09.04.2017 Die Beerdigung und das Countryside

Hallo liebe Lesern und Leserinnen,
heute war für uns ein entspannter Sonntag. Nicole versuchte vor allem, weiter am Bericht für ihre Hochschule zu schreiben. Wir haben beide Wäsche gewaschen und Elias zeigte Nicole ein paar Tricks um besser zu waschen. Ich beschäftigte mich noch mit einer meiner Pflichtlektüre von meiner Hochschule. Nachmittags sind wir noch etwas spazieren gewesen. Ich gönnte mir noch ein Cola und Nicole sich einen Saft. Irgendwie habe ich ihn heute nicht verstanden, was der Preis ist. Aber gut, zum Glück sind die meisten so lieb und geben uns auch das ganze Restgeld. Ich war noch joggen und danach ging dann zum Glück bald wieder der Strom an, der ab 13Uhr leider ausfiel. Da es hier sehr früh –gegen 19Uhr, immer- dunkel wird, war das ganz gut. Nun versuche ich noch Nominalklassen im suaheli zu lernen. Manches ist echt kompliziert. Sie unterteilen alle Substantive in diverse Klassen, mixen sie aber dann doch irgendwie oder im Singular sind sie in der einen Klasse und im Plural in der anderen oder für das Präfix der Verben benutzt man dann eine andere Klasse…das ist echt kompliziert. Vögel sind anscheinend auch keine Tiere und Gurke eine Frucht.
Gestern waren wir ja auf der Beerdigung. Wir standen morgens pünktlich um 6Uhr bereit, aber es schütette in Strömen, weswegen wir warteten. 15 Minuten später kam dann Paul, vollkommen nass, bei uns an. 45 Minuten später dann auch Eddie, der den Regen abgewartet hat. Nicole gab Paul ihren Föhn, damit er sein Hemd und seine Hose trocken föhnen konnte. Das fand er ziemlich lustig, denn er hatte davor noch nie einen Föhn in der Hand gehabt. Um 7Uhr ging es dann also endlich los. Auf dem Weg sammelten wir noch Pius ein sowie Josephs Bruder und einen weiteren Verwandten. So viele im Auto ist echt nicht bequem! Wir aßen zuerst noch Frühstück in der Stadt und kauften Brot, weil Joseph sagte im Countryside weiß man nie was man findet. In der nächsten Stadt warteten wir dann noch auf weitere Autos, die auch zur Beerdigung fuhren. Als es dann weiterging, kamen wir nach über 4 Stunden endlich an. Ich war auch zu erstaunt als man mir sagte, sie würden die 90km in 1,5 Stunden schaffen. War natürlich unmöglich. Da es nachts und morgens heftig geregnet hat, war auch eine Straße ziemlich überschwemmt und glich eher einem Fluss als einer Straße. Dort angekommen, setzten wir uns erst einmal. Es waren einige Stühle und Schulbänke gebracht worden. Es waren unzählbar viele Menschen zur Beerdigung gekommen. Nach einer Weile, sagte auch jemand den Ablaufplan. Zuerst gab es eine Messe. Wir nahmen draußen Platz und so hörte ich nur, wenn gesungen wurde. Anschließend konnten außerdem alle, die den Tag zuvor noch nicht die Möglichkeit hatten, dem Toten den letzten Respekt erweisen, bis er wieder –übrigens samt Sarg im Jeep- zur Grabstelle der Familie gebracht wurde. Vor allem im Countryside ist es üblich, dass die Familien ihre Toten auf ihrem Land bzw. einfach neben dem Haus vergraben. Nach der Messe wurde dann der Sarg in das Grab runtergelassen und jedes Familienmitglied warf eine Schaufel Erde darauf, bevor eine Wellblechplatte und Zement darüber gelegt wurde. Weil so viele Menschen da waren, ahbe ich auch nicht viel mitbekommen und so saßen wir bald wieder auf einer der Schulbänke. Anschließend gab es Essen. Mich hat echt erstaunt, dass sie für so viele Leute kochten. Paul erklärte, dass jeder mithalf wie z.B. die Nachbarn. Anscheinend wurden 200kg Reis gekocht, Bohnen und es gab außerdem Rind. Das war leicht zu erkennen, denn im Topf sah ich noch ein Bein. Das Essen gestaltete sich dann ein wenig komplizierter, denn es gab nicht wie sonst im Volunteerhaus zumindest einen Löffel, alle aßen mit der Hand. Ugali hatte ich zwar schon mit der Hand gegessen, aber da das eine klebrige Masse ist, war das im Gegensatz zu Reis ziemlich einfach. Nach dem Essen liefen Nicole und ich mit Eddie etwas durch die Gegend. Für die Kinder im Countryside war unsere Hautfarbe eine Sensation und so kamen ziemlich viele Kinder angerannt, von denen manche noch alibimäßig einen Eimer mitnahmen um so zu tun, als würden sie Wasser holen. Als wir uns an den Teich setzten, gingen sie aber nicht fort, sondern erst, als wir auch wegliefen. In dieser Zeit setzte sich die Familie noch zusammen um die Zukunft zu besprechen und wie sie mit dem Verlust umgehen. Das findet so bei jeder Beerdigung statt. Ich war auf jeden Fall froh, als wir den Heimweg antraten. Ich saß leider ganz außen und nur halb auf dem Autositz und halb auf Plastik, was die Fahrt nicht so sehr angenehm machte. Nach einer Stunde Fahrt fragte mich Nicole ob ich nicht auch mal zur Toilette müsste. Toilette ist hier eigentlich auch übertrieben, denn das ist ein winziges Häuslein mit einem Loch im Boden, dafür aber wunderschönen Ausblick dank nicht vorhandener Tür. Nachdem der Fahrer angehalten hatte, verschwanden alle hinter einem Busch. Es hatte sich wohl niemand davor getraut zu fragen. Männer liefen nach links, Frauen nach rechts.
Ich füge noch ein paar Bilder an, wie es im Countryside aussieht. Es gibt eben weniger Häsuer, dafür aber sehr viel schöne Natur. Es gibt kleine Zentren mit kleinen Shops und einem lokalen Markt, der einmal die Woche ist. Außerdem haben die Häuser kein Wellblech als Dach, sondern Gras, welches alle 2-3Jahre erneuert werden muss.
Okay, die Bilder füge ich vielleicht später dazu. Sie sind noch nicht auf dem Laptop und das dauert immer ein wenig mit hochladen. Bin nun aber doch spät dran und möchte euch den Blog zum Lesen geben.