Angekommen

So langsam habe ich mich hier in Mwanza richtig eingelebt. Vor einigen Tagen kamen noch zwei Freiwillige, Anja und Franziska, sodass wir nun vier Deutsche im Haus sind.
In Anja und Franzis ersten Tagen merkte ich, wie schnell ich vom Neuling zum Experten wurde, der erklären kann, wie und wo die Daladalas abfahren, wo sich das nächste Restaurant befindet und wie der Unterricht abläuft.
Vormittags unterrichten wir zusammen mit Eddy für eine Stunde die Vorschüler, die sich alle auf einem sehr unterschiedlichen Niveau befinden. Diese Woche lernten wir mit einigen das A und das E zu schreiben, mit den Fortgeschrittenen wiederholten wir die Zahlen, Farben, Tiere und Körperteile auf Kiswahili und Englisch, verpackt in Liedern und Spielen. Nach dem täglichen abschließenden Tanz geht es dann auf den Innenhof des Waisenhauses und wir spielen zusammen Reise nach Jerusalem, Hundehüttenfangen, Karoti oder Fußball.
Jeden Nachmittag unterrichten wir zusammen mit der tansanischen Lehrerin Ivonne Englisch, abwechselnd von Standard 3 bis Standard 7 circa eine Stunde lang, in der wir häufig Überraschungen und viel Freude erleben.
Die letzten zwei Wochen waren zudem etwas besonderes, da Johanna und ihre Schwester Sophia zu Besuch waren. Johanna konnte unsere vielen Fragen beantworten und uns einiges von ihrem Aufenthalt vor vier Jahren erzählen.
Wenn wir Abends alle zusammen Taxi fuhren, um in der Stadt direkt am Viktoriasee gemeinsam zu essen, erlebten wir die wunderbarsten Taxifahrten, zu fünft auf dem Rücksitz und mit stimmungsvoller Musik von den Backstreetboys oder den neusten tansanischen Hits.
Ein besonderes Erlebnis war die Graduationparty einiger Kinder von Fonelisco. In einem Restaurant gleich neben dem Waisenhaus wurden Reden gehalten von einigen Amtsträgern der Schule, einige Schülerinnen und Schüler führten einen Tanz vor und jeder erhielt sein Zertifikat. Mit allen Kids aus dem Waisenhaus gingen wir anschließend in einen Raum einige Meter entfernt. Die vier Kinder, die die siebte Klasse beendet hatten, saßen ganz vorne an einem Tisch und blickten zu den Gäste. Es wurden wieder kurze Ansprachen gehalten, diesmal von Mitarbeitern von Fonelisco, es wurde gesungen und anschließend gegessen. Als alle Geschenke überreicht waren und wir uns auf den Weg zurück zum Waisenhaus machten, war die Nacht schon angebrochen. Jeder von uns nahm zwei der Kinder an die Hand und so spazierten wir durch die Dunkelheit nach Hause.
Die Zeit verging schnell und so mussten uns Johanna und Sophia leider schon wieder verlassen. Für ihren Abschied besorgten wir zusammen auf dem Markt Ananas, Papaya, Mangos und Bananen, die später geschnibbelt und verteilt wurden.
So kam es auch, dass uns das Abendessen angeboten wurde und ich zum ersten Mal mit den Fingern aß, so wie es hier üblich ist. Zu meinem Glück hatte es an diesem Abend Stromausfall, sodass mich keiner sehen konnte bei meinen Versuchen den Reis mit den Bohnen in meinen Mund zu führen, wobei ich fast alles auf halbem Weg verlor. Zum Schluss wurde noch getanzt und gesungen, sodass wir spät Abends alle kaputt ins Bett fielen.

 

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