In unserem Blog findet ihr von Zeit zu Zeit immer wieder Berichte von Freiwilligen direkt aus Mwanza. Diese sollen einen kleinen Eindruck von der Arbeit und dem Alltag in FONELISCO geben. Wir wünschen viel Freude beim Lesen!

Hallo zusammen,

heute melde ich, Sophia, mich wieder einmal. Leider war ich die letzte Woche ein bisschen länger krank. Zum Glück nur eine klassische Erkältung, die aber nicht weggehen wollte. Das passiert hier leider relativ schnell, da das Wetter von sehr heiß zu kühler wegen der Regenschauer unerwartet wechselt und wir uns an das „Immer-mitnehmen“ der Regenjacke noch gewöhnen müssen.

Dementsprechend hat Iben mehr Englischunterricht übernommen und ich konnte nur gegen Ende der Woche 2mal mit dem Pre-School Kindern gemeinsam Englisch üben. Die sechs Kinder, drei Jungs und drei Mädels, sind sehr engagiert und können manche Dinge wie die Zahlen schon relativ gut. Allerdings variiert die Aufmerksamkeit relativ stark, sodass wir meistens die Zahlen bis 10 und die Farben in kurzen Spielen viel wiederholen. Meist lässt die Konzentration nach so 30-40min nach, sodass wir dann Schluss machen. Diese Woche habe ich mein UNO-Spiel mitgebracht und mit Hilfe der Karten versucht den Unterricht spielerisch zu gestalten.

Iben hatte außerdem Geburtstag und wir besorgten einen großen Kuchen. Tradition ist es, dass das Geburtstagskind den Kuchen an alle verfüttert 🙂

Ansonsten war ein Highlight der Kinder mit Sicherheit der Besuch eines französischen Basketballclubs. Die elf jungen Erwachsenen besuchen derzeit die Sports Charity hier in Mwanza für zwei Wochen und kamen super vorbereitet mit allen möglichen Spielen für jede Altersgruppe. Das war wirklich toll. Der Gruppe hat es bei uns auch so gut gefallen, dass sie am Freitagnachmittag nochmal zum Spielen vorbei gekommen sind. Da die Gruppe letzten Samstag im neuen Sportzentrum der Sports Charity ein Basketballturnier veranstaltet hat, haben wir beschlossen mit den älteren Kindern dorthin zulaufen und mit anzufeuern. Die Kinder hatten außerdem dabei sehr viel Spaß selbst Fussball auf dem großen Fussballfeld dort zu spielen und Mädchenmannschaften beim Netball zuzuschauen.

Außerdem waren Iben und ich diese Woche öfters in der Stadt, um Besorgungen zu erledigen. Zum Beispiel trafen wir uns mit Stefano, dem Leiter von TUNAWEZA, einer Behindertenwerkstatt hier in Mwanza. Mit ihm suchten wir passende Stoffe für unsere bestellten Artikel aus. Ich habe ganz viele Weihnachtsgeschenke für meine Familie besorgt, wie Kissenbezüge, Mäppchen, Kochschürzen. Diese konnten wir ein paar Tage später dann auch bei ihm abholen. Dann haben wir uns auch noch mit einer Schneiderin getroffen, weil wir uns aus den tollen Stoffen auch einen Rock bzw. Kleider schneidern lassen wollen. Wir sind schon ganz gespannt, wie es aussehen wird.

Letztes Wochenende waren wir auch mit anderen Freiwilligen der Sports Charity bei einem Fussballspiel im Kirumba Stadion. Das war wirklich ein sehr witziges Erlebnis.

Hier läuft z.B. ein großer Vogel ganz gemütlich aufs Feld…

Es spielten die zweitbeste Mannschaft Tansanias, die YANGAS (Young Africans), gegen die ägyptische Mannschaft PYRAMIDS. Krass bzw. auch schon ein bisschen unangenehm wurde es als wir kurz vor Anpfiff uns einen Platz suchten und dadurch einmal über die halbe Tribüne gelaufen sind. Die Fanclubs der Mannschaften feierten unser Vorbeikommen so laut, dass wir am Anfang dachten, das Spiel wurde angepfiffen und schon ein Tor geschossen. Witzig fanden wir auch, dass der gefühlt größte Fanclub keiner der beiden spielenden Mannschaften anfeuerte, sondern die ganze Zeit „Simba Simba“ rief. Simba ist die beste tansanische Mannschaft vor den Yangas. Dieses Wochenende lassen wir es ein bisschen ruhiger angehen und kochen für Joseph, Helen und die Kinder Spaghetti Bolognese 🙂


Natasha kann das Essen gar nicht abwarten…

Viele Grüße,
Sophia

Woche 4:
Diese Woche war schon wieder etwas mehr los. Gleich zwei Abschlussfeiern fanden statt.
Die erste Feier war von drei Fonelisco Kindern, einem Mädchen und zwei Jungen, die alle, nächstes Jahr Fonelisco verlassen würden, um auf die High School zu gehen, die hier meistens ein Internat ist.
Wir hatten hierfür mit Eddie zusammen am Vortag für alle Staff Mitglieder Essen bestellt und einen Kuchen gebacken. Dies war ziemlich aufregend, da wir keinen Ofen hatten und dementsprechend erst einen großen Topf in einen kleinen Ofen umfunktionieren mussten. Helens Schwester Brightness, ist leidenschaftliche Bäckerin wie Köchin und war bereit uns dabei anzuleiten. Das Verzieren, mit blauer und pinker Buttercreme, übernahm dann am nächsten Morgen Sophia, da sie schon ein wenig Erfahrung darin hatte. Glücklicherweise reichte der Kuchen nicht nur für die Abschlussfeier Gäste sondern jedes Kind konnte am Abend noch an dem `den anderen ein Stückkuchen in den Mund stecken`-Ritual Teil haben. Auch hatten wir heute wieder dazugelernt, dass man auf afrikanischen Festen in Zukunft mindestens 5 Personen mehr, für das Essen berechnen sollte, da immer noch der ein oder andere Bekannte unangekündigt dazu stoßen würde.

Zu der zweiten Abschlussfeier wurden wir nur eingeladen, denn es handelte sich um die Feier von Stellas Sohn. Dieser war auf einer Privat Schule, ein wenig weiter von Ilemela entfernt. Wie auf jeder Abschlussfeier wurden auch hier von den jüngeren Schülern zum Abschied Kunststücke und Tänze vorgeführt, doch hier war ich besonders beeindruckt von der Kreativität und Abwechslung der Kinder. Einige spuckten Feuer, konnten tolle Akrobatik oder trugen besonders witzige Kostüme beim Tanzen.

Zur Zeit wohnen außerdem einige jetzt studierende Fonelisco Kinder, bei Jospeh im Haus, die hier ihre Semesterferien verbringen. Diese Woche war ihre letzte Woche und wir unternahmen mit ihnen noch einmal einige kleine Ausflüge u.a. zu den Dancing Rocks. Dadurch hatten wir leider diese Woche recht wenige Nachmittage mit den Kindern verbracht, sodass es außer des üblichen Pflaster verteilen, Malen, Spielen und abends Matheaufgaben in die Hefte der Jüngeren schreiben, um sie ein wenig zum denken zu bringen, nicht viele Aktivitäten gab. Paula hatte noch ein „Mensch ärgere dich nicht“ Feld gebastelt, was nun auch fast täglich herausgeholt wurde und mit Sodadeckeln bespielt wurde.
Die ehemaligen Standard 7 Kinder, die nun auch vormittags zuhause waren, verrichteten morgens immer ein wenig Gartenarbeit. Eins der Beete musste umgegraben und von Unkräutern befreit werden, da ein Gemüsebeet angelegt werden sollte, um selbst etwas zu den Mahlzeiten beizusteuern und nicht alles kaufen zu müssen.
Was mich auch sehr stolz machte war, dass ein paar Kinder sich meine Origami Falttechniken gemerkt hatten und nun öfter ihre gemalten Bilder anschließend zu kleinen Spielen verfalteten. Vor allem Abduli lief öfter herum und faltete für auch die kleineren Kinder mit.
Außerdem hatte unser wöchentlicher Sprachkurs bei Mama Salala schon ein wenig Erfolg gezeigt und immer öfter konnte ich mich nicht nur mit Händen und Füßen, mit den Kindern verständigen. Auch mit Aunti Rose, -Regina und Stella konnte ich schon kleine Gespräche über die vergangene Feier von Stellas Sohn oder waschen und die Kinder führen.

 

 

Woche 5:
Diese Woche hatte der Regen richtig eingesetzt. Fast täglich kam es jetzt zu unerwarteten Schauern und unsere Wetterberichte waren auch keine große Hilfe, diese vorherzusagen. Durch den vielen Regen hatten sich auch einige Fützen gebildet in denen ein paar kleine Kinder gerne herumplanschten und die Würmer darin mit ekel betrachteten. Die meisten bezeichneten sie als kleine Schlangen.
Auch schafften wir es endlich die Zahnbürsten, die Sophia für alle mitgebracht hatte, zu beschriften und an die Kinder zu verteilen. Ein paar Tage später, am Filmabend hielten wir noch eine kleine Ansprache mit Eddie zusammen, um die Wichtigkeit der Nutzung und auch die korrekte Benutzung zu erläutern. Damit sie nicht wie vorher oft irgendwo herum flogen oder geteilt würden.
Wir nutzten die Ansprache außerdem, um den Kindern zusätzlich einzuprägen, dass sie bei all dem Regen immer Schuhe tragen sollten, da sich in den Pfützen spitze Gegenstände befinden könnten und auch sehr dreckiges Wasser mit den Regenfluten in die Grundstück gespült werden könnte. Dies fand Eddie noch besonders wichtig.

So schön und abwechslungsreich alles in den letzten zwei Wochen auch war, hatte ich zwei absolute Lieblingsereignisse. Beide lagen in dieser 5. Woche.
Am Montag sind wir nach dem Mittagessen zusammen mit Eddie, Joseph und Pius von Allison, einem langsam vertrauten Taxifahrer, abgeholt worden und eine halbe Stunde am Viktoriasee Ufer entlang Richtung „Newland„ gefahren. Einem riesigen Wald-, Hügel-, Feld- und Seeufer Grundstück das Fonelisco gehört und was schon jetzt und auch in Zukunft weiter, genutzt wird, um Projekte zu beherbergen, welche das Waisenhaus mit selbsteingenommen Geld unterstützen können.

Als wir ankamen war die kleine Kuhherde direkt am Eingang wie zum Empfang aufgereiht. Eddie, Pius und Joseph zeigten uns das gesamte wunderschöne Gelände. Einmal an der fast fertigen Mauer entlang, die einen großen Teil des Grundstücks umgibt, kletterten wir um alles herum. Da diese sich auch über die Hügel erstreckt hatten wir einen tollen Blick über See und Grundstück. Zum Schluss endeten wir dann am See, der mir jedes mal wieder, wie ein Meer vorkommt. Für das Grundstück gibt es leider einen großen Nachteil, da es direkt neben dem Wohnplatz einer kleinen Nilpferdherde liegt. Diese können durch den einen Teil Mauer, der noch nicht aus Stein, sondern nur Stacheldraht ist und haben schon die angelegten Beete immer wieder zerwühlen und das Anpflanzen recht schwer machen. Eddie erklärte uns hier wer schon alles für die Mauer gespendet hatte und betonte wie wichtig sie sei.
Auch erzählte er uns von einem geplanten Fischzucht Projekt was in Zukunft auf dem Grundstück entstehen sollte.
Bevor es wieder nach Hause ging liefen noch ein wenig auf den Steinen herum und kamen dann zum Ziegenstall, aus dem auch die zwei Ziegen für das große Fest gekommen waren.

Mein zweites Highlight in der 5. Woche war der Englisch Unterricht mit dem Kindern die nächstes Schuljahr in die zweite und dritte Klasse kommen würden und auch den Presecondary Schulkindern. Alle waren warnsinnig motiviert. Die Kleineren saßen oft schon morgens in der Klasse und fragten uns, ob heute wieder Unterricht statt finden würde. Eddie half uns immer, da vor allem die Jüngeren noch recht wenig verstanden. Wir hatten diese Woche immer morgens entweder die Zahlen oder Buchstaben auf Englisch geübt. Die einen konnten oft schon schnell alle Zahlen erkennen und andere taten sich auch noch am Ende der Woche recht schwer. Doch im Unterricht half jeder jedem und auch wenn Eddie nicht da war versuchten die Kinder untereinander Aufgaben noch einmal besser auf Kisuhaili zu erklären.

Auch bei den Presecondary Kindern fingen wir mit dem Englisch an, was erst einmal Sophia übernahm und Konjugieren, einfache Begrüßungssätze und ähnliches übte, um einen besseren Eindruck zu bekommen, wie gut das Englisch der Kinder ist. Mal sehen was wir in den nächsten Wochen so alles beibringen und lernen können.

Hallo zusammen,

heute kommt ein kleiner Blogbeitrag von mir, Sophia. Ich bin nun seit ca. 3 Wochen vor Ort in Mwanza und sehr gut angekommen. Die „Arbeit“ mit den Kindern macht sehr viel Spaß und ich finde mich immer mehr im Alltag zurecht.

Den Blogbeitrag würde ich gerne nutzen, um von einem ganz besonderen Tag hier zu berichten: unserem Ausflug zu Saanane Island mit allen 59 Kids, dem ganzen Staff und natürlich uns drei Freiwilligen. Wir planten den Ausflug für Samstag, damit alle Kinder teilnehmen konnten und kauften im Vorhinein Snacks, also Wasser, Saft, Bananen und Kekse für alle, ein (Beim Kaufen der 80 Bananen haben wir gefühlt auch den ganzen Markt in Ilemelas Bananenleer gekauft). Mit der Küche hatten wir zuvor besprochen, dass wir schon sehr früh um 11 Uhr Mittag essen würden, damit wir uns dann um 12 Uhr mit drei Dala Dalas Richtung Hafen aufmachen konnten. Das funktionierte reibungslos und wir erreichten die Ablegestelle pünktlich. Leider funktionierte ab dann einiges nicht mehr: der Nationalpark wusste trotz vorherigem Bescheid geben nicht, dass wir mit knapp 80 Leuten kommen würden, sodass wir alle Namen + Alter + Geschlecht in einem etwas komplizierterem Prozess zu Papier bringen mussten. Das zweite sehr viel größere Problem war die Bezahlung. Wir gingen davon aus, dass wir einfach alles in Schilling bar zahlen konnten, was vorher auch gefragt und bestätigt wurde. Vor Ort ging aber dann doch auf einmal nur MasterCard oder Visa, die natürlich keine von uns eingesteckt hatte… Lange Rede, kurzer Sinn: nach unfassbar langen 2h konnten wir die Probleme nach laaangen Diskussionen endlich klären und konnten uns mit einem Boot auf den Weg zum kleinsten Nationalparks Tansanias begeben.

Saanane Island liegt mit dem Boot ca. 5 min von der Innenstadt Mwanzas entfernt und beherbergt freilaufende Tiere, wie Zebras, Gnus, Affen und Schlangen, aber auch in Gehegen gehaltene Tiere, wie Löwen und Pfaue. Auf der Insel wurden wir dann in drei 30er Gruppen über das Gelände geführt und die Aussicht war größtenteils grandios!

Für die Kids war also nicht nur die Bootsfahrt, sondern auch das Sehen der Tiere, das Spielen auf einem Spielplatz und die Aussichtsplattform „Jumping Rock“ ein absolutes Highlight. Natürlich blieben wir aber auch nicht von einem kurzen, aber heftigen Regenschauer verschont.

Gegen 18 Uhr machten wir uns dann wieder mit dem Boot auf den Weg zum Festland (ein weiteres Highlight war ein Krokodil am Ufer in Mwanza) und fuhren mit den Dala Dalas Richtung Ilemela. Im Dala Dala herrschte natürlich sehr lockere Stimmung, besonders als der Fahrer die richtigen Lieder spielte :P.


Hallo, wir sind Sophia und Iben aus Marburg und Hamburg . Wir werden nun die nächsten 2 und 4 Monate bei FONELISCO e.V. in Mwanza verbringen. Abwechselnd werden wir in den folgenden Wochen von unseren Erlebnissen berichten.

Jetzt ist es schon gut zwei Wochen her, dass ich von Joseph sehr herzlich am Flughafen empfangen wurde. Seit dem war so viel los, dass ich es nicht geschafft habe etwas zu schreiben. Insgesamt war es eine besondere Zeit. Nicht nur für mich, da es mein erstes Mal in Tansania ist, sondern auch für die Kinder hier, da einiges passiert ist. Es kamen öfter Gäste, die Spiele veranstalteten und Süßigkeiten mitbrachten. Außerdem baten sich einige Gründe zum feiern und es fanden dementsprechend Festlichkeiten statt.

Woche 1:
Die ersten Tage verbrachte ich vor allem damit, mich zurecht zu finden. Wo finde ich im Office alles für die Kinder und was kann ich ihnen raus geben .
Mit Rose verbrachte ich einen Vormittag beim Wäsche waschen für die Kinder und an einem anderen Tag half ich ein wenig in der Küche. Wunden wurden mit Pflastern verpflegt und Kleider und Schuhe wieder geklebt oder genäht.

Auch gab es einen großen Event, die Abschlussfeier der Siebtklässler, welche nun auf die `secondary school` gehen dürfen. Dafür hatte Paula schon ein paar kleine Geschenke besorgt über die sich die fünf Mädchen und zwei Jungen sehr freuten.
Am Morgen der Feier wollten wir uns um 11 Uhr beim Waisenhaus mit Eddie und noch ein paar anderen treffen um dann gemeinsam zur nicht weitentfernten Grundschule zu laufen. Eigentlich sollte die Feier in der Schule schon um 10 starten, doch Eddie hatte uns im Voraus gesagt, dass wir vor 11 nicht zu erscheinen brauchten. Auch als wir dann um 11:30 erschienen waren wir noch die ersten Gäste. Die entspannte Zeit hier in Tansania ist etwas, an das ich mich wirklich noch gewöhnen muss.
Es gab einen DJ und alle Kinder tanzten ausgelassen, bis die Zeremonie begann. Einige Klassen hatten Lieder oder Tänze vorbereitet, die sie dann den Siebtklässlern und der Schulleiterin vortanzten. Nach dem die Zeugnisse ausgeteilt worden sind, hatten die Intern Students, die auch mit gekommen waren, eine riesige Torte dabei von der jedes Kind etwas abbekommen wollte. Weiter ging es dann mit Geschenken von dem restlichen Staff bzw. Fonelisco selber. Es waren neue Kleider und Schuhe besorgt worden, welche direkt für darauffolgende Party angezogen werden konnten.

Da nun die Siebtklässler auch keine Schule mehr hatten war es morgens schon recht voll bei Fone. Morgens malten wir nun öfter Wasserfarben oder machten andere kleine Projekte, wie zB der Bau einer Schaukel. Es war schön zu beobachten wie manche Kinder sehr geduldig für die gesamte Zeit ein Bild malten und andere schon nach ein paar Minuten mit einem halb angemalten Bild angelaufen kamen und ein neues Blatt wollten. Meistens versuchte ich ihnen mit meinen noch wenigen Kisuaheli Vokabeln verständlich zu machen, dass sie doch noch den Rest des Bildes bemalen sollten.

Woche 2:
Diese Woche begannen Sophia und ich unseren Sprachkurs bei Mama Salala. Da dieser immer nachmittags statt fand, bekamen wir leider immer nur etwas von den jüngeren Kindern mit. Außerdem wurde diese Woche viel für die darauffolgenden Wochenendausflüge und Parties geplant, daher waren auch die Vormittage mit Meetings gefüllt.

Am Mittwoch jedoch war wieder einmal Filmabend, der vor einiger Zeit eingeführt wurde und wir aßen bei den Kinder. Es gab Ugali mit Bohnen. Alle zusammen saßen wir dann vor dem Fernsehen und ich versuchte kläglich mein Essen ohne Gabel oder Löffel halbwegs ordentlich in meinen Mund zu bekommen. Zum Glück gab es Ugali, eine Mehl-Wasser Paste welche vor allem sättigte und mit Beilagen gut schmeckte und vor allem einfacher zu essen war als zB Reis.
Was mir außerdem noch auffiel war dass alle Kinder sehr gut aufeinander aufpassten und sich gegenseitig halfen, aber auch sehr gut auf die älteren, welche die Essensausgabe regelten, hörten.

Die meisten Gründe zum Feiern ballten sich dann am Samstag: die intern Students würden bald gehen, die Siebtklässer hatten ihre Graduation, die Secondary School Graduates sollten auch schon gefeiert werden und wir durften die Feier auch unsere Willkommensfeier nennen. Der Grund, wieso aus dem ganzen aber ein riesen Event mit Kamerateam wurde, war die erstmalige Krankenversicherung für alle Fonelisco Kinder. Um für andere Organisationen als gutes Beispiel voran zu gehen, sollte alles berichtet und ausgestrahlt werden. Dementsprechend waren auch einige offizielle Leute aus Ilemala geladen worden, um ein paar Worte vor der Kamera zu dem Thema zu sagen.

Es wurden zwei Ziegen vom Newland geholt, welche Pius und Elias schlachteten und von morgens an halfen wir alle mit Pilao, einen Gewürzreis, Krautsalat und andere Köstlichkeiten zu kochen.

Es lief eigentlich alles wie geschmiert, die Schlangentänzer hatten ihren Auftritt, alle kamen einmal zu Wort. Doch leider ist zu dieser Jahreszeit das Wetter so unberechenbar, dass wegen einem gewaltigen Regenschauer alles nach hinten verschoben werden musste und so nur einer der vorbereiteten Auftritte der Kinder noch bei Tageslicht geschehen konnte.

Es war ein toller Tag, beendet mit einem kleinen Beisammensein des gesamten Staffs im Parkland.
Außerdem ist mir an dem Tag nochmal bewusst geworden, dass eine Krankenversicherung nichts ist an das ich sonst besonders denke, da es für mich so eine Selbstverständlichkeit darstellt. Gerade an dem Tag ist mir dadurch aber auch aufgefallen was es heißt diesen Luxus nicht zu haben und wie toll es ist und was es für ein unglaublicher Schritt es für die Fonelisco Kinder ist, auch eine Krankenversicherung zu bekommen.

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Hujambo und Hallo

Wo fange ich an 🙂 Einmal ein neues Leben oder so ähnlich
Meine ersten 2 Wochen in Mwanza liegen hinter mir.
Am Sonntag nach einer knappen 26 Stunden Reise habe ich mein Ziel erreicht.
Ich wurde von Joseph herzlichst am Flughafen erwartet.
Nach einer kurzen Fahrt mit dem Auto erreichten wir das Volontair Haus in dem auch Joseph mit seiner Familie lebt. Ich wurde von Buddy dem Wachhund und dem Rest des Hauses mit großer Freude in Empfang genommen.
Nach einer kurzen Nacht und wenig Schlaf, ging es am nächsten Morgen auch schon auf zu den Kindern.
Schwierig Worte dafür zu finden was dann passierte. Wir öffneten das Tor und es kamen die ersten auf mich zugerannt, umarmten mich und ließen nicht mehr ab. Ich brach in Tränen aus. Vor Freude, ich war so gerührt endlich da seien zu dürfen. So lange habe ich auf diesen Moment gewartet und mich vorbereitet.
Mit der kleinen 2 jährigen Tabu (die erst seit kurzem da ist, und leider HIV positiv getestet worden ist), mit dem 3 jährigen Joseph und mit Asumani der ca 4 Jahre jung ist, an der Hand, lernte ich den Rest der Kinder und der Mitarbeiter kennen. Tränen sind noch mehr geflossen an diesem Vormittag, so viel nur dazu…..
Ich wurde von Anfang gleich mit eingespannt, als wäre ich schon immer da gewesen. Was für ein wunderbares Gefühl… Gemeinsam mit den Kindern nahm ich das Frühstück zu mir. Dieses ähnelt einem Porridge und wird warm in einem Becher serviert . Die Kinder lieben es, bis auf den letzten Rest wird aus geschleckt. Danach steht das morgendliche Waschprogramm an, was für die kleineren hinter dem Mädchenhaus im Freien stattfindet.Es ähnelt einem Regentanz, da das Duschwasser so kalt ist. Oh wie kann ich das verstehen, ging es mir doch heute morgen auch so ähnlich. Danach werden sie von oben bis unten eingecremt und die Kleiderauswahl steht an, was bei den kleinen Damen auch schon mal länger dauern kann.
Normalerweise gehen dann die älteren zur Schule, da aber momentan noch Ferien sind, beginnt ihr Tag mit spielen, aufräumen und sauber machen. Für die Kleinsten geht es über zum Babyclass Unterricht. Dieser dauert ca. 3 Stunden, je nachdem wie aufnahmefähig und konzentriert die Kinder sind. Hier ist die Jüngste 2 und der älteste 6, was sich nicht immer als ganz einfach gestaltet. Zusammen mit Madame versuchen wir den Kindern Grundkenntnisse in Englisch zu vermitteln, bevor für sie der reguläre Schulunterricht beginnt. (Das Schulsystem hier ist gnadenlos und sehr fordernd, ab einer gewissen Altersstufe wird nur noch in Englisch unterrichtet, und davor hatten sie in der Regel gar keines)
Wenn der Vorschulunterricht für alle überstanden ist, gibt es Mittagessen für die Kinder. In der Regel ist das Mittags Ugali eine Art Maisbrei den man zu Kugeln rollt und in viel Sauce tunkt, dazu gibt es Gemüse.
Danach geht es actionreich in den Nachmittag, es wird gespielt, getobt, geturnt, getanzt, gemalt und mindestens einmal in der Woche gehen wir spazieren. Dann stehen die Hausaufgaben an und Schulübungen für alle Klassenstufen. Der Tag geht hier nur so im Fluge vorbei, mit über 40 Kindern. Bevor es für die Kinder Abends ins Bett geht, gibt es noch ein gemeinsames Abendessen, hier gibt es meistens Reis mit Gemüse.
Letzte Woche war sehr aufregend für die Kinder. Zwei mal haben wir größere Essensspenden erhalten. Man mag es nicht für möglich halten, aber einmal sogar durch die Polizei.
Das Tor ging auf, ein Jeep kam angefahren, und die ganze Ladenfläche war voll mit Fisch, unfaaaassbar…. Eddi erklärte mir, dass das Fisch ist, der illegal durch die Industrie gefangen wird, da er die Mindestgröße nicht erreicht hat. Er wird den Fischern abgenommen und an gemeinnützige Organisationen verteilt. Diesmal hatten wir das Glück.
Wie ich finde eine sehr schöne Sache, man versucht den Fischbestand zu schützen und dabei wird den Ärmsten geholfen. Ich war wirklich überrascht. Wir standen dann nur plötzlich nachmittags um 17 Uhr vor der Frage, was wir so schnell mit über 100 kg frischem Fisch anstellen sollten (man muss bedenken, Kühlschränke gibt es hier keine)
Um den Fisch etwas länger haltbar zu machen, eignet sich das frittieren. Eddi und ich sind los gespurtet und haben über 20 Liter Öl gekauft, alle haben uns für verrückt gehalten oder dachten wir eröffnen ein Restaurant.
Währenddessen sich die Kinder gemeinsam an den Fisch machten. Unglaublich wie schnell und flink sie das erledigten, weil so klein war der Nilbarsch eigentlich gar nicht. Die Kinder hatten 3 Fischmahlzeiten, worüber sie unglaublich glücklich waren, schmeckt so ein Ugali doch gleich viel besser mit etwas Fisch.
Am Tag darauf war Ramadan Ende, die meisten Einwohner sind hier zwar christlich, aber unter ihnen sind doch auch einige Muslime. Das Fasten Ende wird mit einem großem Essensfest zelebriert. Die Kinder von Fonelisco haben an diesem Tag ein Abendessen geschenkt bekommen. Eine lebende Ziege! Und Reis für Pilau, eine Art Gewürzreis. Ja ihr habt richtig gelesen, die Ziege musste erst geschlachtet werden…..Das war zu viel für mich, für Madame auch….
An diesem Vormittag legten wir einen sehr großen Spaziergang ums Dorf ein. Als wir wieder eintrafen, war Gott sei Dank alles vorbei. Unser Masai, der normalerweise das Tor bewacht, hat dieses schnell erledigt. Gemeinsam mit Mitgliedern der Frauenorganisation und den Kinder kochten wir aus der Ziege ein leckeres Abendessen. Und jeder war stolz seien Teil dazu beigetragen zu haben.
Wie ergeht es mir zu sonst so hier? Sehr gut, muss ich wirklich sagen. Man gewöhnt sich so schnell an Afrika und wird ein Teil davon. Wenn ich mit Eddi in der Stadt bin, spielen wir immer ein Spiel → Muzungu entdecken (weiße Menschen), dabei vergesse ich manchmal fast, selber einer zu seien. Die Einwohner von Tansania sind wirklich so überaus freundlich, warmherzig, offen und neugierig.
Ja und es ist wirklich so, wie wir Afrika aus unseren Medien und Erzählungen kennen. Aber es hat auch so viele andere wunderbare Gesichter. Was mich nach meinem ersten Afrikaaufenthalt bewegt hat zurück zu kommen und gemeinnützig zu arbeiten, war diese unschlagbare Lebensfreude. Die Menschen sind so glücklich, und versuchen sich jeden Tag mit gegebenen Mitteln zu arrangieren. Davon können wir als Europäer noch ganz viel lernen, gar nicht daran zu denken was unser einer manchmal Kummer bereitet. Und dann gibt es noch diese andere Seiten, in der die Menschen doch gar nicht soweit von uns entfernt sind. Es wird gejoggt, sie lieben Eiscreme und Popcorn, und fiebern jeden Tag der Fußball Weltmeisterschaft mit uns.
Und natürlich ist die deutsche Mannschaft der absolute Favorit 🙂

Nun kommt mit zwei Monaten Verspätung mein Abschlusseintrag. Ich habe gegen Ende meines Aufenthaltes so viel erlebt, dass ich keine Sekunde Zeit hatte, an meinem Blogeintrag zu schreiben… Im Dezember bin ich schweren Herzens zurück nach Deutschland geflogen. Jetzt bin ich in Bolivien und wünsche mir täglich, zurück in Ilemela bei Fonelisco zu sein.

Hier noch ein paar Erfahrungen, die ich schon notiert aber noch nicht veröffentlicht hatte:

Heute reden Juliane, Eddie und ich über verschiedene Werte in verschiedenen Kulturen. Uns fällt auf, dass die Kinder hier mit ihrer Selbstständigkeit sehr gut klarkommen. Sie sind sehr verantwortungsvoll, fürsorglich, nett und helfen einander. Das ist hier selbstverständlich. In Deutschland werden diese Verhaltensweisen mit Mühe den Kindern auf theoretische Weise eingetrichtert, denn praktisch wird alles für sie getan. Dies bleibt dann oft erfolglos. Das ist viel anstrengender für alle Beteiligten. Praktizierte Selbstständigkeit ist ein besserer Lehrer.

Ich lese das Übungsbuch für die 8. Klasse (in Tansania ist das das erste Jahr der Secondary School) und mir fallen die Augen aus dem Kopf. Das kann nicht wahr sein! Das Buch beginnt mit dem Pascal‘schen Dreieck und der Fibonacci-Folge… Das Pascal‘sche Dreieck ist die Grundlage für den Binomialkoeffizienten, den ich ihm ABITUR mit einem TASCHENRECHNER ausgerechnet habe, weil alles Andere zu aufwendig ist und von der Fibonacci-Folge habe ich noch nie etwas gehört… Die Kinder hadern noch am 1×1 :/, das haben sie in der Grundschule noch nicht anständig gelernt. Als wäre eine neue Unterrichtssprache nicht genug, es muss auch inhaltlich knallen. Das ist so verrückt. Und fies. Und unfair. Nach dem Motto: Wer sich keine Vorbereitungsklasse leisten kann, hat halt Pech… ich erstelle einen straffen Unterrichtsplan, um die Kinder mit möglichst viel Neuem vertraut zu machen, bevor sie im neuen Jahr die weiterführende Schule starten.

Bei Tunza ist es heute zu kalt zum schwimmen, deshalb turne ich mit den Kindern im Sand. Das bringt ihnen riesigen Spaß, ich bekomme bei jedem missglückten Handstand einen Schock, aber sie stehen immer lachend wieder auf. Juliane kauft wie jedes mal Popcorn für die Kinder. Zehn Minuten später geben uns Nachbarn nochmal die gleiche Menge an Popcorn aus. Und kurz darauf lässt ein unbekannter Spender noch einmal die gleiche Menge für die Kinder zubereiten. Unglaublich!

Völlig vollgestopft und zufrieden machen wir uns auf den Weg nach Hause.

Abends reden Juliane, Eddie und ich über Bedeutungen von Handzeichen in verschiedenen Kulturen. Und Eddie erklärt mir, wie hier gezählt wird: Der Daumen wird nicht mitgezählt und die fünf ist eine Faust. Jetzt erklärt sich das Unverständnis der Kinder im Matheunterricht! Die Armen, verstehen nicht warum ich drei sage und zwei Finger (plus Daumen) dabei hochhalte. Man lernt doch immer dazu.

Wir reden auch darüber, dass die westliche Welt sich zunehmend isoliert, keine Gemeinschaft zulässt und menschliche Abstände vergrößert. Bei dem Versuch die negativen physischen Effekte der Natur wie Unkomfortabilität und Krankheit zu reduzieren, machen wir uns psychisch krank, weil es so unnatürlich ist, was wir anstreben. Das sind ganz interessante und sehr kontroverse Themen über die man unter Europäern gar nicht so diskutieren kann, weil wir in einem ähnlichen Umfeld aufgewachsen sind.

Es ist Samstag und die Willis, Shukuru und ich beschließen, Bälle reparieren zu lassen. Dafür gehen wir ins Dorf. Die Werkstatt besteht aus drei Männern, die neben der Autowaschanlage (bestehend aus einem Gartenschlauch) auf einem Baumstamm im Sand hocken. Vor ihnen stehen zwei kleine Schuhregale mit Schuhen und der eine flickt gerade einen Fahrradreifen. Die reparieren hier also alles, denke ich mir. Irgendwann holt er sein Werkzeug aus einem Schuh und mir geht auf, dass die Schuhe gar nicht zur Reparatur hier sind, sondern als Schrank dienen. Das lässt mich schmunzeln.

Fonelisco hat eine Spende für eine Ziege bekommen, also fahren wir mit Joseph auf den Ziegenmarkt und kaufen eine Ziege, die wir direkt zum New Land bringen.

 

 

 

Heute ist Julianes letzter Tag. Wir werden vor die Riesenaufgabe gestellt, Hühner für das Abschiedsessen zu kaufen. Joseph meinte zur ihr, dass Hühner 6000 Tsh kosten, leider weiß aber niemand wo es Hühner zu diesem Preis geben soll. Im Dorf kosten sie 15000 Tsh… Wir irren also eine Weile herum. Irgendwann fahren wir in die Stadt um abgepackte Hühner zu kaufen, das sind die billigsten, die wir finden…

Weil durch ein Missverständnis keine Bohnen für das Abschiedsessen da sind, müssen wir noch auf den Markt gehen und Gemüse kaufen. Wir haben noch 7000 Tsh übrig, das entspricht 2,70€. Ich denke mir: Unmöglich, damit Gemüse für soo viele Menschen zu kaufen! Falsch gedacht. Wir kaufen 35 GROßE Tomaten, 20 Zwiebeln und 10 Knoblauchzehen, für 2,70€.

Abends feiern wir die Abschiedsparty. Wir halten kleine Reden und tanzen, ein schöner letzter Abend!

Nun bin ich für einen Monat die einzige Freiwillige. Mein Arbeitspensum erhöht sich, ich kann nun die Aufgaben nicht mehr mit Juliane teilen. Aber ich komme noch stärker mit den Mitarbeitern und Kindern in Kontakt. Das ist sehr schön. Wir verbringen eine wirklich schöne Zeit gemeinsam. Ich besuche noch einige Tage Ukerewe, eine Insel im Viktoriasee, auf der unsere Matron Rose ihre Heimat hat.

Meine Abschiedsparty ist wunderbar. Wir essen gemeinsam ein köstliches Mahl und tanzen dann bis wir nicht mehr können. Ich bin unfassbar glücklich, alle diese lieben Menschen um mich zu haben und mit ihnen Spaß haben zu können. Der Abschied am nächsten Morgen ist entsprechend herzzerreißend…

Meine Zeit in Tansania war eine wunderbare Erfahrung!

Hier ein kleines Fazit:

Ich hatte vor meinem Aufenthalt die Angst, überflüssig zu sein, oder schlimmer noch mehr Last als Hilfe zu sein und anderen Menschen Arbeit wegzunehmen, dadurch dass ich unbezahlt arbeite. Diese Angst hat sich in Luft aufgelöst. Fonelisco scheint mir das perfekte Projekt für Volontäre, die sich engagieren wollen. Ich habe das Gefühl, etwas verändert zu haben. Ich konnte eine Unterstützung sein, für Joseph und die Kinder. Meine Arbeit hat einen Sinn gehabt, das war das Wunderbarste überhaupt. Und das war auch mein Wunsch für meine Zeit im Ausland. Es hat mich innerlich ruhen lassen, weil ich gesehen habe, was für Großartiges möglich ist, und dass ich ein Teil davon sein kann. Es hat mir die Akzeptanz mir gegenüber gegeben, die ich brauchte, um zuversichtlich mein Leben zu entwickeln, um mit mir und meinem Umfeld klar zu kommen. Ich bin so dankbar für alles, und vor allem für Kiki, die zur richtigen Zeit, am richtigen Ort meiner Mutter von ihrem Auslandsaufenthalt in Tansania erzählte…

In Deutschland rege ich mich jetzt über jeden nutzlosen Werbebildschirm an Bahnstationen und in Autobahntoiletten auf, höre bei: „und dann war ich bei H&M, da gab es…“ einfach nicht mehr zu und bin glücklich über mein Klavier, trinkbares Leitungswasser und anständige Schokolade.

Und in Bolivien, stelle ich fest, wie ähnlich so weit voneinander entfernte Welten sein können. Ich stehe täglich im Kontakt mit den Freunden, die ich durch Fonelisco gewonnen habe und bin mit meinem Herzen immer noch dort.

Ich werde, so bald ich kann, zurückkommen, um meine zweite Familie, die Fonelisco-Family, zu besuchen.

Ich freue mich schon darauf!

 

Ich habe meine Armbanduhr in Hamburg gelassen und weiß deshalb nie wie spät es ist. Das ist ein unglaublich befreiendes Gefühl. Auch meine überausgeprägte Pünktlichkeit aus Deutschland habe ich mittlerweile vollständig abgelegt. Ich kann einfach „zu spät“ kommen ohne dass es mich oder jemand Anderen stört. Das ist echt praktisch und dürfte sich auch gerne mal in Deutschland etablieren.

Den Weg durch das Dorf lege ich auch heute wieder mit einem Haufen Kinder, die sich an meinen Armen festhalten und „mzungu“ rufen, zurück. Wir gehen auch an etwas älteren Kindern vorbei, die mir zurufen: „Give me money! Give me one money!“ und sich daraufhin schlapp lachen und weglaufen. Bei Fone angekommen, treffe ich auf einen Hundewelpen.

Er hat sich irgendwie auf unser Grundstück verlaufen und ist total süß! Wenn er überlebt, behalten wir ihn und bringen ihn als Wachhund auf‘s New Land.
Nachmittags in meinem Zimmer stelle ich fest: In meiner Toilette leben Geckos. Ich habe einen in der Kloschüssel gesehen, wie er durch ein Loch in das Klo verschwunden ist… Ich beschließe, mich davon nicht stören zu lassen.
Heute fahren Juliane und ich mit Pikipikis, das sind Motorradtaxen, in die Stadt! Wir rufen drei verkehrssicher fahrende Pikipikifahrer an, von denen zwei auftauchen. Sie geben uns sogar einen Helm, den man aber nicht festschnallen kann und der im Notfall deshalb einfach nur abfallen würde… Dennis, mein Pikipikifahrer, redet die ganze Zeit auf Kiswahili von Dominik, seinem guten Freund ;). Ich verstehe kein Wort, was natürlich ausschließlich am Verkehrslärm liegt! Also werfe ich in regelmäßigen Abständen ein „ndiyo“ (ja), „ah“ und „nice“ ein. Das scheint ihn zufriedenzustellen. Juliane und ich wollen eigentlich mit anderen dänischen Volontären Kleidung an Straßenkinder ausgeben. Es sind aber zu wenige da, sodass wir das verschieben. Stattdessen laufen wir durch die Stadt und besorgen Souvenirs für sie. Danach gönnen wir uns einen Milk Shake, der wie Eis schmeckt und richtig, richtig lecker ist!
Am nächsten Morgen lädt ein Laster einen Riesenhaufen Feuerholz auf unserem Hof ab.

Das kommt alles vom New Land und ist wirklich eine beachtliche Menge.
Heue ist Mathetag und weil weder Eddie noch Juliane Mathe mögen, darf ich den ganzen Unterricht übernehmen. Die ganz Kleinen können noch nicht bis drei zählen und die Älteren fangen schon mit Multiplikation und Division an. Allen gerecht zu werden ist nicht einfach. Ich schreibe deshalb jedem Kind individuelle Rechnungen ins Heft. Irgendwann nehme ich Duplosteine zur Hilfe, um Joel das Prinzip der Subtraktion zu erklären. Und es funktioniert! Ich bin ganz überrascht. Er zählt ganz fleißig seine Duplos, zählt dann die ab, die abgezogen werden müssen, lässt diese mit großem Spaß hinter seinem Rücken verwschwinden und zählt, wie viele noch vor ihm liegen. Sobald er das Ergebnis hat, freut er sich riesig.

Dotto erkläre ich auch direkt die Duplosteinmethode.
Nach dem Unterricht spielen wir Fußball. Es gibt leider die doofe Regel, dass nach jedem zweiten Tor Liegestütze gemacht werden müssen. Und ich werde in die verlierende Mannschaft eingeteilt. :/ Das heißt, ich bin eigentlich nur mit Liegestützen beschäftigt und komme gar nicht zum Spielen. Für die Kinder ist es aber jedes Mal ein Riesenspaß mir dabei zuzusehen.
Beim Abendessen diskutieren und philosophieren Juliane und ich über den freien Willen. Sie hat immer Argumente für den freien Willen, die ich jedes Mal in deterministische Argumentationen umwandele. Es endet damit, dass ich von ihr mit Flaschendeckeln beworfen werde und mich vor Lachen kaum halten kann…

Ein diktiertes Wort aufzuschreiben, ist für Vorschüler, die nur die Hälfte der Buchstaben kennen, seeehr schwer. Dementsprechend anstrengend ist unsere heutige Diktierstunde. Nur Dotto und Ashula langweilen sich, sodass ich mir immer neue Sätze ausdenken muss, die sie aufschreiben können, was mit meinen begrenzten Sprachkenntnissen echt nicht leicht ist. Das Einzige, was sie noch nicht verstehen, ist Worttrennung. Sie las senein fachz wischen reinzu fälligen Silben Platz. Die neue Halima ist 12 Jahre alt, aber kann nicht einmal Buchstaben schreiben. Also lasse ich sie einzelne Buchstaben üben.
Mittags habe ich nach langer Zeit mal wieder eine Unterrichtsstunde in Kiswahili. Wir machen Verben und Possessivpronomen. Die sind leider nicht so einfach wie im Deutschen. Je nach Gegenstand ändert sich der Präfix. Das heißt, man weiß nie ob es nun changu, wangu, langu oder yangu heißt… Manchmal habe ich das Gefühl, diese Sprache findet es lustig unschuldige Neu-erlerner in den Wahnsinn zu treiben.
Während meiner Mittagspause schreibe ich fleißig weiter Mails. Meine Schokolade und meine Kekse sind futsch, und das macht mich traurig. Sie haben es sich wahrscheinlich unbemerkt in meinem Bauch gemütlich gemacht… Ich entwickele hier eine Süßigkeitenabhängigkeit und das ist nicht gut.
Bei Fone mache ich deshalb mit Juliane ihr tägliches Bauchmuskeltrainingsprogramm. Wir liegen auf dem Rasen, und sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen (Paul, Willi und Eddie) finden uns äußerst lustig, lehnen aber vehement unsere Einladung ab, sich dazu zu gesellen.
Heute ist Freitag, und Freitag ist Tunzatag. Die Kinder planschen im See und wir spielen Karten. Auf dem Rückweg bricht ein Gewitter über uns aus und in Sekundenschnelle sind wir pitschnass und all unsere Klamotten durchnässt. Wir rennen zum nächsten Unterstand und erhoffen uns ein Ende des Regens – der kommt leider nicht. Also rennen wir weiter nach Hause, direkt unter die Dusche.
Den frühen Samstagmorgen (also bis 11:30 Uhr :)) widme ich Youtube. Danach gehe ich zu Fone um Fotos für Kiki zu machen. Alle Kinder spielen im Hof, nur die vier, die ich brauche, sind nicht da. Na toll. Eddie taucht auch eine Stunde verspätet auf, sodass ich statt Fotos zu machen, nur ein paar Wunden verarzte und ansonsten tatenlos herumsitze.

Weiterführung folgt…

Tag 13: Heute morgen regnet es richtig doll, echtes Hamburger Schietwedder halt! In T-Shirt und Shorts friere ich und im Zimmer ziehe ich meine Wollsocken an (die waren eigentlich nur für’s Flugzeug gedacht). Mit solchen Wintertemperaturen hatte ich nun wirklich nicht gerechnet und ich habe gar keine passende Kleidung dabei! Außer natülich meine Wollsocken, die übrigens in Kombination mit meinen Shorts äußerst stylisch aussehen. 😉 🙂
Im Vorschulunterricht rechnen wir. Bis 20 können die Kinder schon ganz gut „plus“ rechnen, aber mehr auch nicht. Nach der Stunde geben wir ihnen Tuschkästen und Lego zur Beschäftigung, weil es draußen immer noch in Strömen regnet.

Den Älteren zeige ich währenddessen Fotos von meiner Familie, meinem Haus und Hamurg. Alle sind sehr fasziniert und sagen, dass Hamburg ihr nächstes Reiseziel sein wird. Ich hoffe, dass sie das wirklich irgendwann mal wahr machen können. Das Mittagessen essen Juliane und ich mit Händen, einfach so weil wir Lust haben. Hier ist das zum Glück nicht komisch.
Nachmittags gehen Juliane und ich zum Supermarkt im Dorf. Die begehbare Grundfläche im Shop beträgt ca. 2 Quadratmeter… Die Auswahl ist dementsprechend gering, aber es gibt Süßes, das ist die Hauptsache! Ich decke mich mit braunem Zucker, Marmelade und einem Bounty ein und wir machen uns wieder auf zu Fone. Auf dem Weg treffen wir Pius, der mein Handy braucht um Joseph anzurufen. Hier wird so wenig geplant, aber wenn etwas gebraucht wird, ergeben sich die Situationen so, dass alles passt. Wenn man den Dingen ihren Lauf lässt, klappt alles viel besser als man es befürchtet hat. Das ist etwas, was die deutsche Kultur (so weit es eine „deutsche“ Kultur gibt) wirklich von hier lernen kann.
Im Presecondary Unterricht machen wir direkte Übersetzung von Kiswahili auf Englisch. Das ist verdammt schwer, weil die Grammatik total verschieden ist und sich einzelne Wörter nicht passend übersetzen lassen. Deshalb gestaltet sich die Stunde sehr zäh. Abends gucken wir dann zur Entspannung mit allen zusammen den Film Madagaskar 2.

Tag 14: Heute morgen taucht weder Eddie noch Juliane zum Vorschulunterricht auf, sodass ich alleine improvisieren muss. Ich entscheide mich für das englische Alphabet, welches wir vorärts, rückwärts und durcheinander lernen. Rückwärts und durcheinander fällt den Kindern sehr schwer und irgendwann raten sie nur noch. Die Bleistifte und Hefte sind leider in Eddies Schrank eingeschlossen, sodass ich sie nichts aufschreiben lassen kann. Rose und Asia (4 und 2 1/2 jahre alt) sind verständlicherweise überhaupt nicht am Alphabet interessiert und machen nur Krach. Ich besitze leider nicht die passenden Worte um sie zur Ordnung zu rufen und lasse mir deshalb von Lukas (einem der Presecondaries) helfen. Irgendwann hole ich für die Beiden Papier und Stifte, um sie zu beschäftigen und zur Ruhe zu bringen. Dabei berechne ich aber nicht mit ein, dass die Anderen auch noch in einem Alter sind, in dem sie sehr gerne malen. Alle stürzen sich auf diese zwei Zettel und mir bleibt nichts Anderes übrig als weitere Zettel zu holen und den Unterricht hier zu beenden. Im Nachhinein bin ich zufrieden mit dieser Wndung, weil es letztendlich Kinder sind, die eigentlich viel mehr Gelegenheit zur kreativen Entfaltung brauchen. Ich gebe Lukas stattdessen Englisch-Einzelunterricht.
Nachmittags gehen wir zu Tunza an den Victoriasee. Ich habe meinen Computer mit, weil ich ganz dringend meinen Artikel für den Klönschnack abschicken muss. Danach lese ich den Kindern irgendein Heft auf Kiswahili vor. Ich verstehe kein Wort, aber alle lauschen gebannt meinen zusammenhangslosen Silben…  So schlecht kann meine Aussprache also nicht sein. Sie scheinen wirklich zu verstehen, was ich lese. Das ist schon ein lustiges Gefühl auf einer Sprache vorzulesen, die man nicht kennt.

Tag 15: Heute übe ich mich im Nichtstun. 🙂 Das ist tatsächlich etwas, was ich nicht kann, außer wenn ich krank bin. Im Wohnzimmer besprechen unsere Kölner Gäste gerade Schulkosten. Ich werde dazugerufen. Ich übersetze also, kläre Missverständnisse und und organisiere ein Skype-Gespräch mit der Verantwortlichen von Fonelisco e. V., die Kölner unterstützen Paul für sein Studium, das ist großartig! Das mit dem Nichtstun klappt aber noch nicht so ganz…
Nach dem Essen habe ich immer noch Appetit. Ich schiebe das auf die vielen Kohlehydrate, die ich hier bekomme. Danach besuchen Juliane und ich Eddies neues Zuhause. Es ist ein gemieteter Raum, der sogar für deutsche WG-Zimmer-Verhältnisse ziemlich groß ist. Wir hören Musik auf seiner Anlage.

Zurück bei Fone helfe ich beim Abwasch mit. Abgewaschen wird unter offenem Himmel in großen Schüsseln, mit einem Stück Seife und einem aufgeribbelten Fetzen Sandsackplane. Diesen schmiert man mit der Seife ein und dann wird geschrubbt. Es funktioniert erstaunlich gut.

Tag 16: Es ist Sonntag, ich habe nichts vor. Ich erledige dies und das und gucke nachmittags bei Fone vorbei. Im Klassenzimmer läuft eine Disco. Willi ist der DJ und die Kinder tanzen wild zur Musik. Die können so gut tanzen, dass ich mich gar nicht traue mitzumachen. Also gehe ich raus und treffe dort Paul. Er hat heute das Geld für sein Lehramtsstudium bekommen und hüpft vor Freude rum wie ein kleines Kind. Ich kriege ihn dazu überredet mir ein bisschen traditional dance beizubringen. Also zeigt er mir die einzelnen Schritte und die zuschauenden Mädels lachen sich bei meinen ungelenken Versuchen schlapp. Die größte Schwierigkeit stellen die Hüften dar. Schritte, vor, zurück, rundherum -kein Problem. Aber Hüften kreisen, und dann auch noch im Takt! Keine Chance. Paul fährt morgen nach Mbeya, in den Süden des Landes, zu seiner Uni und lädt mich ein ihn zu besuchen. Der Weg dorthin dauert zwei Tage mit dem Bus, aber ich würde das echt gerne machen.
Die Kinder bekommen heute Fisch zum Abendessen, weshalb überall Fisch auf Planen rumliegt, was einen für mich gewöhnungsbedürftigen Anblick darstellt.


An der Kochstelle treffe ich Eddie und wir beginnen ein stundenlanges Gespräch über das tansanische Schulsystem, Ängste, den derzeitigen Präsidenten Tansanias und den Bride Price. Als es dunkel wird und meine Beine zu schmerzen anfangen, machen wir uns auf den Weg zum Volunteershaus. Paul isst mit uns zu Abend und danach sitzen wir gemeinsam im Wohnzimmer. Im Fernseher läuft eine Doku über ein chinesisches Dorf in französischer Sprache, während Paul und Joseph sich auf Kiswahili unterhalten und die Kölner, Juliane und ich einen Englisch-Deutsch-Mix verwenden. Ich finde die Situation ziemlich absurd und freue mich plötzlich ganz doll auf Weihnachten, weil ich dort meine französische Familie wiedersehe. Es sind definitv zu viele Sprachen auf einmal im Raum.
Nachdem Paul sich verabschiedet hat, beginnt ungewollterweise eine wenig zufriedenstellende Konversation über Homosexualität. Hier merkt man ganz drastisch kulturelle und religiöse Unterschiede.

Später am Abend blickt mir im Bad ein auf dem Rücken liegender Kakerlake unter der Dusche entgegen. Ich beschließe kurzerhand, dass die Dusche bis morgen warten kann.

Tag 6-8: Safari durch die Serengeti und den Ngorongorokrater. Großartig!

Tag 9: Vormittags gehen Laura, Kilian und ich zum Tunza-Resort am Victoriasee, während die Kinder in der Kirche sind. Wir wollen einen Saft bestellen, doch von den zwanzig aufgelisteten Säften ist nur der Wassermelonensaft da. Ananas kaufen sie noch schnell für uns. Die Karte repräsentiert hier überhaupt nicht was es tatsächlich gibt, sondern dient wohl hauptsächlich Dekozwecken… Nachmittags organisiert Martin für die Kinder Sportwettbewerbe. Beim Sprinten und Fußballspielen mache ich mit und die Kinder ziehen mich so was von ab! Ich dachte immer, ich wäre schnell… Das sind bestimmt die Schuhe, auf denen kann man einfach nicht laufen. 😉
Zurück im Volunteershaus darf ich Klein-Dominik, den 3 Wochen alten Sohn von Helen und Joseph, auf dem Arm halten. Er ist soo süß und verzieht sein Gesicht immer so knuffig. In meinem Zimmer schneide ich mir mit meinem Taschenmesser kleine Werkzeuge aus leeren Plastikflaschen, um meine tierischen Mitbewohner zu versorgen. Eine Hebeschaufel für die Regenwürmer, ein längliches Stück, was als Schieber dient… u.s.w. Und ich starte meine erste Unterwäsche-Waschaktion in einer abgeschnittenen 1,5 l Flasche. Es funktioniert überraschend gut!

Tag 10: Heute traue ich mich zum ersten Mal an meinen großen Dreckwäschehaufen. Eddie hat angeboten mir zu helfen. Wir füllen im Vorgarten drei Eimer mit Wasser und ich stelle mich beim Waschen echt dumm an. Das ist voll schwer! Erst habe ich das Gefühl, die Sachen werden nicht sauber, dann habe ich das Gefühl die Seife geht nie raus. Mein Rücken schmerzt und mein Handgelenk blutet und brennt von der Reibung. Dass Wäsche waschen so anstrengend sein kann, hätte ich nicht gedacht! Ich werde auf jeden Fall meine Wäsche so lange selber waschen, bis ich es leichtfertig und ohne Schmerzen hinbekomme. Das gehört für mich zu den „Must be able to…“ ’s. Ich bin dennoch sehr froh als die Wäsche endlich fertig gewaschen ist. Eddie hat ungefähr 90% der Arbeit gemacht und belächelt mich, selbst überhaupt nicht beeinflusst von der getanen Arbeit.
Danach fahren wir zu fünft zum New Land, wo unsere Kühe und Ziegen wohnen und Mais angebaut wird. Auf dem Hinweg müssen wir kurz zum Flughafen. Die Schranke am Eingang wird manuell betrieben, da sitzt wirklich einer und ist der Schrankenheber. Absurd. Beim New Land angekommen, komme ich aus dem Staunen nicht mehr raus. Es ist ein idyllisches Stück Land mit wunderbarem Ausblick auf den Victoriasee. Die Mitte säumt ein großer Hügel, den man erklettern kann und es gibt direkten Zugang zum Wasser. Alle sind schwer beeindruckt.

Tag 11: Heute hatte ich Kiswahili-Unterricht bei Eddie. Ich glaube, das wird mich echt weiterbringen. Bis meine Kreditkarte ankommt, habe ich sowieso kein Geld für einen richtigen Sprachkurs. Also mache ich hier das Beste draus. Nachmittags spiele ich mit den Kindern Fußball und ich werde langsam besser!
Beim Abendessen stellen Juliane und ich fest, dass wir beide große Backgammon-Fans sind und beide ein Spiel dabeihaben. Damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet, dass mein Reisebackgammon nicht genutzt wird, weil Juliane die HOLZVERSION IN VOLLER GRÖßE dabei hat!

Tag 12: Im Vorschulunterricht lässt Eddie die Kinder heute Wörter von der Tafel ablesen und danach erklären. Das bringt ihnen einen Riesenspaß und sie lernen sogar etwas dabei. Meine Aufgabe ist das Stifte austeilen… Während die Anderen fleißig abschreiben, versuche ich der vierjährigen Rose, die wahrscheinlich noch nie einen Stift in der Hand gehalten hat, beizubringen, etwas anderes als krakelige Kreise zu malen. Nach etwa 20 Minuten hat sie verstanden, was ich will und malt einen Strich. Ziel erreicht. An jeden Strich hängt sie aber noch einen Kreis, die sind ihr wohl sehr wichtig. Währenddessen schläft die dreijährige Asia auf meinem Schoß. Sobald die Vorschüler fertig abgeschrieben haben, kommen sie zu mir um mir stolz ihr Werk zu zeigen. Ich glaube, ich bin die Einzige, die sie lobt und das kosten sie natürlich aus. Bei Unterrichtsschluss rennen alle raus um zu spielen, nur die zwei neuen Brüder bleiben im Klassenraum und schreiben alle Wörter, die sie im Klassenraum finden, ab. Ich muss Eddie die Hefte unter die Nase halten, damit er es mir glaubt. Die sind komplett lernverrückt, die Beiden.
Beim Mittagessen gratuliert Joseph Juliane plötzlich zum Geburtstag, ich, komplett unwissend, schaue sie nur verwirrt an, gratuliere ihr dann aber auch schnell.
Nachmittags geben wir den Pre-Secondary-School-Kids Englischunterricht. Die hatten in der Grundschule fast keine Englisch, haben aber ab Januar auf der weiterführenden Schule JEDES Unterrichtsfach auf Englisch. Das ist echt unglaublich, und so fies dazu! In der Stunde üben wir, sich auf Englisch vorzustellen. Es wird nämlich am ersten Tag in der neuen Schule von Ihnen verlangt, sich vor allen Klassenkameraden vorzustellen. Beim ersten Durchlauf sind sie super schüchtern, gucken beim Reden aus dem Fenster und sind kaum hörbar. Also arbeiten wir am Coolheitsgrad. Sie müssen mit einem coolen Gang nach vorne kommen, dort eine lässige Haltung finden, und dürfen mich beim Reden nicht aus den Augen verlieren. Langsam lockern sie sich auf und brechen gelegentlich in Gelächter aus. Zwei Stunden vergehen wie im Flug und am Ende der Stunde können sie sich tatsächlich alle äußerst selbstbewusst vorstellen. Ich bin zufrieden.
Abends spiele ich mit Juliane Backgammon. Sie gewinnt viermal und ist super glücklich. Sie meint, genau das hätte sie sich gewünscht. Da habe ich doch noch das perfekte Geburtstagsgeschenk gefunden. 😉

Ich hole langsam auf…
Tag 2: Nach der Kirche will ich meine Haare waschen. Das Wasser läuft perfekt, bis meine Haare komplett einshampooniert sind. Dann plötzlich: Kein Tropfen mehr. 5 Minuten stehe ich dumm da, dann fängt das Wasser an zu tröpfeln, ganz leicht. Gaanz geduldig wasche ich meine Haare unter den Resttropfen aus. Und bin überaus froh, als sich meine Haare nach geraumer Zeit tatsächlich shampoofrei anfühlen. Allein bin ich in meinem Zimmer auch nicht wirklich: Ich teile mir mein Zimmer mit sehr vielen Ameisen, Spinnen, einem Gecko und einer Mücke. Die Ameisen haben ihre Straße im Bad und fühlen sich im Klopapier besonders wohl…
Tag 3: Ich habe hier keinen Empfang mit meiner Reise Simcard, sodass ich seit Freitag 3 sms versenden konnte, und das war’s. Irgendwie nervt die komplette Abgeschiedenheit, aber vielleicht soll sie mir auch gut tun… Wann ich Internet bekomme, hängt davon ab, wann Joseph es schafft, das von Dominik für mich dagelassene Geld, abzuheben. Er hat momentan nämlich andere Sorgen, wir haben nicht genug Geld für die Miete. Wasser haben wir auch immer noch nicht. Ich öffne den Toilettenkasten und sehe: Noch genug Wasser für eine Spülung, Gott sei Dank! Abends funktioniert das Wasser wieder. Juliane und ich bauen im Klassenzimmer ein Minikino mit Lautsprechern aus dem Volunteershaus und unseren beiden Laptops auf und die Kinder gucken König der Löwen. Danach genieße ich meine kalte Dusche und wünsche mir diese schwitzend im Bett liegend wieder zurück.
Tag 4: Joseph hat das Geld abgehoben! Ich kann mir Internet kaufen! Ich beschließe mit Juliane kurzerhand in die Stadt zu fahren. Die Mitarbeiter im Halotel-Store sind seehr gemütlich. Sie sind die ganz Zeit an ihren Handys und man weiß nicht so recht ob sie gerade Spiele spielen, mit Freunden chatten oder tatsächlich arbeiten. Es dauert über zwei Stunden. Erst ist die Sim-Karte zu dick, dann funktioniert das Internet nicht. Irgendwann geben sie es auf und wir fahren mit einer (nur in meinem Handy!) nicht funktionierenden Sim-Karte zurück nach Hause. Dort angekommen, zeige ich Eddie das Problem und plötzlich funktioniert es. Er sagt, das sei die magische Reflexion seiner Augen… ja,ja ich glaub auch.
Heute wurden zwei neue Jungen zu Fone gebracht, circa 7 und 9 Jahre alt. Sie sind HIV-positiv getestet und es wird gerade nach Angehörigen gesucht. Kinder abgeben und Qualitätschecks machen, kann die Regierung, aber fininazielle Unterstützung leisten? Nee, so was doch nicht. Das ist für mich so schwer verständlich, weil ich es so kenne, dass soziale Einrichtungen vom Staat unterstützt werden. Hier läuft das anders, hier beruht alles auf Spenden.
Tag 5: Auf dem Weg zu Fone begrüßt mich ein kleiner Junge mit „Shikamoo!“ Es ist das erste Mal, dass jemand das mir gegenüber sagt und ich nuschele ein wenig perplex „Marahaba“ zurück. Ein paar Meter weiter rufen fußballspielende Jungs „Naomi, How are you?!“. Keine Ahnung woher die meinen Namen kennen (Bzw. die englische Version davon). Ich kicke ihnen den Ball zu und komme zufrieden bei Fone an. Dort beginnt erst einmal die obligatorische Small-Talk Runde mit allen Englischsprechenden, bevor es weiter in den Klassenraum geht. Dort angekommen findet Eddie es äußerst lustig mich nach vorne zu stellen und den Kindern zu sagen: „Sie macht jetzt Unterricht. Hört zu!“. Ich habe keinen Plan was ich machen soll. Ich spreche (fast) kein Wort Kiswahili und die Vorschüler sprechen (fast) kein Wort Englisch.  Letztendlich lasse ich sie das Alphabet auf Englisch sprechen und dann singen. Das können sie super.

Danach buchstabiere ich ihnen Wörter. Das funktioniert nicht wirklich, weil sie keine Ahnung haben, was die einzelnen Buchstaben bedeuten. Dazu kommt, dass kaum Buchstaben in Wörtern so ausgesprochen werden wie im Alphabet. Auch das Lesen wird dadurch schier unmöglich. Danach singen wir „Head, shoulders, knees and toes“. Sie können es auswendig. Aber sobald man fragt, wie denn der Kopf heißt, sind sie überfordert. Da muss ich ihnen wohl noch ein bisschen was beibringen. Spaß haben sie aber, das ist die Hauptsache.
Nachmittags probiert Edina meine Brille aus. Meine Brille ist hier echt eine Attraktion. Niemand glaubt mir, dass da Stärke drauf ist, bis derjenige sie selber aufsetzt und sie mir verwirrt und mit verkniffenen Augen zurück gibt. Danach wird meine Sehstärke mit Finger hochhalten getestet und lautstark gelacht, wenn ich nicht mehr sagen kann wie viele es sind. Abends kommen Mitglieder des lokalen Rotary-Clubs und übergeben uns eine Riesen-Essensspende.

Das Essen für die nächsten Tage ist gesichert!