Backgammon und Wassermelonensaft

Tag 6-8: Safari durch die Serengeti und den Ngorongorokrater. Großartig!

Tag 9: Vormittags gehen Laura, Kilian und ich zum Tunza-Resort am Victoriasee, während die Kinder in der Kirche sind. Wir wollen einen Saft bestellen, doch von den zwanzig aufgelisteten Säften ist nur der Wassermelonensaft da. Ananas kaufen sie noch schnell für uns. Die Karte repräsentiert hier überhaupt nicht was es tatsächlich gibt, sondern dient wohl hauptsächlich Dekozwecken… Nachmittags organisiert Martin für die Kinder Sportwettbewerbe. Beim Sprinten und Fußballspielen mache ich mit und die Kinder ziehen mich so was von ab! Ich dachte immer, ich wäre schnell… Das sind bestimmt die Schuhe, auf denen kann man einfach nicht laufen. 😉
Zurück im Volunteershaus darf ich Klein-Dominik, den 3 Wochen alten Sohn von Helen und Joseph, auf dem Arm halten. Er ist soo süß und verzieht sein Gesicht immer so knuffig. In meinem Zimmer schneide ich mir mit meinem Taschenmesser kleine Werkzeuge aus leeren Plastikflaschen, um meine tierischen Mitbewohner zu versorgen. Eine Hebeschaufel für die Regenwürmer, ein längliches Stück, was als Schieber dient… u.s.w. Und ich starte meine erste Unterwäsche-Waschaktion in einer abgeschnittenen 1,5 l Flasche. Es funktioniert überraschend gut!

Tag 10: Heute traue ich mich zum ersten Mal an meinen großen Dreckwäschehaufen. Eddie hat angeboten mir zu helfen. Wir füllen im Vorgarten drei Eimer mit Wasser und ich stelle mich beim Waschen echt dumm an. Das ist voll schwer! Erst habe ich das Gefühl, die Sachen werden nicht sauber, dann habe ich das Gefühl die Seife geht nie raus. Mein Rücken schmerzt und mein Handgelenk blutet und brennt von der Reibung. Dass Wäsche waschen so anstrengend sein kann, hätte ich nicht gedacht! Ich werde auf jeden Fall meine Wäsche so lange selber waschen, bis ich es leichtfertig und ohne Schmerzen hinbekomme. Das gehört für mich zu den „Must be able to…“ ’s. Ich bin dennoch sehr froh als die Wäsche endlich fertig gewaschen ist. Eddie hat ungefähr 90% der Arbeit gemacht und belächelt mich, selbst überhaupt nicht beeinflusst von der getanen Arbeit.
Danach fahren wir zu fünft zum New Land, wo unsere Kühe und Ziegen wohnen und Mais angebaut wird. Auf dem Hinweg müssen wir kurz zum Flughafen. Die Schranke am Eingang wird manuell betrieben, da sitzt wirklich einer und ist der Schrankenheber. Absurd. Beim New Land angekommen, komme ich aus dem Staunen nicht mehr raus. Es ist ein idyllisches Stück Land mit wunderbarem Ausblick auf den Victoriasee. Die Mitte säumt ein großer Hügel, den man erklettern kann und es gibt direkten Zugang zum Wasser. Alle sind schwer beeindruckt.

Tag 11: Heute hatte ich Kiswahili-Unterricht bei Eddie. Ich glaube, das wird mich echt weiterbringen. Bis meine Kreditkarte ankommt, habe ich sowieso kein Geld für einen richtigen Sprachkurs. Also mache ich hier das Beste draus. Nachmittags spiele ich mit den Kindern Fußball und ich werde langsam besser!
Beim Abendessen stellen Juliane und ich fest, dass wir beide große Backgammon-Fans sind und beide ein Spiel dabeihaben. Damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet, dass mein Reisebackgammon nicht genutzt wird, weil Juliane die HOLZVERSION IN VOLLER GRÖßE dabei hat!

Tag 12: Im Vorschulunterricht lässt Eddie die Kinder heute Wörter von der Tafel ablesen und danach erklären. Das bringt ihnen einen Riesenspaß und sie lernen sogar etwas dabei. Meine Aufgabe ist das Stifte austeilen… Während die Anderen fleißig abschreiben, versuche ich der vierjährigen Rose, die wahrscheinlich noch nie einen Stift in der Hand gehalten hat, beizubringen, etwas anderes als krakelige Kreise zu malen. Nach etwa 20 Minuten hat sie verstanden, was ich will und malt einen Strich. Ziel erreicht. An jeden Strich hängt sie aber noch einen Kreis, die sind ihr wohl sehr wichtig. Währenddessen schläft die dreijährige Asia auf meinem Schoß. Sobald die Vorschüler fertig abgeschrieben haben, kommen sie zu mir um mir stolz ihr Werk zu zeigen. Ich glaube, ich bin die Einzige, die sie lobt und das kosten sie natürlich aus. Bei Unterrichtsschluss rennen alle raus um zu spielen, nur die zwei neuen Brüder bleiben im Klassenraum und schreiben alle Wörter, die sie im Klassenraum finden, ab. Ich muss Eddie die Hefte unter die Nase halten, damit er es mir glaubt. Die sind komplett lernverrückt, die Beiden.
Beim Mittagessen gratuliert Joseph Juliane plötzlich zum Geburtstag, ich, komplett unwissend, schaue sie nur verwirrt an, gratuliere ihr dann aber auch schnell.
Nachmittags geben wir den Pre-Secondary-School-Kids Englischunterricht. Die hatten in der Grundschule fast keine Englisch, haben aber ab Januar auf der weiterführenden Schule JEDES Unterrichtsfach auf Englisch. Das ist echt unglaublich, und so fies dazu! In der Stunde üben wir, sich auf Englisch vorzustellen. Es wird nämlich am ersten Tag in der neuen Schule von Ihnen verlangt, sich vor allen Klassenkameraden vorzustellen. Beim ersten Durchlauf sind sie super schüchtern, gucken beim Reden aus dem Fenster und sind kaum hörbar. Also arbeiten wir am Coolheitsgrad. Sie müssen mit einem coolen Gang nach vorne kommen, dort eine lässige Haltung finden, und dürfen mich beim Reden nicht aus den Augen verlieren. Langsam lockern sie sich auf und brechen gelegentlich in Gelächter aus. Zwei Stunden vergehen wie im Flug und am Ende der Stunde können sie sich tatsächlich alle äußerst selbstbewusst vorstellen. Ich bin zufrieden.
Abends spiele ich mit Juliane Backgammon. Sie gewinnt viermal und ist super glücklich. Sie meint, genau das hätte sie sich gewünscht. Da habe ich doch noch das perfekte Geburtstagsgeschenk gefunden. 😉