Im August/ September 2017 ist unser zweiter Vorstand Dominik zum mittlerweile vierten Mal in Mwanza und hat hierfür seinen Blog vom Vorjahr wieder zum Leben erweckt, auf dem er regelmäßig berichten wird, was er vor Ort erlebt.

Eigentlich sollte ich gerade so langsam in einem Zugabteil aufwachen, irgendwo zwischen Mwanza und Morogoro. Stattdessen sitze ich leider im Freiwilligenhaus von Fonelisco, während mein Arm von einer seltsamen Salbe glänzt. Nicht, dass ich nicht gerne in Mwanza wäre. Aber ich ziehe es vor, die Dauer meines Aufenthaltes selbst zu bestimmen. Schon in Deutschland ist mein Immunsystem nicht gerade der beste Krieger, aber hier in Tansania würde ich ihm in beständiger Regelmäßigkeit nur eine Teilnehmerurkunde ausstellen. Von Schlangenbissen bis zur Malaria habe ich mir hier schon alles eingefangen und nun macht mein Arm Querelen. Also konnten Silke und ich noch nicht aufbrechen. Immerhin habe ich so viel Zeit, um diesen Blogbeitrag zu verfassen

Leonard & Sylvanus

Der Freitag war mein letzter Arbeitstag – und er war verkürzt. Zu Beginn holte mich Denis ab und anstatt direkt zur Arbeit zu fahren, bat er mich, für ein kleines Fotoshooting noch einen Abstecher bei seiner Familie zu machen. Gesagt, getan. Begleitet von den nervigen Kommentaren eines Alkoholikers, der gerne auf das ein oder andere Foto gekommen wäre, knipsten wir Foto um Foto. So kam es, dass ich ausgerechnet an meinem letzten Arbeitstag das erste Mal zu spät war. Aber halb so wild, denn ich war immer noch der Erste vor Ort. Todmüde und leicht angeschlagen schleppte ich mich durch den Vormittag. Beim Frühstück kam Leonard in die Kanzlei, gemeinsam mit seinen beiden Söhnen. Diese sind nach ihm benannt: Leonard & Sylvanus. Wie die drei dort im Partneroutfit am Frühstückstich saßen, war schon ein Anblick. Mit den Kindern spricht er überwiegend auf Englisch und auch sie sprachen es die Zeit über.

Ich sehnte mich weiter nach einem Bett und bat schließlich darum, nach Hause fahren zu dürfen. Dort haute ich mich sofort hin und legte einen wohltuenden Mittagsschlaf ein. Der half ersichtlich und so konnte ich am Nachmittag mit zum Tunza Beach. Denis fuhr mich und eines der Mädchen hin, die noch Helen in der Küche geholfen hatte. Debo war sichtlich stolz, mit auf dem Pikipiki sitzen zu dürfen und machte auf sich aufmerksam, als wir bei Tunza ankamen, damit auch ja jedes der Kinder sehen könne, auf welchem Wege sie zu Tunza kam. Dort angekommen spielten wir Beachvolleyball und auch Denis wat mit von der Partie.

Nachdem wir die Kinder zurückgebracht hatten und dort prüften, ob die neuen Matratzen gut bei Fone angekommen waren, machten wir uns mit dem Taxi ins Tilapia Hotel auf. Dort aßen wir vorzüglich und trafen auf die zwei Amerikaner, die wir vom Bootstrip her kannten. Gemeinsam verbrachten wir einen schönen Abend, sodass wir uns mit dem Gefühl eines angenehm vollen Magens in die Waagerechte befördern durften.

Von Sackhüpfen, einem Festmahl und tanzenden Babies

Der Samstag war ein äußerst ereignisreicher Tag. Den Vormittag verbrachten wir bei Fone, gaben Moskitonetze aus und prüften nochmals die Matratzen. Nach dem Mittagessen gingen wir zurück zu Fone, wo wir endlich die lang geplante Olympiade mit den Kids veranstalten konnten. Wir hatten zudem drei Gäste von der Sports-Charity, die sich mit ins Getümmel stürzten. Wir hatten großen Spaß, wie wir dort menschliche Pyramiden bildeten, um die Wette rannten oder sackhüpften, Eierlauf mit Mangos durchführten oder Flaschen umkegelten. Zur Belohnung gab es einige Süßigkeiten.

Nach einer kurzen Dusche zuhause brachte ich mit Joseph und Pius sechs Kästen Soda zu Fone, wo es ein wahres Festmahl geben würde. 15 Hühner hatten sich bereit erklärt, uns die sechzig Kilo Kartoffeln ein wenig schmackhafter zu machen. Dazu gab es große Mengen an Früchten und eben Soda. Anlass des Ganzen war die Abschiedsfeier von Sibylle, Silke und mir. Jeder Freiwilliger möchte den Kindern zum Ende seiner Zeit noch einmal etwas Besonderes zuteil werden lassen. Und was gäbe es da Besseres, als dass sie sich so richtig den Magen vollzuschlagen. Denn Fleisch bekommen die Kids leider viel zu selten, von Soda brauchen wir gar nicht erst anzufangen. Umso mehr macht es Spaß, ihnen mit einem reichlichen Abendessen eine Freude zu machen. Mit eifrigem Geschmatze wurde also alles verspeist, was auf den Teller kam. Und wer Joseph noch nicht vollgestopft genug aussah, dem packte er noch ein wenig von seinem eigenen Teller obendrauf.

Nach dem Essen folgten die Reden. Einige der Kinder sagten ein paar Worte und fast immer bedankten sie sich dafür, richtig vollgefressen zu sein. Danach kamen die Reden der Mitarbeiter, die im Großen und Ganzen auch sehr nett waren. Nur Paul konnte es nicht lassen, den Anlass zu nutzen, um nochmals auf die Gehälter des Staffs zu sprechen zu kommen. Eindeutig der perfekte Zeitpunkt dafür. War man vorher schon ein wenig gerührt von den Worten der Kinder und der Mitarbeiter, war dieses Gefühl erst einmal verflogen. Ich meinte auch, alles zu diesem Thema gesagt zu haben, was es zu sagen gibt. Jedenfalls hat Paul meine Motivation, mich diesem Thema im Speziellen zu widmen, alles andere als gefördert. Als ich nach viel zu langer Zeit den Durchzug meiner Ohren wieder schließen durfte, hielt Joseph noch eine Rede, bevor es dann an Silke, Sibylle und mir war, das Ganze zu beenden. Man könnte meinen, ich habe mittlerweile schon eine gewisse Routine in diesen Abschlussfeiern, aber trotzdem ist es jedes Mal schwer, auf Wiedersehen zu sagen. Wenigstens kann ich mir sicher sein, dass es ein solches Wiedersehen gibt.

Als es dann endlich vorbei war mit dem Gequatsche, packte Willi, unser ältester Junge, seine bescheidenen DJ-Skills aus und die Tanzfläche war eröffnet. Wo ansonsten schüchterne Kinder sich kaum trauen, auf die Fragen der englischlehrenden Silke zu antworten, wurde nun die Sau rausgelassen. Godfrey, der noch nicht einmal ein Jahr ist, war ein besonderer Anblick. Ich hatte ihn noch nie auf seinen zwei kurzen Beinchen stehen sehen. Aber da stand er nun und bewegte sich – freilich äußerst fachkundig – zur Musik. Auch eine Polonäse und Limbo wurden kurzerhand gestartet. Die schüchterne Fatu, etwa 4 oder 5, wurde nicht zu Unrecht von Silke „Dancing Queen“ getauft. Es war ein großer Spaß und ein wirklich schöner Abschluss!

Knast statt Hilfe

Am Morgen des Sonntags brachten wir Sibylle zum Flughafen, die nach sechs Monaten Tansania zurück nach Deutschland fliegen würde. Für Silke und mich ergab sich so die Situation, dass wir trotz erfolgter Abschiedsfeier noch einmal zwei Tage bei den Kids haben sollten, die sich nun noch einmal unfreiwillig verlängerten. Bei Fone hatten wir eine Besucherin, die sich als die Mutter zweier der Kinder herausstellte. Sie war schlichtweg zu arm gewesen, um sich um ihre Kinder zu kümmern. Unter Tränen erzählte sie uns ihre Geschichte. Derzeit befinden wir uns in dem Prozess der Reintegration. Natürlich ist es das Ziel, dass sie ihre Kinder zurückbekommt. Dies muss aber über die staatlichen Behörden laufen. Mittlerweile ist die Mutter sogar im Gefängnis gelandet, weil sie ihre Kinder im Stich gelassen hatte. Für mich ein äußerst sinnloser Schritt. Sie war vollkommen verzweifelt und depressiv und versucht gerade, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Wir hoffen, sie kommt schnell raus und dass wir ihr ihre Kinder sehr bald zurückgeben können. Es wäre wirklich interessant zu wissen, wie viele der Kinder wirkliche Waisen im Sinne von elternlos sind. Ich denke, in vielen Fällen waren die Eltern einfach nur nicht mehr dazu bereit oder in der Lage, sich um ihre Kinder zu kümmern und haben sie verstoßen. Ein klassischer Fall ist auch, dass eines der Elternteile stirbt und der neue Partner die Kinder nicht akzeptiert.

Mittlerweile haben wir ein neues Staffmitglied. Auch tagsüber bewacht nun ein Massai das Tor der Kinder, das abgeschlossen bleibt. Dies ist Folge einiger schrecklicher Vorfälle von Kindesentführung in Arusha. Ziel war es, dass die Eltern gewisse Summen zahlen. Nachdem diese nicht aufgebracht werden konnten, wurden zwei der Kinder ermordet. Wir bekamen daraufhin einen Anruf von Social Welfare, dass wir unsere Sicherheitsvorkehrungen verstärken sollen. Denn sicherlich wäre es ein erfolgreiches „Geschäfts“modell, Kinder von Waisenheimen mit europäischer Unterstützung zu entführen und damit ein Lösegeld zu erpressen. Trotzdem gehen wir natürlich davon aus, dass es nicht soweit kommt. Aber ein wenig mehr Sicherheit schadet gewiss nicht, das ist es schließlich wert!

Ein Ausflug in eine Parallelwelt

Am Nachmittag besuchten uns Michael & Yasir, denen ich das Waisenhaus zeigte. Aber dann ging es los mit einem Ausflug in die Parallelwelt. Jackson, der Fahrer meiner Kanzlei, holte Silke, Juliane und mich ab und wir fuhren los. Nach einiger Zeit auf Asphaltstraßen wurde es holprig. Im wahrsten Sinne über Stock und Stein (Fels) bahnten wir uns unseren Weg und mussten dabei auch kurzerhand eine Beerdigung auflösen, die den Weg versperrte. Ziel der Reise war das Beachhouse von Leonard, der uns dort herzlich empfing. Das Haus war surreal, war es doch so ganz anders als alles, was ich sonst so in Mwanza kennengelernt hatte. Auch in Deutschland wäre es ein höherklassiges Haus gewesen, mit wunderbarem Blick auf den Lake Victoria allerdings. Es gab sogar Leitungswasser, das dem See entsprang und dass man aufgrund der Filteranlage trinken konnte. Getraut haben wir uns das aber trotzdem nicht. Die Wazungus kümmerten sich um die Chipsi, während der Herr im Hause das Grillen übernahm. Nach wirklich hervorragendem Fleischverzehr bewegten wir uns in Richtung Balkon, um dort den Sonnenuntergang zu genießen. Dazu gab es echten französischen Kaffee – ein wahrer Traum. Wir führten viele interessante Gespräche unter anderem darüber, wie er versucht, einen gesunden Mittelweg zwischen autoritärem und zugänglichen Chef zu finden. Und wir sprachen über Fone. Er war wirklich sehr interessiert und stellte viele, teils berechtigt kritische Fragen. Das Hauptproblem sieht er bei uns im fehlenden Netzwerk. Und das ist auch richtig, schließlich haben wir weder in Deutschland noch in Tansania Zugang zu Großspendern wie Firmen. Leonard rief sogar in unserem Beisein bei Coca-Cola an, um dort nach Tischen & Stühlen zu fragen. Der Gesprächspartner war allerdings nicht in Mwanza zurzeit, sodass noch aussteht, ob da was bei herumkommt. Auch insgesamt kündigte Leonard seine Hilfe an, was einem riesigen Schritt gleichkommen würde. Ich hoffe wirklich, da wird etwas draus. Denn er hat vollkommen recht, dass es gerade an dem Netzwerk hapert. Seine Unterstützung diesbezüglich wäre mehr als Gold wert!

Insgesamt verbrachten wir einen Abend im Luxus. Es fühlte sich schon komisch an, wenn man den Vormittag mit einer Frau geredet hatte, die aus Armut ihre Kinder im Stich lässt und dann am Abend selbst Unmengen an Fleisch vertilgt. Aber man würde depressiv, wenn man jeder Art von Genuss entsagen würde und so ließen wir es uns einfach mal gut gehen.

Besser Arm ab, als arm dran

Die nächsten zwei Tage sind schnell zusammengefasst. Montag ging ich zum einen ins Büro, um dort mein Certificate meines Praktikums abzuholen und Auf Wiedersehen zu sagen. Aber insbesondere führte mich der Weg ins Krankenhaus. Ich hatte seit längerer Zeit einen Ausschlag am Arm, der immer schlimmer geworden war und gegen den verschiedene Medikamente nicht geholfen hatten. In Tansania geht man, wenn man Beschwerden hat, meist direkt ins Krankenhaus, da es wenige Arztpraxen außerhalb gibt. Ich ließ mich auf Schistosomaisis prüfen, die Krankheit, die im Lake Victoria verbreitet ist. Denn es war genau dieser Unterarm gewesen, der beim Fischen Kontakt zum Seewasser hatte. Zum Glück fiel dieser Test negativ aus, obwohl ich auch gerne gewusst hätte, was ich denn nun habe. So setzten die Ärzte die Ratschläge meiner Tante um, die mich netterweise von Deutschland aus berät. Ich bekam also eine Cortisonsalbe und ein Antiallergikum. Aber was genau Sache ist, weiß ich immer noch nicht. Und so verbrachte ich insbesondere den gestrigen Tag nur im Bett, schaute Serien und kühlte ununterbrochen meinen Arm. Ich hoffe, das Ganze klingt schnell ab, sodass es dann endlich auf Reisen gehen kann. Denn darauf hatte ich mich sehr gefreut und es ist wirklich bitter, dass nun die Zugfahrt für mich flach fällt….

Stattdessen fahre ich jetzt gleich wieder ins Krankenhaus in der Hoffnung, dass ich dort eine etwas stärkere Salbe bekomme. Um eine wunderbare und leicht kitschige Brücke zu meiner Überschrift zu schlagen – mir wurde gesagt, das macht man so: Ich hoffe, dass dies nur ein kleiner Stein auf meinem Weg ist und ich bald in paradiesische Gefilde reisen kann. *gääähn*

 

„Nun sag, wie hast du’s mit der Religion? Du bist ein herzlich guter Mann, allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.“

Nachdem ich an meinem Geburtstag frei bekommen hatte, war auch der Freitag frei. Wegen des Opferfestes war dieser Tag ein Feiertag, sodass ich ein wirklich langes Wochenende hatte, an dem ich viel Zeit bei Fone verbringen konnte. Das war aber auch dringend nötig! Von dem Zusammenleben verschiedener Religionen in Tansania könnten wir uns eine gesunde Scheibe abschneiden, nicht nur weil es für viele Feiertage sorgt. Gut 60 Prozent der tansanischen Bevölkerung sind Christen, etwa 35 Prozent Muslime. Der Rest gehört Stammesreligionen oder anderen Religionen an. Einen einheimischen Atheisten habe ich hier bislang noch nicht getroffen. Ich habe nie erlebt, dass dies zu Spannungen geführt hat. Im Blog von meinem letzten Jahr hatte ich erzählt, wie ich ein wunderschönes Abendessen bei einer muslimischen Familie gemeinsam mit Christen und Zeugen Jehovas verbracht habe (http://www.fonelisco-verein.de/blog/2016/07/14/von-nutten-moslems-und-einer-behindertenwerkstatt/). Auch in unserem Waisenhaus gibt es Christen und Moslems. Morgens singt der Muezzin, tagsüber hört man Kirchenglocken oder sieht Menschen vor der Kirche tanzen und der Muezzin hält seine weiteren Gesänge ab. Betritt ein gläubiger Moslem den Raum, begrüßt er die Anwesenden mit „Salam aleikum“ und alle, einschließlich der Christen, antworten „Wa Aleikum Salam“. Diese blinde Angst, die in Deutschland teilweise gegen den Islam als solchen geschürt wird, in meinen Augen wird sie durch Tansania widerlegt.

Die Rolle, die hier Religion einnimmt, ist wirklich faszinierend. Ich werde oft gefragt, welcher Religion ich angehöre. Die Reaktion, wenn ich offenbare, dass ich nicht glaube, schwankt zwischen Verwirrung und absolutem Unverständnis. Auf dem Hinflug wurde ich von meinem tansanischen Nebensitzer gefragt, warum ich dann überhaupt in einem Flugzeug sitzen könnte, wenn Gott mich auf der Reise nicht beschützen würde. Ich versuche, das Thema meist schnell zu beenden, weil ich keine religiösen Gefühle verletzen möchte und nicht den Anspruch habe, jemanden von seinem Glauben abzubringen (was ich niemals schaffen geschweige denn wollen würde!). Meistens beruhigen sich die Gemüter, wenn ich erkläre, dass ich durchaus an die Kraft glaube, die Religion bei Menschen bewirken kann. Denn diese Kraft ist allgegenwärtig und sie stützt Tansania wie viele andere Länder der Erde in großem Maße.

Von eimerweise Wasser, Taschendieben und einem nächtlichen Krankenhausbesuch

Es war auf jeden Fall gut, dass der Freitag frei war, denn einen Feiertag hatte ich nötig. Wir waren spät ins Bett gekommen und so verbrachte ich einen lazy day. Irgendwann raffte ich mich dann doch mal auf und ging zu Fone, wo ich Fußball spielte und Silke damit beglückte, mir einige Eimer Wasser überschütten zu dürfen. Resultat davon war allerdings eine Erkältung, weil ich – dumm wie ich bin – mich nicht schnell genug umzog.

Am Samstag gingen wir in die Stadt, weil ich mir Schuhe kaufen musste, nachdem man meinen das Fußballspielen doch mehr und mehr ansehen konnte. Als wir später die Hauptstraße entlanggingen, hörte ich hinter mir Sibylle laut „Hey“ schreien. Ich drehte mich um und konnte nur noch einen oder zwei Typen weglaufen sehen. Sie hatten ihr das Handy geklaut. Mit der Hilfe eines Augenzeugen versuchten wir, den Männern zu verfolgen. Aber diese hatten sich auf dem Markt sofort in Lauft aufgelöst. Der Mann brachte uns zur Polizei, wo wir eine Anzeige aufgaben, die Erfolgschancen sind aber wohl mehr als gering. Für mich ist es das erste Mal, das ich mitbekommen habe, wie jemandem etwas geklaut wird. Man hört zwar immer viele Geschichten, aber die meisten davon sind übertrieben. Im Alltag bin ich zwar ein wenig vorsichtiger, aber in Paris oder Barcelona habe ich mehr Angst, bestohlen zu werden. Zur Entschädigung gab es immerhin ein leckeres Essen im Copenhagen Burger House, für mich eine waschechte und köstliche Pizza.

Vollgefressen wieder in Ilemela stand eine weitere Runde Fußball mit den Kids an. Wir stellten uns schon auf einen entspannten Abend ein, als plötzlich Joseph Silke und mich bat, mit ihm ins Krankenhaus zu fahren, nachdem Natascha, Helens Tochter, krank war. Im Auto wirkte sie eher fasziniert als todkrank und besonders begeisterte sie die Brücke bei der Mall, die ganz im Stile ihrer chinesischen Grundsteinleger in bunten Farben leuchtete. Im Krankenhaus schlug sie sich tapfer und weinte nicht einmal beim Blutabnehmen. Während wir auf die Ergebnisse warteten, schauten wir bei arabischen Kommentar Fußball und verspeisten Lutscher, die ich uns geholt hatte. Letztlich kam die Diagnose von Malaria und Amöben, beides nichts Außergewöhnliches hier, sodass sie auch recht schnell wieder auf den Beinen war.

Spagat zwischen Tod und Leben

Pius bat mich, dieses Foto von ihm zu schießen

Am Sonntag ging ich gemeinsam mit dem Mitarbeiter Pius zum Grab seines Sohnes, der während meines ersten Aufenthaltes in Tansania gestorben war. Ich hatte dies selbst angeregt, weil mich die Tage um seinen Tod immer wieder sehr beschäftigen und ich oft an ihn zurückdenke. Deshalb tat es mir gut, an seinem Grab zu stehen.
Danach ging es aber sofort weiter mit dem Programm. Mit Denis fuhr ich zum großen Sabasaba-Markt, wo ich Früchte für die Kinder kaufen wollte. Mit sechs Wassermelonen und 4 geschnittenen Stangen Zuckerrohr auf dem Motorrad ging es zurück. Bevor wir die Sachen bei Fonelisco abluden, machten wir noch einen kurzen Abstecher bei Denis‘ Familie. Diese, insbesondere seine Kinder, freuten sich sichtlich über den Besuch des Mzungus und ich verabschiedete mich mit dem Versprechen, Denis‘ Tochter in meinem Koffer mit nach Deutschland zu nehmen.

Nach dem Mittagessen gingen wir zu Fone, wo wir vorhatten, mit den Kids eine Olympiade zu veranstalten mit verschiedenen Spielen. Wir hatten gerade die Teams gebildet, als unser Plan durchkreuzt wurde. Ein Daladala und zwei Autos fuhren vor und heraus stiegen Gäste, die einen Haufen Süßigkeiten, Getränke, Mehl, Seife und ähnliches dabei hatten. In langen Reden stellten sie sich als Mitarbeiter eines Fotostudios in Mwanza vor. Ich erlebe es selten, bei Tansaniern auf Begeisterung dafür zu stoßen, ein lokales Projekt wie Fonelisco zu unterstützen. Dabei betrifft es doch eigentlich gerade ihre eigene Community. Ich erkläre es mir immer so, dass die Reichen in Tansania, Tag für Tag konfrontiert mit der vielen Armut im Land, eine „Jetzt-erst-Recht“-Attitüde entwickeln und umso mehr ihr Glück genießen wollen. Das muss man nicht unbedingt gut finden, aber man kann es respektieren und sollte sich als Deutscher auch nicht gerade als der allgegenwärtige Samariter aufspielen. Trotzdem denke ich, dass es doch einige Leute gibt, die eigentlich hilfsbereit wären. Ein Beispiel hierfür war die Gruppe, die ihren Nachmittag bei uns verbrachte. Es gelang uns nicht, das Turnier wieder anständig auf die Beine zu stellen für den Tag und so verschoben wir es. Stattdessen gab es eine große Fußballpartie und andere Spiele. Die Kinder hatten auf jeden Fall ihre Freude an dem Tag! War mein Morgen also durchaus geprägt von Traurigkeit, so war der restliche Tag mit prallem Leben gefüllt. Erschöpft ging ich zuhause früh ins Bett und schlief langsam mit den sanften Stimmen Angela Merkels und Martin Schulz‘ im Ohr, die sich mehr schlecht als recht duellierten, ein.

Im Anzug und Flip-Flops

Der Montag ist rasch erzählt: Es regnete. Ich war krank. Ich ging nicht zur Arbeit. Ich schlief.

Am Dienstag war ich zum Glück wieder deutlich fitter, sodass ich zur Arbeit fahren konnte. Am Morgen nahm sich Leonard wieder lange Zeit für eine Fallbesprechung mit uns und gab uns im Anschluss einen Rechercheauftrag. So verbrachte ich den Großteil des Tages mit fleißiger Arbeit. Wir hatten jedoch ein neues Mitglied in der Kanzlei, um das sich alle rührend kümmerten: Leonard hatte beim Joggen einen kleinen Welpen aufgegriffen, der leider sehr schwach wirkte. Trotz der Milch und der regelmäßigen Betreuung hat es der Kleine leider am Mittwochabend nicht geschafft.

Gegen Mittag gingen wir mit Bruno ins Gericht, um einige Akten abzuholen und einer quicklebendigen Katzenfamilie zuzuschauen, die es sich im Aktenregal des High Courts gemütlich gemacht hatte. Wir hatten interessante Gespräche und ich erzählte unter anderem von dem Freiburger Mordfall, der an diesem Tag am Landgericht eröffnet worden war. Zwischendurch setzten wir uns auf eine kleine Holzbank und tauschten unsere Anzugsschuhe gegen Flip-Flops, während erstere geputzt wurden. Auch beim anschließenden „Mittag“essen um halb vier folgten weitere interessante juristische Gespräche über die Unterschiede zwischen dem tansanischen und deutschen Rechtssystem. Ich schloss noch die Recherche ab und nahm ein Pikipiki heim. Zuhause konnte ich den Start eines neuen Projektes bewundern: Nicht nur hatte Pius in den letzten Tagen einen Hühnerstall und – gehege gebaut, auch die fünf Hühner waren angekommen. Am Volunteerhouse planen wir nun, eine Hühnerzucht auf traditionelle Art durchzuführen. Deren Marktpreis liegt deutlich höher als die der „Meat Chicken“ und auch die laufenden Kosten sind deutlich geringer, weil sie beim Essen nicht anspruchsvoll sind. Wir werden sehen, ob es klappt. Danach ging ich mit Silke zu Fone, wo ich mit Edina lange darüber redete, warum wir es nicht mögen, „Mzungu“ gerufen zu werden und dass nicht alle Weißen von Geld strotzen. Das Schöne an Fone ist, dass man Kinder jeden Alters hat. Entweder es geht darum beizubringen, wie man 5+0 rechnet, oder man kann eben solche Gespräche führen. Und dazwischen liegt auch noch eine Menge!

Ganz wie sie es wollen, Eure Durchlaucht!

Mein Büro

Am Mittwoch brachte mich wieder Denis zur Arbeit. Vollkommen ungeniert hatte ich Sakko und Krawatte im Büro gelassen, sodass ich nur im Hemd auf dem Pikipiki saß. Ich fühlte mich richtig schmutzig ? Am Morgen fuhren wir ins Gericht, wo wir lange warteten und zwischendurch sogar für eine Stunde ins Büro geschickt wurden. Die Akte war verlorengegangen. Der Klient war ein älterer Geschäftsmann, den man sofort ins Herz schloss und der hervorragendes Englisch sprach. Es war sehr interessant, den Fall, den ich schon gut aus den Akten kannte, mit seinen Worten geschildert zu hören. Anstelle von neun Uhr ging es um halb eins los, das Warten hatte sich wirklich gelohnt. Leonard selbst übernahm diesen Fall und ich konnte ihn in seinem Element erleben. Nicht nur weil ich den Fall schon gut aus den Akten kannte und eine Recherche hierzu betrieben hatte, konnte ich viel verstehen. Nein, Leonard sprach Englisch und die Verhandlung verlief über die gesamten zwei Stunden auf Englisch. Erst als am Ende der Anwalt der Gegenseite sich nur noch auf sehr dünnem Eis bewegte, wechselte dieser zeitweise ins Swahili. Gegen Ende meines Praktikums war das noch einmal eine richtig wertvolle Erfahrung, dass ich mitbekommen konnte, was genau gesagt wird. Besonders faszinierend fand ich, wie unterwürfig die Anwälte gegenüber dem Richter auftraten, den sie Höflichkeitsfloskeln überschütteten und mit „My Lord“ ansprachen.

Zwischen Reflektion und Progression

Die Rock City Mall

Nach der Arbeit traf ich mich mit Joseph und Michael in einer Bar. Michael ist ein Ghanaer, der derzeit in Mwanza arbeitet und auf der Suche nach einer Gelegenheit war, seine Freizeit sinnvoll einzusetzen. Er ist Business Consultant und möchte nun kostenlos NGOs helfen, ihre Strategien zu verbessern. Das Gespräch war unglaublich gut und inspirierend und somit für sich schon ein Erfolg. Ich bin aber sehr optimistisch, dass Michael uns tatsächlich helfen wird. Das wäre für uns gleichbedeutend mit einem Jackpot, denn er könnte uns hinsichtlich Networking und dem richtigen Zugang auf Companies in Tansania enorm weiterhelfen. Joseph musste dann weg, aber ich ging noch mit ihm essen und wir unterhielten uns endlich über die richtig wichtigen Dinge: Fußball & Frauen.

Tradition trifft auf Moderne: Kamele bei der Rock City Mall

Auf dem Heimweg erwischte mich ein kurzer Starkregen, sodass ich mit meinem weißen Hemd bei jedem Wet-Shirt-Contest abgeräumt hätte. Ohne Pause ging es nahtlos weiter mit den interessanten Gesprächen. Für den Abend war ein Skype-Gespräch mit Veronika geplant, die in mittlerweile zweiter Generation als Change-Beraterin versucht, unser deutsches Team zu beraten und uns weiterzuhelfen. Ihr ging es darum, uns kennenzulernen, unsere Vorstellungen und Aufgabengebiete zu erfragen und einen Eindruck von unserer Arbeit zu bekommen. Ich sehe diese Gespräche zugleich als riesige Möglichkeit der Reflektion und bin auch voller Hoffnung bezüglich unserer Zusammenarbeit mit ihr. Unser Gespräch driftete teilweise sogar ins Philosophische ab, als wir uns fragten, ob nicht in jedem noch so reinen Altruisten immer noch ein wenig der Egoist steckt. Aber die Erörterung dieser Frage erspare ich euch an dieser Stelle.

Frauen kosten Geld!

Eunice nutzt meine Torwarthandschuhe. Sie passen!

Am heutigen Donnerstag stand ein ganz normaler Bürotag an. Nachdem wir aus dem Gericht kamen, zettelte ich eine Diskussion über den Bride Price an. Joseph möchte gerne heiraten, uns ist aber noch ein Rätsel, wie wir den Bride Price für seine Angebetete Helen aufbringen sollen, der bei 2.000€ und somit in weiter Ferne liegt. Auch die Kanzleiangestellten und die beiden Klientinnen, die mit uns frühstückten, waren angesichts dieses hohen Preises doch überrascht. Für mich ist das Konzept, seine Ehefrau „freizukaufen“ ohnehin vollkommen absurd. Aber so ist die Kultur hier eben (noch). Die Versuche, mir zu erklären, nach welchen Kriterien sich ein solcher Brautpreis bemisst, waren auch nur von mäßigem Erfolg.

So, nun habe ich es tatsächlich geschafft und bin wieder auf dem aktuellen Stand. Schneller als gedacht und so wird das Resümee meiner Zeit in Mwanza noch ein wenig auf sich warten lassen! Bis zum nächsten Beitrag!

Ich komme nicht hinterher mit meinem Blog und bin ganz schön im Verzug. Das liegt unter anderem daran, dass ich ein paar Tage nicht im Office war und wenn ich dort bin, mittlerweile erfreulich viel zu tun habe. Aber dazu später.

Politische Aufwärmübungen, der Geist Merkels und ominöse Geldübergaben

Am Montag, den 28.08., ging es mal wieder mit Enok zur Arbeit. Dieser war nach Mwanza zurückgekehrt, sodass ich in Zukunft abwechselnd mit Enok und Denis fahren würde. Bei TAWLA im Büro angekommen, war Fatma schon weg und so nahm ich ein weiteres Pikipiki, um zu einem Hotel in der Stadt zu kommen. Hier fand ein politischer Workshop statt. Ziel des Seminars war es, junge Menschen und Freuen auf die Wahlen in Tansania 2019/20 vorzubereiten, um dort eine möglichst große Repräsentation dieser Gruppen zu erreichen. Das Ganze lief im Rahmen des unter anderem von der EU geförderten WYPRE, Women & Youth Political Representation Enhanced.

Bevor es losging, warteten einige Teilnehmer und ich noch bei Naturdokus mit Tigern und Krokodilen und nahmen ein leckeres Frühstück am Buffet ein. Gesättigt lauschte ich der kurzen Einführung Fatmas, die TAWLA und die Ziele des Workshops vorstellte. Das Ganze lief auf Swahili, aber nachdem ich auf die Folien am Computer spicken konnte, verstand ich viel. Die nächsten Stunden verbrachten wir damit, dass die Teilnehmer des Seminars von den Erfahrungen ihrer letzten Kampagnen und Amtszeiten berichteten. Dies wurde dann von Fatma kommentiert. Nach jedem Redebeitrag wurde die Gesellschaft aufgelockert: Eine der Personen meldete sich freiwillig, alle standen auf und mussten eine kleine Übung nachahmen, die diese Person vormachte. Dies sorgte immer wieder für viel Heiterkeit und tat wirklich gut. Bevor es zu einem weiteren grandiosen Mahl (Hähnchen, Fisch und Fleisch!) ging, wurden die Seminarteilnehmer noch für ihre Anreisekosten entschädigt. Ich war überrascht, als mir Fatma ebenfalls 50,000 TZS in die Hand drückte. Meine Versuche, dies abzulehnen, scheiterten. Also versprach ich es, für Fone zu verwenden, was ich mittlerweile getan habe.

Nach dem Mittagessen hatte ich frei und ging in die Stadt, wo ich in einem Laden in ein Gespräch über Angela Merkel verwickelt wurde. Also musste ich genau erklären, was ich an ihr gut und schlecht finde und wie unser Parteiensystem funktioniert. Wenn möglich bitte mit dem tansanischen abgleichen! Auf Swahili ein Klacks! Aber meine Gesprächspartner schienen trotzdem recht zufrieden mit den vermittelten Informationen zu sein, sodass ich weiter meinen Tätigkeiten nachgehen können. Diese führten mich zu einem Matratzengeschäft, bei dem ich die Bestellung der Matratzen abschließen konnte. Die der Kinder waren wirklich in einem grauenhaften bis nicht mehr existenten Zustand gewesen. Silke und Maike, die kurze Zeit in Mwanza zu Besuch war, hatten sich bereit erklärt, von ihnen gesammeltes Geld hierfür einzusetzen. Zuhause angekommen besprachen Maike, Silke, Joseph und ich Budget, während wir auf die Ankunft der Matratzen warteten. Als letztlich der Lastwagen kam und 25 Matratzen auf unserem Hof landeten, kam, was kommen musste: Die Geldübergabe. Ich zauberte mir also ein Hawaiihemd herbei, knöpfte die obersten drei Knöpfe auf, um meine Brusthaare zur Geltung zu bringen, setzte die Sonnenbrille auf und übergab mit einem stillen Kopfnicken den Umschlag mit knapp 2,000,000 TZS, die ich natürlich nur als Strohmann mittelte.

„Boss is in da House“

Am Dienstag stand wieder ein Bürotag an. Die Kanzlei war rappelvoll: Nicht nur, dass mit Ashley unser kleines Büro fortan vier Leute beherbergen würde, auch der Chef, Leonard, war wieder da. Er stattete er uns einen Besuch in unserm Kämmerchen ab, um nachzufragen, an was wir gerade arbeiteten. Tatsächlich waren wir gut beschäftigt: Wir nahmen gerade die finanzielle Zuständigkeit des High Courts of Tanzania nach allen Regeln der juristischen Kunst auseinander, sprich wir versuchten sie uns so hinzubiegen, dass unser Fall unter ebendiese fallen würde. Mit der Rückkehr Leonards ist deutlich mehr Struktur und Zug in mein Praktikum gekommen. Langweilig ist mir nicht mehr und statt Zeit für Fonelisco oder Blogbeiträge zu nutzen, kann ich wirklich juristisch arbeiten. Das freut mich sehr, bietet es mir doch wirklich die Möglichkeit, einen richtig guten Einblick in das System Tansanias und die Arbeitsweise zu bekommen. Zu Beginn eines jeden Research-Auftrages fühlt man sich noch komplett überfordert, weil man logischerweise die entsprechenden Gesetze nicht kennt. Aber ich versuche einfach mit der gleichen Weise die Probleme anzugehen wie in Deutschland und kann auch immer auf die Hilfe meiner drei Mitinsassen bauen. Selbst, wenn ich nicht glaube, auf dem gleichen juristischen Gebiet wie die Kanzlei – fast ausschließlich zivilrechtlich und insbesondere Landstreitigkeiten betreffend – zu arbeiten, lerne ich wirklich eine Menge.

Pizza. Echte Pizza. Also mit Käse. Aber nicht für mich.

Zuhause angekommen ging ich nach einer kurzen Dusche runter zu Fone, wo die Volontäre gerade einen Workshop mit den Kindern zu dem Thema veranstalteten, wie man denn nun richtig Zähne putzt. Danach sputeten wir zum nächsten Daladala, mit dessen Conductor ich mich anlegen musste. Erst tat er auf guten Kumpel, dann aber wollte er uns zu wenig Geld rausgeben. Nun gut, es ging um umgerechnet 4 Cent, aber für mich ist es eine Prinzipsache, dass ich genauso viel für eine Busfahrt zahle wie jeder andere und keinen Weißenbonus blechen muss. Wenn ich das Bedürfnis verspüre, Menschen an meinem grenzenlosen Reichtum, den jeder Weiße freilich verkörpert, teilhaben zu lassen, lasse ich sie das schon wissen. Letztlich mit den 100 TZS Rückgeld in der Hand gingen wir zu Mirjam und Kathie, zwei Freiwilligen der Sports Charity. Dort gab es leckere Pizza, weil sie über eine neue Erfindung aus Europa namens „Ofen“ verfügen. Ob sich das durchsetzt? Die Qualität der Pizza spricht dafür. Mir wurde die Pizza jedoch ohne Käse serviert, nachdem mein Magen und ich zuweilen anderer Meinung darüber sind, was gut für mich ist. Den Käse hätte wohl selbst mein Magen nochmal durchgehen lassen, aber es war wirklich fürsorglich gewesen, nachdem ich gegenüber einer Lasagne leise Bedenken angemerkt hatte.

Schlange stehen bis das Network klemmt

Auf dem Weg zur Arbeit am Mittwoch erfreute ich mich an dem Schülerlotsen, der Enok ein Schild mit der Aufschrift „Simama“ – „Bleib stehen“ vor die Nase hielt. Der Lotse war selbst noch ein Schüler, wohl noch keine zehn Jahre alt. Enok hielt brav an und bedankte sich artig bei dem Jungen, der das Schild auf „Nenda“ – „Fahre weiter“ drehte, nachdem ein paar Kinder hastig die Straße überquert hatten. Im Büro erwartete mich ein sehr geschäftiger Tag, nachdem uns Leonard beim üblichen Morgenkaffee einen Fall erklärte und uns eine damit verbundene Research-Aufgabe zuteilwerden ließ. Ich denke, er ist wirklich ein Chef, bei dem seine Angestellten viel lernen können. Er nimmt sich die Zeit für sie, hört sich in Ruhe an, was sie über juristische Fragen denken und erklärt erst dann, wie er handeln oder nachforschen würde. Am Nachmittag wurden Yasir und ich zur Bank geschickt, um dort für einige Akten zu bezahlen. Die Schlange war erschreckend lang und angesichts der Tatsache, dass nur ein Schalter geöffnet war, stellten wir uns auf eine lange Wartezeit ein. Normalerweise müsste stilistisch hier ein überraschendes „Aber es kam ganz anders“ kommen. Leider war dem nicht so. Wir verbrachten fast zwei Stunden in der Schlange, bis ein Mitarbeiter verkündete, dass sich das Network verabschiedet hatte. Dementsprechend schloss die Mitarbeiterin den einzigen Schalter, obwohl man kaum glauben konnte, dass sie tatsächlich über irgendwelche elektronischen Hilfsmittel verfügte, die die Arbeit beschleunigen könnten.
Wir hatten Glück und uns wurde eine Sonderbehandlung zuteil, sodass wir an einem separaten Tisch letztlich doch unsere Akten bezahlen konnten, um sie gerade noch rechtzeitig im Gericht einzureichen.
Nach einem kurzen Mittagessen ging ich mit Silke und Mirjam unser Zugticket buchen: Am 12.09. geht es los nach Morogoro. Der Zug, der dorthin etwa 30 Stunden braucht ist ein lang ersehnter Traum von mir. Bislang hatte sich eine Fahrt mit dem aus Kolonialzeiten stammenden „Gari Moshi“ nicht mit meinen Planungen vereinbaren lassen, nachdem mich Schreckgeschichten von Verspätungen bis zu einer Woche in der Regenzeit abgeschreckt hatten. Aber dieses Mal soll es endlich soweit sein!

Am Abend schrieb ich noch ein wenig am Blog weiter und führte dann lange und interessante Gespräche mit Silke, bis wir um 12 Uhr nachts auf meinen Geburtstag anstoßen konnten, dessen Beginn sie mir mit einer mit Kerzen bestückten Tafel Schokolade versüßte. Auch Joseph kam um 12 dazu, als er gerade aus dem Krankenhaus wiederkam, von dem er eine weniger erfreuliche Malariadiagnose präsentierte.

Ein ganz normaler Fone-Tag. Aber mit Kuchen.

An meinem Geburtstag hatte ich netterweise frei bekommen. Leider schlief ich schlecht, sodass ich den Tag über recht müde war. Nach einem Telefonat mit den beiden Personen, die entscheidenden Anteil daran haben, dass ich diesen Tag überhaupt feiern darf, ging ich zu Fone. Denn eigentlich hatte ich mir für den Tag nur diese eine Sache vorgenommen: Möglichst viel Zeit bei Fone zu verbringen. In Tansania werden Geburtstage nicht gefeiert und wenn doch, dann geschieht es, um westliche Traditionen nachzuahmen (dies ist jedenfalls mein Eindruck). Das bot mir aber die Möglichkeit, einen ganz normalen Tag verbringen zu können. Trotzdem war es schon ein seltsames Gefühl, das ich nicht ganz beschreiben kann.

Bei Fone durfte ich mich wieder als richtiger Volontär fühlen, als ich Kambarage erklärte, dass 5+0 nicht 6 ist. Solche Dinge vermisse ich schon sehr, haben sie doch während meiner ersten Zeit in Tansania meinen Alltag geprägt. Als Volontär hat man so viele Möglichkeiten, eigene Initiative zu ergreifen und Tag für Tag kleine Erfolgserlebnisse zu verzeichnen. Auch wenn es nur eine kleine fünf in einem Heft ist. Solche Erfolgserlebnisse sind schon schwieriger zu bekommen, wenn man von Deutschland aus arbeitet und es sind gerade diese kleinen Begegnungen mit den Kids, die diese Zeit so wertvoll machen. Aber anstatt darüber nachzudenken, dass ich solche Erfahrungen wohl kaum nochmals in gleicher Form machen kann, sollte ich mich lieber darüber freuen, sie bereits gemacht zu haben und mit meiner Arbeit einen Teil dazu beitragen zu können, dass andere dies erfahren dürfen.

Nach einer kleinen Fußballrunde ging es nach Hause, wo Silke uns ein herrliches Hühnchencurry gezaubert hatte. Mit vollem Magen musste ich mich dann aber erst einmal in die Waagerechte bewegen, um den fehlenden Schlaf aufzuholen. Von dem kurzen Nickerchen gestärkt kaufte ich auf dem Markt Kekse für die Kinder, die ich bei Fone verteilte, wo ich noch eine weitere Runde Fußball einlegte.

Für den Abend hatte mein Anwalt Leonard angekündigt, eine Party zu organisieren. Und dem wurde er mehr als gerecht. Mit den Volontären, Joseph und Pius fuhren wir zu einer Bar, wo der Großteil der Angestellten der Kanzlei bereits auf uns wartete. In einer super netten Atmosphäre und unglaublichen Mengen an bestem Essen neigte sich mein Geburtstag zu Ende. Zum Abschluss gab es einen knallblauen Kuchen, den wir zur Hälfte verspeisten und zur anderen Hälfte die Kinder am nächsten Tag bekommen würden. Es war unheimlich nett von Leonard gewesen, das Essen zu organisieren, obwohl ich nur ein Praktikant seiner Kanzlei bin, den er gerade einmal ein paar Tage lang kannte. Ich bin ihm wirklich sehr dankbar dafür, was für einen schönen Abschluss er mir für meinen Geburtstag bereitete.

Meine Zeit in Mwanza neigt sich bereits dem Ende zu. Nächsten Dienstag bin ich weg, obwohl ich Tansania noch ein wenig erhalten bleibe. Den Urlaub kann ich auch gut gebrauchen, aber trotzdem fließt mir die Zeit unter den Händen weg. Aber ich bin sehr froh, wieder in Mwanza gewesen zu sein, meinem „second home“ – und es fühlt sich wirklich so an. Bevor ich also ein Resümee meiner Zeit hier verfasse, genieße ich lieber noch die letzten Tage und verschiebe dies auf den nächsten Eintrag.

Nach dem kleinen Einschub meiner morgendlichen Pikipiki-Fahrt geht es nun wieder brav chronologisch weiter.

 

Von meinem entspannten Nebenjob und gewohnter Büroarbeit

Am Montag, den 21.08., hatte ich meinen ersten Tag bei TAWLA. Dort habe ich sogar mein eigenes Office, indem ich einige Broschüren und zwei Akten durchging und mittags sogar Obst serviert bekam. Als ich nichts mehr zu tun hatte, fragte ich Fatmah, ob ich gehen könne. Ich aß noch Chipsi & Mishkaki, frittierte Kartoffeln mit Fleischspießen, in einem lokalen Laden und machte mich auf dem Heimweg. So ganz herausgefunden warum habe ich zwar nicht, aber die Straßen rund um die Mall waren gesäumt von hunderten Schulkindern. Irgendeine Feierlichkeit war wohl im Gange, aber mir konnte bislang keiner zufriedenstellend beantworten, was genau gefeiert wurde.

Es war ein ganz neues Gefühl, bereits am Nachmittag zuhause zu sein. Leider war ich schon wieder ein wenig angeschlagen, sodass ich mich ausruhte und einen Kaffee trank. Gestärkt konnte ich dann bis zum späten Abend am Agricultural Report arbeiten.

Auch Kinder sollen Geld anlegen dürfen!

Am nächsten Tag ging es wieder zurück zu meiner alten Arbeitsstätte, in die Kanzlei Leonard & Co. Advocates. Wir gingen wieder ins Gericht und anschließend arbeitete ich im Büro weiter am Report. Eine schöne Überraschung war, dass gegen Mittag mein ehemaliger Supervisor Hospis vorbeischaute, der mich im City Council 2015 betreut hatte. Er hatte leider nur kurz Zeit, aber für ein kurzes Gespräch reichte es dann doch.
Insgesamt fühle ich mich immer wohler in der Kanzlei. Die Leute sind wirklich super nett und Bruno versucht auch einige Sachen für mich zu übersetzen. Einzig die nicht ganz nebensächliche Tatsache, dass ich kaum etwas Juristisches zu tun habe, sollte sich vielleicht bald ändern. Allerdings bin ich bislang mit Fonelisco-Arbeit auch von morgens bis abends beschäftigt. Trotzdem werde ich bald, wenn sich die dringendsten Dinge gelichtet haben, nach mehr Research-Arbeit fragen. Insgesamt bin ich aber schon froh, mit TAWLA und Leonard eine gute Abwechslung zu haben, sodass es eigentlich selten langweilig wird. Außerdem habe ich wirklich den Eindruck, mehr lernen zu können als beim letzten Mal. Ich habe mittlerweile doch einen ganz guten Überblick über den groben Rahmen, in dem das tansanische Rechtssystem abläuft. Für nächste Woche sind auch Besuche von Criminal Cases angedacht.

Von Chauffeuren und weiteren Eheangeboten

Und so ganz ohne Arbeit sind wir schließlich auch nicht. Am Nachmittag bekamen wir einen typischen „Praktikantenjob“ aufgetragen. Es ging ins Gericht um Akten beim Gericht einzureichen. Also wurden wir zwei Praktikanten von unserem Fahrer zu Gericht chauffiert, wo wir die Akten abgaben und in der angegliederten Bank bezahlten. Während Yasir gerade die Akten übergab, hörte ich hinter mir ein „Guten Abend“. Überrascht von den Klängen meiner Muttersprache drehte ich mich um und erkannte: niemanden. Ich ging also in das Büro, in dem die strafrechtlichen Fälle aufgenommen werden und wurde in ein Gespräch verwickelt. Der Gruß kam von einem Angestellten des Gerichts, der mir erklärte, aufgrund meines Aussehens entweder auf einen Deutschen oder Schweden schließen zu können. Nachdem er nur auf Deutsch die Begrüßungsformeln kannte, versuchte er sein Glück und landete einen Volltreffer. Auch die anderen Mitarbeiter des Büros beteiligten sich nun am Gespräch und wussten noch, dass ich gemeinsam mit zwei weiteren Wazungus ein Praktikum beim City Council absolviert hatte. Wir mussten einen ganz schönen Eindruck hinterlassen haben! Freundlicherweise bot mir die älteste der Angestellten ihre Kollegin zur Ehefrau an. Dieser war das sichtlich peinlich. Nachdem sie aber zumindest ein wenig jünger war als die Richterin am Mediation Court, versprach ich am nächsten Morgen mit den Eheringen zu kommen, was einiges an Heiterkeit auslöste.

Von den Anfängen FONELISCOS

Am Mittwoch ging es mit TAWLA ins Gericht, wo es zu meinem bereits im vorletzten Blog beschrieben Fauxpas kam. Nach dem Gerichtsbesuch ging ich noch eine Weile ins TAWLA-Büro, hatte dort aber nicht wirklich etwas zu tun, sodass ich bereits am Mittag nach Hause konnte. Den Nachmittag verbrachte ich mit der unspaßigen Angelegenheit, gemeinsam mit Joseph das Budget durchzusprechen und zu überlegen, wie sich all die Probleme finanzieren ließen… Danach fand ich endlich mal wieder Zeit für ein paar Stunden Fonelisco. Ich quatschte ein wenig mit den Kids und ging alle Zimmer durch, um zu zählen, wie viele Kinder in wie vielen Betten schlafen. Dies war insbesondere vonnöten, weil die Matratzen dringend ausgetauscht werden müssen. Glücklicherweise hat sich hierfür eine Finanzierung gefunden und die ersten Matratzen sind mittlerweile bereits angekommen. Andere müssen erst noch bestellt werden. Diese sollen dann einen speziellen Schutz haben, damit sie auch bettnässenden Kindern standhalten können. Den Abend beschlossen wir bei zwei Flaschen Wein mit einem langen und unglaublich interessanten Gespräch mit Joseph, der viel über die Gegenwart, insbesondere aber die Vergangenheit von Fonelisco erzählte. Vieles wusste ich schon, aber es gab doch einige Sachen, die auch für mich neu waren. Joseph hatte auf Anweisung seiner Familie eine Ausbildung zum Priester begonnen, diese dann aber abgebrochen und angefangen, in Arusha Social Work zu studieren. Während dieser Zeit begann er, Straßenkindern zu helfen. Er verkaufte Postkarten und Ketten, um ein wenig Geld zu sammeln, das er für Essen und ähnliches für die Kinder ausgab. Außerdem bot er manchen eine Unterkunft bei sich im Zimmer. Nach einiger Zeit fehlte ihm das Geld für das Studium und er beschloss, zurück nach Mwanza zu gehen, wo er zur Schule gegangen war. Dort wollte er nun endlich seinen Traum umsetzen und ein Waisenhaus begründen. Nach einiger Zeit der „street work“ wurde FONELISCO 2003 offiziell registriert. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits sechs Jahre lang Straßenkinder unterstützt. Mit der Hilfe von ausländischen Freiwilligen gelang es ihm, ein erstes Haus anzumieten, in dem er mit den Kindern leben konnte. Ich werde oft gefragt, wie Joseph die Zeit ohne den Fonelisco e.V. überlebte, nachdem wir heute schätzungsweise 90% des Budgets stemmen. Auch diese Frage kam auf und Joseph versuchte dies zu erklären. Die Situation war wohl alles andere als gut, es gab immer wieder nur eine Mahlzeit am Tag und viele Kinder konnten nicht zur Schule gehen. Finanziert wurde Joseph von internationalen Unterstützern, die immer nur sporadisch Geld gaben. Es waren vor allem Freiwillige, die einen kürzeren Aufenthalt im Waisenhaus absolvierten und ein wenig Geld dort ließen. Wirklich zufriedenstellend könnte ich die Frage zwar immer noch nicht beantworten, aber ich bin der Antwort zumindest nähergekommen. 2011 dann kamen Johanna und Leonie für sechs Monate zu Fonelisco, nachdem sie die Organisation über Google gefunden hatten. Sie gründeten anschließend den Fonelisco e.V. Nach meinem Freiwilligenaufenthalt 2012/2013 begann ich mit ihnen zusammenzuarbeiten. Unser Team hat sich seitdem stark verändert und wir haben uns deutlich vergrößert und versuchen Joseph so gut es geht zu unterstützen.

Nach diesem kleinen historischen Ausflug darf ich nicht vergessen zu erwähnen, dass mindestens eines der Gläser in Gedanken natürlich auf meine herzallerliebste Schwester getrunken wurde, die sich allerdings trotz ihres Geburtstages den ganzen Tag über nicht erreichen ließ.

Von „hartem Fitnesstraining“ und „harter“ Büroarbeit

Der Donnerstag war ein ganz normaler Bürotag, an dem ich es endlich schaffte, den Agricultural Report abzuschließen. Ich muss sagen, dass es sich wirklich sehr befreiend anfühlte, damit durch zu sein, weil er mich psychisch doch sehr beschäftigt hatte. Nach der Arbeit trank ich noch eine Soda mit Yasir, bevor es nach Hause ging. Hier legten wir Freiwilligen eine kleine Fitnesseinheit mit Liegestützen, Situps und ähnlichem ein. Natasha, Helens Tochter, musste dabei als Gewicht herhalten. Sie wurde bei den Liegestützen auf dem Rücken platziert oder in die Höhe gestemmt. Ihr schien das großen Spaß zu machen – uns auch!

Bevor es ins Wochenende gehen durfte, folgte mit dem Freitag ein weiterer Bürotag. Hier schrieb ich an meinem Blog weiter, wurde aber abgelenkt von Youtube-Videos und einem Film abgelenkt, die sich Yasir anschaute. Letztlich musste ich aufgeben und zwischendurch doch den Film mitschauen, nachdem ich doch den Ausgang dieser Liebeskomödie nicht verpassen durfte! Zuhause folgte ein Skype mit dem deutschen Team, wonach ich gemeinsam mit Joseph Maike vom Flughafen abholte. Sie würde einige Tage bei uns unterkommen, nachdem Mwanza ein Stopp ihrer Reise durch Tansania zum Abschluss ihrer Zeit hier ist.

Von verwechselten Ziegen, Maiskolben und gegrilltem Fisch

Das Wochenende würde ein abwechslungsreiches werden. Nach einer äußerst unruhigen Nacht gab ich Maike eine kleine Rundtour durch Ilemela, wobei wir auch einen kurzen Abstecher zu Fonelisco machten. Sie musste anschließend zu einem Interview in der Stadt, während mich Joseph beiseite bat. Helen ist hochschwanger und könnte jederzeit ihr Kind bekommen. Sollte das Kind nun plötzlich kommen, wäre es gut, wenn Geld vor Ort wäre. Deshalb fuhren wir gemeinsam mit Silke zur Bank, wo ich Geld abhob, das ich vorstrecken würde. Denn das tansanische Krankensystem sieht es nicht vor, dass Notfälle kostenlos behandelt werden, jedenfalls nicht soweit mir das bekannt ist. Versicherungen sind im Aufkommen, für viele aber noch nicht erschwinglich.

Auf dem Rückweg besorgten wir noch einiges an Gemüse, denn heute würden wir nicht zuhause essen. Stattdessen ging es mit zwei Autos, inklusive uns vier Volontären, drei Mädels von Fone und Mitarbeitern zum New Land. Hier würden wir heute einen Teil des Maises ernten und fischen gehen. Der Mais wird uns vor unseren Augen von Affen weggeklaut und der Teil der Kolben, die schon früher gepflanzt wurden, konnten bereits geerntet werden. Fischen wollten wir insbesondere, um mal zu testen, wie viel denn tatsächlich so in den Becken bereits lebt.

Angekommen auf dem New Land kam uns sogleich unsere Kuhherde entgegen und auch die Ziegen waren unter sie gemischt. Lotti, Maxi, Kuku und Tamtam hatten unsere Volontäre die Ziegen getauft, die nun auf uns zukamen. Aber halt: Tamtam sah irgendwie gar nicht mehr aus wie Tamtam. Tatsächlich hatten sich unsere Ziegen anscheinend mit einer anderen Herde vermischt und unsere Massai wussten nachher nicht mehr, welche der Ziegen zu uns gehört. Der Besitzer der anderen Herde gab uns also ein anderes Zicklein: Tamtam 2. Vorteil dieses unfreiwilligen Tausches ist die Tatsache, dass Tamtam 2 im Gegensatz zu Tamtam 1 die wunderbare Fähigkeit beherrscht, Kinder zu bekommen. Das verlängert ihre Lebensdauer, weil sie uns so helfen kann, die Größe unserer Herde zu erweitern und wir sie vermutlich nicht verkaufen werden, wie wir das noch mit Tamtam 1 vorhatten. Danach ging es zu den Fischbecken. Die Fische dort hatten sich auf natürliche Weise dort hinbegeben und waren durch den Bau des Zauns quasi eingeschlossen worden. Zwei Jungs aus dem benachbarten Dorf warfen fachmännisch ein ums andere Mal das Netz aus. Und auch ich durfte es einmal probieren. Ich hatte mir das (äußerst ehrgeizige) Ziel gesetzt, zumindest einen Fisch zu fangen. Was bei den Jungs so spielerisch aussah, war eine technisch anspruchsvolle Wurftechnik, an der ich komplett scheiterte. Geduldig legte mir einer der Jungs das Netz um den Ellenbogen, nur damit ich es mit einem stümperhaften Versuch etwa einen Meter weit werfen konnte. Ich sorgte für viel Heiterkeit bei meinen Fans, doch das Lachen sollte ihnen rasch vergehen!!! Bereits mit meinem dritten Wurf, bei dem das Netz ebenso kunstfertig etwa ein oder zwei Meter vor mir ins Wasser plumpste, hatte sich ein unglücklicher Fisch in meinem Netz verfangen. Ha, schweiget ihr Kritiker! Das war es dann auch mit dem Ruhm, ich stellte mich zu doof dabei an, den Fisch aus dem Netz zu befördern, der mir stattdessen einen kleinen Schnitt im Finger verpasste. Also überließ ich dies wieder den Profis und ließ mich auswechseln. Mission accomplished.

Beweis, dass ich fischen war!

Der Erfolg der Fischerei insgesamt war allerdings bescheiden. Mehr als 50-70 Fische fingen wir nicht und diese waren sehr klein. Das lag wahrscheinlich insbesondere daran, dass sie sich bereits zuvor am Seeufer befanden haben. Die wirklich großen Fische sind wohl eher in tieferen Gewässern anzutreffen. Aber auch, ob sie in den Becken genug Nahrung bekommen, ist fraglich. Trotzdem lässt sich dies für ein mögliches Projekt weiterhin im Kopf behalten, denn wenn man dort Fische gezielt aussetzen würde und lang genug warten würde, könnte dies durchaus erfolgreich sein. Aber angesichts der hohen Kosten für die Erstinvestition von etwa 2.000€ sehe ich das Ganze eher skeptisch und halte es derzeit nicht für realisierbar. So blieben immerhin der Spaß und ein leckeres Mittagessen. Die Mädels bereiteten die Fische vor, die wir dann auf den Grill schmissen und allesamt verspeisten. Gewinn ließ sich damit also nicht machen. Auch die Maisernte war überschaubar: Nur zwei, nicht ganz gefüllte, Säcke kamen bei heraus. Aber natürlich haben wir auch nur einen kleinen Teil geerntet. Wie viel Kilos bislang bei rumkamen, das müssen wir noch wiegen lassen. Aber das auch dieses Projekt kein Erfolg war, steht leider außer Frage.

Mit ohrwurmverdächtigen Reggae-Beats im Ohr ging es nach Hause, wo wir uns einen Schnellduschwettbewerb lieferten, um noch rechtzeitig gemeinsam mit Maike den Sonnenuntergang am Tunza-Strand zu erwischen. Das schafften wir und genossen ihn bei einem kühlen Bierchen, Popcorn und netten Gesprächen. Nach dem Abendessen hatten wir noch viel Spaß dabei, gemeinsam mit Joseph Karten zu spielen. Joseph verlor zweimal vernichtend, bis er dann das dritte Spiel glorreich gewann. Ich tippe darauf, dass er sich die Taktik von Sepp Herberger abgeschaut hat.

Von einem wahren Touri-Tag in Mwanza

Der Sonntag war ein richtiger Tag im Stile von „Mwanza als Tourist“. Wir fuhren mit dem Daladala in die Stadt, wo wir Maike eine kleine Rundführung durch die Stadt gaben und insbesondere die Märkte besuchten. Danach genossen wir unsere Mittagspause im Gold Crest Hotel (u.a. natürlich mit dem Burger), bevor wir am Nachmittag auf einen Sunset-Cruise gingen. Gemeinsam mit einigen anderen Besuchern Mwanzas wagten wir uns auf den Lake Victoria hinaus, vorbildlich mit Schwimmwesten ausgestattet. Trotzdem hoffte ich den Kontakt mit dem Wasser meiden zu können, denn es ist berühmtberüchtigt für die Gefahr der Bilharziose, die man sich dort einfangen kann. 3,5 Stunden sollte unsere Tour gehen, aber nicht nur auf dem Wasser waren wir unterwegs. Zwei Stopps legten wir bei kleineren Inseln ein. Dort mussten wir von Stein zu Stein klettern. Der ein oder andere Sprung löste sogar einen gewissen Nervenkitzel aus. Wie Juliane so schön sagte: „A lot of nearly death experiences today.“ Nicht nur die Aussicht über den See, auch die vielen Affen und die zwei riesigen Eidechsen waren einen Blick wert. Die Tour endete mit dem, was uns versprochen wurde: Einem wirklich wunderschönen Sonnenuntergang über dem Lake Victoria.
Nachdem wir also die Fahrt überlebt hatten, mussten wir dies natürlich auch noch bei einem gemeinsamen Abendessen mit der gesamten Gruppe feiern. Hierfür gingen wir in ein lokales Restaurant, in dem wir für wenig Geld leckere Zanzibar – Pizza und Mishkaki bekamen.

Das soll es für dieses Mal gewesen sein, bis ich versuche im nächsten Eintrag wieder aufzuschließen!

P.S.: Danke Silke für viele geklaute Bilder!

Die Helmklappe lässt sich mal wieder nicht schließen, sodass ich bei jedem Speed-Bump mit meinem Helm an Denis‘ Helm anstoße. Während wir gerade am Sabasaba-Markt vorbeifahren, fliegen über uns Fischadler in der Hoffnung, die in den frühen Morgenstunden ihre Flügel strecken wollen. Um uns herum fahren viele Minibusse, Motorräder und Autos wie wir stadteinwärts, einige kommen uns auch entgegen. Der Fahrtwind plustert meinen Sakko auf, während ich immer wieder nachjustieren muss, damit mir die Tasche nicht von der Schulter rutscht.

10 Minuten vorher. Um kurz nach sieben gehe ich gerade aus dem Tor, da fährt auch schon Denis vor. Wir begrüßen uns mit der Faust, die danach auf die Brust geschlagen wird. Ich steige auf sein Motorrad und los geht’s. Während wir die Löcher auf dem Weg vor unserm Haus umfahren, bringen wir uns gegenseitig auf den neuesten Stand. Seiner Tochter, die sich den Arm gebrochen hat, geht es besser. Ich bin gut aufgewacht und wir haben wieder Wasser. Uns beiden geht es gut… Das Begrüßungsritual geht noch eine Weile weiter, bis wir an der Kreuzung zur Hauptstraße ankommen. Hier wird kurz angehalten und Denis fragt seine Pikipiki-Freunde, ob er einen Helm leihen könnte. Das ist bereits eine der größten Wandlungen zu meinen bisherigen Aufenthalten. Denn damals war es eher die Ausnahme, mit Helm zu fahren. Mittlerweile ist es fast Standard, sodass ich denke, dass es wohl sanktioniert wird, wenn man mal ohne unterwegs ist. Der Helm wandert auf meinen Kopf und nach einem kurzen Gespräch mit dem Verleiher biegen wir auf die Hauptstraße. Mein obligatorischer Blick geht noch einmal nach hinten, wo sich die Sonne mittlerweile in den letzten Zügen ihres Aufgangs befindet. Regelmäßig ist dies ein wirklich besonderer Anblick und es ist jammerschade, dass wir in die entgegensetzte Richtung unterwegs sind. Wie jeden Morgen fahren wir an den Studenten eines Campus vorbei, die ihren morgendlichen „Militärlauf“ veranstalten. Wie man es anders nennen kann, weiß ich nicht. Alle mit ihren roten T-Shirts angezogen joggen oder marschieren sie die Straße entlang und singen dabei. Wir passieren sie. Heute scheint es Denis ein bisschen eiliger zu haben. Wir überholen zwei Autos gleichzeitig auf der vierten von zwei Spuren. Am Straßenrand laufen unzählige Kinder in ihren Schuluniformen stadteinwärts. Weniger schön: die tote Katze auf dem Seitenstreifen. Während wir weiter stadteinwärts fahren, genieße ich das langsam erwachende Leben. Im Gegensatz zu Deutschland ist einer der größten Unterschiede das bunte Treiben an den Straßen, die vielen laufenden Menschen, die ihren Angelegenheiten nachgehen. Dagegen kann Deutschland manchmal ganz schön trostlos erscheinen. Auf der Höhe von Pasiansi wird die Strecke zweispurig und es geht bergab. Mit ordentlichem Tempo nähern wir uns Mwanza. Mit welcher Geschwindigkeit genau kann ich jedoch nicht sagen, denn das Tacho ist kaputt. Nachdem ich bislang noch kein einziges Pikipiki gesehen habe, bei dem das funktioniert, schätze ich, dass man sein Tacho wohl erst schrotten muss, bevor man in den ewigen Club der Pikipiki-Fahrer aufgenommen wird. Ob es einem Polizisten gegenüber als Ausrede für eine Geschwindigkeitsüberschreitung genügt, bezweifle ich. Plötzlich betätigt Denis unvermittelt die Bremse. Der Grund: Ein Zebrastreifen. Da soll noch einer sagen, in Tansania würden Straßenregeln missachtet. Ganz gemäß deutscher Tugend wird artig gewartet bis Frauen, Männer und Kinder vor uns die Straße überquert haben. Naja, jedenfalls dieses eine Mal.

Auf der Höhe der Rock City Mall verengt sich die Straße wieder auf eine Spur. Wir umkurven noch ein paar Autos, indem wir hupend Fußgänger verscheuchen oder die Gegenfahrbahn nutzen. Dann stecken aber auch wir kurz fest. Ein Polizist regelt den Verkehr an einer Kreuzung, da hält man sich brav an die Regeln. Denkt man. Das sieht der Pikipiki-Fahrer anders, der uns plötzlich die Vorfahrt nimmt. Denis bremst ab und wir können einen Zusammenprall vermeiden, wir hatten ja zum Glück keine hohe Geschwindigkeit. Kurz vor Mwanza löst sich der Stau wieder auf. Wie jeden Morgen sitzt ein indischstämmiger Mann vor dem immergleichen Shop. Ich nehme an, er arbeitet dort und ist gerne pünktlich. Wir nehmen zwei Kreisverkehre, auf Swahili wunderbar kipilefti getauft, und biegen beim Immigration Office ab. Wir fahren am Bahnhof vorbei, bei dem ich am Nachmittag gerne den Zug aus der Kolonialzeit bewundere, mit dem ich vermutlich bald nach Morogoro reisen werden. Wir nehmen eine scharfe Rechtskurve und fahren an einem riesigen Hochhaus vorbei, das gerade gebaut wird und sogar einen Hubschrauberlandeplatz hat. Kurz danach biegt Denis in eine Seitenstraße ein, die nicht mehr asphaltiert ist. 50 Meter weiter und er fährt in die Toreinfahrt. Unser Ziel ist erreicht: Die Kanzlei Leonard & Advocates.

Ich gebe Denis 50 ct für die Fahrt. Insgesamt bekommt er knapp 2€ für die 20-minütige Fahrt. Aber nachdem weder er noch ich meistens über Kleingeld verfügen, zahle ich meist mehr und dafür irgendwann dann einmal weniger. Schließlich fahre ich jeden Tag mit Denis, der meinen langjährigen Fahrer Enok vertritt, der wegen eines Todesfalles derzeit nicht in Mwanza ist.

Pikipiki-Fahren mag gefährlich und unvernünftig sein, aber ich liebe es trotzdem. Es ist schnell und günstig, vermittelt aber auch einfach ein Gefühl der Freiheit. Man bekommt alles um einen herum mit, spürt den Fahrtwind und es ist für mich einfach unweigerlich mit Mwanza verbunden.

Denis und ich verabschieden uns mit der Faust. Auch am nächsten Tag wird er mich wieder abholen und mit mir Richtung Stadt düsen. Mein ganz alltäglicher Weg zur Arbeit eben.

Auch dieses Mal habe ich wieder einige Zeit verstreichen lassen seit meinem letzten Eintrag. Aber untätig war ich keineswegs! Viel Zeit habe ich unter anderem mit dem Agricultural Report verbracht, der mittlerweile auf unserer Website zu finden ist. Ich warne euch schon ein mal vor, dieser Beitrag ist einer nachdenklichen Natur. Ich hoffe also, ihr habt Zeit und Lust, an meinen Gedanken teilzuhaben.

Meine Arbeit

Yasir, mein Mitpraktikant

Donnerstag und Freitag letzter Woche verbrachte ich größtenteils im Büro und konnte dort das vorzügliche Essen genießen, das der Koch Elias Tag für Tag zaubert. Gemeinsam mit Yasir arbeitete ich an dem Pro-Bono-Case weiter. Dies sollte dann bislang aber auch die letzte Aufgabe sein, die wir in unserem Praktikum bekommen sollten. Mir ist das allerdings teilweise gar nicht so unrecht, da unglaublich viel Arbeit für Fone anfällt. Also gehen wir morgens meist ins Gericht und den Rest des Tages verbringe ich damit, anderweitige Arbeit zu erledigen. Wenn sich die Fone-Arbeit ein wenig gelichtet hat, werde ich dann aber auch wieder mehr Juristerei einfordern. Zudem habe ich in dieser Woche zusätzlich noch bei TAWLA, der Tanzanian Women‘s Lawyers Association angefangen. Mir ging es darum, noch ein bisschen mehr von den vier Wochen Praktikum mitzunehmen und einen breiteren Einblick zu bekommen. Außerdem kann ich mir sehr gut vorstellen, später für eine NGO zu arbeiten. Um einen Eindruck von der Arbeit einer juristischen NGO in Tansania zu bekommen, ist TAWLA ein guter Ort. Dies ist eine Organisation, die sich für die Stärkung der Rechte der Frauen einsetzt. Dafür fördert sie zum einen weibliche Anwälte, zum anderen versucht sie den Zugang von Frauen zu Rechtsschutz zu ermöglichen und vertritt diese vor Gericht. Aus meinem letzten Praktikum in Tansania kannte ich noch Fatmah, die dort mittlerweile arbeitet und die mich herzlich willkommen hieß. Dort verbringe ich in Zukunft zwei meiner fünf Arbeitstage pro Woche. Ein großer Vorteil sind die deutlich entspannteren Arbeitszeiten, allerdings habe ich dort bislang auch noch nicht wirklich viel zu tun gehabt, aber immerhin ein paar Akten studiert. Fatmah wird aber versuchen, für mich den Besuch von strafrechtlichen Gerichtsverhandlungen zu ermöglichen und ich hoffe, bei einem ihrer Trainings von Frauen dabei sein zu können. Ihre Arbeit ist auf jeden Fall sehr wertvoll und es ist ein gutes Gefühl, den Klienten ins Auge zu schauen und das Gefühl zu haben, für sie eine wirkliche Hilfe darzustellen (auch wenn das für mich noch nicht so gilt). Aber man merkt, welche Hoffnungen sie in die Organisation stecken und wie dankbar sie für die Unterstützung sind.

„Moin, Euer Ehren“

Diese Woche vertrat Fatmah eine dieser Frauen vor dem District Court. Ich setzte mich ganz brav auf die Zuhörerbank und versuchte so viel wie möglich zu verstehen – mit bescheidenem Erfolg. Zwischen zwei Verhandlungen kam plötzlich das Gespräch auf mich und die Richterin wendete sich mit einem freundlichen „Helloooo“ an mich. Ich, ein wenig geistesabwesend und überrascht, antworte mit „Mambo“. Für die wenigen unter euch, die des Kiswahili nicht mächtig sind – man könnte die Situation frei in etwa so übersetzen, als hätte ich der Richterin ein nettes „Servus“ oder „Moin“ zugeworfen. Ich beeilte mich, die respektvolle Anrede „Shikamoo“ nachzureichen und der Fehler wurde mir mit einem Lächeln verziehen. Da kann man noch so viel Zeit in Tansania verbracht haben und das theoretische Wissen über die komplizierte Art und Weise der Begrüßungen ansammeln, vor Fehlern gefeit ist man dann nun doch nie.

Einmal heiraten ist nicht genug!

Aber nach diesem kleinen Vorgriff versuche ich mich mal wieder in Chronologie. Nachdem also auch der Freitag, eingeläutet durch eine „Flaschendusche“ am Morgen, sich dem Ende zuneigte, war es Zeit für Wochenende! Dafür ging es am Freitagabend gemeinsam mit Eddie in die Parkland-Bar wo wir bei einigen Bieren und Soda über dies und das redeten. Es war dieser Abend, an dem ich merkte, das mir Fone derzeit ein wenig zu viel wird. Mir scheint manchmal der Kopf zu platzen bei all den Problemen, mit denen ich mich überfordert fühle und die einfach unlösbar scheinen. Und damit meine ich leider vor allem finanzieller Art. Strukturelle Veränderungen anschieben kann großen Spaß machen, aber Zeit und Kopf dafür zu finden, ist ein seltenes Geschenk. Geld sammeln macht (fast) nie Spaß.

An sich hatte ich mich auf ein Wochenende gefreut, bei dem ich viel Zeit mit den Kindern verbringen würde, aber mich auch ein bisschen erholen wollte. So ganz geklappt hat das leider nicht. Der Samstagmorgen begann aber mit einer freudigen Überraschung. Der Blick auf das Handy nach der (viel zu frühen) Dusche (aus einem Duschkopf!) sagte mir, dass ich das Frühstück nicht wie geplant im Volunteerhouse, sondern bei Charles zu mir nehmen sollte. Also lief ich gemeinsam mit Sibylle rüber zu seinem Haus. Charles, langjähriger Mitarbeiter von FONELISCO, hatte mich schon öfter eingeladen. In diesem Jahr hat er Stella nun auch offiziell geheiratet. Ich dachte, das sei schon längst passiert, aber bei dieser Gelegenheit erklärte mir Charles, dass eine Hochzeit in Tansania dreischrittig abläuft: Zuerst erfolgt die Liebesbekundung, dann wird der Bride Price bezahlt und erst dann folgt die eigentliche Hochzeit. Zwischen diesen Schritten können durchaus, wie auch im Falle von Charles und Stella, viele Jahre liegen. Das liegt schon allein daran, dass es an dem Geld für den Bride Price oder die Hochzeit selbst fehlt.

Nachdem ich die letzten Tage im Gericht zeitweise sehr wenig verstanden hatte, gab es mir einen richtigen Push, mit Charles zu sprechen. Er spricht ein wunderbar klares Swahili, sodass ich eigentlich alles verstehen konnte. Wir sprachen viel über die Projekte auf dem New Land. Charles lebt selbst größtenteils von Hühnern, Enten, Mais und Früchten rund um sein Haus und kennt sich sehr gut aus. Auch ihn hat die Dürre ziemlich getroffen, er kann derzeit keinen Mais anbauen, da er nicht künstlich bewässern kann. Er erklärte mir, wie man Hühner deutlich weniger kostspielig halten kann und gab mir einige interessante Anstöße zum Nachdenken. Darüber vergaß ich ein wenig die Zeit, sodass ich mich beeilen musste und Denis, meinen Pikipiki-Fahrer, bestellte, damit ich noch rechtzeitig zu meinem Termin der Stadt kommen konnte.

Dort war ich nämlich in der Sprachschule verabredet, um für den Fonelisco e.V. einen Vertrag zu unterschreiben, mit dem unsere Freiwilligen in Zukunft günstiger Sprachkurse absolvieren können. Ich denke, es ist von riesigem Vorteil, wenn man mit den Kindern Swahili sprechen kann. Denn viele von ihnen können kein oder kaum Englisch. Zwar ist es gut, wenn diese auch zum Englisch sprechen gezwungen werden, aber im besten Fall sollte man sich doch auf halber Strecke treffen. Gegen Ende meines ersten Aufenthaltes konnte ich so auch Englisch auf Swahili unterrichten oder Fragen, die ihnen in der Schule nur auf Englisch erklärt werden, in ihrer Sprache beantworten. Für die Effektivität der Arbeit von Freiwilligen kann es also nur von Vorteil sein, wenn sie die Landessprache beherrschen. Außerdem wird ihnen im Rahmen der Sprachkurse auch die Kultur ein wenig nähergebracht.

Reichtum in Tansania

Danach hatte ich das erste Mal seit langem ein wenig Zeit für mich und lief von der Sprachschule in Richtung Mall, die ich mir mal in aller Ruhe anschaute. Ich weiß immer noch nicht, was ich davon halten soll. Auf der einen Seite ist sie ein monströses Gebilde, das man in dieser Form in Mwanza nicht vorfindet. Hier finden sich auch nur Geschäfte für Leute, die es sich leisten können. In den Supermärkten kann man Produkte wie Malteser, Nutella und ähnliches finden. Leider auch zahlreiche Marken meines Erzfeindes „Nestlé“, die aber auch so in Tansania verbreitet sind. Teilweise empfinde ich die Mall als etwas abstoßend. Auf der anderen Seite hat sie aber auch einige gute Aspekte. Schließlich freue ich mich über die Möglichkeit, Schokolade kaufen zu können oder eben Dinge zu bekommen, die sonst nicht erhältlich sind. Ich denke, es ist nur der erste Schritt, dass diese überteuert in wenigen Supermärkten zu finden sind. Mit der Zeit wird die Konkurrenz mehr werden, sodass die Produkte auch für die Bevölkerung erschwinglich sein werden. Jedenfalls diejenigen, die vor Ort auch nützlich sind. Dann schwingt natürlich auch der Aspekt der Arbeitsplätze mit. Ein Beispiel. Deutschland: Im Supermarkt sitzt ein Kassierer oder eine Kassiererin an der Kasse und arbeitet stundenlang meterlange Schlangen ab. Tansania: Mitarbeiter an der Kasse haben ordentlich Verschnaufpausen und können in die Luft gucken. Wichtig ist hier der Plural! Denn kommt man an die Kasse in den Supermärkten der Mall gibt es eine Person, die den Betrag vorliest, ein anderer tippt ihn ein und ein dritter verstaut die Einkäufe in Tüten. Nun gut, effektiv ist das vielleicht nicht, aber eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme erster Güte! Und so ist das Gefühl, mit einem Einkauf in den dortigen Supermärkten die Oberschicht zu unterstützen, dadurch auf jeden Fall gemindert, dass dieser ordentliche Ausgaben für Löhne haben muss, die der lokalen Bevölkerung zugutekommen.

Mwanza ist am Wachsen und ich bin sehr gespannt, wie es in 10 Jahren hier aussieht. Bislang wirkt vieles sehr überambitioniert. Eine riesige Mall, riesige Hochhäuser, die gerade hochgezogen werden, große Brücken und ausgebaute Straßen. Noch braucht man vieles davon nicht wirklich, aber ich glaube, dass sich die Investitionen auszahlen werden. Mein wirtschaftliches Verständnis gerät an seine Grenzen, wenn ich nun bewerten muss, ob dies dann letztlich nur den (größtenteils chinesischen) Investoren zugutekommt oder wie ich denke, auch die Tansanier davon profitieren können. Bis 2025 möchte Tansania ein Industriestaat sein. Ich habe zu wenig Ahnung von der Wirtschaft des Landes, als ob ich dies für realistisch oder unrealistisch halten kann. Aber meine Praktika haben mir gezeigt, dass es auch eine Mittelschicht in diesem Land gibt. Bislang kannte ich fast nur Menschen, die sehr arm waren. Die Anwälte gehören eindeutig zu den Besserverdienenden des Landes und auch die anderen Mitarbeiter der Kanzlei scheinen gut über die Runden zu kommen. Auch in den meisten Fällen, die wir hier bearbeiten, geht es durchaus um stattliche Summen. Dass sich meine Perspektive auf Tansania also ein wenig verschoben hat, verdanke ich dem Praktikum durchaus. Trotzdem weiß ich, dass der allergrößte Teil der Bevölkerung nicht von diesem vorhandenen Reichtum profitiert. Mein Alltag und meine Sichtweise auf Tansania wird weiterhin davon bestimmt sein, dass Pius zu uns kommt und vollkommen verzweifelt ist, weil er die 100€ für die Behandlung seiner kranken Frau nicht zusammenbekommt. Und das hat mit Mittelschicht nichts zu tun.

Es tut mir leid, dass ich mich in diesen Ausführungen ein wenig verloren habe. Aber ein solcher Blog bietet schließlich auch die Möglichkeit zur Reflektion und ich hoffe, dass euch meine Gedanken zu solchen Dingen interessieren. Ansonsten empfehle ich lustige Katzenvideos oder Videos von koordinierten Sprengungen, wie wir sie uns heute in der Kanzlei angeschaut haben!

Wein spendet Trost

Also zurück zum Samstag, den 19.08.2017. Zurück im Freiwilligenhaus fühlte ich mich leider überhaupt nicht fit, eine Erkältung nervte mich (Ja, das geht in Tansania!). Also schmiss ich mich ins Bett anstatt ins Getümmel des Fußballplatzes bei Fonelisco. Als ich wieder auf den Beinen war, begann ich mit Joseph gemeinsam den Agricultural Report. Das hatte ich länger vor mir hergeschoben, denn ich wusste, dass die Arbeit hieran niederschmetternd sein würde. Ich erspare es mir und euch, noch einmal ausführlich über die Verluste der Projekte zu berichten und verweise euch lieber auf den Bericht auf unserer Homepage (http://www.fonelisco-verein.de/blog/2017/08/24/unser-zweiter-agricultural-report/). Jedenfalls drückte die Arbeit an dem Report in dieser Woche bei mir ganz schön die Stimmung, weil die Ergebnisse bislang wirklich desillusionierend sind. Eine von Joseph und mir gefundene Lösung war aber sicherlich die Flasche Wein, die wir spätestens beim Reisprojekt aufmachen mussten. Den Abend verbrachten wir wieder mit Charles bei einigen Bierchen und hervorragenden Chipsi mit Fleisch.

Fußball, Hühner und der beste Burger der Welt

Nach den Pancakes vom Sonntagmorgen ging ich zu Fone, wo ich endlich wieder ein bisschen Zeit für die Kids und ein paar Runden Fußball hatte. Immerhin ein wenig ist es mir also doch gelungen, an diesem Wochenende bei Fone zu sein! Nach dem Mittagessen kam ich das erste Mal dazu, mich mit Helens zweijähriger Tochter ein wenig anzufreunden, die man ansonsten recht zuverlässig 50cm vor dem Fernseher antreffen kann. Hier konnte ich meine gesamten Kinder-zum-Lachen-bringen-Skills auspacken. Ein besonderer Dank geht an den Säbelzahntiger Diego aus Ice Age. Erst die Augen verdecken und dann plötzlich „Buh“ schreien, ist auch beim hundertsten Mal noch ein wahrer Hit! Danach ging es mit Joseph und einem Arbeiter vom New Land, Kadala, zu einem Hühnermarkt in der Nähe, wo wir Preise und Infos über ein mögliches Hühnerprojekt einholten. Dieses würde dann aber nicht wieder mit der speziellen Rasse funktionieren, mit der wir es zum ersten Mal versucht hatten. Stattdessen würden wir es wenn überhaupt dann nur ganz traditionell mit typisch tansanischen Hühnern versuchen.

Am Abend folgte ein bisschen Urlaub gespickt mit einer ordentlichen Portion Nostalgie. Das Gold Crest Hotel Mwanza schätze ich insbesondere wegen einer Sache: Der Burger dort ist der beste, der sich weltweit finden lässt. Alles andere ist Quatsch. Gepaart mit einem kühlen Bier und dem Sonnenuntergang über dem Lake Victoria lässt es sich schon ganz gut aushalten und bietet auch die Gelegenheit, ein wenig durchzuatmen. Joseph war auf unsere Einladung auch mit dabei, allerdings mussten wir ihm erst einmal ein paar Tipps geben, wie man des gewaltigen Burgers denn am besten Herr werden kann.

Burger oder Ziege?

Achtung: Ich werde schon wieder nachdenklich. Juliane fragte mich auf der Rückfahrt im Taxi, wie es mir damit gehe, gerade eine Rechnung bezahlt zu haben, mit der ich eine halbe Ziege für das Waisenhaus hätte finanzieren können. Das ist eine Frage, die sich nicht einfach beantworten lässt. Wann immer ich mir etwas gönne, ist mir bewusst, dass ich dafür für die Kids viel wichtigere Dinge kaufen könnte. In einer Form des Selbstschutzes muss ich aber meine privaten Ausgaben strikt von denen des Waisenhauses trennen. Eine Selbstgeißelung würde mich letztlich wohl kaputt machen. Trotzdem ist es wichtig, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, was man mit dem Geld anderswo bewirken kann. Es gibt viele Dinge, die ich in meinem Leben nicht brauche. Es bereitet mir mehr Freude, die fröhlichen Gesichter der Kinder zu sehen, wenn sie mal etwas richtig Gutes zu essen bekommen, als wenn ich meinem dritten Porsche beim Rosten in der Garage zuschauen darf. Solange ich Dinge mit einem gewissen Bewusstsein betrachte, kann ich es mit mir vereinbaren, mir auch immer wieder etwas zu gönnen. Denn es macht nicht glücklich, jeden Euro umdrehen zu müssen. Das kenne ich wiederum von der Vereinsarbeit. Wenn man die Arbeitsstunden, die ich in diese investieren, mit Mindestlohn vergelten würde, denke ich auch, dass eine recht stattliche Summe zusammenkommen würde. Trotzdem, die Frage beschäftigt mich seit langem und wird das weiter tun. Denn ich merke auch selbst, dass ich mir wünschen würde, dass die gleiche Summe, die in Deutschland Tag für Tag für unnötige Luxusgüter ausgegeben wird, genauso bereitwillig auch in Hilfsprojekte wandern würde.

Ich will eure Zeit nicht überbeanspruchen und verschiebe deshalb die Berichte von dieser Woche auf einen weiteren Blogeintrag. Ich hoffe, dass euch meine Gedanken nicht gelangweilt haben. Im nächsten Bericht folgt dann wieder ein wenig mehr Action!

 

Die letzten Tage waren sehr voll, sodass ich leider erst heute Zeit finde für meinen zweiten Blogeintrag. Viel hat sich seitdem bei mir getan. Mittlerweile habe ich weniger Zeit für Fonelisco, weil ich den Großteil des Tages im Praktikum verbringe. Ich freue mich aber schon aufs Wochenende, wenn ich hoffentlich mehr Zeit bei Fone verbringen kann.

Ein mähender Kofferraum

Doch auch dieses Mal der Reihe nach. Am Freitag fuhren wir am Morgen gemeinsam mit Joseph in Richtung Igoma. Zielort: Ziegenmarkt. Zweck: Ziegen kaufen. Dort angekommen wurde bereits unser Auto umringt von Menschen und Ziegen, sodass man sich erst einmal trauen musste, sich aus dem sicheren Auto in das Getümmel zu stürzen. Dort standen wir nun und von allen Seiten wurden mehr oder weniger sanft Ziegen(böcke) herbeigezerrt. Letztlich bin ich überrascht, dass die von uns gekauften Ziegen tatsächlich noch über funktionsfähige Beine verfügen, wenn man bedenkt, wie oft es ihnen wohl so ergeht. Die Verhandlungen begannen und zu einem Paketpreis von ca. 30€ pro Ziege erwarben wir ein Männchen und ein Weibchen. Juliane brachte zum Glück den guten Einwand vor, dass sich diese doch sehr ähneln und zum Zwecke der Fortpflanzung weniger geeignet sein könnten, wenn sie Geschwister sind. Tatsächlich war dem so, also wurde das Weibchen rasch noch ersetzt und die beiden Ziegen in den Kofferraum gepackt. Dann fuhren wir begleitet von einem ständigen dumpfen Blöken etwa eine halbe Stunde in Richtung New Land. Zwischendurch prüften wir sicherheitshalber, ob unsere Mitfahrer noch fleißig am Atmen waren. Auf dem New Land angekommen, erreichten die Ziegen ihr neues Zuhause. Denn dort steht nun der Hühnerstall leer, nachdem wir die letzten Hühner verspeist hatten. Nachdem aufgrund der veränderten Marktlage die Hühner vorerst wohl kein lukratives Geschäft mehr darstellen, möchten wir auf Ziegen umsteigen. Eine Ziege mit Baby hatten wir bereits, sodass wir mit einer sehr geringen Investition von 60€ ein weiteres Projekt begründen konnten. Die Ziegen sollen eine überglückliche Familie begründen, deren „Früchte“ dann verkauft oder selbst genutzt werden können. Silke hatte vor ihrer Ankunft in Mwanza Geld gesammelt, wovon sie netterweise unter anderem die Ziegen bezahlte. Wir hoben die Ziegen, von Silke liebevoll Lotti und Maxi getauft, aus dem Kofferraum und banden sie los und wollten sie zu den anderen Ziegen (Kuku und Tamtam) bringen. Dabei machte unser Bock seinem Namen allerdings alle Ehre: Er ließ sich kaum dazu herab, einen Huf vor den anderen zu setzen und schmiss sich regelmäßig auf den Boden. Irgendwann hatten wir es dann aber doch mit vereinten Kräften geschafft und die hoffentlich bald glückliche Familie ward zusammengeführt.
Wann immer man auf dem New Land ist, ist doch auch das Wildleben immer eine Attraktion. Würden uns in Deutschland bei dem Anblick die Augen aus dem Kopf fallen, so ist nichts Besonderes daran, dass wir an diesem Tag neben Termitenhügeln und Adlern auch eine Schlangenhaut und maisklauende Affen sehen konnten. Zum Schluss unseres Trips inspizierte ich noch unsere Kühe, die sehr gesund aussehen. Nur der gewaltige Bulle scheint auf einem Auge blind zu sein, was ihn aber offenbar nicht davon abgehalten hat, seinen Job pflichtbewusst zu erledigen: Alle unsere Kühe sind schwanger.

Am Abend brachten wir noch unseren „Probesack“ Reis zur maschinellen Verarbeitung. Dort ergab die Waage die ernüchternde Zahl von 40 kg Reis, die der Sack am Ende gerade einmal wog. Damit schätze ich, dass wir nicht mehr als 700kg insgesamt geerntet haben, also meilenweit unter den angepeilten 1,5 Tonnen liegen. Nach dem Abendessen gingen wir noch mit Eddie und John, der ein paar Tage aus Dar Es Salaam zu Besuch war, etwas trinken. Eddie lernt gerade Deutsch in einem Deutschkurs; mal sehen ob er unser Getratsche am Ende seines Kurses aufdecken kann.

Ein wahres Fone-Wochenende

Der Samstag war ein Fone-Tag durch und durch. Am Morgen stand ein dreistündiges Staff-Meeting an. Mittlerweile sind fast alle Stühle im Waisenhaus kaputt, sodass ich auf einem (ebenfalls kaputten) Eimer Platz nehmen musste (mein Hintern tut immer noch weh). Eines der großen Themen war die geringe Bezahlung des Staffs. Das ist ein leidiges Thema, das uns schon lange begleitet. Die Bezahlung unserer Mitarbeiter vor Ort geschieht nicht durch Gehälter, sondern durch eine Art Aufwandsentschädigung. Die ist mit gut 50€ pro Monat und Nase sehr gering, wenngleich man dies stets in Relation zur hiesigen Kaufkraft sehen muss. Gleichzeitig kann Fonelisco aber einfach nicht mehr zahlen, schon so kann ich mich nicht an den letzten sorgenfreien Monat erinnern, an dem ich gegen Mitte des Monats Lust verspürt habe, allen Kids Champagner zu spendieren. Stattdessen kämpfen wir uns von Monat zu Monat, sodass es verantwortungslos wäre, ein Versprechen zu geben, was wir nicht halten können oder was darin resultieren würde, dass wir noch mehr Probleme als sowieso schon haben, wichtige Dinge wie das Essen für die Kids zu sichern. Besonders störte es mich aber, dass Paul – der Fürsprecher des Staffs – sich immer direkt an mich wandte, als Vertreter des Fonelisco e.V. Ich habe den Rahmen des Meetings genutzt, um klarzustellen, dass Fonelisco immer noch Josephs Organisation ist und es auch in seiner Verantwortung liegt, den Staff zu bezahlen. Wir können nicht mehr leisten, als Joseph zu unterstützen, indem wir unter anderem für ihn in Deutschland Geld sammeln und ihm dieses zukommen lassen. Trotzdem ist es nicht zu leugnen, dass uns gegenüber eine unheimliche Erwartungshaltung besteht und wir uns so in einer Verantwortungsrolle wiederfinden, die wir nicht wollen und der wir eigentlich nicht gewachsen sind. Insbesondere psychisch ist es nicht immer leicht, wenn man sich dafür verantwortlich fühlt, wenn morgen kein Essen auf den Tellern der Kinder ist oder ein Kind wegen Krebs nicht behandelt werden kann.

Mit Pius verbrachte ich die nächsten zwei Stunden, die Steckdose in unserem Zimmer zu reparieren. Das dauerte insbesondere deshalb so lange, weil wir andauernd etwas vergaßen und so immer wieder zu den Shops laufen mussten, bis letztlich die Steckdose wieder ihren Dienst tat. Danach spielte ich eine Weile mit den Kids Fußball. Wenn ich daran denke, dass ich das früher jeden Tag gemacht habe, kommt das doch ein bisschen zu kurz… Aber jedes einzelne Mal genieße ich! Am Abend brachten Sibylle, Silke und Juliane den Kindern einen Film zum Anschauen: Ice-Age war auf dem Programm. Dazu gab es Obst für die Kids, während ich mich um ein Stromproblem im Mädchenhaus kümmern musste und dann zuhause Computerarbeit erledigte.

Auch den Sonntag verbrachte ich zu erfreulich großen Teilen mit Fußballspielen. Dabei ließ ich das Mädchen aus mir heraus und spielte gemeinsam mit Silke im Mädelsteam. Auch wenn unsere Siegesquote nicht die allerbeste war, macht es umso mehr Spaß, wenn man dann doch die ehrgeizigen Jungs mal schlagen konnte. Zum Mittagessen gab es leckere Sambusa, eine Art Teigtaschen mit Gemüsefüllung und im Anschluss führten wir ein längeres Gespräch mit Joseph über mögliche Anschaffungen für das Waisenhaus. Den Nachmittag verbrachten wir am Strand von Tunza und Silke und ich planten unsere Reise weiter, während wir im Hintergrund den Sonnenuntergang bewundern konnten.

Ich werde Papa!

So, jetzt habe ich zumindest einmal die Aufmerksamkeit meiner Eltern. Am Montag ging mein Praktikum in einer Kanzlei in Mwanza los. Nachdem ich schlecht geschlafen hatte (leider bleibt es dabei seit diesem Tag), musste ich viel zu früh aufstehen und mit Enok, meinem Pikipiki-Fahrer, die etwa 20-minütige Fahrt zu meinem Arbeitsplatz für die nächsten vier Wochen antreten. Dort kam ich noch vor allen anderen an und bevor sich die Tür zur Kanzlei öffnete, hatte ich nette Gespräche mit Koch, Fahrer und der Putzfrau. Zu großen Teilen verbrachte ich den Tag mit Nichtstun und Warten, immerhin aber nicht alleine. Denn mit mir hat auch noch ein tansanischer Praktikant , Yasir, angefangen, der sehr gutes Englisch spricht und mit dem ich mir die Zeit vertrieb. Der einzige Programmpunkt war eine Fahrt zum Mediation & Arbitrary Center, bei dem versucht wurde, zwei arbeitsrechtliche Fälle zu schlichten. Es war schon eine interessante Metapher für das manchmal vorherrschende Ungleichgewicht zwischen zwei Parteien vor Gericht, als unser kaugummikauender Anwalt im Anzug die Knöchel knacken ließ, während ihm Gegenüber ein Mann ohne Rechtsbeistand im Fußballtrikot saß. Immerhin ließ aber auch er die Knöchel knacken. Wer in der Sache meiner Meinung nach Recht hatte, kann ich allerdings nicht bewerten. Insgesamt habe ich in meinem Praktikum stark mit der Sprache zu kämpfen. Dies habe ich ein wenig unterschätzt, dachte ich doch, dass ich mit meinen Swahili-Kenntnissen einiges mitnehmen könnte.
Bevor ich allerdings die Schlichtung der beiden Fälle mit anschaute, bat mich eine „Mediator“ in ein Büro, um sich mit mir zu  unterhalten. Nach kurzem Smalltalk fragte sie mich, ob ich ihr Freund sein möchte, was ich höflich bejahte und wir tauschten Nummern aus. Die Konsequenzen dessen waren mir in dem Moment nicht bewusst. Doch nur wenige Stunden später bekam ich die Aufforderung, doch ein Baby mit ihr zu haben. Sie hätte noch keine und würde mich mögen. Ganz ehrlich: Was antwortet man da? Halb belustigt, halb überfordert versuchte ich dem Ganzen auszuweichen. Die werte Dame könnte schließlich meine junge Mutter sein. Wir sind dabei verblieben, dass ich darüber nachdenke. Das tue ich natürlich fleißig. Gitterbett und Windeln sind gekauft!
Nachdem ich den restlichen Arbeitsnachmittag mit Fußballschauen, Facebook auswendig lernen und Serie schauen verbrachte, ging es gequetscht im Daladala nach Hause. Spätestens dann war mir der Anzug zu heiß und außerdem fühle ich mich immer ein wenig seltsam, als Weißer im Anzug durch die Straßen Mwanzas zu laufen.

Ein Relikt aus vergangenen Zeiten

Auch mein nächster Tag im Praktikum begann nicht sehr vielversprechend. Wir gingen früh zum High Court, einem der höchsten Gerichte des Landes. Ich war zuvor schon dort gewesen, damals in einem größeren Raum, in dem ein strafrechtlicher Fall behandelt wurde. Dieses Mal aber wurde der Fall in einem kleinen Raum verhandelt, in den wir nicht mal mit reindurften. Stattdessen standen wir zwei Stunden vor dem Raum und versuchten durch die geöffneten Fenster irgendetwas aufzuschnappen, was in meinem Fall jedoch erfolglos war. Viel spannender fand ich jedoch das Leben außerhalb des Gerichts, wie den danebengelegenen Markt, die ankommenden Fähren auf dem Lake Victoria oder die großen Marabus. Aber auch im Court zog ein Feuerlöscher, der neben mir an der Wand hing, meine Aufmerksamkeit auf sich. Neben dem porösen Schlauch und der verblichenen Beschriftung konnte er vor allem durch seine offenbar unglaublich lange Haltbarkeit punkten: Er war laut Aufschrift aus dem Jahre 1960. Nun denn, auf dass es dort auch in den nächsten 60 Jahren nicht brenne!
Nachdem ich die nächsten Stunden mit dem in der Tat vorzüglichen Essen in der Kanzlei verbrachte und mich bei Game Of Thrones auf den neuesten Stand brachte, suchte ich das Gespräch mit einem der leitenden Anwälte. Dieser war sehr umgänglich und freundlich und entschuldigte sich fast dafür, so beschäftigt gewesen zu sein. Danach bekam ich eine kleine Einführung von Viktor, einem weiteren Anwalt, und sogar gemeinsam mit meinem Mitstreiter Yabir eine Aufgabe zur Recherche, sodass wir sogar ein paar Überminuten einschoben. Dieser Nachmittag ließ darauf hoffen, dass das Praktikum für mich deutlich mehr Sinn haben könnte als noch am Vortag befürchtet. Dieses Mal ging es mit dem Pikipiki nach Hause, sodass ich noch Zeit hatte, zu Fone zu gehen und dort eine Runde Fußball zu spielen. Nach dem Abendessen musste ich noch mit Joseph Budget-Planung betreiben, denn der Monat sieht mal wieder alles andere als rosig aus.

Auch am heutigen Mittwoch gab es einiges für uns Praktikanten zu tun. Dorthin kam ich wie bereits am Vortag mit einem neuen Pikipiki-Fahrer, Denis, nachdem Enok wegen eines Todesfalls in der Familie für eine Woche nach Hause fahren musste. Denis macht seinen Job aber auch sehr gut und führt eine innige Beziehung zu seiner Hupe. Wenig vertrauenserweckend war allerdings, als ihm bei nicht allzu hoher Geschwindigkeit plötzlich der Helm vom Kopf flog…
Im Praktikum ging es wieder zum High Court, dieses Mal konnten wir aber mit in den Saal. Etwas zu verstehen fiel mir allerdings wieder schwer. Mitbekommen habe ich allerdings, als mich der Richter plötzlich als praktisches Beispiel für seine Erläuterungen heranzog. Danach schauten wir uns noch zwei Anhörungen vor dem Court of Appeal an, der in Tansania als reisendes Gericht fungiert und derzeit in Mwanza weilt. Hier war zwar auch das meiste in Swahili, aber der Anwalt Bruno schob mir einen Zettel mit einer groben Zusammenfassung zu, während die zweite Anhörung zu Teilen in Englisch war, sodass ich mehr verstand. Zurück in der Kanzlei beschäftigen Yasir und ich uns mit einem Pro-Bono-Case in einer Landangelegenheit. Auch wenn das sicher weder mein Fach- noch Lieblingsgebiet ist, war es doch nicht uninteressant und ich denke, einiges dort lernen zu können.

Insgesamt hat sich das Praktikum deutlich gesteigert, sodass ich recht hoffnungsvoll bin, etwas mitnehmen zu können. Die Arbeitszeiten von 07h30 bis 17h00 Uhr werden allerdings strikt eingehalten, sodass ich leider kaum noch Zeit für etwas anderes habe. Wenn ich heimkomme, erledige ich meist noch Fonelisco-Aufgaben und falle dann hundemüde ins Bett. Ich freue mich also schon aufs Wochenende, um ein paar Altlasten abzuarbeiten und hoffentlich auch ein wenig durchzuatmen, um wieder fit in die nächste Woche starten zu können. Und jaja, alle, die schon mitten im Arbeitsleben stehen – ihr habt ja Recht, so ist das Leben. Auf jeden Fall werde ich weiter versuchen, wann immer möglich Zeit mit den Kind
ern zu verbringen. Denn dies ist ja schließlich einer der Hauptgründe, warum ich gerade in Tansania bin.

Ninatumaini kwamba mmefurahisha kusoma blogi yangu! Kwa herini!
(Ich hoffe, es hat Spaß gemacht, meinen Blog zu lesen! Bis bald!)

A canadian friend of mine asked me to translate my first blog entry, so here it is! Though, I can’t promise that I can always find the time to do so, probably mostly I won’t.

I’m sitting in the dining room, next to me there is some strange TV series running on the TV – I’m back to Mwanza. It’s my fourth time at FONELISCO and like two years ago, I’m going to do a legal internship at a law firm here. I’ll be staying in Mwanza at least until mid of September and I’d be glad if some of you liked to follow my blog from time to time. There has been a lot going on during my first days, so get prepared for a long entry.

But one thing after the other. It all started on Saturday, August 5th. I took a crowded train from my hometown Freiburg to Frankfurt Airport. I was lucky to meet Marius at the queue of the check-in. He was on his way to Capetown and would take the same flight with Emirates to Dubai. It’s better waiting and flying the two of us, so we decided to stick together. At the counter, we got the promising news that our flight was overbooked and they offered us to take on flight later. This one, we would enjoy in 10.000 meters hight with champaign and delicious food in the business class. So we kept waiting for the next couple of hours hopin until we got the good news that would actually be moved to the evening’s flight. Besides the business upgrade we were offered another free flight within the next year and got accomodated in a nice hotel with food while waiting.  For me, it also meant skipping an eleven hours waiting time in Dubai during night time – so only the positive for me.

The business flight was indeed pretty comfortable. After watching the final of the German „Supercup“ between Dortmund and Bayern while drinking champaign, we enjoyed the delicious food and the good wine during the flight. Then, we decided to get our seats in the horizontal position and kept sleeping during the rest of the flight. Arriving in Dubai, the airport was completely crowded and a bottle of water was pretty expensive with a price of 7 USD. So I was glad when my next flight to Dar Es Salaam would take off – this time in the ordinary Economy Class. In Dar, I had to wait for my visa for a very long time, but when I finally got it they gave it to me without any problems so that there was no more between me and my stay in Tanzania. A last short flight brought me to my final destination: Mwanza. At this familiar airport I could see Joseph and Sibylle, one of our volunteers in place, waving at me already while I was getting my luggage.  Joseph was welcoming we warmly like always and it was great seeing him again after more than a year. At the orphanage, I was also warmly welcomed and could meet the other two volunteers. Silke spends parts of ther sabbatical in Mwanza and Juliane from Denmark chose Denmark for her six months‘ internship during her studies. After dinner and shower, I went quickly to bed so that I could recover from the exhausting journey with a good portion of sleep.

My first morning in Mwanza started with a little surprise. My internship wouldn’t start before Monday, August 14th. Yet, my lawyer asked me spontaneously whether I could present myself this morning. So, together with Joseph and Juliane, I went to his firm. From the outside, it looks like a normal house but from the inside it is actually quite luxuray. Leonard, the director of the firm, showed me around and introduced me to the work, I’m going to do there. Luckily, penal law plays a greater role at the firm than I expected. Since this is the field of law, that interests me the most, this is pretty good news. I’ll see whether I might have to help defending the „bad guys“ since the firm is also representing economic firms like mining companies. But I’m pretty expectant to what is waiting for me. The working hours (7h30 to 17h00) are pretty intense, but therefore the firm has its own kitchen we a horrific cook whom’s skills we were allowed to try. Leonard himself is in Paris for two weeks, but his colleague Bruno will supervise me. I’ll se what the work will be like – on Monday I’ll get started!

Together with Juliane, I bought water in town and withdrew some money. We brought great joy to the Tanzanians carrying two big water boxes halfway through the city. A street trader made me happy fixing my necklace that I bought for years ago at his place and that I always carry with me as a memory of Mwanza, my „kumbukumbu“. The city was still the city I’ve left one year ago. But you can definitely tell that the city is changing. There are a lot of new buildings, mainly hotels. Even the road to the city is being extended to four ways and close to the „Rock City Mall“ that had been opened last year, there is now a pretty modern bridge. A thing that shocked me was the risen number of street kids in the city, at least that’s what my impression was like.

After lunch, it was finally my first time going to the kids to Fone. After a warm, partly shy welcome we went to „Tunza“, a beach bar nearby. Our volunteers had a deal with the owners that our children could go there playing for free from time to time. They enjoyed their time at the beach including playing soccer in the sand. I bought some popcorn that the children ate with great joy. Typically Tanzanian, they didn’t keep their portions for themselves but offered us volunteers to share with them.
We four volunteers spent the evening in the close „Miami Bar“, where they informed me about the current situation and problems in place. Even though the Fonelisco e.V. is supporting FONELISCO for almos six years now, there are still so many little things, that cause problems all the time. Still, it was a very good talk that gave me a good impression about some things that I can take care of, but where I could also clarify some things I guess. Though, I realized once more, that cooperation between people from different cultural backgrounds is a huge challenge. Maybe this is actually the challenge of our work, but also the thing that makes it so special. FONELISCO wouldn’t be FONELISCO, if it hadn’t been for Joseph that it was founded and being directed. It’s this initative of his own that makes the organization so interesting and supportable to me. That some problems are connected with this, is pretty much obvious.

„Knock, knock, knock – Domi“. Tuesday morning started surprisingly early, at least I was still deeply sleeping when Joseph woke me up. We had planned a trip to the New Land this morning, but hadn’t defined when exactly „morning“ would be. Apparently now. So we quickly had breakfast and there we went in direction of the piece of land owned by FONELISCO, where we started several agricultural projects. I hadn’t seen them with my own eyes, so I was pretty curious to get an impression of the work there. During the half hour’s drive I could already realized how dry the area was. Actually, the surroundings of Mwanza are known for being pretty green due to the proximity to Lake Victoria. Now it is dry season and you can definitely tell that the last two rain seasons literally din’t take place. Unfortunately, this has a great impact on our projects on the New Land. The rice harvest is drastically less than what we expected it to be. During the next days we will try to get a bag of rice prepared in order to see how much we actually harvested. Since the market price for the rice suddenly dropped again, I’m pretty disappointed how this promising project went like. As well, the planted maize struggles a lot with the drought and animals that keep on stealing the harvest. Fire places on the ground proove the attempts of our Massai to keep the animals away from our rice. At least our cows look pretty healthy. They are all pregnant so that they are not giving milk for the moment. But we hope that, as soon as they will have calved, we can make a good profit from their milk. Joseph showed the three water bassins then where we could maybe start a fishing project.  However, I’m a bit reserved since the result of the other projects hasn’t been very convincing. The chicken project is just another example where we even lost money after a huge Indian company called „Kuku Poa“ settled down in Mwanza that „produces“ thousands of chicken and reduced the market price from 12.000 TZS (about 5€) to 6.000€ (about 2,50€) within short time. We are definitely not the only ones suffering from this development. On the other hand, it is also a good thing that chicken get accessible to the population. This is why we had decided to to use most of the chicken for our own children. With bug shrieking the remaining 12 chicken were cought and brought to the orphanage in the trunk of the car. On the way back, I was pretty amused seeing a DalaDala with the wonderful inscription „Air Force One“ –  what a suitable name for these „comfortable“ mini busses. I’m going to write a further „agricultural report“ about the ongoing of the projects on the New Land to give a more concrete overview on the situation.

After arriving at the orphanage, I watched the slaughtering of the chicken that one of our older boys executed in a professional and unexcited manner. I played some soccer while our pitch kept being crossed by kids carrying dead chicken to the kitchen. Then, we went home to the volunteer house and enjoyed our delicious meal: chicken with spaghetti. In the afternoon we volunteers went to the opposite side of the city close to Igoma. The 8th of August is a Tanzanian holiday called „Nane Nane“ (Swahili, Nane = 8), the day of agriculture. There was a big festival in Igoma, but unfortunately it was rather disappointing. Instead of exhibitions of animals and plants we mainly found a huge market to take place with a lot of shrieking, noise and countless people. After walking an hour through the crowds, we decided to go back home. Since the DalaDalas were far too crowded we decided to take PikiPikis, the „motorcycle cabs“. In the town, we went eating burgers in a restaurant lead by Danish who are planning to open a soup kitchen for poor people with their profit. In the evening, I had a very good talk with Silke. We were planning where we might be travelling at the end of our time in Tanzania. Though, I’m not sure what I’ll be able to do with my tight budget. At least, I really want to do the trip by train that I’ve been dreaming of since my first time in Mwanza. Then, we also spoke a lot about FONELISCO and the work of the Fonelisco e.V. – a very good talk that I keep thinking a lot about. mit PikiPikis, den Motorradtaxis.

On Wednesday we went to town in the morning and were actually planning to participate in a Danish organized meal serving of street children. Unfortunately, this had to be postponed to a later time so that we decided to have quick lunch. „Quick“ was the wrong word to describe the meal. Our bony chicken and watery fries apparently needed special care, so that we had to skip the meal serving. After that, we went to a flower shop. Juliane wanted to buy some flower seeds for a project where the children could grow the flowers themselves. The sellers were on fire bringing us flowers from everywhere pulling out the younger plants. Fully packed with plants we stopped on our way back at the supermarket in the grandiose „Rock City Mall“ and then went to one of my favourite organizations in Mwanza: Tunaweza. This is a place where handicapped people are tailoring and suing clothes and souvenirs that would be sold for the maintenace of the organization. I’m a good friend of Stefano, one of the workers of Tunaweza whom I have also supported for his wedding a few months ago.

Alphonsi with a selfmade Radio.

I spend my afternoon at Fonelisco. Together with Margreth, a 13 year old girl, I translated two books from English to Swahili. My Swahili is normally good enough for communication, but it definitely finds its borders on words like „hovercraft“, scuba diving“ or „current“. Still, it was great joy and I was allowed to feel like a real volunteer again. This awesome feeling has probably been reserved to my first stay in Tanzania, nowadays I see Fonelisco through the eyes of a worker of Fonelisco e.V. Eyes, that unfortunately keep on seeing problems too often… After that I joined Silke for her English Class that she managed pretty well and where the children participated nicely. Silke said that this was rather because I was present. Apparently there is an aura of fear on me… In the evening I had a long talk with Joseph at the beach of Tunza where our waiter was Rama whom I still knew from the sports charity. We had a very productive meeting in positive atmosphere sweetend by some Tanzanian beer and cidre while we kept on talking about many problems. I’m optimistic that many of these things will now be dealt with. One of our main problems is surely the relationship of dependance between FONELISCO and our partner organization in Germany since we’re the biggest supporters of the orphanage moneywise. That’s why sometimes Joseph is taking an subordinate role which is something we absolutely don’t want him to do. Our main goal is to work as partners with equal rights and to help him stand on his own feet on a long-term basis. That’s why I encouraged him to always communicate his own opinion on things so that we would never decide against his will. But of course, it is not always easy to find the balance between our responsibility towards our donors and his freedom in decision making. Still, I think that our talk was a good step forwards on this topic. Moreover, there is a staff meeting scheduled for Saturday which is overdue for a long time. I’m expectant to see whether our talk will produce further positive results.

On Thursday morning I had another talk with Joseph about the current financial sitiation. We are very worried that the food is not yet secured until the end of the month and our staff hasn’t been paid so far. A huge problem is the situation concerning one of our girls. She is sick from cervical cancer and is being treated with radiochemotherapy in six cycles. The next cycle will be on August 18th and she will also have to undergo a surgery then. Her treatment is very expensive and I’d be glad if anybody wanted to take a look at our donation camapign where you can also find further information: https://www.betterplace.org/de/projects/56225-unterstutzung-fur-krebskrankes-waisenkind

After that, I went with the PikiPiki driver that I know for two years now to the language school where Silke is having her language course. Her teacher, a German who lives in Tanzania for many years now, offered me a contract so that our volunteers could do the courses for special prices there. After another long and interesting talk with Silke we went back home, where I spent the afternoon sitting in front of the computer to do some Fonelisco related work – among them this blog. I also had a skype meeting with my German team to update them about the current situation in place. Now I face the stereotypical problem to take shower out of a water bottle since we haven’t had water in two days now. During some construction work, a pipe has been seriously damaged so that the whole Ilemela region doesn’t have access to water.

All in all I had some pretty eventful and busy first days in Mwanza where I’ve already experienced a lot. The volunteers make a very positive impression on me. It really feels good being back to my „second home“. Even though the „thrill“ of my first trips is mostly gone, the feeling of feeling home here is maybe even more precious.

Till the next time!

Ich sitze im Esszimmer am Computer, neben mir läuft der Fernseher mit irgendeiner recht grauenhaften Fernsehserie – ich bin wieder in Mwanza. Zum mittlerweile vierten Mal bin ich bei FONELISCO und werde allerdings auch wie bereits vor zwei Jahren ein juristisches Praktikum bei einem Anwalt absolvieren. Bis mindestens Mitte September werde ich in Mwanza sein und würde mich freuen, wenn einige von euch Lust haben, während dieser Zeit meinen Blog zu verfolgen. Es ist viel passiert in den ersten Tagen hier, also stellt euch auf einen langen Blog ein.

Doch der Reihe nach. Am Samstag, den 5.8. ging es los. In einem überfüllten Zug ging es von Freiburg zum Frankfurter Flughafen. Dort hatte ich gleich großes Glück, dass mich in der Schlange vom Check-In Marius ansprach. Er war auf dem Weg nach Kapstadt und würde wie ich mit Emirates über Dubai fliegen. Zusammen lässt es sich besser warten und fliegen, dachten wir uns und taten uns zusammen. Bereits am Schalter erhielten wir die verheißungsvolle Botschaft, dass unser Flug überbucht war und so boten wir uns an, im Fall der Fälle einen Flug später zu nehmen. Diesen würden wir in 10.000 Meter Höhe dann jedoch mit Champagner und gutem Essen in der Business-Class genießen dürfen. Die nächsten Stunden verbrachten wir also mit Warten und Hoffen, bis uns letztlich die frohe Botschaft erreichte, dass wir tatsächlich erst am Abend fliegen würden. Neben dem Business-Upgrade bekamen wir noch einen kostenlosen Freiflug innerhalb des nächsten Jahres geschenkt und wurden für die Wartezeit in einem Hotel untergebracht und bekamen ein Essen spendiert. Für mich hatte das Ganze den schönen Nebeneffekt, dass ich die elfstündige Wartezeit in Dubai über Nacht deutlich verkürzen konnte – also nur Vorteile.

Der Business-Flug war in der Tat äußerst komfortabel. Nachdem wir vor dem Abflug bei Champagner das Finale des deutschen Supercups schauen konnten, genossen wir während des Fluges das leckere Essen und den guten Wein, bevor wir unsere Sessel in die angenehme Liegeposition brachten und den Rest des Fluges verschliefen. Angekommen in Dubai war der Flughafen dort heillos überfüllt und die Flasche Wasser mit 7 USD doch recht kostspielig, sodass ich mich freute, als es dann nach Dar Es Salaam weiterging – in der ganz gewöhnlichen Economy Class. In Dar musste ich lange auf mein Visum warten, bekam es dann aber doch anstandslos ausgestellt, sodass meinem Aufenthalt in Tansania nichts mehr im Wege stand. Ein letzter kurzer Flug brachte mich dann letztlich an mein Ziel Mwanza. Dort am vertrauten Flughafen konnte ich noch während der Gepäckabholung Joseph und Sibylle, eine der Freiwilligen vor Ort, erblicken. Die Begrüßung Josephs war wie immer herzlich und es war toll, ihn nach über einem Jahr wiederzusehen. Auch im Freiwilligenhaus wurde ich freudig willkommen geheißen und traf auf die beiden anderen Freiwilligen. Silke verbringt einen Teil ihres Sabbathalbjahres in Mwanza und Juliane aus Dänemark hat FONELISCO für ihr sechsmonatiges Praktikum im Rahmen ihres Studiums ausgewählt. Nach dem Abendessen und der Dusche verkroch ich mich rasch ins Bett, um die anstrengende Reise durch eine gehörige Portion Schlaf auszugleichen.

An meinem ersten Morgen in Mwanza wartete gleich eine kleine Überraschung auf mich. Mein Praktikum würde erst am nächsten Montag, den 14.08., anfangen. Jedoch bat mich der Anwalt spontan, mich heute bereits vorzustellen. Also fuhr ich mit Joseph und Juliane in die Kanzlei. Diese ist ein gewöhnliches Wohnhaus, das von außen nicht besonders ausschaut, von innen aber teilweise doch recht edel ist. Hier führte mich Leonard in die Arbeit ein, die mich so erwarten wird. Glücklicherweise spielt Strafrecht hier wohl doch eine größere Rolle. Nachdem dies das Gebiet ist, dass mich am meisten an Jura interessiert, ist das schon einmal eine gute Nachricht. Allerdings habe ich ein bisschen Angst, dass die Firma eher auf die Verteidigung von ökonomischen „bad guys“ spezialisiert ist, also größeren Firmen wie „Mining Companies“. Aber ich bin gespannt darauf, was mich erwartet. Die Arbeitszeiten sind mit 07h30 bis 17h00 hart, dafür gibt es aber eine eigene Küche mit einem hervorragenden Koch, dessen Künste wir bereits testen durften. Leonard selbst ist nun für zwei Wochen in Paris, aber ich werde ohnehin von seinem Kollegen Bruno betreut. Ich bin gespannt, was mich dort erwartet – am Montag geht es los.

Mit Juliane besorgte ich noch Wasser in der Stadt und holte mir Geld bei der Bank. Wir sorgten für große Belustigung bei den Tansaniern, wie wir zwei große Wasserkisten durch die halbe Stadt trugen. Außerdem machte mich ein Straßenhändler glücklich, bei dem ich vor vier Jahren eine Kette gekauft habe, die ich für gewöhnlich immer trage und die mir letzte Woche kaputt gegangen war. Er konnte sie mir reparieren, sodass ich meine Erinnerung an Mwanza, mein kumbukumbu, wieder mit mir tragen kann. Insgesamt war die Stadt noch die, die ich vor einem Jahr verlassen habe. Aber man merkt doch, dass Mwanza im Wandel ist. Viele neue Gebäude werden hochgezogen, insbesondere größere Hotels. Auch die Straße in die Stadt wird komplett auf vier Spuren erweitert und über sie verläuft auf Höhe der letztes Jahr eröffneten „Rock City Mall“ eine moderne Brücke. Erschreckend war die deutlich gestiegene Anzahl an Straßenkindern in der Stadt, jedenfalls kam mir dies so vor.
Nach dem Mittagessen ging es dann endlich das erste Mal zu den Kids zu Fone. Nach herzlicher, teils schüchterner Begrüßung gingen wir mit den Kindern zu Tunza, einer Strandbar in der Nähe. Dort hatten die Volontäre mit den Besitzern ausgehandelt, dass wir von Zeit zu Zeit mit den Kindern kostenlos dorthin dürfen. Sie genossen die Zeit am Strand inklusive des Fußballspielens im Sand. Ich kaufte den Kids einige Packungen Popcorn, dass diese mit Freude verspeisten. Ganz typisch tansanisch boten sie aber auch uns Volontären an, ein wenig von ihren Portionen zu essen.
Den Abend ließen wir vier Freiwilligen in der nahegelegenen „Miami Bar“ ausklingen, wo ich über die aktuelle Situation und die Probleme vor Ort aus ihrer Sicht informiert wurde. Auch wenn wir nun schon seit fast sechs Jahren FONELISCO unterstützen, gibt es doch immer noch viele kleine Dinge, an denen es hier und da hakt. Insgesamt war es aber doch ein sehr gutes Gespräch, bei dem ich vieles aufnehmen konnte, aber vielleicht auch die ein oder andere Sache näher erklären konnte. Trotzdem ist mir ein weiteres Mal klargeworden, dass eine Zusammenarbeit zwischen Menschen zweier Kulturkreise eine Herausforderung ist. Darin liegt vielleicht die Schwierigkeit unserer Arbeit, gleichzeitig aber auch der besondere Reiz. Denn FONELISCO wäre nicht FONELISCO, wenn das Waisenhaus nicht von Joseph, einem Tansanier, begründet und geleitet werden würde. Und genau diese Eigeninitiative macht die Organisation für mich so interessant und unterstützenswert. Dass damit natürlich auch einige Probleme verbunden sind, liegt auf der Hand.

„Knock, knock, knock – Domi“. Der Dienstagmorgen begann erstaunlich früh, jedenfalls schlief ich noch tief und fest, als Joseph mich weckte. Für diesen Morgen war eine Fahrt zum New Land angedacht, nur wann genau „Morgen“ sein würde, hatten wir nicht definiert. Also verschlangen wir Freiwilligen ein schnelles Frühstück und ab ging es in Richtung des Grundstücks von FONELISCO, auf dem wir einige landwirtschaftliche Projekte begonnen haben. Diese habe ich noch nicht mit eigenen Augen gesehen, sodass ich sehr gespannt war, mir davon einen Eindruck zu verschaffen. Bereits auf der halbstündigen Fahrt dorthin fiel mir auf, wie ausgetrocknet die Gegend war. Die Umgebung von Mwanza ist eigentlich bekannt dafür, aufgrund der Lage am Lake Victoria sehr grün zu sein. Nun ist es Trockenzeit und man merkt deutlich, dass die letzten zwei Regenzeiten ausgefallen sind. Leider hat dies auch deutlichen Einfluss auf unsere Projekte auf dem New Land. Die Reisernte ist drastisch unter dem Erwarteten. Die nächsten Tage werden wir mal probeweise einen Sack Reis fertig zubereiten lassen, sodass wir ausrechnen können, wie viel Kilogramm nun tatsächlich geerntet wurden. Nachdem aber auch der Reispreis plötzlich wieder gefallen ist, bin ich doch sehr enttäuscht, wie das eigentlich vielversprechende Projekt gelaufen ist. Auch der gepflanzte Mais hat mit der Hitze zu kämpfen, ebenso mit Tieren, die versuchen die Ernte zu stehlen. Feuerstellen auf den Boden zeugten davon, wie unsere Massai versuchten, die Tiere zu verscheuchen. Unsere Kühe hingegen sahen sehr gesund aus. Sie sind zurzeit alle schwanger, sodass sie keine Milch geben, aber wir hoffen, dass wir, sobald sie kalben, hier mit der Milch einen guten Umsatz machen können. Joseph zeigte mir noch drei Wasserbecken, in denen wir ein Fischprojekt aufziehen könnten. Noch bin ich hier aber vorsichtig, weil es doch wieder eine größere Investition wäre und mich der Ausgang der bisherigen Projekte wenig überzeugt hatte. Denn auch das Hühnerprojekt war ein großes Verlustgeschäft, nachdem sich in Mwanza eine riesige indische Firma namens „Kuku Poa“ niedergelassen hat, die Hühner zu tausenden „produziert“ und den Marktpreis in kürzester Zeit von 12.000 TZS (ca. 5€) auf 6.000 TZS (ca. 2,50€) reduziert hat. Wir sind sicher nicht die einzigen in der Region, die darunter leiden. Auf der anderen Seite hat es natürlich auch etwas für sich, wenn Hühner für die Bevölkerung erschwinglicher werden. So hatten wir uns dazu entschlossen, den Großteil unserer Hühner für die Kinder selbst zu nutzen. Mit großem Geschrei wurden die verbleibenden 12 Hühner eingefangen und in dem Kofferraum ins Waisenhaus verbracht. Belustigt hat mich auf dem Rückweg der DalaDala mit der wundervollen Aufschrift „Air Force One“ – ein treffender Name für die „komfortablen“ Kleinbusse Über die Projekte werde ich im Laufe des Monats einen weiteren „Agricultural Report“ schreiben, um wieder einen guten Überblick über die Situation zu geben.

Im Waisenhaus angekommen schaute ich mir die Schlachtung der Hühner an, die einer unserer älteren Jungs fachmännisch und unaufgeregt durchführte. Außerdem spielte ich ein wenig Fußball, während unser Spielfeld immer wieder von hühnertragenden Kindern durchquert wurde. Danach ging es dann zum Mittagessen– leckeres Hühnchen mit Spaghetti – ins Freiwilligenhaus. Am Nachmittag fuhren wir Freiwilligen ans andere Ende der Stadt in die Nähe von Igoma. Am 8.8. ist in Tansania der Feiertag „Nane Nane“ (Swahili, Nane = 8), der Tag der Landwirtschaft. In Igoma fand ein großes Fest statt, das uns jedoch enttäuschte. Anstatt Ausstellungen von Tieren und Pflanzen fanden wir vorwiegend einen gigantischen Markt mit viel Geschrei, Lärm und unzähligen Menschen vor. Nachdem wir uns eine Stunde durch die Massen gequetscht hatten, entschieden wir uns für den Rückweg. Angesichts der vollgestopften DalaDalas entschieden wir uns für die Fahrt mit PikiPikis, den Motorradtaxis. In der Stadt gingen wir Burger essen in einem von Dänen geführten Laden, der mit dem Ertrag eine Suppenküche für Bedürftige eröffnen möchte. Gegen Abend führte ich ein längeres Gespräch mit Silke. Zum einen überlegten wir ein bisschen, wohin wir möglicherweise zusammen gegen Ende unserer Zeit in Tansania reisen möchten. Allerdings bin ich mir noch nicht sicher, wieviel mein knappes Budget wohl so hergeben kann. Jedenfalls eine Zugfahrt möchte ich aber unbedingt machen, denn davon träume ich schon seit ich das erste Mal in Mwanza war. Zum anderen sprachen wir aber auch über FONELISCO und die Arbeit des Fonelisco e.V. – ein wirklich sehr gutes Gespräch, über das ich viel nachdenke.

Am gestrigen Mittwoch fuhren wir am Morgen in die Stadt und wollten dort eigentlich bei einer von Dänen organisierten Essensausgabe dabei sein. Leider verschob sich dies alles, sodass wir uns für ein rasches Mittagessen entschieden. Mit rasch war allerdings nicht viel. Unsere mageren Hühnchenknochen mit labbrigen Pommes bedurften offenbar besonders intensiver Zuneigung, sodass wir leider die Essensausgabe vollständig verpassten. Danach gingen wir zu einem Blumenladen. Dort wollte Juliane für ein Projekt mit den Kindern Pflanzensprösslinge besorgen, die die Kinder dann selbst züchten. Die Verkäufer waren Feuer und Flamme dafür, uns diverse Blumen von überall heranzuschleppen und die Sprösslinge auszureißen. Vollbepackt mit den Sprösslingen fuhren wir auf dem Rückweg noch beim Supermarkt in der pompösen „Rock City Mall“ vorbei und bei einer meiner Lieblingsorganisationen in Mwanza: Tunaweza. Hier nähen und schneidern Behinderte Kleidung und Souvenirs, die dann für den Erhalt der Organisation verkauft werden. Mit Stefano, einem der Mitarbeiter von Tunaweza, bin ich gut befreundet und hatte ihn auch bei seiner Hochzeit vor einigen Monaten unterstützt.

Alphonsi mit selbst gebasteltem Radio.

Den Nachmittag verbrachte ich bei Fonelisco. Gemeinsam mit Margreth, einem etwa 13jährigen Mädchen, übersetzte ich zwei Bücher vom Englischen ins Swahili. Mein Swahili reicht für gewöhnlich mittlerweile für die meiste Kommunikation, aber bei Wörtern wie „hovercraft“, „scuba diving“ oder „current“ stößt es dann spätestens an seine Grenzen. Trotzdem hat es mir riesigen Spaß gemacht und ich durfte mich mal wieder ein wenig wie ein richtiger Volontär fühlen. Denn dieses Gefühl blieb mir so richtig nur bei meinem ersten Aufenthalt vergönnt, mittlerweile sehe ich Fonelisco doch eher durch die Augen des Mitarbeiters des Fonelisco e.V. Augen, die leider oft zu viele Probleme sehen… Danach schaute ich Silke noch bei ihrem Englischunterricht zu, den sie wirklich gut gestaltete und bei dem die Kinder toll mitmachten. Allerdings sagte Silke, dass dies wohl eher deshalb war, weil ich mit dabei war. Mich scheint eine wahrlich furchteinflößende Aura zu umgeben… Den Abend beschloss ich mit einem langen Gespräch mit Joseph am Strand von Tunza, wo uns Rama bediente, den ich noch von der befreundeten Sports Charity kannte. Wir hatten ein wirklich produktives Gespräch in positiver Atmosphäre versüßt mit tansanischem Bier und Cider, bei dem viele Probleme auf den Tisch kamen. Ich bin auch optimistisch, dass einige Dinge nun angegangen werden. Eines der Hauptprobleme liegt sicher in dem Abhängigkeitsverhältnis zwischen Fonelisco und unserem deutschen Partnerverein als größten Geldgeber. Dadurch ordnet sich Joseph uns manchmal unter, was wir aber auf keinen Fall wollen. Unser Ziel ist es, gleichberechtigt mit ihm zu arbeiten und ihm dabei zu helfen, langfristig auf eigenen Beinen zu stehen. Also habe ich Joseph ermutigt, uns immer klar auch seine Meinung zu kommunizieren, damit wir auf keinen Fall entgegen seinem Willen entscheiden. Aber natürlich ist es nicht immer ganz leicht, den Spagat zwischen der Verantwortung unseren Spendern gegenüber und seiner Entscheidungsfreiheit zu schlagen. Trotzdem denke ich, dass unser Gespräch diesbezüglich einiges geklärt hat. Zudem ist für Samstag bereits ein Staff-Meeting anberaumt, das lange überfällig war und auch so bin ich gespannt, ob das Gespräch viele produktive Ergebnisse mit sich bringt.

Heute früh besprach ich mit Joseph die aktuelle finanzielle Situation. Uns macht große Sorgen, dass zum einen das Essen noch nicht für den Rest des Monats gesichert ist und die Mitarbeiter noch nicht bezahlt sind. Besonders problematisch ist jedoch die Situation um unser krebskrankes Mädchen. Sie ist an Gebärmutterhalskrebs erkrankt und muss sich einer Radiochemotherapie in sechs Zyklen unterziehen. Der nächste Zyklus steht nun am 18. August an und es ist mittlerweile auch sicher, dass sie dort operiert werden soll. Ihre Behandlung ist äußerst kostspielig und ich würde mich freuen, wenn der ein oder andere auf unserer eigens für sie eingerichteten Spendenaktion vorbeischaut. Dort gibt es auch nähere Informationen zu dieser Situation: https://www.betterplace.org/de/projects/56225-unterstutzung-fur-krebskrankes-waisenkind

Danach fuhr ich mit meinem PikiPiki-Fahrer, den ich schon seit zwei Jahren kenne, zu der Sprachschule, in der Silke einen Kurs absolviert. Dort bot mir die Lehrerin, eine Deutsche, die seit vielen Jahren in Tansania wohnt, einen Rahmenvertrag an, sodass unsere Freiwilligen in Zukunft zu vergünstigten Konditionen Kurse absolvieren können. Nach einem weiteren längeren und interessanten Gespräch mit Silke in der Stadt fuhren wir heim, wo ich den Nachmittag am Computer verbrachte, um einige Fonelisco-Sachen zu organisieren – unter andere diesen Blog. Daneben skypte unser deutsches Team noch, wo ich sie über die aktuelle Situation hier vor Ort auf den neuesten Stand brachte. Nun stehe ich noch vor dem klischeehaften Problem, dass ich gleich eine Dusche aus Wasserflaschen zu mir nehmen muss, nachdem wir nun schon zwei Tage lang kein Wasser mehr haben. Bei Bauarbeiten wurde ein Rohr beschädigt, sodass ganz Ilemela keinen Zugang zu Wasser hat.

Insgesamt liegen sehr ereignisreiche und geschäftige Tage hinter mir, in denen ich bereits viel erlebt habe. Die Freiwilligen vor Ort hinterlassen einen wirklich positiven Eindruck. Insgesamt fühlt es sich einfach toll an, wieder in meinem „second home“ zu sein. Auch wenn der „Nervenkitzel“ der ersten Touren ein wenig vergangen ist, so ist das Gefühl, sich hier heimisch zu fühlen, doch vielleicht sogar noch mehr wert.

Bis zum nächsten Mal!

IMG_20160714_182204320_HDREs ist soweit. Zeit, Abschied zu nehmen, immer verknüpft mit der Versicherung, wiederzukommen. In ein paar Stunden wird es ein großes Abschiedsfest mit Hühnchen und Kartoffeln geben, bevor es dann am frühen Morgen wieder in Richtung Deutschland geht.

Doch zuvor sollte ich noch die letzten Tage Revue passieren lassen. Nach einem entspannten Donnerstag ging es am Morgen des Freitag gemeinsam mit Jacob zu einem Geschäft, das Öfen und Herde verkauft. In dem Waisenhaus gibt es zwar eine Küche, in der mit Feuerholz gekocht wird. Aber dieses System ist nicht IMG_20160715_095823138_HDRnur unglaublich teuer, weil viel Hitze verloren geht, es ist auch gesundheitsgefährdend für unsere Köchinnen. Wir planen, sehr bald einen neuen Herd zu kaufen. Der funktioniert zwar ebenfalls mit Feuerholz, speichert aber über Ton die Wärme viel besser, sodass er weit weniger verbraucht. Zudem verfügt er über ein Abzugsrohr, sodass auch das Gesundheitsproblem gelöst sein sollte. Die Schwierigkeit ist natürlich wie immer, das Geld hierfür zu finden. Mit 150/200€ ist dieser Herd zwar deutlich billiger als gedacht und würde sich schon nach schätzungsweise vier Monaten rentieren, aber trotzdem muss man dieses Geld erst einmal haben… Wir geben unser Bestes.

Nach dem Besuch in diesem Geschäft gingen wir gleich die nächste Baustelle an und gingen in einen weiteren Laden, der sich um Wasserrohre kümmert. Derzeit bricht jeden Tag irgendwo ein Rohr und wir zahlen Unmengen für Reparaturen und verlorenes Wasser. Das Wassersystem auszutauschen ist nicht finanzierbar, aber als uns ein Mitarbeiter der Firma am nächsten Tag besuchte, riet er uns ein Gerät einzubauen, das den Wasserdruck erheblich verringern würde und erheblich kostengünstiger ist. Aber auch hier haben wir das gleiche Problem, das wir das hierfür benötigte Geld erst einmal auftreiben müssen und uns zudem noch eingehender informieren müssen.

IMG_20160713_131200844Am Nachmittag hatten wir endlich das groß angelegte Skype mit einigen unserer internationalen Partner aus Tschechien, Dänemark und Spanien. Wir besprachen unser Vorgehen in der Zukunft, um unsere Kräfte besser bündeln zu können. Inwieweit das Skype positive Ergebnisse hervorbringt, wird die nächste Zeit zeigen. Jedenfalls aber habe ich ein gutes Gefühl nach dem Gespräch, auch wenn leider nicht so viele Partner wie erhofft daran teilnahmen. Trotzdem entwickelten wir einige sinnvolle und vielversprechende Ideen, wie wir unsere Zusammenarbeit verbessern können. Insbesondere wollen wir uns regelmäßiger austauschen, was wirklich unerlässlich ist.

Amin, der uns 200 Küken für unser Hühnerprojekt schenken wird, hatte mich in dieser Woche immer wieder auf einen anderen Tag vertröstet. Am Samstagmorgen aber fuhren wir endlich gemeinsam zum New Land. Dort machte er mir große Hoffnung, dass das Projekt finanzierbar sein wird. Nun wird er erst einmal Rechnungen anstellen zum Bau der Hütte, aber auch zu den laufenden Kosten. Ich bin auf jeden Fall gespannt, mit welchen Zahlen er auf mich zukommen wird und hoffe, dass wir unseren Plan bald in die Praxis umsetzen können.

IMG_20160717_163457945Den gestrigen Sonntag konnte ich noch einmal zu großen Teilen bei den Kindern verbringen, auch wenn ich schon ein wenig packen musste. In den drei Wochen, die ich hier war, hat es kein einziges Mal geregnet. Trotzdem war ich überrascht, dass es lange nicht so heiß war wie erwartet. Doch die Temperaturen haben in den letzten Tagen deutlich angezogen. Und so dachten wir uns für den Sonntag etwas Besonderes aus und veranstalten eine Wasserschlacht. Dank einer Grundwasserpumpe, deren Wasser zwar nicht trinkbar ist, aber für solche Zwecke doch hervorragend geeignet ist, ging dies auch kostenlos. Unsere Teamaufteilung in Staff und Kinder wurde rasch pulverisiert und stattdessen machte jeder jeden Nass – mit großem Geschrei versteht sich. Staff und Kinder waren vollkommen ausgelassen und wir hatten alle einen riesigen Spaß. Es war wirklich ein schöner Nachmittag gewesen.

Am heutigen Montagmorgen fuhren Annika und Ich gemeinsam mit Pius und dem positiv getesteten Kind zu einer Klinik, die sich mit der Behandlung von HIV-betroffenen Kindern hervorragend auskennt. Ich hatte in all meiner Zeit in Tansania noch nie ein so gut ausgestattetes Krankenhaus gesehen, das sich vom Niveau wirklich kaum von einer europäischen Einrichtung unterschied. Leider durften Annika und Ich nie mit in das Behandlungszimmer, sodass wir die meiste Zeit mit Warten verbrachten mit der einen Ausnahme, wo ich mir ein Pikipiki schnappen musste, um beim Shaloom Care House einen Überweisungsbrief abzuholen. So entschieden wir, schon ein wenig früher den Heimweg anzutreten. Schließlich musste ich an diesem Nachmittag ja noch den Koffer packen…

IMG_20160714_181705016_HDRInsgesamt bin ich sehr zufrieden mit meiner Zeit hier. Ich hatte wie erhofft viel Zeit mit den Kindern, konnte aber auch gleichzeitig einige Projekte angehen, teilweise auch schon umsetzen. Der HIV-Test war wirklich wichtig. Auch mit dem Hühnerprojekt habe ich ein gutes Gefühl, ebenso wie mit unseren Ideen bezüglich des Herdes und der Rohre. Vor allem aber muss ich sagen, dass mich der tagtägliche Ablauf im Waisenhaus beeindruckt hat. Hier hatte ich weit mehr Probleme erwartet, wurde aber vom Gegenteil überzeugt. Die Arbeit der Mitarbeiter ist wirklich gut und auch unsere Volontärin scheint sich super wohl zu fühlen. Mit den Kindern hatte ich jeden Tag eine riesige Freude und viel Spaß. FONELISCO ist einfach eine große Familie, bei der man gar nicht anders kann, als sich wie ein Teil davon zu fühlen. Insgesamt war es schön, wieder eine Weile lang tansanisch leben zu können. Der Trubel auf den Straßen, die Geschäftigkeit, gleichzeit aber auch diese Gelassenheit wird mir fehlen. Besonders die Herzlichkeit der Tansanier konnte mich ein weiteres Mal verzaubern. Ich kann es kaum erwarten, wieder herzukommen, auch wenn dies nun wohl eine Weile dauern wird, bis es mein Studium erlaubt. Aber bis dahin werde ich mich an diesen drei Wochen laben, die ich in diesem Juli bei Fonelisco in Mwanza, Tansania verbringen konnte.

Nun werde ich also gleich noch meine Abschiedsfeier genießen und bin gespannt auf das, was mich wieder zurück in Deutschland erwartet.

Fonelisco – nitakukumbaka sana!

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