Von Juni bis September ist Sarah bei Fonelisco und wird uns an dieser Stelle von ihren Erlebnissen in Mwanza erzählen.

More

Hujambo und Hallo

Wo fange ich an 🙂 Einmal ein neues Leben oder so ähnlich
Meine ersten 2 Wochen in Mwanza liegen hinter mir.
Am Sonntag nach einer knappen 26 Stunden Reise habe ich mein Ziel erreicht.
Ich wurde von Joseph herzlichst am Flughafen erwartet.
Nach einer kurzen Fahrt mit dem Auto erreichten wir das Volontair Haus in dem auch Joseph mit seiner Familie lebt. Ich wurde von Buddy dem Wachhund und dem Rest des Hauses mit großer Freude in Empfang genommen.
Nach einer kurzen Nacht und wenig Schlaf, ging es am nächsten Morgen auch schon auf zu den Kindern.
Schwierig Worte dafür zu finden was dann passierte. Wir öffneten das Tor und es kamen die ersten auf mich zugerannt, umarmten mich und ließen nicht mehr ab. Ich brach in Tränen aus. Vor Freude, ich war so gerührt endlich da seien zu dürfen. So lange habe ich auf diesen Moment gewartet und mich vorbereitet.
Mit der kleinen 2 jährigen Tabu (die erst seit kurzem da ist, und leider HIV positiv getestet worden ist), mit dem 3 jährigen Joseph und mit Asumani der ca 4 Jahre jung ist, an der Hand, lernte ich den Rest der Kinder und der Mitarbeiter kennen. Tränen sind noch mehr geflossen an diesem Vormittag, so viel nur dazu…..
Ich wurde von Anfang gleich mit eingespannt, als wäre ich schon immer da gewesen. Was für ein wunderbares Gefühl… Gemeinsam mit den Kindern nahm ich das Frühstück zu mir. Dieses ähnelt einem Porridge und wird warm in einem Becher serviert . Die Kinder lieben es, bis auf den letzten Rest wird aus geschleckt. Danach steht das morgendliche Waschprogramm an, was für die kleineren hinter dem Mädchenhaus im Freien stattfindet.Es ähnelt einem Regentanz, da das Duschwasser so kalt ist. Oh wie kann ich das verstehen, ging es mir doch heute morgen auch so ähnlich. Danach werden sie von oben bis unten eingecremt und die Kleiderauswahl steht an, was bei den kleinen Damen auch schon mal länger dauern kann.
Normalerweise gehen dann die älteren zur Schule, da aber momentan noch Ferien sind, beginnt ihr Tag mit spielen, aufräumen und sauber machen. Für die Kleinsten geht es über zum Babyclass Unterricht. Dieser dauert ca. 3 Stunden, je nachdem wie aufnahmefähig und konzentriert die Kinder sind. Hier ist die Jüngste 2 und der älteste 6, was sich nicht immer als ganz einfach gestaltet. Zusammen mit Madame versuchen wir den Kindern Grundkenntnisse in Englisch zu vermitteln, bevor für sie der reguläre Schulunterricht beginnt. (Das Schulsystem hier ist gnadenlos und sehr fordernd, ab einer gewissen Altersstufe wird nur noch in Englisch unterrichtet, und davor hatten sie in der Regel gar keines)
Wenn der Vorschulunterricht für alle überstanden ist, gibt es Mittagessen für die Kinder. In der Regel ist das Mittags Ugali eine Art Maisbrei den man zu Kugeln rollt und in viel Sauce tunkt, dazu gibt es Gemüse.
Danach geht es actionreich in den Nachmittag, es wird gespielt, getobt, geturnt, getanzt, gemalt und mindestens einmal in der Woche gehen wir spazieren. Dann stehen die Hausaufgaben an und Schulübungen für alle Klassenstufen. Der Tag geht hier nur so im Fluge vorbei, mit über 40 Kindern. Bevor es für die Kinder Abends ins Bett geht, gibt es noch ein gemeinsames Abendessen, hier gibt es meistens Reis mit Gemüse.
Letzte Woche war sehr aufregend für die Kinder. Zwei mal haben wir größere Essensspenden erhalten. Man mag es nicht für möglich halten, aber einmal sogar durch die Polizei.
Das Tor ging auf, ein Jeep kam angefahren, und die ganze Ladenfläche war voll mit Fisch, unfaaaassbar…. Eddi erklärte mir, dass das Fisch ist, der illegal durch die Industrie gefangen wird, da er die Mindestgröße nicht erreicht hat. Er wird den Fischern abgenommen und an gemeinnützige Organisationen verteilt. Diesmal hatten wir das Glück.
Wie ich finde eine sehr schöne Sache, man versucht den Fischbestand zu schützen und dabei wird den Ärmsten geholfen. Ich war wirklich überrascht. Wir standen dann nur plötzlich nachmittags um 17 Uhr vor der Frage, was wir so schnell mit über 100 kg frischem Fisch anstellen sollten (man muss bedenken, Kühlschränke gibt es hier keine)
Um den Fisch etwas länger haltbar zu machen, eignet sich das frittieren. Eddi und ich sind los gespurtet und haben über 20 Liter Öl gekauft, alle haben uns für verrückt gehalten oder dachten wir eröffnen ein Restaurant.
Währenddessen sich die Kinder gemeinsam an den Fisch machten. Unglaublich wie schnell und flink sie das erledigten, weil so klein war der Nilbarsch eigentlich gar nicht. Die Kinder hatten 3 Fischmahlzeiten, worüber sie unglaublich glücklich waren, schmeckt so ein Ugali doch gleich viel besser mit etwas Fisch.
Am Tag darauf war Ramadan Ende, die meisten Einwohner sind hier zwar christlich, aber unter ihnen sind doch auch einige Muslime. Das Fasten Ende wird mit einem großem Essensfest zelebriert. Die Kinder von Fonelisco haben an diesem Tag ein Abendessen geschenkt bekommen. Eine lebende Ziege! Und Reis für Pilau, eine Art Gewürzreis. Ja ihr habt richtig gelesen, die Ziege musste erst geschlachtet werden…..Das war zu viel für mich, für Madame auch….
An diesem Vormittag legten wir einen sehr großen Spaziergang ums Dorf ein. Als wir wieder eintrafen, war Gott sei Dank alles vorbei. Unser Masai, der normalerweise das Tor bewacht, hat dieses schnell erledigt. Gemeinsam mit Mitgliedern der Frauenorganisation und den Kinder kochten wir aus der Ziege ein leckeres Abendessen. Und jeder war stolz seien Teil dazu beigetragen zu haben.
Wie ergeht es mir zu sonst so hier? Sehr gut, muss ich wirklich sagen. Man gewöhnt sich so schnell an Afrika und wird ein Teil davon. Wenn ich mit Eddi in der Stadt bin, spielen wir immer ein Spiel → Muzungu entdecken (weiße Menschen), dabei vergesse ich manchmal fast, selber einer zu seien. Die Einwohner von Tansania sind wirklich so überaus freundlich, warmherzig, offen und neugierig.
Ja und es ist wirklich so, wie wir Afrika aus unseren Medien und Erzählungen kennen. Aber es hat auch so viele andere wunderbare Gesichter. Was mich nach meinem ersten Afrikaaufenthalt bewegt hat zurück zu kommen und gemeinnützig zu arbeiten, war diese unschlagbare Lebensfreude. Die Menschen sind so glücklich, und versuchen sich jeden Tag mit gegebenen Mitteln zu arrangieren. Davon können wir als Europäer noch ganz viel lernen, gar nicht daran zu denken was unser einer manchmal Kummer bereitet. Und dann gibt es noch diese andere Seiten, in der die Menschen doch gar nicht soweit von uns entfernt sind. Es wird gejoggt, sie lieben Eiscreme und Popcorn, und fiebern jeden Tag der Fußball Weltmeisterschaft mit uns.
Und natürlich ist die deutsche Mannschaft der absolute Favorit 🙂