Vom 15.09. an ist Noémie bei FONELISCO und wird an dieser Stelle berichten, was sie in ihren drei Monaten in Mwanza erlebt.

Nun kommt mit zwei Monaten Verspätung mein Abschlusseintrag. Ich habe gegen Ende meines Aufenthaltes so viel erlebt, dass ich keine Sekunde Zeit hatte, an meinem Blogeintrag zu schreiben… Im Dezember bin ich schweren Herzens zurück nach Deutschland geflogen. Jetzt bin ich in Bolivien und wünsche mir täglich, zurück in Ilemela bei Fonelisco zu sein.

Hier noch ein paar Erfahrungen, die ich schon notiert aber noch nicht veröffentlicht hatte:

Heute reden Juliane, Eddie und ich über verschiedene Werte in verschiedenen Kulturen. Uns fällt auf, dass die Kinder hier mit ihrer Selbstständigkeit sehr gut klarkommen. Sie sind sehr verantwortungsvoll, fürsorglich, nett und helfen einander. Das ist hier selbstverständlich. In Deutschland werden diese Verhaltensweisen mit Mühe den Kindern auf theoretische Weise eingetrichtert, denn praktisch wird alles für sie getan. Dies bleibt dann oft erfolglos. Das ist viel anstrengender für alle Beteiligten. Praktizierte Selbstständigkeit ist ein besserer Lehrer.

Ich lese das Übungsbuch für die 8. Klasse (in Tansania ist das das erste Jahr der Secondary School) und mir fallen die Augen aus dem Kopf. Das kann nicht wahr sein! Das Buch beginnt mit dem Pascal‘schen Dreieck und der Fibonacci-Folge… Das Pascal‘sche Dreieck ist die Grundlage für den Binomialkoeffizienten, den ich ihm ABITUR mit einem TASCHENRECHNER ausgerechnet habe, weil alles Andere zu aufwendig ist und von der Fibonacci-Folge habe ich noch nie etwas gehört… Die Kinder hadern noch am 1×1 :/, das haben sie in der Grundschule noch nicht anständig gelernt. Als wäre eine neue Unterrichtssprache nicht genug, es muss auch inhaltlich knallen. Das ist so verrückt. Und fies. Und unfair. Nach dem Motto: Wer sich keine Vorbereitungsklasse leisten kann, hat halt Pech… ich erstelle einen straffen Unterrichtsplan, um die Kinder mit möglichst viel Neuem vertraut zu machen, bevor sie im neuen Jahr die weiterführende Schule starten.

Bei Tunza ist es heute zu kalt zum schwimmen, deshalb turne ich mit den Kindern im Sand. Das bringt ihnen riesigen Spaß, ich bekomme bei jedem missglückten Handstand einen Schock, aber sie stehen immer lachend wieder auf. Juliane kauft wie jedes mal Popcorn für die Kinder. Zehn Minuten später geben uns Nachbarn nochmal die gleiche Menge an Popcorn aus. Und kurz darauf lässt ein unbekannter Spender noch einmal die gleiche Menge für die Kinder zubereiten. Unglaublich!

Völlig vollgestopft und zufrieden machen wir uns auf den Weg nach Hause.

Abends reden Juliane, Eddie und ich über Bedeutungen von Handzeichen in verschiedenen Kulturen. Und Eddie erklärt mir, wie hier gezählt wird: Der Daumen wird nicht mitgezählt und die fünf ist eine Faust. Jetzt erklärt sich das Unverständnis der Kinder im Matheunterricht! Die Armen, verstehen nicht warum ich drei sage und zwei Finger (plus Daumen) dabei hochhalte. Man lernt doch immer dazu.

Wir reden auch darüber, dass die westliche Welt sich zunehmend isoliert, keine Gemeinschaft zulässt und menschliche Abstände vergrößert. Bei dem Versuch die negativen physischen Effekte der Natur wie Unkomfortabilität und Krankheit zu reduzieren, machen wir uns psychisch krank, weil es so unnatürlich ist, was wir anstreben. Das sind ganz interessante und sehr kontroverse Themen über die man unter Europäern gar nicht so diskutieren kann, weil wir in einem ähnlichen Umfeld aufgewachsen sind.

Es ist Samstag und die Willis, Shukuru und ich beschließen, Bälle reparieren zu lassen. Dafür gehen wir ins Dorf. Die Werkstatt besteht aus drei Männern, die neben der Autowaschanlage (bestehend aus einem Gartenschlauch) auf einem Baumstamm im Sand hocken. Vor ihnen stehen zwei kleine Schuhregale mit Schuhen und der eine flickt gerade einen Fahrradreifen. Die reparieren hier also alles, denke ich mir. Irgendwann holt er sein Werkzeug aus einem Schuh und mir geht auf, dass die Schuhe gar nicht zur Reparatur hier sind, sondern als Schrank dienen. Das lässt mich schmunzeln.

Fonelisco hat eine Spende für eine Ziege bekommen, also fahren wir mit Joseph auf den Ziegenmarkt und kaufen eine Ziege, die wir direkt zum New Land bringen.

 

 

 

Heute ist Julianes letzter Tag. Wir werden vor die Riesenaufgabe gestellt, Hühner für das Abschiedsessen zu kaufen. Joseph meinte zur ihr, dass Hühner 6000 Tsh kosten, leider weiß aber niemand wo es Hühner zu diesem Preis geben soll. Im Dorf kosten sie 15000 Tsh… Wir irren also eine Weile herum. Irgendwann fahren wir in die Stadt um abgepackte Hühner zu kaufen, das sind die billigsten, die wir finden…

Weil durch ein Missverständnis keine Bohnen für das Abschiedsessen da sind, müssen wir noch auf den Markt gehen und Gemüse kaufen. Wir haben noch 7000 Tsh übrig, das entspricht 2,70€. Ich denke mir: Unmöglich, damit Gemüse für soo viele Menschen zu kaufen! Falsch gedacht. Wir kaufen 35 GROßE Tomaten, 20 Zwiebeln und 10 Knoblauchzehen, für 2,70€.

Abends feiern wir die Abschiedsparty. Wir halten kleine Reden und tanzen, ein schöner letzter Abend!

Nun bin ich für einen Monat die einzige Freiwillige. Mein Arbeitspensum erhöht sich, ich kann nun die Aufgaben nicht mehr mit Juliane teilen. Aber ich komme noch stärker mit den Mitarbeitern und Kindern in Kontakt. Das ist sehr schön. Wir verbringen eine wirklich schöne Zeit gemeinsam. Ich besuche noch einige Tage Ukerewe, eine Insel im Viktoriasee, auf der unsere Matron Rose ihre Heimat hat.

Meine Abschiedsparty ist wunderbar. Wir essen gemeinsam ein köstliches Mahl und tanzen dann bis wir nicht mehr können. Ich bin unfassbar glücklich, alle diese lieben Menschen um mich zu haben und mit ihnen Spaß haben zu können. Der Abschied am nächsten Morgen ist entsprechend herzzerreißend…

Meine Zeit in Tansania war eine wunderbare Erfahrung!

Hier ein kleines Fazit:

Ich hatte vor meinem Aufenthalt die Angst, überflüssig zu sein, oder schlimmer noch mehr Last als Hilfe zu sein und anderen Menschen Arbeit wegzunehmen, dadurch dass ich unbezahlt arbeite. Diese Angst hat sich in Luft aufgelöst. Fonelisco scheint mir das perfekte Projekt für Volontäre, die sich engagieren wollen. Ich habe das Gefühl, etwas verändert zu haben. Ich konnte eine Unterstützung sein, für Joseph und die Kinder. Meine Arbeit hat einen Sinn gehabt, das war das Wunderbarste überhaupt. Und das war auch mein Wunsch für meine Zeit im Ausland. Es hat mich innerlich ruhen lassen, weil ich gesehen habe, was für Großartiges möglich ist, und dass ich ein Teil davon sein kann. Es hat mir die Akzeptanz mir gegenüber gegeben, die ich brauchte, um zuversichtlich mein Leben zu entwickeln, um mit mir und meinem Umfeld klar zu kommen. Ich bin so dankbar für alles, und vor allem für Kiki, die zur richtigen Zeit, am richtigen Ort meiner Mutter von ihrem Auslandsaufenthalt in Tansania erzählte…

In Deutschland rege ich mich jetzt über jeden nutzlosen Werbebildschirm an Bahnstationen und in Autobahntoiletten auf, höre bei: „und dann war ich bei H&M, da gab es…“ einfach nicht mehr zu und bin glücklich über mein Klavier, trinkbares Leitungswasser und anständige Schokolade.

Und in Bolivien, stelle ich fest, wie ähnlich so weit voneinander entfernte Welten sein können. Ich stehe täglich im Kontakt mit den Freunden, die ich durch Fonelisco gewonnen habe und bin mit meinem Herzen immer noch dort.

Ich werde, so bald ich kann, zurückkommen, um meine zweite Familie, die Fonelisco-Family, zu besuchen.

Ich freue mich schon darauf!

 

Ich habe meine Armbanduhr in Hamburg gelassen und weiß deshalb nie wie spät es ist. Das ist ein unglaublich befreiendes Gefühl. Auch meine überausgeprägte Pünktlichkeit aus Deutschland habe ich mittlerweile vollständig abgelegt. Ich kann einfach „zu spät“ kommen ohne dass es mich oder jemand Anderen stört. Das ist echt praktisch und dürfte sich auch gerne mal in Deutschland etablieren.

Den Weg durch das Dorf lege ich auch heute wieder mit einem Haufen Kinder, die sich an meinen Armen festhalten und „mzungu“ rufen, zurück. Wir gehen auch an etwas älteren Kindern vorbei, die mir zurufen: „Give me money! Give me one money!“ und sich daraufhin schlapp lachen und weglaufen. Bei Fone angekommen, treffe ich auf einen Hundewelpen.

Er hat sich irgendwie auf unser Grundstück verlaufen und ist total süß! Wenn er überlebt, behalten wir ihn und bringen ihn als Wachhund auf‘s New Land.
Nachmittags in meinem Zimmer stelle ich fest: In meiner Toilette leben Geckos. Ich habe einen in der Kloschüssel gesehen, wie er durch ein Loch in das Klo verschwunden ist… Ich beschließe, mich davon nicht stören zu lassen.
Heute fahren Juliane und ich mit Pikipikis, das sind Motorradtaxen, in die Stadt! Wir rufen drei verkehrssicher fahrende Pikipikifahrer an, von denen zwei auftauchen. Sie geben uns sogar einen Helm, den man aber nicht festschnallen kann und der im Notfall deshalb einfach nur abfallen würde… Dennis, mein Pikipikifahrer, redet die ganze Zeit auf Kiswahili von Dominik, seinem guten Freund ;). Ich verstehe kein Wort, was natürlich ausschließlich am Verkehrslärm liegt! Also werfe ich in regelmäßigen Abständen ein „ndiyo“ (ja), „ah“ und „nice“ ein. Das scheint ihn zufriedenzustellen. Juliane und ich wollen eigentlich mit anderen dänischen Volontären Kleidung an Straßenkinder ausgeben. Es sind aber zu wenige da, sodass wir das verschieben. Stattdessen laufen wir durch die Stadt und besorgen Souvenirs für sie. Danach gönnen wir uns einen Milk Shake, der wie Eis schmeckt und richtig, richtig lecker ist!
Am nächsten Morgen lädt ein Laster einen Riesenhaufen Feuerholz auf unserem Hof ab.

Das kommt alles vom New Land und ist wirklich eine beachtliche Menge.
Heue ist Mathetag und weil weder Eddie noch Juliane Mathe mögen, darf ich den ganzen Unterricht übernehmen. Die ganz Kleinen können noch nicht bis drei zählen und die Älteren fangen schon mit Multiplikation und Division an. Allen gerecht zu werden ist nicht einfach. Ich schreibe deshalb jedem Kind individuelle Rechnungen ins Heft. Irgendwann nehme ich Duplosteine zur Hilfe, um Joel das Prinzip der Subtraktion zu erklären. Und es funktioniert! Ich bin ganz überrascht. Er zählt ganz fleißig seine Duplos, zählt dann die ab, die abgezogen werden müssen, lässt diese mit großem Spaß hinter seinem Rücken verwschwinden und zählt, wie viele noch vor ihm liegen. Sobald er das Ergebnis hat, freut er sich riesig.

Dotto erkläre ich auch direkt die Duplosteinmethode.
Nach dem Unterricht spielen wir Fußball. Es gibt leider die doofe Regel, dass nach jedem zweiten Tor Liegestütze gemacht werden müssen. Und ich werde in die verlierende Mannschaft eingeteilt. :/ Das heißt, ich bin eigentlich nur mit Liegestützen beschäftigt und komme gar nicht zum Spielen. Für die Kinder ist es aber jedes Mal ein Riesenspaß mir dabei zuzusehen.
Beim Abendessen diskutieren und philosophieren Juliane und ich über den freien Willen. Sie hat immer Argumente für den freien Willen, die ich jedes Mal in deterministische Argumentationen umwandele. Es endet damit, dass ich von ihr mit Flaschendeckeln beworfen werde und mich vor Lachen kaum halten kann…

Ein diktiertes Wort aufzuschreiben, ist für Vorschüler, die nur die Hälfte der Buchstaben kennen, seeehr schwer. Dementsprechend anstrengend ist unsere heutige Diktierstunde. Nur Dotto und Ashula langweilen sich, sodass ich mir immer neue Sätze ausdenken muss, die sie aufschreiben können, was mit meinen begrenzten Sprachkenntnissen echt nicht leicht ist. Das Einzige, was sie noch nicht verstehen, ist Worttrennung. Sie las senein fachz wischen reinzu fälligen Silben Platz. Die neue Halima ist 12 Jahre alt, aber kann nicht einmal Buchstaben schreiben. Also lasse ich sie einzelne Buchstaben üben.
Mittags habe ich nach langer Zeit mal wieder eine Unterrichtsstunde in Kiswahili. Wir machen Verben und Possessivpronomen. Die sind leider nicht so einfach wie im Deutschen. Je nach Gegenstand ändert sich der Präfix. Das heißt, man weiß nie ob es nun changu, wangu, langu oder yangu heißt… Manchmal habe ich das Gefühl, diese Sprache findet es lustig unschuldige Neu-erlerner in den Wahnsinn zu treiben.
Während meiner Mittagspause schreibe ich fleißig weiter Mails. Meine Schokolade und meine Kekse sind futsch, und das macht mich traurig. Sie haben es sich wahrscheinlich unbemerkt in meinem Bauch gemütlich gemacht… Ich entwickele hier eine Süßigkeitenabhängigkeit und das ist nicht gut.
Bei Fone mache ich deshalb mit Juliane ihr tägliches Bauchmuskeltrainingsprogramm. Wir liegen auf dem Rasen, und sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen (Paul, Willi und Eddie) finden uns äußerst lustig, lehnen aber vehement unsere Einladung ab, sich dazu zu gesellen.
Heute ist Freitag, und Freitag ist Tunzatag. Die Kinder planschen im See und wir spielen Karten. Auf dem Rückweg bricht ein Gewitter über uns aus und in Sekundenschnelle sind wir pitschnass und all unsere Klamotten durchnässt. Wir rennen zum nächsten Unterstand und erhoffen uns ein Ende des Regens – der kommt leider nicht. Also rennen wir weiter nach Hause, direkt unter die Dusche.
Den frühen Samstagmorgen (also bis 11:30 Uhr :)) widme ich Youtube. Danach gehe ich zu Fone um Fotos für Kiki zu machen. Alle Kinder spielen im Hof, nur die vier, die ich brauche, sind nicht da. Na toll. Eddie taucht auch eine Stunde verspätet auf, sodass ich statt Fotos zu machen, nur ein paar Wunden verarzte und ansonsten tatenlos herumsitze.

Weiterführung folgt…

Tag 13: Heute morgen regnet es richtig doll, echtes Hamburger Schietwedder halt! In T-Shirt und Shorts friere ich und im Zimmer ziehe ich meine Wollsocken an (die waren eigentlich nur für’s Flugzeug gedacht). Mit solchen Wintertemperaturen hatte ich nun wirklich nicht gerechnet und ich habe gar keine passende Kleidung dabei! Außer natülich meine Wollsocken, die übrigens in Kombination mit meinen Shorts äußerst stylisch aussehen. 😉 🙂
Im Vorschulunterricht rechnen wir. Bis 20 können die Kinder schon ganz gut „plus“ rechnen, aber mehr auch nicht. Nach der Stunde geben wir ihnen Tuschkästen und Lego zur Beschäftigung, weil es draußen immer noch in Strömen regnet.

Den Älteren zeige ich währenddessen Fotos von meiner Familie, meinem Haus und Hamurg. Alle sind sehr fasziniert und sagen, dass Hamburg ihr nächstes Reiseziel sein wird. Ich hoffe, dass sie das wirklich irgendwann mal wahr machen können. Das Mittagessen essen Juliane und ich mit Händen, einfach so weil wir Lust haben. Hier ist das zum Glück nicht komisch.
Nachmittags gehen Juliane und ich zum Supermarkt im Dorf. Die begehbare Grundfläche im Shop beträgt ca. 2 Quadratmeter… Die Auswahl ist dementsprechend gering, aber es gibt Süßes, das ist die Hauptsache! Ich decke mich mit braunem Zucker, Marmelade und einem Bounty ein und wir machen uns wieder auf zu Fone. Auf dem Weg treffen wir Pius, der mein Handy braucht um Joseph anzurufen. Hier wird so wenig geplant, aber wenn etwas gebraucht wird, ergeben sich die Situationen so, dass alles passt. Wenn man den Dingen ihren Lauf lässt, klappt alles viel besser als man es befürchtet hat. Das ist etwas, was die deutsche Kultur (so weit es eine „deutsche“ Kultur gibt) wirklich von hier lernen kann.
Im Presecondary Unterricht machen wir direkte Übersetzung von Kiswahili auf Englisch. Das ist verdammt schwer, weil die Grammatik total verschieden ist und sich einzelne Wörter nicht passend übersetzen lassen. Deshalb gestaltet sich die Stunde sehr zäh. Abends gucken wir dann zur Entspannung mit allen zusammen den Film Madagaskar 2.

Tag 14: Heute morgen taucht weder Eddie noch Juliane zum Vorschulunterricht auf, sodass ich alleine improvisieren muss. Ich entscheide mich für das englische Alphabet, welches wir vorärts, rückwärts und durcheinander lernen. Rückwärts und durcheinander fällt den Kindern sehr schwer und irgendwann raten sie nur noch. Die Bleistifte und Hefte sind leider in Eddies Schrank eingeschlossen, sodass ich sie nichts aufschreiben lassen kann. Rose und Asia (4 und 2 1/2 jahre alt) sind verständlicherweise überhaupt nicht am Alphabet interessiert und machen nur Krach. Ich besitze leider nicht die passenden Worte um sie zur Ordnung zu rufen und lasse mir deshalb von Lukas (einem der Presecondaries) helfen. Irgendwann hole ich für die Beiden Papier und Stifte, um sie zu beschäftigen und zur Ruhe zu bringen. Dabei berechne ich aber nicht mit ein, dass die Anderen auch noch in einem Alter sind, in dem sie sehr gerne malen. Alle stürzen sich auf diese zwei Zettel und mir bleibt nichts Anderes übrig als weitere Zettel zu holen und den Unterricht hier zu beenden. Im Nachhinein bin ich zufrieden mit dieser Wndung, weil es letztendlich Kinder sind, die eigentlich viel mehr Gelegenheit zur kreativen Entfaltung brauchen. Ich gebe Lukas stattdessen Englisch-Einzelunterricht.
Nachmittags gehen wir zu Tunza an den Victoriasee. Ich habe meinen Computer mit, weil ich ganz dringend meinen Artikel für den Klönschnack abschicken muss. Danach lese ich den Kindern irgendein Heft auf Kiswahili vor. Ich verstehe kein Wort, aber alle lauschen gebannt meinen zusammenhangslosen Silben…  So schlecht kann meine Aussprache also nicht sein. Sie scheinen wirklich zu verstehen, was ich lese. Das ist schon ein lustiges Gefühl auf einer Sprache vorzulesen, die man nicht kennt.

Tag 15: Heute übe ich mich im Nichtstun. 🙂 Das ist tatsächlich etwas, was ich nicht kann, außer wenn ich krank bin. Im Wohnzimmer besprechen unsere Kölner Gäste gerade Schulkosten. Ich werde dazugerufen. Ich übersetze also, kläre Missverständnisse und und organisiere ein Skype-Gespräch mit der Verantwortlichen von Fonelisco e. V., die Kölner unterstützen Paul für sein Studium, das ist großartig! Das mit dem Nichtstun klappt aber noch nicht so ganz…
Nach dem Essen habe ich immer noch Appetit. Ich schiebe das auf die vielen Kohlehydrate, die ich hier bekomme. Danach besuchen Juliane und ich Eddies neues Zuhause. Es ist ein gemieteter Raum, der sogar für deutsche WG-Zimmer-Verhältnisse ziemlich groß ist. Wir hören Musik auf seiner Anlage.

Zurück bei Fone helfe ich beim Abwasch mit. Abgewaschen wird unter offenem Himmel in großen Schüsseln, mit einem Stück Seife und einem aufgeribbelten Fetzen Sandsackplane. Diesen schmiert man mit der Seife ein und dann wird geschrubbt. Es funktioniert erstaunlich gut.

Tag 16: Es ist Sonntag, ich habe nichts vor. Ich erledige dies und das und gucke nachmittags bei Fone vorbei. Im Klassenzimmer läuft eine Disco. Willi ist der DJ und die Kinder tanzen wild zur Musik. Die können so gut tanzen, dass ich mich gar nicht traue mitzumachen. Also gehe ich raus und treffe dort Paul. Er hat heute das Geld für sein Lehramtsstudium bekommen und hüpft vor Freude rum wie ein kleines Kind. Ich kriege ihn dazu überredet mir ein bisschen traditional dance beizubringen. Also zeigt er mir die einzelnen Schritte und die zuschauenden Mädels lachen sich bei meinen ungelenken Versuchen schlapp. Die größte Schwierigkeit stellen die Hüften dar. Schritte, vor, zurück, rundherum -kein Problem. Aber Hüften kreisen, und dann auch noch im Takt! Keine Chance. Paul fährt morgen nach Mbeya, in den Süden des Landes, zu seiner Uni und lädt mich ein ihn zu besuchen. Der Weg dorthin dauert zwei Tage mit dem Bus, aber ich würde das echt gerne machen.
Die Kinder bekommen heute Fisch zum Abendessen, weshalb überall Fisch auf Planen rumliegt, was einen für mich gewöhnungsbedürftigen Anblick darstellt.


An der Kochstelle treffe ich Eddie und wir beginnen ein stundenlanges Gespräch über das tansanische Schulsystem, Ängste, den derzeitigen Präsidenten Tansanias und den Bride Price. Als es dunkel wird und meine Beine zu schmerzen anfangen, machen wir uns auf den Weg zum Volunteershaus. Paul isst mit uns zu Abend und danach sitzen wir gemeinsam im Wohnzimmer. Im Fernseher läuft eine Doku über ein chinesisches Dorf in französischer Sprache, während Paul und Joseph sich auf Kiswahili unterhalten und die Kölner, Juliane und ich einen Englisch-Deutsch-Mix verwenden. Ich finde die Situation ziemlich absurd und freue mich plötzlich ganz doll auf Weihnachten, weil ich dort meine französische Familie wiedersehe. Es sind definitv zu viele Sprachen auf einmal im Raum.
Nachdem Paul sich verabschiedet hat, beginnt ungewollterweise eine wenig zufriedenstellende Konversation über Homosexualität. Hier merkt man ganz drastisch kulturelle und religiöse Unterschiede.

Später am Abend blickt mir im Bad ein auf dem Rücken liegender Kakerlake unter der Dusche entgegen. Ich beschließe kurzerhand, dass die Dusche bis morgen warten kann.

Tag 6-8: Safari durch die Serengeti und den Ngorongorokrater. Großartig!

Tag 9: Vormittags gehen Laura, Kilian und ich zum Tunza-Resort am Victoriasee, während die Kinder in der Kirche sind. Wir wollen einen Saft bestellen, doch von den zwanzig aufgelisteten Säften ist nur der Wassermelonensaft da. Ananas kaufen sie noch schnell für uns. Die Karte repräsentiert hier überhaupt nicht was es tatsächlich gibt, sondern dient wohl hauptsächlich Dekozwecken… Nachmittags organisiert Martin für die Kinder Sportwettbewerbe. Beim Sprinten und Fußballspielen mache ich mit und die Kinder ziehen mich so was von ab! Ich dachte immer, ich wäre schnell… Das sind bestimmt die Schuhe, auf denen kann man einfach nicht laufen. 😉
Zurück im Volunteershaus darf ich Klein-Dominik, den 3 Wochen alten Sohn von Helen und Joseph, auf dem Arm halten. Er ist soo süß und verzieht sein Gesicht immer so knuffig. In meinem Zimmer schneide ich mir mit meinem Taschenmesser kleine Werkzeuge aus leeren Plastikflaschen, um meine tierischen Mitbewohner zu versorgen. Eine Hebeschaufel für die Regenwürmer, ein längliches Stück, was als Schieber dient… u.s.w. Und ich starte meine erste Unterwäsche-Waschaktion in einer abgeschnittenen 1,5 l Flasche. Es funktioniert überraschend gut!

Tag 10: Heute traue ich mich zum ersten Mal an meinen großen Dreckwäschehaufen. Eddie hat angeboten mir zu helfen. Wir füllen im Vorgarten drei Eimer mit Wasser und ich stelle mich beim Waschen echt dumm an. Das ist voll schwer! Erst habe ich das Gefühl, die Sachen werden nicht sauber, dann habe ich das Gefühl die Seife geht nie raus. Mein Rücken schmerzt und mein Handgelenk blutet und brennt von der Reibung. Dass Wäsche waschen so anstrengend sein kann, hätte ich nicht gedacht! Ich werde auf jeden Fall meine Wäsche so lange selber waschen, bis ich es leichtfertig und ohne Schmerzen hinbekomme. Das gehört für mich zu den „Must be able to…“ ’s. Ich bin dennoch sehr froh als die Wäsche endlich fertig gewaschen ist. Eddie hat ungefähr 90% der Arbeit gemacht und belächelt mich, selbst überhaupt nicht beeinflusst von der getanen Arbeit.
Danach fahren wir zu fünft zum New Land, wo unsere Kühe und Ziegen wohnen und Mais angebaut wird. Auf dem Hinweg müssen wir kurz zum Flughafen. Die Schranke am Eingang wird manuell betrieben, da sitzt wirklich einer und ist der Schrankenheber. Absurd. Beim New Land angekommen, komme ich aus dem Staunen nicht mehr raus. Es ist ein idyllisches Stück Land mit wunderbarem Ausblick auf den Victoriasee. Die Mitte säumt ein großer Hügel, den man erklettern kann und es gibt direkten Zugang zum Wasser. Alle sind schwer beeindruckt.

Tag 11: Heute hatte ich Kiswahili-Unterricht bei Eddie. Ich glaube, das wird mich echt weiterbringen. Bis meine Kreditkarte ankommt, habe ich sowieso kein Geld für einen richtigen Sprachkurs. Also mache ich hier das Beste draus. Nachmittags spiele ich mit den Kindern Fußball und ich werde langsam besser!
Beim Abendessen stellen Juliane und ich fest, dass wir beide große Backgammon-Fans sind und beide ein Spiel dabeihaben. Damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet, dass mein Reisebackgammon nicht genutzt wird, weil Juliane die HOLZVERSION IN VOLLER GRÖßE dabei hat!

Tag 12: Im Vorschulunterricht lässt Eddie die Kinder heute Wörter von der Tafel ablesen und danach erklären. Das bringt ihnen einen Riesenspaß und sie lernen sogar etwas dabei. Meine Aufgabe ist das Stifte austeilen… Während die Anderen fleißig abschreiben, versuche ich der vierjährigen Rose, die wahrscheinlich noch nie einen Stift in der Hand gehalten hat, beizubringen, etwas anderes als krakelige Kreise zu malen. Nach etwa 20 Minuten hat sie verstanden, was ich will und malt einen Strich. Ziel erreicht. An jeden Strich hängt sie aber noch einen Kreis, die sind ihr wohl sehr wichtig. Währenddessen schläft die dreijährige Asia auf meinem Schoß. Sobald die Vorschüler fertig abgeschrieben haben, kommen sie zu mir um mir stolz ihr Werk zu zeigen. Ich glaube, ich bin die Einzige, die sie lobt und das kosten sie natürlich aus. Bei Unterrichtsschluss rennen alle raus um zu spielen, nur die zwei neuen Brüder bleiben im Klassenraum und schreiben alle Wörter, die sie im Klassenraum finden, ab. Ich muss Eddie die Hefte unter die Nase halten, damit er es mir glaubt. Die sind komplett lernverrückt, die Beiden.
Beim Mittagessen gratuliert Joseph Juliane plötzlich zum Geburtstag, ich, komplett unwissend, schaue sie nur verwirrt an, gratuliere ihr dann aber auch schnell.
Nachmittags geben wir den Pre-Secondary-School-Kids Englischunterricht. Die hatten in der Grundschule fast keine Englisch, haben aber ab Januar auf der weiterführenden Schule JEDES Unterrichtsfach auf Englisch. Das ist echt unglaublich, und so fies dazu! In der Stunde üben wir, sich auf Englisch vorzustellen. Es wird nämlich am ersten Tag in der neuen Schule von Ihnen verlangt, sich vor allen Klassenkameraden vorzustellen. Beim ersten Durchlauf sind sie super schüchtern, gucken beim Reden aus dem Fenster und sind kaum hörbar. Also arbeiten wir am Coolheitsgrad. Sie müssen mit einem coolen Gang nach vorne kommen, dort eine lässige Haltung finden, und dürfen mich beim Reden nicht aus den Augen verlieren. Langsam lockern sie sich auf und brechen gelegentlich in Gelächter aus. Zwei Stunden vergehen wie im Flug und am Ende der Stunde können sie sich tatsächlich alle äußerst selbstbewusst vorstellen. Ich bin zufrieden.
Abends spiele ich mit Juliane Backgammon. Sie gewinnt viermal und ist super glücklich. Sie meint, genau das hätte sie sich gewünscht. Da habe ich doch noch das perfekte Geburtstagsgeschenk gefunden. 😉

Ich hole langsam auf…
Tag 2: Nach der Kirche will ich meine Haare waschen. Das Wasser läuft perfekt, bis meine Haare komplett einshampooniert sind. Dann plötzlich: Kein Tropfen mehr. 5 Minuten stehe ich dumm da, dann fängt das Wasser an zu tröpfeln, ganz leicht. Gaanz geduldig wasche ich meine Haare unter den Resttropfen aus. Und bin überaus froh, als sich meine Haare nach geraumer Zeit tatsächlich shampoofrei anfühlen. Allein bin ich in meinem Zimmer auch nicht wirklich: Ich teile mir mein Zimmer mit sehr vielen Ameisen, Spinnen, einem Gecko und einer Mücke. Die Ameisen haben ihre Straße im Bad und fühlen sich im Klopapier besonders wohl…
Tag 3: Ich habe hier keinen Empfang mit meiner Reise Simcard, sodass ich seit Freitag 3 sms versenden konnte, und das war’s. Irgendwie nervt die komplette Abgeschiedenheit, aber vielleicht soll sie mir auch gut tun… Wann ich Internet bekomme, hängt davon ab, wann Joseph es schafft, das von Dominik für mich dagelassene Geld, abzuheben. Er hat momentan nämlich andere Sorgen, wir haben nicht genug Geld für die Miete. Wasser haben wir auch immer noch nicht. Ich öffne den Toilettenkasten und sehe: Noch genug Wasser für eine Spülung, Gott sei Dank! Abends funktioniert das Wasser wieder. Juliane und ich bauen im Klassenzimmer ein Minikino mit Lautsprechern aus dem Volunteershaus und unseren beiden Laptops auf und die Kinder gucken König der Löwen. Danach genieße ich meine kalte Dusche und wünsche mir diese schwitzend im Bett liegend wieder zurück.
Tag 4: Joseph hat das Geld abgehoben! Ich kann mir Internet kaufen! Ich beschließe mit Juliane kurzerhand in die Stadt zu fahren. Die Mitarbeiter im Halotel-Store sind seehr gemütlich. Sie sind die ganz Zeit an ihren Handys und man weiß nicht so recht ob sie gerade Spiele spielen, mit Freunden chatten oder tatsächlich arbeiten. Es dauert über zwei Stunden. Erst ist die Sim-Karte zu dick, dann funktioniert das Internet nicht. Irgendwann geben sie es auf und wir fahren mit einer (nur in meinem Handy!) nicht funktionierenden Sim-Karte zurück nach Hause. Dort angekommen, zeige ich Eddie das Problem und plötzlich funktioniert es. Er sagt, das sei die magische Reflexion seiner Augen… ja,ja ich glaub auch.
Heute wurden zwei neue Jungen zu Fone gebracht, circa 7 und 9 Jahre alt. Sie sind HIV-positiv getestet und es wird gerade nach Angehörigen gesucht. Kinder abgeben und Qualitätschecks machen, kann die Regierung, aber fininazielle Unterstützung leisten? Nee, so was doch nicht. Das ist für mich so schwer verständlich, weil ich es so kenne, dass soziale Einrichtungen vom Staat unterstützt werden. Hier läuft das anders, hier beruht alles auf Spenden.
Tag 5: Auf dem Weg zu Fone begrüßt mich ein kleiner Junge mit „Shikamoo!“ Es ist das erste Mal, dass jemand das mir gegenüber sagt und ich nuschele ein wenig perplex „Marahaba“ zurück. Ein paar Meter weiter rufen fußballspielende Jungs „Naomi, How are you?!“. Keine Ahnung woher die meinen Namen kennen (Bzw. die englische Version davon). Ich kicke ihnen den Ball zu und komme zufrieden bei Fone an. Dort beginnt erst einmal die obligatorische Small-Talk Runde mit allen Englischsprechenden, bevor es weiter in den Klassenraum geht. Dort angekommen findet Eddie es äußerst lustig mich nach vorne zu stellen und den Kindern zu sagen: „Sie macht jetzt Unterricht. Hört zu!“. Ich habe keinen Plan was ich machen soll. Ich spreche (fast) kein Wort Kiswahili und die Vorschüler sprechen (fast) kein Wort Englisch.  Letztendlich lasse ich sie das Alphabet auf Englisch sprechen und dann singen. Das können sie super.

Danach buchstabiere ich ihnen Wörter. Das funktioniert nicht wirklich, weil sie keine Ahnung haben, was die einzelnen Buchstaben bedeuten. Dazu kommt, dass kaum Buchstaben in Wörtern so ausgesprochen werden wie im Alphabet. Auch das Lesen wird dadurch schier unmöglich. Danach singen wir „Head, shoulders, knees and toes“. Sie können es auswendig. Aber sobald man fragt, wie denn der Kopf heißt, sind sie überfordert. Da muss ich ihnen wohl noch ein bisschen was beibringen. Spaß haben sie aber, das ist die Hauptsache.
Nachmittags probiert Edina meine Brille aus. Meine Brille ist hier echt eine Attraktion. Niemand glaubt mir, dass da Stärke drauf ist, bis derjenige sie selber aufsetzt und sie mir verwirrt und mit verkniffenen Augen zurück gibt. Danach wird meine Sehstärke mit Finger hochhalten getestet und lautstark gelacht, wenn ich nicht mehr sagen kann wie viele es sind. Abends kommen Mitglieder des lokalen Rotary-Clubs und übergeben uns eine Riesen-Essensspende.

Das Essen für die nächsten Tage ist gesichert!

Hier kommt nun mit gaanz viel Verspätung mein allererster Blog-Beitrag. Heute ist Tag 18 meiner Reise und ich werde noch zwei weitere Monate hier verbringen. Die werden bestimmt genauso wunderschön wie meine ersten zweieinhalb Wochen. Ein kurzer Rückblick: am Abend des 29.9 bin ich mit zwei Wochen Verspätung hier in Mwanza angekommen. Grund für die Verspätung war meine Niere, die mir meine Reise aus irgendeinem Grund nicht gönnen wollte… Vorteil davon war aber, dass alle Sansibarbesucher nun schon vor mir angekommen waren und ich von Laura, Kilian und Juliane empfangen wurde. Am Airport hat mich natürlich erstmal Joseph willkommen geheißen, und das auf unglaublich herzliche Weise. Ich hab mich direkt zu Hause gefühlt. Direkt am ersten Tag ging es mit den Kindern zum Viktoriasee hinterm Malaika Hotel. Dort angekommen wurden als Belohnung für den langen Fußmarsch Karangas (oder wie man hier sagt: kalangas), Erdnüsse, ausgeteilt. Sogar der kleine Joseph, der gerade anfängt zu laufen, ist auf seinen Beinchen ziemlich weit gekommen.

Am Sonntag (Tag 2) sind Laura, Kilian und ich in die Kirche gegangen. Meine erste Daladalafahrt. Ich finde es faszinierend wie viele Menschen und Gemüsekörbe in so einen VW-Bulli-großen Bus gequetscht werden können. Die Sitze sind auch so klein, dass man zwangsweise mit auf dem Sitz des Nacharn sitzt. Eine Fahrt kostet weniger als 16 cent, unvergleichbar mit den überteuerten Hamburger Buspreisen, die ich sonst bezahlen darf. Die Kirche ist ein langes, flaches Gebäude ohne Hinterwand, stattdessen mit Plastikstuhlreihen bestückt, die bis nach draußen reichen. Wir besuchen den Gottesdienst auf Kiswahili, weil der Englische unmenschlich früh beginnt. Da wir hauptsächlich wegen der Musik hier sind, ist die Sprache auch nicht ausschlaggebend. Die Musik ist wirklich cool, nichts mit Orgelgejammer wie man es aus Deutschland kennt. Vorne sitzt eine Band, die moderne Stücke spielt und Gesprochenes musikalisch untermalt und daneben ein Gospelchor. Soo schön! Die machen richtig Stimmung und können mega gut singen. Der Gottesdienst beginnt mit der Band und dem Gospelchor und ich genieße es zum ersten Mal richtig in einer Kirche zu sein. Dann beginnt der Priester. Ich verstehe natürlich kein Wort, außer mungu, das heißt Gott, und das kommt recht häufig vor… Der Priester besitzt ein Mikro, was er aber nicht zu wissen scheint, denn er ist schon ohne so laut, dass es seine Worte zu einer unerträglichen Lautstärke verstärkt. Das stört scheinbar niemanden außer uns Dreien. Regelmäßig wird lauthals gelacht, geklatscht und gejubelt, er macht dauernd irgendwelche Witze, die ich äußerst gerne verstehen würde. Nach dem Gottesdienst fahren wir noch weiter in die Stadt und heben Geld für unsere Safari ab.

Abends findet bei Fone unsere Welcome-Party statt. Die Kinder tanzen zu den Tommeln und Pfeifen auf traditionelle Art und haben einen Riesenspaß. Ich bin einfach nur begeistert. Und die Stimmung ist großartig! Danach halten wir alle eine kleine Rede und werden auch von den Kindern willkommen geheißen.

Da ich müde bin und es spät ist, springe ich jetzt ganz dreist zu Tag 18. Heute haben wir mit den Vorschulkindern und allen Kleineren Autos aus Klopapierrollen und Flaschendeckeln gebastelt. Die Kinder haben die Rollen mit Tusche angemalt und draußen Stöcker gesammelt um die Räder zu befestigen.

     

Für uns war es etwas stressig, weil konstant mindestens drei Kinder gleichzeitig unsere Namen gerufen haben und dann auf Swahili erklärt haben was sie wollen. Das Klassenzimmer sah danach auch unmöglich aus, aber was soll’s, die Kinder hatten Spaß.

Nach dem Mittagessen gebe ich Spiele aus. ALLE wollen einen Ball. Es sind ganz schnell alle vergeben und ich habe drei jammernde Kinder vor dem office hängen, die hoffen, dass durch ein Wunder doch noch ein Ball auftaucht. Oder so…

Als wir später die Bälle wieder einsammeln wollen, liegt einer auf dem Grundstück des Nachbarn, zwei sind erstmal unauffindbar und Kamba erklärt uns, der kleine Joseph habe seinen Ball kaputt gebissen. Wir denken uns, ja genau, bis er tatsächlich mit einem kaputten Ball ankommt, der ein Loch in passender Größe hat…

Im Unterricht für die Pre-Secondary Jungs liegt das Lehrer-Schüler-Verhältnis heute bei 3 zu 4. Überflüssig, könnte man denken. Aber nein, wir haben englisches Singular und Plural gemacht und alle drei Gehirne gebraucht um auf passende Beispielwörter zu kommen. Das ist viel schwieriger als man sich das vorstellt! Wenn man die Wörter braucht, fallen sie einem partout nicht ein.

Abends feiert eine junge Frau ihren Geburtstag bei Fone. Wie jedes Jahr, wird mir gesagt. Man geht einzelnd nach vorne, zum „Geburtstagskind“, gratuliert, und bekommt ein Stück Kuchen in den Mund gesteckt. Das wird alles eifrig fotografiert. Irgendwie lustig, finde ich. Aber der Kuchen schmeckt sehr lecker. Davor und danach gibt es einige Reden und als es schon dunkel ist, wird Essen ausgegeben. Es besteht aus Pilau (gewürztem Reis) und Hühnchen. Ich als Vegetarierin bengnüge mich mit meinem Pilau und versuche möglichst elegant mit meiner Hand zu essen, was mir nicht wirklich gelingt. Es fällt fast nichts mehr daneben, aber gut sieht es noch lange nicht aus. Danach wird getanzt.

It’s way over my sleepy time, würde Juliane jetzt sagen. Ich mache hier Schluss und verabschiede mich bis zum nächsten Eintrag. Usiku mwema!