Mambo, liebe Fonelisco-Interessierte! Wie bereits angekündigt, kommt hier nach unserer doch recht überstürzten Abreise aus Mwanza unser letzter Blog-Eintrag.
Corona und alle daraus resultierenden Konsequenzen hatten Tansania im Vergleich zum verbleibenden Großteil der Welt lange verschont, weshalb wir erst ziemlich spät darüber nachgedacht haben, unser Abenteuer frühzeitig zu beenden – um genau zu sein erst drei Tage vor unserer Abreise am Mittwoch.
Während sich die Ereignisse in Deutschland bereits überschlugen, hatten wir am Samstag zuvor noch einen wunderschönen Tag mit der gesamten Fonelisco-Familie. Wir haben lange überlegt, welche Art von Ausflug für Kinder und auch Mitarbeiter besonders ansprechend und gewinnbringend sein würde. Letztlich ist unsere Entscheidung auf einen gemeinsamen Besuch des New Land gefallen. Die Verkündung unseres Vorhabens hat bei den Kindern für völlige Begeisterung gesorgt, sie sind aufgesprungen, haben getanzt, geklatscht und gejubelt. Das war so schön zu sehen!
Am Samstag sind wir dann nach unserem Mittagessen und einem Tetrisspiel-ähnlichem Beladen des 30-Mann-Busses (wir waren über 60 Personen!!) gegen 15 Uhr zu Foneliscos zweitem Grundstück gefahren, das circa 25 Minuten vom Waisenhaus entfernt ist. Begleitet wurden wir außerdem von knapp 10 Personen von Tunaweza, einer Werkstatt für Menschen mit Beeinträchtigungen in Illemela. Bei New Land angekommen, hatten die Kinder die Möglichkeit, sich erst einmal zu orientieren und eigenständig umzusehen, bevor Helen und die weiblichen Mitarbeiter mit den Mädels einen Spaziergang zum „Strand“ unternommen haben. Wenngleich ich nicht ganz verstanden habe, warum die Jungs daran nicht teilnehmen durften, habe ich mich der Gruppe angeschlossen und war sehr froh, als später Johanna mit ein paar der Jungen dazugestoßen ist. Nach einer Wasser- und Limopause (die Kinder fahren soooo auf Limo ab!!) haben wir gemeinsam „Fischer, wie tief ist das Wasser?“ gespielt, wobei auch die Älteren erstaunlich viel Spaß hatten. Ich persönlich würde mich echt freuen, wenn die Kids das auch bei Fone hin und wieder mal spielen würden, anstatt sich bei Langeweile in den Filmraum zu verziehen. Unser kurzer „Erwachsenenausflug“ zum Nilpferd-Spot war leider erfolglos und Familie Hippo hat uns nicht den Gefallen getan, sich in ihrem vertrauten Gefilde zu zeigen. So haben wir uns recht schnell wieder zu den Kindern begeben, Luftballons an alle verteilt und zu lauter Musik getanzt und gespielt. Ich glaube, an diesem Nachmittag sind wirklich alle auf ihre Kosten gekommen. Ganz schön viele Eindrücke, die dann doch auch ganz schön müde machen. So sind am Abend drei Kinder auf und an mir in der Wiese eingeschlafen, während Johanna noch fleißig weitergetanzt hat. Irgendwie hat sich das schon ein bisschen wie ein erster Abschied angefühlt, ohne zu wissen, dass es wirklich einer war… Bei der Rückfahrt sind manche der Kinder wieder ganz schön aufgeblüht, sodass der vollgestopfte Bus zu einem Partymobil mutierte, in dem 60 Kinder sangen, klatschten, stampften, beteten, glücklich waren – und müde! Für mich ist es immer noch erstaunlich, wie manche bei diesem Lärm einschlafen konnten.

Am Montag habe ich wenigstens eines meiner Vorhaben noch umsetzen können und gemeinsam mit Johannas Hilfe Schmetterlinge mit den Kindern gebastelt, die sie nach ihrem Geschmack bekleben, verzieren und bemalen durften. Eigentlich hatte ich auch geplant, dass jedes der Kinder einen persönlichen Wunsch notiert, der dann vom Schmetterling in den Himmel getragen werden kann. Letztlich waren die Kids aber so voller Tatendrang und Kreativität, dass kein Platz mehr für Wünsche blieb. Ich hatte mir das etwas anders vorgestellt, aber sie hatten auf jeden Fall ihren Spaß – und das ist doch die Hauptsache! ?

 

 

Unser Abschiedsabend letzten Dienstag ist nach dem gemeinsamen Abendessen leider etwas anders zu Ende gegangen als wir es uns vorgestellt hatten. Unsere Tanz- und Musikparty wurde leider zu einem stillen Abschied degradiert, als ein paar Minuten vorher in den Nachrichten verkündet wurde, dass Corona nun auch Tansania erreicht hat und sämtliche Schulen geschlossen werden… Johanna und ich versuchen es positiv zu sehen und denken, dass der Abschied so etwas weniger traurig für alle Beteiligten war.
Auch wenn sich unsere Abreise nach wie vor etwas überstürzt anfühlt, bin ich froh, noch vor den ganzen Flugannullierungen wieder in Deutschland angekommen zu sein. Obwohl es momentan noch nicht so richtig den Anschein macht, glaube ich, dass ich in Tansania unterbewusst doch einiges gelernt habe: Verständigen und Unterrichten ohne ausreichende Kommunikationsmittel, Umgang mit extrem spontanen Planänderungen (der Regen ist in Tansania wirklich für alles eine akzeptable Ausrede!), Leben mit weniger ausgeprägter Hygiene (Essensreste auf dem Boden, semisauberes Geschirr) und zuletzt, dass man nicht unbedingt viel Geld haben muss, um glücklich zu sein. Die Menschen hier waren uns gegenüber (größtenteils) wahnsinnig freundlich und hießen uns bei jeder Gelegenheit mit ihrem herzlichen „Karibu“ willkommen. Sie lachen, singen und tanzen viel und vor allem gut – ich frage mich ja schon, woher die das alle können 😀
Johanna und ich hoffen beide wirklich, dass die Corona-Krise das Land und die Leute hier nicht ganz so sehr angreift wie in Europa und anderen Teilen der Welt. Vor allem für die Kinder, Mitarbeiter, Joseph und seine Familie wünschen wir uns, dass trotz der Krise noch genug (Spenden-)Gelder aus Deutschland zusammenkommen, sodass wenigstens die elementare Versorgung mit Lebensmitteln weiterhin sichergestellt ist. Die gesamte Fonelisco-Familie ist uns doch ganz schön ans Herz gewachsen und wir wünschen uns für sie und ihre Zukunft nur das Allerbeste!

Baada ya dhoruba inakuja jua – Nach dem Regen kommt der Sonnenschein!

In diesem Sinne alles Gute und vor allem viel Gesundheit,
Johanna und Luisa
 
 

Bevor wir am Donnerstag auf unsere heiß ersehnte Safari gehen, will ich kurz über eine Veränderung im Freiwilligenhaus berichten: Mit dem ehemaligen Freiwilligen Viktor, seiner Ehefrau Nora und Vater Stepan haben Johanna und ich „Mzungu“-Verstärkung aus Tschechien erhalten. Manchmal ist es nach wie vor nervig, dass uns hier alle als Mzungu bezeichnen, kommt einem in bestimmten Situationen doch etwas degradierend vor… Am schlimmsten war es, als ich eines Tages im Daladala (Minibus) ungefragt Selfieobjekt einer Horde scheinbar doch noch recht unreifer Männer wurde! Das ist echt ein richtig beschissenes Gefühl. Aber zurück zu unseren neuen Besuchern: Viktor und Nora wollen hier nicht als Freiwillige im engen Sinne fungieren, sondern vielmehr etwas zur allgemeinen Situation von Fonelisco beitragen. Als top ausgestattetes Fotografenteam sind die beiden fleißig dabei, Bilder von allen Kindern, dem Newland inklusive Besatzung und anderen relevanten Spots zu machen, woraus später eine Kampagne mit bisher noch nicht konkretisiertem Ziel werden soll. Die Kinder hatten gestern auf jeden Fall einen Riesenspaß beim musikalisch begleiteten Fotoshooting, das bei allen bereits Abgelichteten zu einer Art Dancebattle wurde. Es ist wirklich beeindruckend, was vor allem die Jungs draufhaben! Johanna und ich schauen jedes Mal aufs Neue begeistert zu und können dabei richtig die Zeit vergessen ?
Ein ganz besonderer Ausflug für uns beide war der Besuch des Malaika-Hotels am Sonntag, wo wir uns ein unfassbar tolles Frühstück mit anschließender Poolsession gegönnt haben. Nachdem wir jetzt seit knapp 7 Wochen jeden Morgen Chapati (ähnlich Pfannkuchen) oder Mandazi (frittierte Teigbällchen) zu uns nehmen, haben uns die gigantische Auswahl und Seesicht im Hotel fast zu Freudentränen gerührt. Allgemein ist das Essen hier zwar lecker, aber doch sehr monoton: Am Abend gibt es grundsätzlich Reis mit Bohnen, wozu wahlweise meist lecker Gemüse in Tomatensoße oder Kraut gegessen wird, teilweise Obst. Mittags besteht eine Auswahl aus vier bis fünf verschiedenen Gerichten: Chipsi Mayai (Pommes-Ei-Omelette, das wir gerne mit Gemüse pimpen), Kartoffel-Kochbananeneintopf, Reis mit Tomate-Avocadosalat und Spinat(ähnlichem) und Ugali (traditioneller Brei/Stampf aus Maismehl, für uns serviert mit Gemüsesoße).
Während Johanna mittlerweile seit sechs Stunden brav auf ihrem Stuhl sitzt und geduldig darauf wartet, dass ihre Braids fertig sind, schreibe ich bei Taschenlampenlicht diesen Blog und sinniere darüber, wie das Wetter morgen wird. Dieses ist genauso wie die Stromversorgung hier unberechenbar und hat uns vor allem im ersten Monat sehr viel Regen beschert. Für unsere Safari hoffen wir, dass die momentan seit circa einer Woche (Fast)Regenpause noch etwas anhält, bevor im März erneut sämtliche Straßen davongespült werden.
Haya na baadai (Tschüss und bis bald),
Luisa

Jetzt sind also tatsächlich weitere zwei Wochen vergangen, ging das schnell! Zwei Wochen voller Höhen und Tiefen, die hier nicht in allen Einzelheiten dargestellt werden können. Ich, heute Luisa, versuche nun aber dennoch, einen Einblick in unser Leben hier zu geben:

Der Alltag bei Fone befindet sich gerade in einem Wandel. Zum einen ist Iben nach einem tollen Abschiedslagerfeuer mit den Kindern am Samstagmorgen nachhause geflogen, weshalb Johanna und ich nun auf uns alleine gestellt sind. Zum anderen sind nun nach Beginn des neuen Schuljahres endlich alle Kinder in der Schule, was aufgrund Geldtransferschwierigkeiten aus Deutschland leider etwas länger gedauert hatte als gedacht. Das heißt für uns, dass vormittags nur noch die fünf ganz Kleinen bei Fone sind, mit denen eher wenig unternommen werden kann. Über Kuschel- und Kitzeleinheiten freuen sie sich zwar immer, Johanna und ich sind hingegen froh über zusätzliche Aufgaben wie die Unterstützung beim Wäschewaschen, die Fertigstellung von Ibens Kicker und Josephs Bitte, Englischunterricht für die Mitarbeiter zu gestalten. Das Wäschewaschen ist zwar anstrengend, macht mit viel Schaum aber tatsächlich sogar ein bisschen Spaß, vor allem wenn die Kleinen mithelfen, oder vielmehr mitspritzen wollen. Allgemein stellen Johanna und ich begeistert fest, dass unsere Handys immer weniger interessant für die Kinder werden, weil sie langsam scheinbar verstanden haben, dass wir diese nicht ständig rausrücken (und somit völlig abgeschrieben sein) wollen. Meinen Fitnesstracker am Armgelenk finden vor allem die Jungs aber nach wie vor sehr spannend und freuen sich immer total süß, wenn sie den „Wanderpokal“ erhalten und damit Schritte zählen dürfen.

Diese Woche habe ich tatsächlich auch meinen ersten Unterrichtsversuch gestartet, wobei ich sehr dankbar um Elizas Unterstützung als Dolmetscherin und Johannas Sortieren und Bereitlegen der richtigen Hefte war. Gemeinsam mit den Erst- und Zweitklässlern habe ich die englischen Begriffe für die Zahlen von 1 bis 10 erarbeitet. Wenngleich das mündlich noch super funktioniert hat, trennte sich beim Aufschreiben der passenden Wörter die Spreu vom Weizen. Deshalb habe ich beschlossen, die Kinder von nun an doch klassenweise zu gruppieren. Die Leistungsunterschiede sind aber auch unabhängig von der Jahrgangszugehörigkeit extrem groß…

Nachdem Iben und Sophia erfolgreich eine Movie-Night etabliert haben, die jeden Mittwoch stattfindet, setzen Johanna und ich diese gerne fort. Das heißt zugleich, dass wir bei den Kindern auf Abend essen, was für mich vor allem beim ersten Mal eine wirklich besondere Erfahrung war: Das Essen unterscheidet sich zwar nicht von unserem alltäglichen Reis mit Bohnen, wird aber ohne Besteck mit der bloßen Hand verputzt, was mich tatsächlich etwas Überwindung kostete… So richtig daran gewöhnt habe ich mich bisher noch nicht, weil durch die „Soße“ doch immer eine recht klebrige Angelegenheit daraus wird.

Vom Waisenhaus abgesehen, haben wir nun auch schon ein paar schöne Orte in Mwanza erkunden können: Letzten Samstag waren wir auf einer Bootsparty auf dem Victoriasee, zu der uns Daniel eingeladen hat, der mit den Kindern jeden Samstag Armbänder fädelt. Hier trafen viele verschiedene Nationen aufeinander, alle waren total offen und die Aussicht auf den Victoriasee sowie die leuchtenden Fischerboote einfach unfassbar schön. Eine Einheimische hat sich auf der Party sogar bereiterklärt, uns einiges hier zu zeigen, sodass wir nun bereits ein wundervolles See-Dinner im Restaurant des Tilapia Hotel hatten (endlich mal was anderes als Reis!).

Außerdem haben Johanna und ich mittlerweile mehrere Spots gefunden, an denen man wunderbar den Sonnenuntergang über dem See genießen und einfach in die Ferne schauen kann. Hier gibt es so viele Felsen, Steinansammlungen und Aussichtshügel, das hatte ich vorher nicht erwartet!

Ein weiterer toller Ausflug war unser Besuch des New Land, der großen Hoffnung Foneliscos. Dieses riesige Gelände direkt am See beinhaltet zahlreiche Zuckerrohrpflanzen, Steinformationen (ja, schon wieder), eigene Kühe und Ziegen und optimale Flächen zum Reisanbau und zur Fischzucht. New Land hat aber ein großes Problem: die Nilpferde. Diese gelangen durch die noch nicht vollständig geschlossene Mauer immer wieder in das Gelände und zerstören die Reispflanzen. Außerdem sind die Fischbestände durch „Überschwappen“ in den See gefährdet. Die Fertigstellung der Mauer wäre also dringend notwendig, um dem Waisenhaus durch eigenen Nahrungsmittelanbau und -verkauf ein Stück Eigenständigkeit zu ermöglichen und die Abhängigkeit von Spendengeldern zu reduzieren.

Zuletzt ein kleiner Einblick in eine weniger schöne Situation: Johanna und ich hatten in unseren ersten Wochen doch immer wieder das ein oder andere Wehwehchen, was wir aber nicht weiter zu begründen versuchten. Letztendlich musste ich dann aber am Sonntag doch einmal das Krankenhaus (nach unseren Verhältnissen wohl eher eine große Praxis) aufsuchen, da sich ein langsam anschleichendes Problemchen auf meiner Lippe zu einer dicken Schwellung inklusive Bläschen gemausert hat. Joseph fühlte sich sofort alarmiert, als ich ihm davon erzählte, und wollte mich unbedingt zum Arzt seines Vertrauens bringen, wo er auch geduldig wartete, bis die Untersuchung inklusive (extrem hygienischer) Blutabnahme zu Ende war. Der indische Arzt schien sehr kompetent und konnte mir in bestem Englisch das Problem erklären. Scheinbar hatte mich nachts (trotz Moskitonetz) ein Insekt gebissen, was zu dieser heftigen Reaktion führte… Während in Deutschland überall dringend zur Malariaprophylaxe geraten wird, wurde mir hier stark davon abgeraten: Ebensolche Reaktionen und auch kleinere Probleme wie Müdigkeit, Hautirritationen, Husten etc. sind oft Resultat aus der starken Schwächung des Immunsystems, die durch die Prophylaxe vor sich geht. Aktuell sind wir uns unsicher, welche Risiken uns weniger einschränkend erscheinen. Ich für meinen Teil werde aber nach der Beendigung der Antibiotika-Einnahme wohl nicht wieder mit den Malaria-Tabletten beginnen und hoffe das Beste.

Um den Eintrag nach meiner schnellen Genesung positiv abzuschließen, möchte ich noch einmal auf die große Solidarität und Hilfsbereitschaft hier hinweisen: Joseph hat für den Arztbesuch wirklich all seine Arbeit links liegen lassen und nach der Untersuchung sogar darauf bestanden, uns mit dem Taxi zurückzubringen. Und auch der Arzt erkundigte sich täglich per WhatsApp nach meinem Befinden. Genau solche Gesten sind es doch, die einem auch in der Ferne ein Stück Sicherheit geben.