Nach 3 Monaten bei Fonelisco hat sich langsam der Alltag in unser Leben eingeschlichen, das Leben hier ist für uns normal geworden. Das Tolle daran ist aber, dass einem nicht mehr wie zu Anfang die Gegensätze zwischen Tansania und Deutschland ins Auge springen, sondern, man immer mehr Gemeinsamkeiten entdeckt. Denn wir haben uns auf die tansanische Kultur eingestellt und so hat sich auch für uns eine Routine etabliert.

Mandazi

Mandazi und Chai

Wir stehen morgens gegen 8 Uhr auf, machen uns fertig und frühstücken. Meist gibt es Mandazi (eine Art große Schmalzkuchen) oder Chapati (eine Art Pfannkuchen) und den tansanischen Frühstücks-Chai. Jeden zweiten Tag stehe ich eine Stunde früher auf, um joggen zu gehen, denn der Sport fehlt mir hier in Tansania. Dafür bekomme ich den morgendlichen Alltag der Leute mit, denn selbst mit 7 Uhr bin ich noch ein Spätaufsteher. Auf meiner Joggingstrecke begleiten mich so häufig die Primary School Kids für ein paar Meter und die jungen Männer, die auf der Baustelle in der Nähe arbeiten, grüßen mich immer freundlich und ein bisschen erheitert. Denn man sieht zwar ab und zu einen Jogger mit dicker Regenjacke in Tansania, aber ein joggender Mzungu ist dann doch etwas komisch. Wenn ich zurück nach Hause komme, steht dann schon das Frühstück auf dem Tisch denn Anna, die für den Haushalt im Volontärhaus zuständig ist, steht schon um 5.30 Uhr auf um alles fertigzumachen.

Unterricht

Preschoolunterricht

Nach dem Frühstück gehen wir Volontäre gegen 9.30 Uhr runter zu Fone. Dort treffen wir Eddie und rufen die Preschool Kids zusammen für den einstündigen Unterricht. Zweimal die Woche unterrichtet Eddie Kisuaheli also Lesen und Schreiben, an den restlichen Tagen, machen wir etwas Mathe oder Englisch oder Malen, Basteln oder Spielen einfach mit den Kindern. Besonders das Basteln und Lego spielen lieben die Kids. Während wir den kleineren Kindern häufig noch helfen müssen, entwickeln die größeren unsere Ideen weiter und basteln echt coole Dinge. Jeder freut sich aber seine fertige Sache, dann aufzuhängen und die der anderen anzugucken.Nach der Stunde in der Klasse spielen wir noch ca. 1 Stunde mit allen Kindern zusammen Gruppenspiele. Besonders beliebt ist Eierlauf, wofür statt Eiern unreife Mangos oder Steine benutzen. Bis 12.30 beschäftigen die Kinder sich dann selber und wir passen ein bisschen auf und spielen meist noch mit eine Runde Fußball oder malen im Sand.

Embelauf

Embelauf

Wenn wir danach wieder zum Volontärhaus gehen, hat Anna meistens schon das Mittagessen fertig zubereitet. Die Gerichte variieren von „German Potatoes“ also Kartoffelbrei bis hin zu Ugali, Kisamvu und Furu also eine Art Maisbrei mit Nussspinat und kleinen frittierten Fischen. Danach machen wir Mittagspause. Aber es gibt irgendwie immer etwas zu tun, dazu gehört zum Beispiel unsere Klamotten zu waschen. Natürlich machen wir das mit der Hand aber wie jeder verwöhnter Deutscher stellen wir uns ziemlich ungeschickt dabei an, sodass das schnell eine Stunde oder mehr dauern kann. Außerdem bereiten wir den Nachmittagsunterricht vor, denn gegen 15 Uhr gehen wir wieder zu Fone und Unterrichten immer abwechselnd die Kinder aus Standard 3 & 4 und Standard 4 & 5 & 6 der Primary School in Englisch. Hier versuchen wir mit Wortfeldern, Geschichten, etwas Grammatik und Lernspielen abwechslungsreichen Unterricht zu machen und die Kinder zur Eigenarbeit zu bewegen. Denn die Kids sind hauptsächlich autoritären Frontalunterricht gewöhnt, anderseits haben auch die Lehrer in Deutschland mit nicht beteiligungsfreudigen Klassen zu kämpfen. Wir freuen uns trotzdem immer wenn es den   Kindern Spaß macht und nicht nur die üblichen schlauen Schüler, die es sowieso können, den Unterricht mitgestalten, sondern auch mal derjenige, der die letzten 2 Stunden schlafend auf dem Pult lag oder gar nicht erst gekommen ist. Außerdem cool ist es das sich in letzter Zeit auch viele vom Staff mit in den Unterricht setzen um besser Englisch zu lernen aber uns auch gleichzeitig unterstützen.

Je nachdem wie die Kinder drauf waren, beenden wir den Unterricht nach einer Halben bis eineinhalb Stunden und machen das Office auf. Dort gibt es ein paar Spiele und Bücher, die wir für den Nachmittag ausleihen. Häufig warten Unoschon viele Kinder ungeduldig auf dem Flur und wollen Uno oder ein Puzzle haben. Besonders beliebt sind auch die wenigen Kisuaheli Bücher, es ist erstaunlich, wie ruhig sich selbst die wildesten Jungs hinsetzen und diese lesen. Aber auch mit den Kindern zusammen zu puzzlen, Frisbee zu spielen oder in der achten Runde von Uno schon wieder zu verlieren mach großen Spaß. Häufig organisiert Willie auch ein Fußballspiel für die älteren Jungs oder es gibt Drums and Dance, wo wir zugucken oder mitmachen. So geht die Zeit viel zu schnell um und wir müssen die Spiele wieder einsammeln und schnell gegen 18.30 Uhr, kurz bevor es dunkel wird und wir nicht mehr alleine raus dürfen, wieder zurück zum Volontärhaus gehen.

Dort warten wir dann ungefähr eine Stunde, dass Anna uns mit „Karibu Chakula“ zum Essen ruft. Wenn wir gerade Strom haben, starten wir ab und zu auch eine „Kitchenparty“ und tanzen mit Anna, Albert und Cathy zu tansanischen Hits wie Nana von Diamond Platnumsz oder Ama-Rulah von Roberto. Nach dem Reis mit Bohnen, was komischerweise selbst nach 3 Monaten noch gut schmeckt, setzen wir uns häufig raus in den Pavillon im Garten und genießen den milden Abend und planen den nächsten Tag.

Am Dienstag waren wir dann schon darauf eingestellt, erst gegen 9.30 Uhr runterzugehen und verbrachten die Zeit nach dem Frühstück deutlich entspannter. Gemeinsam mit den beiden Däninnen, Eddie, Johanna und Sophia machten Luise und ich uns dann auch pünktlich nach der „african time“ auf den Weg. Ich ging davon aus, dass die beiden Däninnen heute den Unterricht machen würden, doch nachdem wir Deutsche uns gesetzt hatten, verschwanden sie und murmelten nur etwas davon, dass sie die Schränke der Kinder beschriften würden. Für mich war das in Ordnung, eine weitere Stunde Kiswahili mit Eddie wäre interessant und morgen würden wir dann sicher sehen, was die beiden so in Englisch mit den Kindern machten. Da hatte ich mich aber gewaltig getäuscht.
Eddie fing an den Unterricht wieder mit „Wi“-„Wa“ und dem Lied an. Als er fertig war, sah er uns fragend an: „Und was unterrichtet ihr jetzt?“. Etwas baff sahen wir uns an. Ich war schon Nahe dran ihm zu erklären, dass das nicht so einfach sei, einfach aus dem Stegreif das erste Mal zu unterrichten, da sprang Luise auf und meinte ganz locker „Wir machen heute die Früchte auf Englisch!“. Und ehe ich mich versah, standen wir beide vorne vor der Klasse. Der Unterricht lief besser als erwartet. Wir fragten, welche Früchte die Kinder auf Englisch und Swahili kannten und kriegten mithelfe von Eddie und den älteren Schülern, fast immer die richtige Übersetzung und Schreibweise hin. Schnell hatten wir die ganze Tafel mit Früchten gefüllt und weiteten das Begriffsfeld auch auf Gemüse auf. Als den Kindern und uns keine Früchte mehr einfielen, wussten wir nicht so ganz weiter, also orientierten wir uns an der einzigen Stunde, die wir gesehen hatten, und gingen wie Eddie am Montag vor. Ich wiederholte die Begriffe und ließ die Kinder die englischen Wörter nachsprechen. Daraufhin sollten sie die ganzen Vokabeln abschreiben. Da die Kinder dies gewohnt waren und einige schon während der Besprechung damit angefangen hatten, war Janualy, der Junge der schon 3 ½ Jahre die Schule besucht hatte, schon nach wenigen Minuten fertig. Auf so was waren wir noch weniger vorbereitet, also gaben wir ihm unser Deutsch-Swahili Buch und er hatte zum Glück viel Spaß dabei die Früchte auf Deutsch rauszusuchen und zu versuchen auszusprechen. Auch die anderen Kinder brauchten viel Betreuung, manche konnten ja noch nichtmal Buchstaben schreiben. Also kamen uns Johanna und Sophia zu Hilfe und auch Eddie ging rum.
Nach knapp 1 ½ Stunden Unterricht, waren die meisten Kinder fertig und wir gingen nach draußen, um zu spielen. Da Eddie uns schon am ersten Tag nach Spielen gefragt hatte, hatten wir uns hier schon vorher ein paar Gedanken gemacht. Luise hatte die Idee Ochs am Berg zu spielen, was wir auch versuchten. Wir erklärten das Spiel Eddie auf Englisch und er übersetzte es für die Kinder auf Swahili. Aber irgendwie hatten sie es nicht richtig verstanden und ein paar Kinder hielten sich nicht an den Regeln, also kehrten wir ganz schnell zu „Bange Bif“ und „Panya na Paka“ zurück. Nach dem gemeinsamen Spielen ging Eddie wie am Tag zuvor relativ bald nach oben und wir verbrachten noch eine Stunde mit den Kindern, wo ich und Kamba, ein sehr aktiver Junge, mit einem Autoreifen spielten. Er versuchte darauf zu balancieren und ich half ihm dabei. Das Ganze artete immer mehr in Toben aus und es war großartig einfach ein bisschen Blödsinn zu machen und wie herzlich Kamba dabei lachte.
Als wir zum Mittagessen wieder hochgingen, meinte Luise, dass unsere erste Stunde eigentlich ganz gut war. Ich fühlte war aber nicht wirklich zufrieden damit. Selber hatte ich immer diese Art von Unterricht gehasst: erst Frontalunterricht und dann Abschreiben. Doch Johanna beteuerte, das Abschreiben halt eine der gängigsten Methoden waren, um Kindern das Schreiben und neue Vokabeln beizubringen. Aber meinem etwas übertriebenen, perfektionistischen Anspruch genügte diese Stunde irgendwie nicht. Aber es sollten ja noch viele weitere Stunden folgen, mal ähnliche, mal komplett andere.

Luise und ich hatten mit Joseph abgesprochen, dass wir ab Montag den 21. September zunächst eine Woche beim Unterricht zu schauen und dann langsam etwas übernehmen würden. Er meinte das wir ihn oder Pius begleiten, doch wie sich herausstellte waren für die Vorschüler, d. h. alle Kinder, die momentan nicht zur Schule gehen, die Volontäre und Eddie, ein Ehemaliger von Fonelisco, zuständig. Es hieß um 9 fängt der Unterricht an und so saßen wir am Montagmorgen mit deutscher Pünktlichkeit um kurz vor 9 zusammen mit Johanna und Sophia, die am Wochenende gekommen waren, vor dem Haus. Aber von Eddie und den Däninnen war keine Spur, ich machte mir schon Sorgen, dass sie uns vergessen hätten und ohne uns runter zu den Kindern gegangen wären. Doch um 9.10 Uhr kam auf einmal die eine Dänin mit dem Frühstück in der Hand aus der Tür: So gegen 9.30 Uhr würden sie wahrscheinlich runtergehen. Aus 9.30 wurde 9.40 und ich merkte zum ersten mal das „Pole Pole“ (in etwa langsam, langsam es wird schon), nicht eine etwas übertriebene Reiseanekdote ist, sondern wirklich ein Teil der Lebensweise, an die wir uns auch viel zu schnell anpassen würden.
Unten, bei Fonelisco angekommen, trommelte Eddie die Kinder zusammen und ehe wir uns versahen waren auch schon 6 Stühle im Raum, auf die wir und die Däninnen uns setzten. Etwas verwundert fragten wir nach und sie erklärten uns, dass sie mit Eddie abgemacht hätten, dass er heute unterrichtet.
Die 12 Kinder, die hinter 4 Pulten verteilt saßen, waren ungefähr im Alter von 3 bis 10. Da man in Tansania nur zum vollen Schuljahr die Schule wechseln kann, ist ein Kind dabei das schon 3 ½ Jahre zur Schule gegangen war. Es gibt aber auch Kinder im gleichen Alter die noch nicht mal Schreiben können, während es die Kinder im Alter von 5 die schon von klein auf bei Fonelisco waren sehr gut beherrschen. Dementsprechend ist die Breite des Lernstandes in allen Fächern riesig.
Als die Kinder auf den Bänken saßen, rief Eddie „Wi“ worauf die Kinder „Wa“ antworteten, damit hatte Eddie sofort die Aufmerksamkeit aller Kinder und nach 2 Wiederholungen wurde es still. Eddie fing an ein Lied mit Kindern zu singen, indem er eine Zeile sang und die Kinder nachsangen. Als das Lied beendet war, holte Eddie die Kreide und ein Buch aus dem Wandschrank und fing an etwas auf Kisuaheli an die Tafel zu schreiben. Währenddessen waren die Kinder unbeschäftigt und sofort nahm die Lautstärke wieder zu. Als Eddie fertig war, schaffte er es aber sofort durch „Wi“-„Wa“, die Aufmerksamkeit wieder nach vorne zu lenken. Daraufhin fing er an den Text vorzulesen und die Kinder wiederholten die Sätze mehrmals im Chor. Nachdem auch das beendet war, sollten die Kinder den Text abschreiben, dies gestaltete sich aufgrund des unterschiedlichen Kenntnisstandes als sehr schwierig. Manche waren innerhalb weniger Minuten fertig und manche konnten gar nicht schreiben. Als Luise und ich rumgingen und guckten was die Kinder so können, sahen wir sehr schnell, wer Probleme damit hatte, und fingen, noch etwas zögerlich, an den Kindern zu helfen. Das Abschreiben dauerte dementsprechend fast eine halbe Stunde, sodass danach der Unterricht beendet wurde.
Draußen versammelte Eddie die Kinder im Kreis und es wurde „Bange Bifi“ und „Paka na Panya“ (Katze und Maus) gespielt. Nachdem die beiden Spiele sich langsam auflösten, blieben wir noch bis ca. 12.30 und spielten mit den Kindern Fußball. Als wir dann zum Essen wieder hochgingen, freute ich mich den ersten Tag geschafft zu haben und war gespannt auf die weiteren Stunden besonders auf das eigene Unterrichten, was schneller kommen sollte als erwartet.

Am Abend unseres ersten Tages gehen Luise und ich zusammen mit Jospeh, zwar relativ entkräftigt vom langen Flug aber gespannt, runter zu den Kindern im Kinderheim. Dort zeigt uns Joseph die ganze Anlage. Als wir die Besichtigung abgeschlossen haben, ruft Joseph die Kinder zusammen und führt uns in das größere Klassenzimmer, in dem ein Stuhlkreis aufgebaut ist und schon zahlreiche Kinder auf den Stühlen und auf dem Boden sitzen. Er bedeutet uns, uns auf zwei Stühle zu setzen. Als alle ruhig sind, fängt er an eine Ansprache auf Kisuaheli zu führen. Joseph übersetzt uns kurz seine Rede auf Englisch und heißt uns so willkommen und betont die Anstrengungen, die wir auf uns genommen hätten, auch von finanzieller Seite aus. Dann sollen wir uns kurz vorstellen, auf Englisch, mit Joseph, der alles auf Swahili übersetzt. Schon während Josephs Ansprache ist die kleine Tochter der Köchin immer wieder zu mir rübergelaufen und wollte auf meinen Schoß, sodass ich mich mit ihr auf dem Arm vorstelle. Danach beginnt der beste Teil, der gesamten Begrüßung. Joseph fordert die Kinder auf, sich uns gegenüber aufzustellen. Und er sowie ein paar ältere Jungs als Vorsänger fangen an ein Lied zu singen und dabei zu tanzen in dem sie immer wieder vor und zurück gehen. Immer mehr Kinder steigen ein und es wird immer lauter. Es folgen weitere Lieder, die, wie Joseph uns später übersetzt, davon handeln, dass sie uns willkommen heißen, Fonelisco preisen und Gott danken. Mit jedem Lied wird die Stimmung ausgelassener und mit der Zeit kommen auch die letzten Kinder von draußen so wie die Angestellten hinzu. Die Hausmutter, die uns schon vorher sehr herzlich begrüßt hat, fängt an laut mit der Zunge zu trillern. Schließlich wird auch Luise von der Stimmung mitgerissen und auch ich stehe zögerlich auf und wir fangen an mitzutanzen. Das freut die Kinder, sodass der Tanz immer wilder wird und die Lieder immer länger wiederholt werden.
Im Nachhinein kann ich gar nicht sagen, wie lange das gedauert hat. Aber als es zu Ende ging, war die Lautstärke so hoch das Ich fast Kopfschmerzen bekommen habe, diese aber in der Atmosphäre gar nicht richtig wahrgenommen habe und mich einfach gefreut habe hier zu sein. Als alle aus dem Klassenzimmer strömen, werden wir von zahlreichen Kindern begrüßt und wir schütteln viele Hände. Inzwischen ist es auch schon dunkel geworden, sodass wir uns bald auf den Rückweg machen, immer noch getragen von den Liedern.

Für ein halbes Jahr bin ich hier in Mwanza, um bei Fonelisco im Kinder- und Jugendheim zu arbeiten. Eigentlich war für mich schon immer klar, dass ich nach dem Abi einige Zeit im Ausland verbringen möchte. Nach einem Schulaustausch mit der Lyakirimu Sec. School in Moshi, stand für mich fest, dass „das Ausland“ Tansania sein soll. Über die Nichte eines Arbeitskollegen meines Vaters kam dann der Kontakt zu Fonelisco e.V. zustande. Und jetzt bin ich hier, arbeite mit den Kindern und hoffe viel von Tansania zu entdecken.
Schon in den ersten 1 1/2 Wochen, die ich inzwischen hier bin, habe ich durch das einfach andere Leben und die neuen Aufgaben und Menschen, viel über mich gelernt und merke, wie ich mich verändere. Wenn ich mich also hier vorstellen will, ist das gar nicht so einfach. Auch hier bin ich noch 18 Jahre alt, aber viele andere Sachen sind in meinem Leben hier bei Fonelisco, einfach nicht mehr so im Vordergrund.
In Deutschland habe ich gerade mein Abi fertiggemacht und versuche, so gut es geht, meine neue Freiheit zu genießen. Ich liebe Bücher und Musik, besonders Punk, Rock und Hip Hop aber auch alles andere was groovt. Ich gehe ziemlich häufig auf Konzerte und mache alle möglichen anderen Sachen it Freunden, wie eigentlich jeder in meinem Alter. Ich spiele Geige und E-Bass und mache Leichtathletik.
Eigentlich müsste ich sagen, das alles habe ich gemacht, denn jetzt bin ich hier in Mwanza, und irgendwie ist das alles auch noch ein Teil von mir, aber mein Leben hier ist jetzt anders, aufregend und neu, da sind diese Sachen eher im Hintergrund.
Hier in Mwanza höre ich ziemlich gerne Reggae aber auch Hip Hop, besonIMG_3018ders wenn die Kinder von Fonelisco dazu tanzen (und mir versuchen das auch beizubringen.) Ich liebe es in der Vorschule zu unterrichten und habe schon tausend Ideen was ich gerne mit den Kindern machen würde. Die Freude, wenn ich schweißgebadet und zugestaubt, vom Fußball spielen komme, gleicht der, die ich beim Pogo eines besonders gutem Konzerts habe. Und wenn ich nachts nicht schlafen kann, höre ich lieber Kinderlieder auf Swahili oder lausche gleich der Geräuschkulisse von draußen, die je nach Uhrzeit von dschungelähnlichem Vogelgezwitscher, heulenden Hunden oder einem weit entferntem Muezzin bestimmt wird. Ich laufe so viel barfuß, wie noch nie in meinem Leben zuvor und möchte am liebsten gar keine Schuhe mehr anziehen. Chapati und Reis mit Bohnen sind meine neuen Lieblingsgerichte und manchmal bekomme ich beim Daladala fahren ein Hochgefühl, das mich durch den ganzen Tag trägt. Manchmal habe ich auch Heimweh und vermisse, die Sachen die ich in Deutschland machen würden. Aber wenn ich dann am nächsten Morgen mit den kleineren Kindern tobe und in die leuchtenden Kinderaugen schaue, habe ich auch das für die nächste Woche vergessen.