Postkolonialismus und Weißsein-Reflektieren auseinanderzusetzen, dem kann ich den Film: „Fuck White Tears“ empfehlen, außerdem hier ein kurzer Abriss was „Poskolonialismus“ bedeutet.

Die ersten Fonelisco Stories, die wir erzählen möchten, stammen von Johanna und Dominik – dem Vorstand des Fonelisco e.V. Wir freuen uns auf viele weitere tolle Fonelisco Stories und hoffen auf eine rege Beteiligung an unserer Spendenaktion. Hier könnt ihr uns unterstützen: Zur Spendenaktion