Johanna und Luisa arbeiten von Januar bis April bei Fonelisco und erzählen hier von ihrer Zeit.

Mambo, liebe Fonelisco-Interessierte! Wie bereits angekündigt, kommt hier nach unserer doch recht überstürzten Abreise aus Mwanza unser letzter Blog-Eintrag.
Corona und alle daraus resultierenden Konsequenzen hatten Tansania im Vergleich zum verbleibenden Großteil der Welt lange verschont, weshalb wir erst ziemlich spät darüber nachgedacht haben, unser Abenteuer frühzeitig zu beenden – um genau zu sein erst drei Tage vor unserer Abreise am Mittwoch.
Während sich die Ereignisse in Deutschland bereits überschlugen, hatten wir am Samstag zuvor noch einen wunderschönen Tag mit der gesamten Fonelisco-Familie. Wir haben lange überlegt, welche Art von Ausflug für Kinder und auch Mitarbeiter besonders ansprechend und gewinnbringend sein würde. Letztlich ist unsere Entscheidung auf einen gemeinsamen Besuch des New Land gefallen. Die Verkündung unseres Vorhabens hat bei den Kindern für völlige Begeisterung gesorgt, sie sind aufgesprungen, haben getanzt, geklatscht und gejubelt. Das war so schön zu sehen!
Am Samstag sind wir dann nach unserem Mittagessen und einem Tetrisspiel-ähnlichem Beladen des 30-Mann-Busses (wir waren über 60 Personen!!) gegen 15 Uhr zu Foneliscos zweitem Grundstück gefahren, das circa 25 Minuten vom Waisenhaus entfernt ist. Begleitet wurden wir außerdem von knapp 10 Personen von Tunaweza, einer Werkstatt für Menschen mit Beeinträchtigungen in Illemela. Bei New Land angekommen, hatten die Kinder die Möglichkeit, sich erst einmal zu orientieren und eigenständig umzusehen, bevor Helen und die weiblichen Mitarbeiter mit den Mädels einen Spaziergang zum „Strand“ unternommen haben. Wenngleich ich nicht ganz verstanden habe, warum die Jungs daran nicht teilnehmen durften, habe ich mich der Gruppe angeschlossen und war sehr froh, als später Johanna mit ein paar der Jungen dazugestoßen ist. Nach einer Wasser- und Limopause (die Kinder fahren soooo auf Limo ab!!) haben wir gemeinsam „Fischer, wie tief ist das Wasser?“ gespielt, wobei auch die Älteren erstaunlich viel Spaß hatten. Ich persönlich würde mich echt freuen, wenn die Kids das auch bei Fone hin und wieder mal spielen würden, anstatt sich bei Langeweile in den Filmraum zu verziehen. Unser kurzer „Erwachsenenausflug“ zum Nilpferd-Spot war leider erfolglos und Familie Hippo hat uns nicht den Gefallen getan, sich in ihrem vertrauten Gefilde zu zeigen. So haben wir uns recht schnell wieder zu den Kindern begeben, Luftballons an alle verteilt und zu lauter Musik getanzt und gespielt. Ich glaube, an diesem Nachmittag sind wirklich alle auf ihre Kosten gekommen. Ganz schön viele Eindrücke, die dann doch auch ganz schön müde machen. So sind am Abend drei Kinder auf und an mir in der Wiese eingeschlafen, während Johanna noch fleißig weitergetanzt hat. Irgendwie hat sich das schon ein bisschen wie ein erster Abschied angefühlt, ohne zu wissen, dass es wirklich einer war… Bei der Rückfahrt sind manche der Kinder wieder ganz schön aufgeblüht, sodass der vollgestopfte Bus zu einem Partymobil mutierte, in dem 60 Kinder sangen, klatschten, stampften, beteten, glücklich waren – und müde! Für mich ist es immer noch erstaunlich, wie manche bei diesem Lärm einschlafen konnten.

Am Montag habe ich wenigstens eines meiner Vorhaben noch umsetzen können und gemeinsam mit Johannas Hilfe Schmetterlinge mit den Kindern gebastelt, die sie nach ihrem Geschmack bekleben, verzieren und bemalen durften. Eigentlich hatte ich auch geplant, dass jedes der Kinder einen persönlichen Wunsch notiert, der dann vom Schmetterling in den Himmel getragen werden kann. Letztlich waren die Kids aber so voller Tatendrang und Kreativität, dass kein Platz mehr für Wünsche blieb. Ich hatte mir das etwas anders vorgestellt, aber sie hatten auf jeden Fall ihren Spaß – und das ist doch die Hauptsache! 😊

 

 

Unser Abschiedsabend letzten Dienstag ist nach dem gemeinsamen Abendessen leider etwas anders zu Ende gegangen als wir es uns vorgestellt hatten. Unsere Tanz- und Musikparty wurde leider zu einem stillen Abschied degradiert, als ein paar Minuten vorher in den Nachrichten verkündet wurde, dass Corona nun auch Tansania erreicht hat und sämtliche Schulen geschlossen werden… Johanna und ich versuchen es positiv zu sehen und denken, dass der Abschied so etwas weniger traurig für alle Beteiligten war.
Auch wenn sich unsere Abreise nach wie vor etwas überstürzt anfühlt, bin ich froh, noch vor den ganzen Flugannullierungen wieder in Deutschland angekommen zu sein. Obwohl es momentan noch nicht so richtig den Anschein macht, glaube ich, dass ich in Tansania unterbewusst doch einiges gelernt habe: Verständigen und Unterrichten ohne ausreichende Kommunikationsmittel, Umgang mit extrem spontanen Planänderungen (der Regen ist in Tansania wirklich für alles eine akzeptable Ausrede!), Leben mit weniger ausgeprägter Hygiene (Essensreste auf dem Boden, semisauberes Geschirr) und zuletzt, dass man nicht unbedingt viel Geld haben muss, um glücklich zu sein. Die Menschen hier waren uns gegenüber (größtenteils) wahnsinnig freundlich und hießen uns bei jeder Gelegenheit mit ihrem herzlichen „Karibu“ willkommen. Sie lachen, singen und tanzen viel und vor allem gut – ich frage mich ja schon, woher die das alle können 😀
Johanna und ich hoffen beide wirklich, dass die Corona-Krise das Land und die Leute hier nicht ganz so sehr angreift wie in Europa und anderen Teilen der Welt. Vor allem für die Kinder, Mitarbeiter, Joseph und seine Familie wünschen wir uns, dass trotz der Krise noch genug (Spenden-)Gelder aus Deutschland zusammenkommen, sodass wenigstens die elementare Versorgung mit Lebensmitteln weiterhin sichergestellt ist. Die gesamte Fonelisco-Familie ist uns doch ganz schön ans Herz gewachsen und wir wünschen uns für sie und ihre Zukunft nur das Allerbeste!

Baada ya dhoruba inakuja jua – Nach dem Regen kommt der Sonnenschein!

In diesem Sinne alles Gute und vor allem viel Gesundheit,
Johanna und Luisa
 
 

Den folgenden Blogbeitrag hatte eigentlich schon am 12.03.20 fertig gestellt. Da viel los war und vor allem wir leider die Entscheidung treffen mussten auf Grund von Corona frühzeitig abzureisen kam ich leider erst später dazu ihn hochzuladen, weshalb er nicht mehr auf dem aktuellen Stand ist. Über die Ereignisse und Veränderungen seit diesem Zeitpunkt und auch unserer Abreise werden Luisa oder ich nochmal in einem späteren Beitrag berichten.

 

Nach einer unfassbar schönen Safari und einem kleinem Kurzurlaub in Arusha und Moshi sind wir vor etwas mehr als einer Woche zurück in Mwanza angekommen. Seitdem hat sich einiges hier getan. Zum einen wird das Volontärshaus immer voller und voller mit Gästen, was mich persönlich sehr freut, da so immer was los ist und man mit vielen verschieden Menschen sprechen kann, zum anderen hat auch Fonelisco einen Zuwachs von 4 neuen Kindern bekommen, was sowohl uns als auch Joseph sehr glücklich macht.
Einer der Gäste im Volontärshaus ist John, ein ehemaliges Fonelisco-Kind, welcher jetzt in Dodoma studiert und hin und wieder herkommt, um seine Fonelisco-Familie zu besuchen. Abgesehen davon macht John mit großem Engagement Trommel- und Tanzworkshops für die Kinder bei Fonelisco, was diese mehr als begeistert. So auch am letzten Wochenende mit Unterstützung von Willie, ebenfalls einem ehemaligen Fonekind, das momentan bei uns wohnt. Nicht nur die Kinder hatten einen Riesenspaß, auch wir Zuschauer (Luisa, Viktor, Nora, Stepan und ich) verfolgten die Darstellung der Kinder gebannt und Luisa und Nora ließen sich sogar mitreißen mitzutanzen, was zur Belustigung einiger Kinder beitrug.
Außerdem war die aktuelle Woche vor allem von Schulbesuchen geprägt. Am Montag liefen wir alle gemeinsam mit Joseph und den Secondary-Kindern zur Secondary School und besichtigten diese. Sehr beeindruckend für mich war vor allem das morgendliche Nationalhymne-Singen, nach welchem wir uns alle anschließend vor der ganzen Schule vorstellen mussten. Als die Schule dann anfing, hatten wir die Möglichkeit uns den Englischunterricht der Form 4 (in Deutschland ungefähr Klasse 8) für eine Weile anzuschauen, was ich als sehr spannend wahrgenommen hab.


Der nächste Schulbesuch am Tag darauf in der Primary School lief weniger reibungslos ab. Direkt als wir ankamen wurden wir Zeugen, wie die Schuldirektorin einen Jungen unter unerträglichen Schmerzensschreien eine Tracht Prügel mit einem Schlagstock erteilte. Während Luisa und ich uns nach wenigen Sekunden von der Situation abwendeten, um dieses Szenario nicht mit ansehen zu müssen, hielt Viktor aus lauter Empörung seine Kamera drauf, um die Szene festzuhalten. Dies wiederum führte allerdings dazu, dass eine große Gruppe Lehrer schimpfend auf uns zukamen und uns klar machten, dass wir keine Fotos machen dürften. Eine ziemlich aufgebrachte Diskussion zwischen Eliza (einer Fonelisco-Mitarbeiterin), Viktor und den Lehrern entstand, bei der sogar mit der Polizei gedroht wurde. Letztlich wurden wir zu Direktorin ins Büro gebracht, wo die Diskussion einige Zeit weiter ging und die Direktorin uns dann bat, die Schule zu verlassen und ein anderes Mal ohne Kameras wieder zu kommen.
Vor allem für Luisa war dies eine große Enttäuschung, da sie sich als angehende Grundschullehrerin sehr auf diesen Schulbesuch gefreut hatte und große Interesse an dem Schulalltag der Primary Schools hier hat. Hoffentlich ergibt sich für sie noch eine Gelegenheit dies nachzuholen.
Einen Tag später ergab sich dann die für mich lang ersehnte Möglichkeit, eine Schule für Kinder mit Beeinträchtigung anzuschauen. Diese war ein ziemlicher Kontrast zu allem, was wir an Schulen in Deutschland aber auch hier bisher kennengelernt haben. Sie bestand aus zwei Klassen mit einer vergleichsweise sehr kleinen Anzahl an Schülern und 6 Lehrern und Lehrerinnen. Diese empfingen uns von Sekunde eins sehr freundlich und herzlich, allerdings fiel uns schnell auf, dass keiner von ihnen vorhatte, in nächster Zeit Unterricht zu machen. Eine lange Zeit beobachteten wir, wie die Kinder auf dem Schulgelände und in den Klassenzimmern rumtollten, während die Lehrer teilweise verschwunden zu sein schienen und teilweise genüsslich im Lehrerzimmer plauderten. Nach einiger Zeit raffte sich eine Lehrerin allerdings dann doch auf und fing an mit der älteren Klasse gemeinsam Bagia (eine Art frittierter Teig) zu kochen, was wir uns interessiert anschauten.
Wir haben in der letzten Woche also viel erlebt, viel gesehen und viele verschiedene Eindrücke gesammelt. Allerdings konnten wir auch bei Fonelisco ein paar Dinge umsetzen, wie zum Beispiel den Bau eines Basketballkorbs mit großer Hilfe von Eddie und Willie Wir hoffen sehr, dass dieser Fonelisco lange erhalten bleiben wird. Die Kinder haben sich auf jeden Fall sehr gefreut.


Und nun sind es tatsächlich nur noch knapp 2 Wochen, die uns hier in Mwanza und somit bei Fonelisco bleiben, bevor wir erst eine Woche in Sansibar verbringen und dann den Flieger zurück nach Deutschland nehmen. So wenige Tage und noch so viele Dinge, die wir hier noch unternehmen und umsetzten wollen. Wir hoffen sehr, dass trotz Beginn der großen Regenzeit das Wetter auf unserer Seite ist und wir noch alles schaffen, was wir uns vorgenommen haben. Auf jeden Fall versuchen wir jetzt umso mehr, jeden Moment hier zu genießen und die restliche Zeit so gut wie möglich auszuschöpfen.

Bevor wir am Donnerstag auf unsere heiß ersehnte Safari gehen, will ich kurz über eine Veränderung im Freiwilligenhaus berichten: Mit dem ehemaligen Freiwilligen Viktor, seiner Ehefrau Nora und Vater Stepan haben Johanna und ich „Mzungu“-Verstärkung aus Tschechien erhalten. Manchmal ist es nach wie vor nervig, dass uns hier alle als Mzungu bezeichnen, kommt einem in bestimmten Situationen doch etwas degradierend vor… Am schlimmsten war es, als ich eines Tages im Daladala (Minibus) ungefragt Selfieobjekt einer Horde scheinbar doch noch recht unreifer Männer wurde! Das ist echt ein richtig beschissenes Gefühl. Aber zurück zu unseren neuen Besuchern: Viktor und Nora wollen hier nicht als Freiwillige im engen Sinne fungieren, sondern vielmehr etwas zur allgemeinen Situation von Fonelisco beitragen. Als top ausgestattetes Fotografenteam sind die beiden fleißig dabei, Bilder von allen Kindern, dem Newland inklusive Besatzung und anderen relevanten Spots zu machen, woraus später eine Kampagne mit bisher noch nicht konkretisiertem Ziel werden soll. Die Kinder hatten gestern auf jeden Fall einen Riesenspaß beim musikalisch begleiteten Fotoshooting, das bei allen bereits Abgelichteten zu einer Art Dancebattle wurde. Es ist wirklich beeindruckend, was vor allem die Jungs draufhaben! Johanna und ich schauen jedes Mal aufs Neue begeistert zu und können dabei richtig die Zeit vergessen 😊
Ein ganz besonderer Ausflug für uns beide war der Besuch des Malaika-Hotels am Sonntag, wo wir uns ein unfassbar tolles Frühstück mit anschließender Poolsession gegönnt haben. Nachdem wir jetzt seit knapp 7 Wochen jeden Morgen Chapati (ähnlich Pfannkuchen) oder Mandazi (frittierte Teigbällchen) zu uns nehmen, haben uns die gigantische Auswahl und Seesicht im Hotel fast zu Freudentränen gerührt. Allgemein ist das Essen hier zwar lecker, aber doch sehr monoton: Am Abend gibt es grundsätzlich Reis mit Bohnen, wozu wahlweise meist lecker Gemüse in Tomatensoße oder Kraut gegessen wird, teilweise Obst. Mittags besteht eine Auswahl aus vier bis fünf verschiedenen Gerichten: Chipsi Mayai (Pommes-Ei-Omelette, das wir gerne mit Gemüse pimpen), Kartoffel-Kochbananeneintopf, Reis mit Tomate-Avocadosalat und Spinat(ähnlichem) und Ugali (traditioneller Brei/Stampf aus Maismehl, für uns serviert mit Gemüsesoße).
Während Johanna mittlerweile seit sechs Stunden brav auf ihrem Stuhl sitzt und geduldig darauf wartet, dass ihre Braids fertig sind, schreibe ich bei Taschenlampenlicht diesen Blog und sinniere darüber, wie das Wetter morgen wird. Dieses ist genauso wie die Stromversorgung hier unberechenbar und hat uns vor allem im ersten Monat sehr viel Regen beschert. Für unsere Safari hoffen wir, dass die momentan seit circa einer Woche (Fast)Regenpause noch etwas anhält, bevor im März erneut sämtliche Straßen davongespült werden.
Haya na baadai (Tschüss und bis bald),
Luisa

Nun ist wirklich schon Halbzeit. 6 Wochen sind nun rum und dennoch fühlt es sich manchmal so an, als wären wir erst letzte Woche angekommen. Wenn ich aber dann zurückschaue, was wir alles schon erlebt haben und was sich alles bei Fonelisco getan hat, realisiert man die verstrichene Zeit dann doch.
Inzwischen unterrichtet Luisa fast jeden Nachmittag abwechselnd die Klassen 1 bis 3, was ihr wirklich viel Spaß bereitet – vor allem durch die Freude und Dankbarkeit der Kinder für den Unterricht. Hin und wieder bringen diese sie zwar auch echt zur Weißglut, allerdings lässt sie sich dadurch nicht unterkriegen und schafft durch diverse kreative Methoden die Kinder immer wieder für den Unterricht zu begeistern. Und die fast tägliche Nachfrage einzelner Kinder, wann denn endlich wieder Unterricht stattfindet zeigt deutlich, dass sich ihr großes Engagement mehr als lohnt.
Auch ich habe inzwischen meine ersten Unterrichtsversuche unternommen, allerdings nicht mit den Kindern, sondern mit dem Staff, dem ich versuche, einige Basic Sätze auf Englisch beizubringen. Auch diese nehmen mit großer Begeisterung und Dankbarkeit am Unterricht teil, was mich sehr motiviert, die Unterrichtsstunden weiter zu führen.


Ansonsten besteht eine weitere Herausforderung für uns nach wie vor darin, uns morgens für die kleinen Vorschulkinder Programm zu überlegen. Abgesehen von den üblichen Bespaßungs- und Kuscheleinheiten haben wir einen kleinen Parkour für sie aufgebaut, Luisa hat Kinderbücher vorgelesen und darin vorkommende Tiere nachgeahmt (so gut das eben mit einem englischen Kinderbuch und unserem gebrochenen Swahili geht) oder auch einfach mal die Musik aufgedreht, was jedes Mal für große Freude sorgt.


Auch die schon im letzten Blog beschriebenen Rituale wie das Laufen zum Saba-Saba mit den Kindern und die Movie Night werden natürlich weiterhin von uns fortgesetzt. Insbesondere möchte ich allerdings über unser letztes Wochenende berichten, an dem wir mit Joseph, Pius und dem Fahrer Alison eines der Kinder, ein 12-jähriges Mädchen namens Kuruthumu zu ihrer Familie zurückgebracht haben, die sie nun seit mehr als 6 Jahren nicht gesehen hat und die nur durch Zufall wiedergefunden werden konnte.
Die Fahrt war sehr lang und recht unkomfortabel, da Kuruthumu, Pius, Luisa und ich uns zu viert die Rückbank geteilt haben und daher sehr gequetscht saßen. Allerdings hatten wir so die Möglichkeit, ein Teil der wunderschönen Landschaft von Tansanias Westseite sehen zu können. Gebiete mit unzähligen Reisfeldern, palmenübersäte Graslandschaften und dichte Buschlandschaften huschten an unseren Autofenstern vorbei.
Nach ungefähr 12 Stunden Fahrt, inklusive eines Frühstücks-Zwischenstopps in Tabora, kamen wir in Nguruka an, dem kleinen Ort in der Nähe von Kigoma, in dem Kuruthumus Familie lebt. Die Begrüßung der Eltern fiel zu Luisas und meinem Erstaunen recht knapp und distanziert aus. Allerdings konnte man die Freude und Dankbarkeit der Eltern und von Kuruthumu sich wiedergefunden zu haben dennoch spüren und in den Gesichtern ablesen. Nach einer Besprechung mit den Eltern schauten sich Joseph, Kuruthumu, Luisa und ich das Haus an, welches von außen erstmal einen recht geräumigen und passablen Eindruck machte.
Als wir dieses allerdings betraten, wurde uns schlagartig vor Augen geführt, wie arm die Familie eigentlich war. Sie führten uns in einen dunklen Raum ohne Fenster, in dem auf der einen Seite einige Schüsseln und ein kleiner Essensvorrat auf dem Boden gestapelt war und auf der anderen Seite eine recht zerfressen aussehende Matratze mit einem ähnlich runtergekommenen Moskitonetz lag. Die Mutter erzählte uns dann, dass dort sie, der jüngste Sohn und nun auch Kuruthumu gemeinsam schlafen würden und der ältere Bruder daneben auf dem kalten Steinboden, nur seine eigene Kleidung als Matratze, schlafe. Sie sagte, dass durch das kaputte Bett viele Probleme mit Insekten, anderen kleinen Tieren und teilweise sogar Schlangen einhergehen. Außerdem sei das letzte Jahr bezüglich ihres Einkommens sehr schlecht gelaufen, weshalb die Familie kaum genug Geld habe, um über die Runden zu kommen.
So sehr wir auch versuchten, es zu verstecken kamen uns allen beiden bei diesem Anblick und den Erzählungen die Tränen. Es war schockierend erkennen zu müssen, wie die Zustände in Kuruthumus Familie zu sein schienen. Joseph gab dem Vater Geld, um ein neues Mosquitonetz zu kaufen, was dieser direkt umsetzte. Auch wir ließen der Mutter und dem Vater jeweils etwas Geld zur finanziellen Unterstützung da. Anschließend gingen wir noch mit der ganzen Familie Limonade in einem Lokal vor Ort trinken und verabschiedeten uns dann von Kuruthumu und der Familie. Ein Abschied, der sich für mich unheimlich hart anfühlte. Im Auto auf dem Weg zurück nach Tabora, wo wir die übernachten wollten, wirkten die erschlagenden Eindrücke der letzten Stunde noch sehr auf uns nach.
Dennoch war es auch umso wertvoller zu sehen, wie glücklich und dankbar die ganze Familie über Kuruthumus Rückkehr war. Die verlorene Tochter ist zurückgekehrt und somit eine Familie wieder vereint.
Wir alle hoffen von ganzem Herzen, dass es Kuruthumu in ihrer neuen Lebenssituation gut geht, sie zur Schule gehen kann und die Familie gut für sie sorgt. Außerdem wünschen wir uns sehr, dass die Familie Unterstützung und Möglichkeiten findet, ihre finanzielle Lage und die Wohnraumsituation zu verbessern und wünschen Kuruthumu aufrichtig alles Gute.

Jetzt sind also tatsächlich weitere zwei Wochen vergangen, ging das schnell! Zwei Wochen voller Höhen und Tiefen, die hier nicht in allen Einzelheiten dargestellt werden können. Ich, heute Luisa, versuche nun aber dennoch, einen Einblick in unser Leben hier zu geben:

Der Alltag bei Fone befindet sich gerade in einem Wandel. Zum einen ist Iben nach einem tollen Abschiedslagerfeuer mit den Kindern am Samstagmorgen nachhause geflogen, weshalb Johanna und ich nun auf uns alleine gestellt sind. Zum anderen sind nun nach Beginn des neuen Schuljahres endlich alle Kinder in der Schule, was aufgrund Geldtransferschwierigkeiten aus Deutschland leider etwas länger gedauert hatte als gedacht. Das heißt für uns, dass vormittags nur noch die fünf ganz Kleinen bei Fone sind, mit denen eher wenig unternommen werden kann. Über Kuschel- und Kitzeleinheiten freuen sie sich zwar immer, Johanna und ich sind hingegen froh über zusätzliche Aufgaben wie die Unterstützung beim Wäschewaschen, die Fertigstellung von Ibens Kicker und Josephs Bitte, Englischunterricht für die Mitarbeiter zu gestalten. Das Wäschewaschen ist zwar anstrengend, macht mit viel Schaum aber tatsächlich sogar ein bisschen Spaß, vor allem wenn die Kleinen mithelfen, oder vielmehr mitspritzen wollen. Allgemein stellen Johanna und ich begeistert fest, dass unsere Handys immer weniger interessant für die Kinder werden, weil sie langsam scheinbar verstanden haben, dass wir diese nicht ständig rausrücken (und somit völlig abgeschrieben sein) wollen. Meinen Fitnesstracker am Armgelenk finden vor allem die Jungs aber nach wie vor sehr spannend und freuen sich immer total süß, wenn sie den „Wanderpokal“ erhalten und damit Schritte zählen dürfen.

Diese Woche habe ich tatsächlich auch meinen ersten Unterrichtsversuch gestartet, wobei ich sehr dankbar um Elizas Unterstützung als Dolmetscherin und Johannas Sortieren und Bereitlegen der richtigen Hefte war. Gemeinsam mit den Erst- und Zweitklässlern habe ich die englischen Begriffe für die Zahlen von 1 bis 10 erarbeitet. Wenngleich das mündlich noch super funktioniert hat, trennte sich beim Aufschreiben der passenden Wörter die Spreu vom Weizen. Deshalb habe ich beschlossen, die Kinder von nun an doch klassenweise zu gruppieren. Die Leistungsunterschiede sind aber auch unabhängig von der Jahrgangszugehörigkeit extrem groß…

Nachdem Iben und Sophia erfolgreich eine Movie-Night etabliert haben, die jeden Mittwoch stattfindet, setzen Johanna und ich diese gerne fort. Das heißt zugleich, dass wir bei den Kindern auf Abend essen, was für mich vor allem beim ersten Mal eine wirklich besondere Erfahrung war: Das Essen unterscheidet sich zwar nicht von unserem alltäglichen Reis mit Bohnen, wird aber ohne Besteck mit der bloßen Hand verputzt, was mich tatsächlich etwas Überwindung kostete… So richtig daran gewöhnt habe ich mich bisher noch nicht, weil durch die „Soße“ doch immer eine recht klebrige Angelegenheit daraus wird.

Vom Waisenhaus abgesehen, haben wir nun auch schon ein paar schöne Orte in Mwanza erkunden können: Letzten Samstag waren wir auf einer Bootsparty auf dem Victoriasee, zu der uns Daniel eingeladen hat, der mit den Kindern jeden Samstag Armbänder fädelt. Hier trafen viele verschiedene Nationen aufeinander, alle waren total offen und die Aussicht auf den Victoriasee sowie die leuchtenden Fischerboote einfach unfassbar schön. Eine Einheimische hat sich auf der Party sogar bereiterklärt, uns einiges hier zu zeigen, sodass wir nun bereits ein wundervolles See-Dinner im Restaurant des Tilapia Hotel hatten (endlich mal was anderes als Reis!).

Außerdem haben Johanna und ich mittlerweile mehrere Spots gefunden, an denen man wunderbar den Sonnenuntergang über dem See genießen und einfach in die Ferne schauen kann. Hier gibt es so viele Felsen, Steinansammlungen und Aussichtshügel, das hatte ich vorher nicht erwartet!

Ein weiterer toller Ausflug war unser Besuch des New Land, der großen Hoffnung Foneliscos. Dieses riesige Gelände direkt am See beinhaltet zahlreiche Zuckerrohrpflanzen, Steinformationen (ja, schon wieder), eigene Kühe und Ziegen und optimale Flächen zum Reisanbau und zur Fischzucht. New Land hat aber ein großes Problem: die Nilpferde. Diese gelangen durch die noch nicht vollständig geschlossene Mauer immer wieder in das Gelände und zerstören die Reispflanzen. Außerdem sind die Fischbestände durch „Überschwappen“ in den See gefährdet. Die Fertigstellung der Mauer wäre also dringend notwendig, um dem Waisenhaus durch eigenen Nahrungsmittelanbau und -verkauf ein Stück Eigenständigkeit zu ermöglichen und die Abhängigkeit von Spendengeldern zu reduzieren.

Zuletzt ein kleiner Einblick in eine weniger schöne Situation: Johanna und ich hatten in unseren ersten Wochen doch immer wieder das ein oder andere Wehwehchen, was wir aber nicht weiter zu begründen versuchten. Letztendlich musste ich dann aber am Sonntag doch einmal das Krankenhaus (nach unseren Verhältnissen wohl eher eine große Praxis) aufsuchen, da sich ein langsam anschleichendes Problemchen auf meiner Lippe zu einer dicken Schwellung inklusive Bläschen gemausert hat. Joseph fühlte sich sofort alarmiert, als ich ihm davon erzählte, und wollte mich unbedingt zum Arzt seines Vertrauens bringen, wo er auch geduldig wartete, bis die Untersuchung inklusive (extrem hygienischer) Blutabnahme zu Ende war. Der indische Arzt schien sehr kompetent und konnte mir in bestem Englisch das Problem erklären. Scheinbar hatte mich nachts (trotz Moskitonetz) ein Insekt gebissen, was zu dieser heftigen Reaktion führte… Während in Deutschland überall dringend zur Malariaprophylaxe geraten wird, wurde mir hier stark davon abgeraten: Ebensolche Reaktionen und auch kleinere Probleme wie Müdigkeit, Hautirritationen, Husten etc. sind oft Resultat aus der starken Schwächung des Immunsystems, die durch die Prophylaxe vor sich geht. Aktuell sind wir uns unsicher, welche Risiken uns weniger einschränkend erscheinen. Ich für meinen Teil werde aber nach der Beendigung der Antibiotika-Einnahme wohl nicht wieder mit den Malaria-Tabletten beginnen und hoffe das Beste.

Um den Eintrag nach meiner schnellen Genesung positiv abzuschließen, möchte ich noch einmal auf die große Solidarität und Hilfsbereitschaft hier hinweisen: Joseph hat für den Arztbesuch wirklich all seine Arbeit links liegen lassen und nach der Untersuchung sogar darauf bestanden, uns mit dem Taxi zurückzubringen. Und auch der Arzt erkundigte sich täglich per WhatsApp nach meinem Befinden. Genau solche Gesten sind es doch, die einem auch in der Ferne ein Stück Sicherheit geben.

 

Hallo, wir sind Luisa und Johanna aus Wunsiedel (Oberfranken) und Kassel und sind nun seit gut einer Woche bei Fonelisco. Wir werden euch in der kommenden Zeit abwechselnd von unseren Erfahrungen hier berichten und euch so gut es geht über die Entwicklung im Waisenheim auf dem Laufenden halten.

Nach einem langen Flug sind wir am 04.01.2020 relativ erschöpft abends in Mwanza am Flughafen angekommen. Dort haben uns Joseph und Iben schon fröhlich erwartet und in Empfang genommen. Gemeinsam sind wir zum Volontärshaus gefahren, wo wir Josephs Familie kennengelernt haben und von allen willkommen geheißen wurden, sodass wir uns direkt wohl gefühlt haben.
Am nächsten Morgen hat uns Iben zu Fone gebracht und uns die anwesenden Mitarbeiter und einige Kinder vorgestellt. Das war erstmal sehr beeindruckend und aufregend für uns, da es uns noch sehr schwerfiel sich so schnell so viele Namen und Gesichter zu merken und wir uns noch gar nicht ausdrücken konnten.
Nachmittags haben wir gemeinsam mit Iben Ilemela erkundet und Iben hat uns viel gezeigt und über Fonelisco und das Leben hier erzählt.
In den folgenden Tagen lernten wir langsam immer mehr Namen und Gesichter von den Kindern und traten mehr und mehr in Kontakt mit ihnen. Immer mehr kamen auf uns zu und die ersten Konversationsversuche mit unseren wenigen Worten, die wir in Suaheli schon wussten, entstanden.
Wir bekamen erste Eindrücke von dem Alltag in Fone: von den Mahlzeiten dort, von der großen Begeisterung vieler Kinder am Malen in ihren Malheften bis hin zu Ereignissen wie der wöchentlichen Movie Night, welche Iben weiterhin am Laufen erhält, kleinen Dance Sessions am Abend oder Ausflüge zum Sabasaba Sport Charity Center einem großen Sportplatz in Ilemela. Viele Eindrücke, die uns faszinierten und neugierig machten. Und da die Schule noch nicht angefangen hatte, waren meistens auch so gut wie alle Kinder da, was vorteilhaft war, um möglichst viele in den ersten Tagen kennenzulernen und Kontakt aufzunehmen.
Außerdem begannen wir mit unserem Sprachkurs bei Mama Salala und lernten so immer mehr Wörter und Sätze auf Suaheli, was uns half, immer mehr Begrüßungsfloskeln mit den Kindern in Fone und den Menschen in Ilemela auszutauschen.
Abgesehen davon freuten Luisa und ich uns jedes Mal aufs Neue, von Mama Salala über die Kultur und das Leben in Tansania erfahren zu können. Auch wenn diese manchmal eventuell etwas subjektiv waren, empfanden wir ihre Erzählungen als sehr spannend und hilfreich, um die tansanische Kultur besser zu verstehen.
Ein wirklich besonderer Abend war für uns die Willkommensparty nach unserer ersten Woche in Fonelisco. Zum einen waren wir erstmal sehr überrascht, als Joseph uns erzählte, dass diese geplant ist, zum anderen waren wir im Vorhinein völlig ahnungslos, was uns erwartet.
Am späten Nachmittag kam Joseph dann runter ins Waisenhaus und trommelte alle Kinder zusammen. Es wurden zwei Stühle für uns aufgestellt, auf die wir uns setzen sollten. Etwas verunsichert und schüchtern setzten wir uns hin und fragten uns, was nun passieren würde.
Auf einmal erhoben sich alle Kinder und fingen gemeinsam mit Joseph und den anderen Mitarbeitern lautstark an, ein Lied nach dem nächsten auf Suaheli zu singen und zu tanzen, um uns willkommen zu heißen. Luisa und ich waren zum einen peinlich berührt, aber konnten vor Aufregung und Freude gar nicht mehr aufhören zu grinsen und zu lachen. So viel Freude über unser Dasein und Gastfreundschaft überwältigte uns total und ließ sogar die eine oder andere Freudenträne rollen.
Nachdem die Kinder und Erwachsenen zu guter Letzt die tansanische Nationalhymne gesungen hatten, kamen einzelne Kinder und die Mitarbeiter zu uns oder stellten sich auf und formulierten eigene persönliche Willkommensworte für uns, was ebenfalls sehr berührend war. Luisa und mir fehlten vor lauter Rührung wirklich die Worte und wir brachten lediglich immer wieder „Asante! Asante Sana!“ hervor.
Ich bin mir sicher, dieser Abend wird bei keinem von uns beiden je in Vergessenheit geraten.

Allgemein war es für uns wirklich beeindruckend, wie herzlich wir hier in Mwanza und vor allem bei Fonelisco und im Volontärshaus willkommen geheißen wurden. Schon am ersten Abend sagte Joseph wir alle seien eine Familie. Und dieses Gefühl bestärkte sich immer wieder. Ob bei dem freudestrahlenden Begrüßungen von Joseph jedes Mal, wenn er nach Hause kam, dem täglich liebevoll zubereiteten Essen von Helen, Unterstützung und Gespräche mit Eddie, einem netten Spieleabend mit Elias, Helens ältestem Sohn, der häufen Kontaktaufnahme von der kleinen Natasha (eine von Helens Töchtern) oder vor allem dem freudigen „Mambo“ der Fone-Kinder wenn wir durchs Tor herein kommen. Alle heißen uns sehr herzlich willkommen, was es uns deutlich leichter macht, uns hier wohl zu fühlen.
Vor allem aber erwähnt werden muss die liebe Iben, die uns seit Tag 1 alles zeigt, uns durch die Innenstadt Mwanza führt, uns alles erklärt, uns zu verschiedenen Orten, wie z.B. der Sprachschule bringt, für uns immer wieder den Dolmetscher spielt, wenn es mal wieder an unserem noch sehr ausbaufähigen Suaheli scheitert und für wirklich unzählig viele Fragen von uns Geduld und Verständnis aufbringt.
Auch wenn es für uns nicht immer leicht ist, uns an all die neuen Eindrücke zu gewöhnen, wir noch immer etwas unsere Rolle in Fonelisco suchen und uns an vieles gewöhnen müssen, hatten wir eine wirklich schöne erste Woche hier, in der ich für meinen Teil mich viel schneller eingewöhnt habe, als ich es im Vorhinein vermutet hätte.