Familienbesuche

Kurz vor Weihnachten kamen mich meine Eltern und meine ältere Schwester in Mwanza besuchen. Es war so schön sie wieder um mich zu haben. Ich hatte ihnen die letzten drei Monate so viel von Tansania und FONELISCO erzählt, dass es nun toll war, dass sie nun alles selber sehen konnten. Ich zeigte ihnen das Voluntärhaus, sie lernten Anja, Kiki und Franzi kennen, wir gingen zusammen auf den Sabasaba Sonntagsmarkt und besuchten die Schneiderin. Am beeindrucksten für meine Familie aber waren die Kinder von FONELISCO. Wir aßen alle zusammen Reis mit Bohnen, Eunice mdogo setzte sich gleich ganz interessiert neben meine Schwester Sophie und meine Eltern stellten sich gar nicht so schlecht an beim Essen mit Händen.
Die nächsten Tage genoss ich das Zusammensein mit meiner Familie. Wir hatten eine tolle Zeit auf Sansibar, in der Serengeti und im Ngorongorokrater, wo wir alle Tiere sahen, die man nur sehen kann, von Leopard und Nashorn bis Warzenschwein und Mistkäfer.
Das Ende unserer gemeinsamen Zeit kam schnell und ich weinte viel als wir uns zum Abschied umarmten. Viel Zeit zum traurig sein hatte ich dannach zum Glück aber nicht. Franzis Mutter und Schwester waren noch für einige Tage hier zu Besuch und wir hatten für jeden Tag viele Pläne: Ich begleitet sie bei der Stadterkundung, wir gingen Abens gemeinsam Essen, hatten Spaß bei der Karaoke Show und verbrachten viel Zeit bei FONELISCO.
Einen ganzen Vormittag verbrachten wir mit allen Kindern, da noch Ferien waren, am Sandstrand der Tunza. Joseph war auch dabei und spielte mit Fußball. Wir hatten Mandazi zum Frühstücken mitgenommen und jeder bekam ein Getränk. Wir spielten stundenlang im Sand!
Am Abend führten die Kinder für Franziskas Familie den traditional Dance vor. Diesmal konnten wir aber nicht, wie sonst immer, von außen jedes Kind bewundern, sondern wir wurden an den Händen genommen und mit zum Tanzen aufgefordert. Egal wie doof wir auch aussahen, es machte sehr viel Spaß!
Auch die tolle Zeit mit Franziskas Familie ging vorbei. Nach der langen Zeit voll Besuch und Trubel, war es aber auch wieder schön zum Alltag zurückzukehren.
Der Alltag wurde jedoch schnell wieder durcheinander gebracht, da wir fünf Tage hintereinander mit Shitobelo und nach seiner Behandlung fast zwei Wochen mit Anna mdogo ins Krankenhaus fahren mussten. Bei Shitobelo hatte sich an seinem Bein eine Wunde infiziert und Anna wurde in der Nacht von Nairobi Fly überrascht. Ein Käfer, der giftige Substanzen ausscheidet, wenn man ihn von der Haut wischt. Die Tage im CF Hospital waren spannend, wir lernren das Personal gut kennen und als wir mit Anna zur Behandlung fuhren, fragten sie immer noch wie es Shitobelo denn ginge.
Der Januar war eine sehr toughe Zeit. Essen, Trinken, Hygiene, Strom etc, die Bezahlung von Allem bei FONELISCO hängt von der Menge der Spenden ab. Und Anfang des Jahres fallen da besonders viele Kosten an. Ein großer Teil davon ist das Schulgeld. Für jedes Kind muss ein Sponsor gefunden werden. Jedes Jahr steht FONE vor der selben Situation, doch für mich war es eine ganz neue Erfahrung. Die Schule hatte schon begonnen und für so viele Kinder fehlte noch das Geld. Jetzt, zwei Monate später können alle Kinder zur Schule gehen!
Damit war das Thema Schule aber noch nicht erledigt. Für die Primaries war das Geld zwar da, jedoch hatte die Schule vorübrgehend geschlossen, da die Toiletten saniert werden mussten, auf Grund der Cholera Gefahr. So begannen Kiki und ich im Unterricht auch mit den Primaries Englisch zu lernen und Ivonne gab extra Stunden für die übrigen Fächer, sodass sie die Prüfungen trotz fehlendem Schulunterricht bestehen konnten. Am Montag soll die Schule nun wieder beginnen.
Zum Abschluss unserer Zusatzstunden bereitete Ivonne Tests für alle Kinder vor. Kiki und ich steuerten die Englischtest bei und kopierten alles. Bei meinem zweiten Ausflug zum Copy Shop, der direkt am Markt vn Ilemela zu finden ist, hatte ich eine besonders große Bestellung aufzugeben. Zum Glück stand ein Stuhl vor dem Laden. So saß ich dort eine gute Stunde und ich konnte das spannende Leben, das sich vor mit abspielte, beobachten. Ein Mann ließ sich auf seinem Fahrrad den Berg runter rollen, dabei versuchte er sich auf die Mittelstange zu stellen und führte fröhlich Gespräche mit weit entfernten Leuten. Zwei Mal kamen Jungs von FONELISCO am Laden vorbei und riefen mir „Mambo Luisi!“ zu. Ein sehr alter Mann hieß mich willkommen in seinem Land. Und nach einer Zeit begann ich mit der Shopbesitzerin zu plaudern. Wohl gemerkt auf Kisuaheli! Und wie ich so auf meinem Stuhl wartete, mich komplett wohlfühlte in einem so fremden Land, da hatte ich das Gefühl in Tansania wirklich angekommen zu sein.

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mittendrinnen in der Gnuwanderung in der Serengeti

mittendrinnen in der Gnuwanderung in der Serengeti

Mama mit Abdalla, Kamba und Alphonce

Mama mit Abdalla, Kamba und Elias

Familie Kühner, Kratzer, Kiki und Anja im Tilapia Restaurant

Familie Kühner, Kratzer, Kiki und Anja im Tilapia Restaurant