Von Juni bis August 2016 ist Annika als Freiwillige bei Fonelisco im Einsatz und berichtet hier von ihren Eindrücken.

Nun ist die achte Woche fast vorrüber und damit leider schon mehr als die Hälfte meiner Zeit hier bei Fonelisco. Die Zeit vergeht, sie vergeht viel zu schnell. Zwar bin ich momentan die einzige Voluntärin, aber weder fühle ich mich alleine, noch wird mir langweilig. Bereits am Tag meiner Ankunft wurde ich gleich von 3 Fonelisco-Mitarbeitern vom Flughafen abgeholt. In den nächsten Tagen wurde mir die Umgebung gezeigt, das Dörfchen Illemela selbst, die mit dem Daladala 20 Minuten entfernte Stadt Mwanza, Ufer und Strände des Viktoriasees und natürlich Allem voran das Waisenhaus. Ja, Gastfreundschaft wird hier überaus groß geschrieben und selbst nach eineinhalb Monaten spüre ich sie noch genauso wie zu Beginn. So legt sich die anfängliche Unsicherheit, ja vielleicht Schüchternheit ungemein schnell und man fühlt sich nach kürzester Zeit wie zu Hause. Wie ich in den ersten Tagen einen afrikanischen Kulturschock erlebt habe, werde ich wohl nach meiner Rückkehr einen europäischdeutschen Kulturschock erleben.;)
Gleich am zweiten Tag durfte ich im Wohnzimmer des Voluntärshaus das wirklich sehr nette Staff kennenlernen, daraufhin ging es zum Waisenhaus. Die ganze Schar Kinder saß, geauso neugierig wie ich, vor mir auf der Wiese, während ich mich vorstellte. Und als die Sonne allmählich unterging , tanzten sie ihren von Trommeln begleiteten Willkommenstanz, den schon viele andere Voluntäre vor mir sehen durften. Zwar fühlte ich mich noch ein wenig unsicher, als ich von den Kindern aufgefordert wurde, mitzutanzen, doch die Stimmung war super. Noch immer bin ich begeistert, mit wie viel Taktgefühl bereits die Kleinen ihre zierlichen Hüften schwingen können.
In den kommenden Tagen lernte ich das Voluntärsleben und den Tagesablauf im Waisenhaus relativ schnell kennen.
Meine Volunntärsarbeit bei Fonelisco besteht nun zum großen Teil darin, im Unterricht von Klein und Groß zu mithelfen. Morgens unterrichten Eddie und ich mit “tansanischzeitlichem” Spielraum um ca halb 10 die Sprösslinge im Alter von ungefähr 3 bis 10 Jahren in Schreiben, Lesen, einfachem Mathe und Englisch, um sie auf die bevorstehende Schule vorzubereiten.
Das Kiswahili übernimmt dabei natürlich Eddie. Wenn in diesen 2 Stunden einmal “Malen” oder “Legospielen” angesagt ist, stürzen sich die Kinder wie kleine Hyänen auf die Stifte und das Spielzeug. Von halb 12 bis halb 1 geht es dann nach draußen, wobei sich die Kinder bei Fußball ( Lieblingsbeschäftigung Nummer 1 ;)), Staffellauf und anderen Spielen austoben können Und obwohl ich als Mädchen eine absolute Fußballniete bin, behaupte ich, mit der Zeit durch die Kinder ein ganz klein wenig Fußballgefühl entwickelt zu haben.;p
Nachmittags wechsle ich mich mit Yvonne dann immer ab, die großen Kinder neben ihrer Primary School ergänzend in Englisch und Mathe zu unterrichten.
Darüber hinaus ist es immer wieder schön, mehr Zeit mit den Kindern zu verbringen, zu spielen, dabei zuzusehen, wenn die Köchinnen Stella und Theodora den Ugaribrei über dem Feuer anrühren (auch einmal slebst Hand anzulegen, was allerdings eine ganz schöne Kraftarbeit ist) und schließlich gemeinsam zu Abend zu Essen.
In der Zwichenzeit kam Dominik nun für 3 sehr erlebnisreiche Wochen, in denen ich das NewLand besuchen konnte und wir unter Anderem einen Filmeabend und eine Wasserschlacht mit den Kindern veranstalteten. Diese kurze Zeit wurde mit einem tollen Abschiedsessen für die Kinder, nämlich Hühnchen, Kartoffeln und Wassermelone gekrönt. Große Portionen waren ratzeputz aufgegessen. Wahrscheinlich habe ich mich über das Essen genauso gefreut wie die Kinder. Denn auch wenn mir neben Reis mit Bohnen das typisch tansanische Ugari mit Fisch aus dem Viktoriasee mittlerweile wirklich sehr gut schmeckt, freue ich mich immer wieder über Abwechslung beim Essen.
Im Anschluss wurde Dominik mit lieben Worten von den Kindern, Joseph und dem Staff verabschiedet und schließlich tanzten alle ausgelassen zu
Willies Musikmix aus aktuellen tansanischen Hits und anderen Hiphop- und Popliedern.
Auch wenn ich jetzt wieder die einzige Europäerin bei Fonelisco bin, freue ich mich sehr auf die nächsten Tage und Wochen.